Alle Artikel mit dem Schlagwort: mairisch verlag

Das MAG: Best Of Niederlande und Flandern

Der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2016 ist derzeit in aller Munde und jedermanns Verlagsprogramm. Die Literaturszene der Niederlande und Flandern steht im Mittelpunkt und neben alten Bekannten wie Gerbrand Bakker und Maarten ‚t Hart tritt auch die jüngere Literatur der Region auf den Plan (so z.B. Niña Weijers oder Fikry El Azzouzi). Orientierung schafft in diesem Herbst ganz sicher das MAG Best Of, das insbesondere Beiträge junger Autoren und Autorinnen präsentiert. Das MAG kann auf eine veritable Erfolgsgeschichte zurückblicken. 2011 begann alles mit einem vierteljährlich erscheinenden Literaturmagazin, mittlerweile gehören ein frisch gegründeter Verlag, ein Sommercamp für AutorInnen und ein Lesefestival zum unmittelbaren Dunstkreis; zuletzt gastierte es am 24.Juni in Berlin. Dass wir nun die erste deutschsprachige Ausgabe dieses – in den Niederlanden schwer angesagten – Literaturmagazins in den Händen halten können, ist dem Hamburger Indie-Verlag mairisch zu verdanken, der in diesem Jahr kurzerhand mit Sack und Pack für einen Monat nach Amsterdam zog, um von dort zu arbeiten und die Literaturszene besser kennenzulernen. Aus dieser Reise ist nicht nur die wertvolle Kooperation mit dem MAG entstanden, …

Bitte übernehmen Sie, Finn-Ole Heinrich!

© Denise Henning Das Schreiben begann für mich… mit dem Lesen, eigentlich relativ spät, so mit 17. Ein Buch muss… gut sein, groß sein, etwas wagen, eigentlich die ganze Welt beinhalten, dabei so knapp sein wie nur möglich und Raum lassen zum Atmen, zum Selberdenken. Und es muss einen auch irgendwie immer zum richtigen Zeitpunkt treffen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… tausend kleinen Geschäftsideen nachgehen. Eisverkäufer in Südfrankreich sein zum Beispiel. Ein Kindheitstraum von mir war,… Eisverkäufer in Südfrankreich zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann,… was ziemlich oft der Fall ist, liege ich im Bett, bin spätestens nach einer halben Stunde sehr genervt von mir und der Kleinheit meiner Gedanken. Völlig unterschätzt wird… das Fasten (mache ich gerade). Wenn ich Musik höre,… dann meistens nebenbei, was ich selbst gar nicht gut finde. Ich lese ja auch Bücher nicht nebenbei oder gehe nebenbei ins Theater. Ich sollte viel genauer zuhören, mich reinhören, aber meistens fehlt mir dafür die Ruhe, die innere, meine ich. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich kann mit zehn …

Raphaela Buder – Die Wurzeln der Lena Siebert

Lenas Mutter glaubt, dass die Welt voller ,Scientogen‘ ist. Und die sind böse und gefährlich. So jedenfalls versteht sie die ständige Angst ihrer Mutter, die sie natürlich in ihrem Alter nicht als Verfolgungswahn identifizieren kann. Nachdem die Situation auf der Straße eskaliert, wird Lenas Mutter in eine Klinik eingewiesen, Lena selbst kommt zu einer Pflegefamilie. Raphaela Buders Comic, das in diesem Jahr mit dem Graphic-Novel-Förderpreis AFKAT ausgezeichnet wurde, erzählt die Geschichte aus Lenas kindlicher Sicht. Lena lebt mit ihrer Mutter allein in der Großstadt, in einem dieser bekannten Problemstadtteile, in denen man HartzIV für eine komfortable Sache und Schulen für Unsinn hält. Sie ist gewohnt, dass ihre Mutter sie stets vor den ,Scientogen‘ (also: Scientologen) warnt, die unbemerkt jeden Tag auf der Straße umhergehen. Es könnte jeder sein, man sieht es ihnen nicht an. Lena wächst mit dem Gefühl auf, dass die Welt ein tendentiell bedrohlicher Ort ist, an dem man sich besonders vor Fremden in Acht nehmen muss. Sie hat nicht viele Freunde. Lena aber ist noch viel zu jung, um die Situation zu …

