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Richard McGuire – Erzählende Bilder

Bereits mit „Hier“ hat Richard McGuire bewiesen, dass er ein ungewöhnlicher, ein überraschender und experimentierfreudiger Künstler ist. Seit 2005 entwirft er neben Coverbildern auch Vignetten für The New Yorker, der es sich charmanterweise nach wie vor erlaubt, dieser Kunstform aus früheren Tagen eine Bühne zu bieten. Einige dieser Vignetten liegen nun in dem Band Erzählende Bilder gesammelt vor. Die einzelne Vignette ist leicht zu übersehen. Sie trennt gleichsam Textabschnitte und verziert das Dazwischen. Und sie unterliegt gewissen Regeln, insbesondere hinsichtlich ihrer Größe. Als künstlerische Dekoration sollte sie den Text umspielen und umschmeicheln, nicht etwa durch zu augenfällige Präsenz in den Schatten stellen. Sie muss, so schreibt Luc Sante in seiner Einleitung zu McGuires Arbeiten, für sich selbst und allein stehen können, da oft mehrere Seiten zwischen den einzelnen Vignetten liegen. Richard McGuire hat es in den über zehn Jahres seines Schaffens als Textdekorateur unbestritten zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Seine Bilder funktionieren sowohl ganz separat für sich als auch im Verbund. Sie erzählen Geschichten oder nehmen sich eines speziellen Motivs an, das in den aufeinanderfolgenden …

Richard McGuire – Hier

In der Gegenwart zu leben, gilt heute als allgemein anerkannte und empfohlene Art, seine Existenz zu bewältigen. Wer seinen Fokus zu sehr auf die Vergangenheit legt, ist rückwärtsgewandt und starr, wer mit seinen Gedanken immer wieder in die Zukunft abschweift, weiß den Moment nicht zu schätzen. Für die YOLO-Philosophie, so der Begriff „Philosophie“ für dieses Lebenskonzept nicht ein paar Nummern zu groß ist, zählt nur der Augenblick. Dass aber auch alles nebeneinander existieren kann, beweist Richard McGuire mit seiner ungewöhnlichen Graphic Novel „Hier“. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wie die Gegend, in der er lebt, früher einmal aussah? Die Antworten darauf geben häufig Archive oder Stadthistorien, vielleicht noch einige Zeitzeugen. Was stand hier, bevor mein Wohnhaus gebaut wurde? Was wird hier einmal in fünfzig oder hundert oder zweihundert Jahren stehen? Immernoch das Haus? Wird sich die Natur womöglich die Fläche zurückerobert haben? Insbesondere die Zukunftsfragen können natürlich allenfalls mit Prognosen beantwortet werden, mit Wahrscheinlichkeiten. In Richard McGuires „Hier“, dessen Idee bereits erstmals 1989 in ihrer Urfassung als Schwarz-Weiß-Comic im RAW-Magazin erschienen ist, dreht …