Alle Artikel mit dem Schlagwort: reprodukt verlag

Prudhomme & Rabaté – Rein in die Fluten

Ein einziger Tag am Strand bringt notgedrungen ganz verschiedene Arten von Menschen zusammen. Alte, Junge, Kinder, Künstler, Dynamische, reglose Sonnenanbeter und -beterinnen, alte Herren mit Bauch und Hund, hochgeschlossen Gekleidete und ganz Freizügige, ganz grob gesagt: einen passablen Querschnitt der Lebensform Mensch. Einfühlsam, witzig und mit einer fantastischen Beobachtungsgabe führen David Prudhomme und Pascal Rabaté durch den heißen Sand. Man kennt das ja. Im Hochsommer sind die Züge und Straßen voll von Ausflüglern, die sich mit Sand zwischen den Zehen die Sonne auf’s Haupt brennen lassen wollen. Es sind Familien und alte Ehepaare, Jugendliche oder Einzelgänger, die es alle gleichermaßen ans Meer zieht. Prudhomme und Rabaté öffnen in ihrer Graphic Novel den so heterogenen Mikrokosmos „Strand“, in dem sich auf vergleichsweise engem Raum alles arrangieren kann und muss. Ein Vater sucht nach Meeresfrüchten für die nächste Mahlzeit, ein schmerbäuchiger Alter flaniert mit seinem Hund durch die Badegäste, in einem Wettbewerb wird die schönste Sandskulptur gekürt. An der Promenade sind gerade Pfannensets im Angebot und im Café kämpft eine Frau mit der richtigen Formulierung für die …

Mariko und Jillian Tamaki – Ein Sommer am See

Jeden Sommer fährt Rose mit ihren Eltern in den Ferien nach Awago Beach. Schon seit sie denken kann, gehört dieser Urlaub in einem Strandhaus nahe des Meeres ebenso zu ihrer sommerlichen Routine wie die jüngere Windy, die ihr schon früh die Schwester ersetzt hat. Während beide in jungen Jahren völlig unbeeinflusst ob des Altersunterschiedes miteinander Zeit verbringen konnten, beginnt in diesem Sommer eine verhängnisvolle Verschiebung stattzufinden, die von Dauer sein wird: das Erwachsenwerden. In diesem Sommer ist manches etwas anders als die Jahre davor. Es ist eine schleichende, kaum merkliche Veränderung, die nicht nur in Rose selbst vorzugehen, sondern auch in ihrem Umfeld Einfluss zu nehmen scheint. Ihre Mutter ist eigenartig bedrückt und gerät immer öfter in Konflikt mit ihrem Vater, die Spiele mit Windy machen plötzlich einen weit kindlicheren Eindruck, als sie es in Erinnerung hatte.  Dieser neuen Entwicklung irgendwie Rechnung tragend, sprechen die Mädchen etwas albern und verhalten über „Titten“ und leihen sich Horrorfilme aus dem kleinen Laden im Zentrum ab. Statt ausschließlich Fruchtgummis nehmen sie jetzt „Texas Chainsaw Massacre“ und „Der weiße …

Chris Ware – Jimmy Corrigan

Die Graphic-Novel ist den Kinderschuhen entwachsen und geht mit großen Schritten der Adoleszenz entgegen. In Chris Wares ,Jimmy Corrigan‘ manifestiert sich in seiner Vielfalt alles, was an diesem Genre so bewundernswert, so kunstfertig ist. Und schafft, zusammengenommen, eine Blaupause für das, was Comics zu leisten imstande sind, wenn sie allzu ausgetretene Pfade verlassen. Die Geschichte des Jimmy Corrigan ist schnell erzählt: Der „klügste Junge der Welt“, wie er genannt wird, kennt seinen Vater nicht. Trotz relativ fortgeschrittenen Alters ist seine Mutter noch immer seine einzige Bezugsperson. Ob er es will oder nicht, jeden Tag ruft sie ihn an und will wissen, was er tut und wie es ihm geht. Eine Freundin hat er nicht und hätte er sie, sie würde voraussichtlich unter den gegebenen Umständen schnell das Weite suchen. Eines Tages erhält Jimmy eine Nachricht seines Vaters, der möchte ihn gern kennenlernen. Was er zunächst für einen schlechten Scherz hält, ist ein völlig ernstgemeintes Angebot und so kommt es, dass Jimmy Corrigan, der klügste Junge der Welt, das erste Mal seinem Vater gegenübersteht. Es ist …

