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Bitte übernehmen Sie, Niah Finnik!

Das Schreiben begann für mich,.. als ich wissen wollte, was in den anderen vorgeht. Und was ich selbst davon halte. Ein Buch muss.. was mit mir machen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde,.. könnte ich noch Betten, Brillen und Tische bauen. Ein Kindheitstraum von mir war.. zu fliegen. Ganz ohne Flugzeug, Fallschirm und Funkturm. Wenn ich nicht schlafen kann,.. zieh ich mir etwas über und laufe durch die Stadt. Völlig unterschätzt wird: Loslassen. Wenn ich Musik höre,.. verheddern sich meine Gedanken nicht mehr ineinander. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Brille und blass. Ob das charmant ist, kann ich nicht sagen. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es,.. dass Normale seltsam zu finden. In der Literatur.. kann ich alles tun, womit ich sonst nicht so leicht durchkommen würde. Foto: Niah Finnik Niah Finnik wurde 1988 geboren und studierte Produktdesign, bevor sie begann zu schreiben. Sie ist Asperger-Autistin. Ihre Texte kennzeichnet eine besondere Sicht auf die Welt. Ihr Debüt Fuchsteufelsstill ist im Ullstein Verlag erschienen.

Niah Finnik – Fuchsteufelsstill

Ein bisschen verrückt ist doch eigentlich normal. Und zu viel Normalität ja auch irgendwie verrückt. Der Grad zwischen akzeptabler Andersartigkeit und behandlungsbedürftigem Problem ist oft schmal und uneindeutig. Verrücktheit ist in gewisser Weise immer auch Ausdruck der Zeit, in der sie auftritt; nicht umsonst hat sich der Umfang der fünften Auflage des Diagnostisch-Statistischen Manuals (kurz DSM-V) vervielfacht. Was früher normal war, kann heute schon verrückt sein und umgekehrt. Niah Finnik, selbst Autistin, erzählt in ihrem Debütroman von drei Menschen, deren Diagnosen sie vermeintlich klar als anders kennzeichnen: Autismus, Bipolarität, Schizophrenie. Romane vor dem Hintergrund psychischer Krankheiten begeben sich immer in die Gefahr, das Leiden zu romantisieren. Irgendwie scheint so ein Spleen einen ja besonders zu machen, feinfühliger als andere, origineller, ohne viel mehr dafür tun zu müssen als einfach zu sein. Jeder Hinz und Kunz nennt sich verrückt und crazy, manchmal nur deshalb, weil er gern im Regen tanzt und Nutella mit dem Teelöffel isst. Ganz so einfach ist es eben nicht. Über weite Strecken ist psychische Krankheit nicht cool, der Kampf um (oder wenigstens …

Bitte übernehmen Sie, Daniela Krien!

© Gerald von Foris / Graf Verlag Das Schreiben begann für mich… mit dem Lesen, mit 7 Jahren. Anfangs waren es kurze (kitschige) Gedichte, Paar- oder Kreuzreime. An die 1. Strophe meines allerersten Gedichts erinnere ich mich noch: Ich ging einmal durch den Schnee / beim Greizer Sommerpalais / Da saß ein armer Mann / und schaute mich traurig an. Dann kamen Tagebücher, Kurzgeschichten und schließlich – 29 Jahre später – mein erster Roman. Ein Buch muss… unbedingt interessant sein, entweder durch gehaltvollen Inhalt, oder durch guten Stil, im Idealfall durch beides. Schlimm sind Bücher, die mittels hochtrabenden Stils einen dürftigen Inhalt kaschieren oder eitle Bücher, in denen Autoren versuchen, die Welt von ihrem hohen Bildungsstand zu überzeugen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… mich mehr mit Musik beschäftigen und neben dem Klavier noch Cello lernen. Ein Kindheitstraum von mir war… Schriftstellerin zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann… lese ich. Völlig unterschätzt wird… Musik als Therapieform für kranke, behinderte oder traumatisierte Menschen. Musik wirkt auf einer basalen Ebene, Rhythmus und Klang lassen …

Daniela Krien – Muldental

Der Muldentalkreis gehört bereits seit einiger Zeit der Vergangenheit an, bis 2008 lag er im Norden von Sachsen. Benannt nach der Mulde, dem dortigen Fluss. Daniela Krien, deren Romandebüt ,Irgendwann werden wir uns alles erzählen‚ 2011 große Erfolge feierte, erzählt in ,Muldental‚ nun die Geschichten von Menschen, die zurückgelassen wurden. Menschen, die man zynisch oft Wendeverlierer nannte, Kollateralschäden der deutschen Wiedervereinigung. Es sind zehn Geschichten von außerordentlicher Wucht und Klarheit. Wer an den Mauerfall denkt, sieht vor seinem inneren Auge jubelnde Menschen, die sich in den Armen liegen. Erinnert sich an verheißungsvolle Zukunftspläne, das Gefühl der plötzlichen Freiheit, wenn man aus dem Osten kam. Nicht für alle lief der Prozess der Wiedervereinigung schmerzlos ab, manche blieben zurück in dem, was sie seit Jahrzehnten kannten und plötzlich Vergangenheit geworden war. Daniela Kriens Erzählungen legen den Finger direkt in die Wunde, mit nahezu erbarmungsloser Präzision lässt sie Figuren scheitern und sich befreien. So wie Marie, die noch in der DDR der Stasi als Informantin über die Künstlerbesuche ihres Mannes Auskunft gab. Alles sehr vage, findet auch die …

Wortreiche Geschenke

Das Weihnachtsfest naht schnellen und festen Schritts. Und wieder einmal stellt sich jeder von uns die bange Frage nach dem passenden Weihnachtsgeschenk. Trotzdem immer wieder hartnäckig der Niedergang des Lesens, des gedruckten Buches insgesamt, prophezeit wird, landen jedes Jahr eine Menge literarische Geschenke unter den heimischen Weihnachtsbäumen. Allen Unkenrufen zum Trotz verschenken wir immernoch Eintrittskarten in fremde Welten, Passierscheine für die Brücken, die aus dem Alltag hinausführen und uns andere Perspektiven eröffnen. Dennoch alljährlich dieselbe Frage: Welche Bücher verschenken? Bei rund 90.000 Neuerscheinungen jedes Jahr fällt die Entscheidung nicht leicht – und da sind noch nicht einmal die zahlreichen Klassiker eingerechnet, die bereits seit Jahrzehnten beliebt und begehrt sind. Von mir nun ein kleiner Überblick schenkenswerter Werke, von humorvoll bis tragisch, von unterhaltsam bis literarisch. Was Weihnachten unter der nadelnden Nordmanntanne liegen darf, kann, muss oder sollte. Der Einfachheit halber in Kategorien eingeteilt. Geschichte Bücher, die sich historischen Gegebenheiten widmen oder ihre Erzählung bewusst in einer bereits vergangenen Epoche ansiedeln, gibt es viele. Ich habe drei verschiedene zusammengetragen, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise …