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Die 1. Lange Nacht der Literatur, Hamburg

Nach langem Warten und Fiebern war es nun gestern soweit, die 1. Lange Nacht der Literatur in Hamburg hatte ihre Premiere, ihren allerersten Auftritt. In 17 Buchhandlungen über ganz Hamburg verteilt wurde von ganz verschiedenen Autoren gelesen, das ohnehin sehr vielfältige Nachtleben Hamburgs war um eine kleine literarische Idee reicher. Allein die Auswahl, zu wem man gehen und was man sich ansehen wollte, war nicht leichtfertig getroffen. Ich selbst entschied mich für Marion Brasch im Büchereck Niendorf und den Nochtspeicher mit seinem Abend der Independent-Literatur. Klar, dass man an einem solchen Abend möglichst viele Eindrücke mitnehmen will. Marion Brasch las aus ihrem jüngst erschienenen Roman ,Wunderlich fährt nach Norden’ und tat das so gewinnend und sympathisch, dass man ihn fast noch einmal hätte lesen wollen, diesen magischen Roadtrip. Nach der ersten Lesungshälfte jedoch musste ich schon wieder aufbrechen, um mich zum nächsten Veranstaltungsort aufzumachen. Das Problem an dieser Stelle: mangelnde Ortskenntnis meinerseits und vermutlich die grundsätzliche Annahme, das Publikum entscheide sich für eine einzige Veranstaltung am Abend. Rückblickend wäre das zweifelsohne die bessere Entscheidung gewesen, – doch bei dieser Fülle an guten Lesungen und interessanten Autoren empfand ich es fast als fahrlässig, nur eine einzige davon zu besuchen.

langenacht

Und so wähnte man sich nach einer Weile auf der Flucht durch das Hamburger U-Bahn-Netz. Der Nochtspeicher widmete seinen Abend erfreulicherweise der Independent-Literatur. Mit dabei der mairisch Verlag, textem und Minimal Trash Art. Den Anfang machte hier Florian Wacker, dessen Erzählband ,Albuquerque’ am morgigen Tag offiziell erscheint. Es war also gleichermaßen eine Lesung wie eine Buchpremiere für Florian Wacker und die Jungs von mairisch. Bevor ich allerdings dem nächsten Vortragenden lauschen konnte, verriet ein Blick auf die Uhr, dass die Abschlussveranstaltung im Literaturhaus Hamburg sich mit raschen Schritten näherte und da ich mich im Vorfeld dafür angemeldet hatte – darum wurde schließlich ausdrücklich gebeten – musste ich mich leider sehr verfrüht wieder von den Indies verabschieden. Im Nachhinein wäre ich besser dort geblieben, denn was im Literaturhaus folgte, war eher enttäuschend und ein organisatorischer Fauxpas.

Ab 22:00 sollte diese Abschlussveranstaltung beginnen, bei meinem Eintreffen kurz nach 22 Uhr jedoch war bereits alles in vollem Gange, es wurden keine Anmeldungen kontrolliert – was doch die Frage aufwirft, weshalb man im Vorfeld so ausdrücklich darum gebeten hatte – und es gestaltete sich gänzlich unmöglich, überhaupt in den Saal zu gelangen, so vollgestopft war er mit (wichtigen) Menschen. Alles drängelte und quetschte sich schon im Türrahmen, hier und da streckte sich der eine oder andere, um ein Wort oder vielleicht sogar einen Blick zu erhaschen auf Denis Scheck und Rainer Moritz. Nichts zu machen. Es gab sogar angemeldete Besucher, die nach dem Umbau von der ersten Lesung zur Abschlussveranstaltung nicht mehr in den Saal gelassen wurden. Nach einer Viertelstunde des Wartens machte ich mich mit meiner Begleitung auf den Weg zurück zum Bahnhof. Ein Abschluss, der einen etwas faden Beigeschmack hinterließ. Als eine Frau ihrem Mann gegenüber Bedenken äußerte, die Garderobe unbeaufsichtigt im Saal zu lassen, während sie kurz nach draußen gingen, entgegnete der nur im Vorübergehen: In dieser erlauchten Gesellschaft werden unsere Jacken schon nicht abhanden kommen.

Und diese erlauchte Gesellschaft blieb, wie sie es gern tut, eben eher unter sich. Anmeldung hin oder her.

Insgesamt kann ich aber nur hoffen, dass es nächstes Jahr wieder eine Lange Nacht geben wird, denn das Konzept und die Buchhandelseinbindung sind toll und absolut wiederholenswert!

Eine Nacht, die der Literatur gewidmet ist, kann keine schlechte sein.

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