Paco Roca – Der Winter des Zeichners

Paco Roca ist ein spanischer Comiczeichner. Für seine Graphic Novel „Arrugas“ (dt. Runzeln), die den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung thematisiert, wurde er vom spanischen Kulturministerium mit dem Nationalen Comic Preis ausgezeichnet. Der Winter des Zeichners erschien in der Übersetzung von André Höchemer im September 2012 im Reprodukt Verlag. Die 50er-Jahre in Spanien. Franco reagiert das Land mit eiserner Hand und diktatorischem Selbstverständnis. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich und politisch isoliert, lebt man weitgehend in dem Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem politischen System. 1946 hatte Franco sogar die Monarchie wieder eingeführt, jedoch ohne jemals einen König zu ernennen. In diesem gesellschaftlich doch eher sumpfigen Klima feiert der Verlag Bruguela große Erfolge. 1910 noch unter dem Namen El Gato Negro gegründet, gehört er zu den erfolgreichsten Verlagshäusern Spaniens. Er machte das Taschenbuchformat populär und veröffentlichte erfolgreiche Magazinreihen wie z.B. Pulgarcito. Der Beruf des Comiczeichners war zwar durchaus angesehen und als Handwerk akzeptiert, die Bezahlung und der Umgang mit Urheberrechten waren allerdings in weiten Teilen der spanischen Verlagswelt verbesserungsbedürftig. Den Autoren und Zeichnern wurden die Rechte an ihren eigenen Figuren …

Guy Delisle – Pjöngjang

Guy Delisle ist ein kanadischer Comiczeichner. Er studierte Kunst am Sheridan College in Toronto und arbeitete nach seinem Abschluss bei einem Animationsstudio. Er ist bekannt für seine dokumentarischen Comics, die ihn bereits nach Shenzen, Pjöngjang, Birma und eben Jerusalem geführt haben. Für Aufzeichnungen aus Jerusalem wurde er auf dem Internationalen Comic-Festival Angoulême 2012 mit dem Preis für das beste Album ausgezeichnet. Delisles Comics erscheinen im Reprodukt Verlag. Schon durch Adam Johnsons Das geraubte Leben des Waisen Jun Do ist Nordkorea wieder mehr in den Fokus der literarischen Welt gerückt. 2003 verbrachte Guy Delisle zwei Monate als Supervisor für eine Trickfilmproduktion in der Hauptstadt eines der bizarrsten Länder der Welt. Seine Erfahrungen hat er in diesem Comic festgehalten, das an seine Erfahrungen in Shenzhen, China, anschließt. Was auch immer wir von Nordkorea zu wissen glauben, wir erfahren es immer aus zweiter oder dritter Hand. Delisle gelingt es, mit seinen einfachen und bisweilen metaphorischen Bildern einen Einblick zu gewähren, den eine lediglich geschriebene Dokumentation der Erlebnisse nicht leisten könnte. Bereits bei seiner Ankunft wird er durchsucht und …

Guy Delisle – Aufzeichnungen aus Jerusalem

Guy Delisle ist ein kanadischer Comiczeichner. Er studierte Kunst am Sheridan College in Toronto und arbeitete nach seinem Abschluss bei einem Animationsstudio. Er ist bekannt für seine dokumentarischen Comics, die ihn bereits nach Shenzen, Pjöngjang, Birma und eben Jerusalem geführt haben. Für Aufzeichnungen aus Jerusalem wurde er auf dem Internationalen Comic-Festival Angoulême 2012 mit dem Preis für das beste Album ausgezeichnet. Delisles Comics erscheinen im Reprodukt Verlag. Für ein Jahr reist Guy Delisle mit seiner Frau, die für Ärzte ohne Grenzen arbeitet, nach Jerusalem. Und ein bisschen ist es wie die Reise in eine andere Welt. Während er seinen väterlichen und häuslichen Pflichten nachkommt, beginnt Delisle sich intensiv und vor Ort mit dem Nahost-Konflikt auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit vielen anderen Mitarbeitern der MSF und zahlreicher NGOs (Non Governmental Organization) wohnt er in einer Siedlung in Ost-Jerusalem und besucht verschiedenste zentrale Orte in Israel und Palästina, um mit den Menschen zu sprechen, sich selbst ein Bild zu machen. Dabei gelangt er in die Viertel ultraorthodoxer Juden, in die heiligen Stätten christlichen und muslimischen Glaubens, auf den Tempelberg …