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Ja, ist denn schon Herbst?

In der Buchbranche jedenfalls wird der kommende Sommer bereits zugunsten herbstlichen Nachschubes Literatur übergangen. Das ist nicht ungewöhnlich, auch im Kalendergeschäft beobachtet man ja regelmäßig, wie das Angebot von Kalendern für das Folgejahr dem Jahr selbst eklatant voraus ist. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, die wenig Raum lässt zum Atmen und Innehalten. Angesichts einer nahezu unübersichtlichen Masse an Neuerscheinungen haben es Buchhändler schwer, noch den Überblick zu bewahren. Was heute hoch gehandelt wird, ist schnell schon wieder vergessen und zugunsten des Neuen verdrängt. Wenn selbst der Buchhändler, den man nach landläufigen Gesichtspunkten wahrscheinlich als Vielleser und Ausnahmeerscheinung im Hinblick auf seinen Buchkonsum bezeichnen kann, nicht mehr Schritt halten kann – wie sollen es die Kunden?

Nun kann man sagen, dass auch ein Verlag ein tragfähiges Unternehmen sein muss und es weniger darum geht, dem Kunden Zeit mit den neu erschienenen Büchern zu verschaffen als ihm ständig neue Kaufanreize zu bieten. Hier gilt derselbe Grundsatz wie in jedem Unternehmen. Und besonders angesichts der Fülle produzierten und veröffentlichten Materials ist es vollkommen klar, dass ein Großteil davon die Zeit nicht überdauern wird. Oft überdauern solche Kometen gerade knapp ihren eigenen Hype, dann verglühen sie in der Atmosphäre einer – vereinzelt – etwas überhitzten Branche. Eine Menge Bücher fallen gar nicht erst auf, verschwinden einfach, nachdem sie das Licht der Welt erblickt haben, in der Bedeutungslosigkeit. Das ist so bedauerlich, dass es darüber nachdenken lässt, wie viel Sorfgalt wir dem einzelnen Buch und seinem Inhalt noch zugestehen. Wir, als Buchkonsumenten, Buchverbreiter, Buchhersteller.

Stück für Stück gelangen nun die neuen Verlagsvorschauen für den Herbst 2014 in die Hände der Buchhändler – und via Internet auch in die Häuser und Köpfe derer, die nicht in der Buchbranche arbeiten. Das ist einerseits natürlich wundervoll, weil gelegentlich sehr viel Anreiz zu unbändiger Vorfreude besteht, andererseits aber auch frustrierend. Frustrierend, weil man wie im Hamsterrad all den Büchern hinterherjagt, die man sich zu lesen vorgenommen hat. Liegt es nun an den eigenen Erwartungen, die zu beschränken das Problem augenblicklich lösen würde? Liegt es an einem literarischen Überangebot, das zu beschränken auch unseren niemals endenden Gelüsten Einhalt gebieten könnte? Man weiß es nicht. Schon oft jedenfalls haben Buchhändler gefordert: Produziert weniger, dafür qualitativ hochwertiger. Kürzlich ging auf Die Liebe zu den Büchern sogar die Frage um, wo die guten Büchern geblieben seien. Eine Folge von “zu viel”? Ein ganz persönliches Übersättigungsgefühl? Oder einfach Pech bei der Auswahl?

Was sagt ihr?

Nichtsdestotrotz freut sich jeder über ansprechende und interessante Verlagsvorschauen. Ein paar der ganz Frühen habe ich euch rausgesucht:

Hanser , Hanser Berlin, Zsolnay & Deuticke
Schöffling
Wallstein
Jung & Jung
Dörlemann
DuMont
Berlin Verlag

Viele Vorschauen jedenfalls erscheinen erst noch und geben uns noch etwas Zeit für das Frühjahrsprogramm.

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  1. Pingback: [Die Sonntagsleserin] KW #18 – April/ Mai 2014 | Phantásienreisen

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