Michael Weins – Sie träumt von Pferden

In Michael Weins‘ Geschichten mit Tieren kann schonmal ein Wolf mit Mariacron auf seiner Wohnwagen-Ottomane sitzen und den einstigen Ruhm betrauern. Riesige Teddybären aus blauem Plüsch können einen ganz fest ans Herz drücken oder Katzen neben Kindern eine leerstehende Ruine bewohnen. Ihnen allen eigen aber ist die Einfühlsamkeit und Aufrichtigkeit, mit der sie erzählt sind. Man muss sie dafür lieben. Sanfter Regen fällt wie eine Markise vor den Träumen der Welt. Sehr oft in Michael Weins‘ Geschichten geht es um schmerzliche Erfahrungen. Schon in Goldener Reiter drehte sich alles um einen Jungen, der mit der psychotischen Erkrankung seiner Mutter umgehen musste; geschrieben vor einem autobiographischen Hintergrund. Weins arbeitet selbst als Psychologe und kommt so gleichsam ständig in Kontakt mit den leidvollen Erfahrungen anderer. Das Besondere ist die Art, wie er sie in Worte kleidet, wie er Geschichten daraus spinnt, die trotz ihres häufig traurigen Inhalts stärkend und aufbauend sind, wie er aus Individuellem Universelles macht. Eben jenen Zauber kann man nun auch wieder in ,Sie träumt von Pferden‚ entdecken. Hier geht es um einen Jungen, …

Bitte übernehmen Sie, Lisa Kreißler!

Foto: www.mairisch.de, Philip Poppek Das Schreiben begann für mich.. … ganz selbstverständlich. Als Möglichkeit, meinen Ideen, Ängsten und Gedanken Raum zu schaffen. Ein Buch muss.. …mich an die Grenzen der Rationalität mitnehmen. Ein gutes Buch packt mich an der empfindlichsten Stelle, ich verstehe etwas, und verstehe es nicht. Ich bin ergriffen, kann aber nicht sagen, warum. Das ist das Schöne an Literatur: dass sie dem Unsagbaren so nahe kommen kann, ohne es je zu erreichen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. …besser schlafen. Ein Kindheitstraum von mir war.. … auf ein strenges Ballettinternat zu gehen und den ganzen Tag zu trainieren. Wenn ich nicht schlafen kann,.. … liege ich wach. Völlig unterschätzt wird.. … der Alltag. Wenn ich Musik höre, dann.. … bekomme ich große pathetische Ideen, die ich niemals laut aussprechen würde. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: … ich bin schüchtern, werde ständig rot. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es,.. … die ganze Wohnung aufzuräumen, bevor ich anfange zu schreiben. Es dauert ewig, bis ich mich an den Schreibtisch setze. Literatur kann.. …

Bitte übernehmen Sie, Florian Wacker!

Foto: www.mairisch.de, Melina Mörsdorf Das Schreiben begann für mich.. … als ich mit 9 oder 10 Jahren den Letzten Mohikaner abzutippen begann… Ein Buch muss.. … gut riechen (unter anderem). Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. … gärtnern, angeln, schreinern, löten, betonieren, lackieren, fräsen, schaufeln. Ein Kindheitstraum von mir war.. … den Letzten Mohikaner abzutippen. Wenn ich nicht schlafen kann,.. … trage ich meine Tochter durch die Wohnung. Völlig unterschätzt wird.. … der SC Paderborn, Kartoffelsuppe und – zuweilen noch – die Kurzgeschichte. Wenn ich Musik höre,.. … wird es oft laut und heftig und ich frage mich dann manchmal, ob ich mit Bach oder softer Elektromugge doch besser fahren würde. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich habe minimal drei Notizbücher und speichere meine Daten mehrfach auf externe Speichermedien (aber niemals in einer Cloud). Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es,.. … beim Schreiben leise mitzusprechen. Literatur kann .. …alles und muss nichts. Florian Wacker, *1980 in Stuttgart, lebt in Frankfurt am Main. Ausbildung zum Heilerziehungspfleger, Studium der Heilpädagogik und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. …

Florian Wacker – Albuquerque

Wer bisher der Meinung war, die Literatur beschäftige sich viel zu wenig mit den Rändern der Gesellschaft, der wird von Florian Wackers Erzähldebüt angetan sein! Der Frankfurter Autor präsentiert in ,Albuqurque‘ Momentaufnahmen der Veränderung und des Aussteigens aus der Alltäglichkeit. Das Besondere dabei sind fraglos die Protagonisten. Sie sind die Terpentinen-Task-Force, gewissermaßen das A-Team der Berge und halten die schmalen Straßen frei von Hindernissen, bis einer ihrer Freunde spurlos verschwindet. Sie sind illegale Einwanderer bei der Arbeit, haltlos und aussichtslos in einem Leben, das ihnen mal als das bessere erschienen ist. Sie sind ehemalige Leistungssportler mit kaputter Hüfte, versteckt in den Vereinigten Staaten. Sie sind Transsexuelle, die mal Muffe und mal Petra heißen. Dieser Erzählband vereint in seinen literarischen Miniaturen viele Charaktere, von denen so in der Literatur wahrscheinlich noch nicht allzu viel zu lesen war. Sie sind im besten Sinne gewöhnlich, nicht eine Spur geheimnisvoll oder gar heldenhaft. Die Menschen in ,Albuquerque‘ könnten des Lesers Nachbarn und Freunde sein, deren Leben sich aus ganz unterschiedlichen Gründen am Rande eines Umbruchs befinden. Bunge hörte Musik, …