Alle Artikel mit dem Schlagwort: literaturmagazine

EDIT

Die Leipziger Literaturzeitschrift EDIT darf bereits auf eine lange Geschichte zurückblicken. 1993 mit dem gleichnamigen Verein zur Unterstützung junger, deutsprachiger Literatur von Katrin Dorm gegründet, gehört sie seitdem als eines der profiliertesten und renommiertesten Literaturmagazine unverbrüchlich zur Literaturszene. Dreimal jährlich flattert die EDIT gewöhnlich ins Haus und gewährt einen Blick in die junge Literaturszene. Ob Prosa, Lyrik oder Drama, – abgesehen von Qualität sind keine engen Grenzen gesetzt. Auch für Erstübersetzungen und Essayistik macht die EDIT sich stark. Das wiederum gipfelte in einem Essaypreis, der 2012 ausgelobt und seitdem jährlich vergeben wird. So liest man in der aktuellen Ausgabe 68 zum Beispiel einen hochinteressanten Essay von Thorsten Krämer, der seit zehn Jahren Offtexte für’s Fernsehen schreibt. Oft für „Das perfekte Dinner“, mehrheitlich im Auftrag des Privatfernsehens. Er gibt Einblick in eine ganz andere Art des Schreibens, die sich entlang der eng gesetzten Deadlines und einer bereits visuell bereitstehenden „Handlung“ entfaltet, sofern das in diesem Zusammenhang ein passendes Wort ist. Er räumt mit einigen Vorurteilen über das Fernsehen auf, seine Sicht ist erfrischend und undogmatisch. Dasselbe …

]trash[pool

]trash[pool erblickte im Sommer 2010 das Licht der Welt. Von den Studenten Tibor Schneider, Christiane Schweitzer und Anselm Treichler (die Letztgenannten mittlerweile abgelöst von Frank Rudkoffsky und Lisa Müller) gegründet, macht sie sich seitdem zur Aufgabe, junger Kunst und Literatur eine Plattform zu bieten und die Künstler untereinander besser zu vernetzen. Das gilt sowohl für den regionalen Raum Tübingen, in dem ]trash[pool ursprünglich beheimatet ist als auch darüber hinaus. Seit 2011 steht hinter dem Magazin auch ein eingetragener Verein, der sich die gemeinnützige Förderung von Kunst und Kultur auf die Fahnen geschrieben hat. Was neu ist, unverbraucht, unkonventionell und im besten Sinne des Wortes ungewöhnlich, findet seinen Platz in diesem Magazin. Dabei sind die Gattungen sehr breit gefächert. Sie reichen von Lyrik, konkreter Poesie und Slam-Texten bishin zu Prosa und Essays im literarischen Bereich. Auch Interviews sind gelegentlich vertreten, so z.B. in Nr.4 vom Mai 2013 ein Interview mit Ilija Trojanow, der zu diesem Zeitpunkt gerade an „Macht und Widerstand“ arbeitete. Das beendete Werk stand kürzlich auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015. Trojanow spricht …

Akzente

Die ,Akzente‘ ist eine der Traditionsgrößen im Literaturbetrieb. Ursprünglich 1953 von Walter Höllerer und Hans Bender gegründet, erschien sie ab 1954 im Zweimonatsrhythmus im Carl Hanser Verlag. Ab 1975 war Hans Bender, der im Mai dieses Jahres 95-jährig verstorben ist, alleiniger Herausgeber, später unterstützte ihn  der langjährige Hanserverlagsleiter und Geschäftsführer Michael Krüger. Bekannte deutschsprachige Schriftsteller veröffentlichten in der ,Akzente‘ über Jahrzehnte hinweg ihre Texte, so zum Beispiel auch Ingeborg Bachmann in der ersten von Carl Hanser verlegten Ausgabe 1954. Sie debütierte im Magazin seinerzeit mit einem Essay über Robert Musil („Ins tausendjährige Reich“) Es dauerte nicht lange, bis die Zeitschrift sich zu einem der bedeutendsten Organe des literarischen Nachkriegsdeutschlands mauserte. Große Namen und große Themen waren hier Programm, das Hauptaugenmerk immer auf anspruchsvolle Lyrik und Prosa gerichtet. Man weiß also um diese Geschichte, wenn man die neuen ,Akzente‘-Hefte aufschlägt, sie treten ein großes Erbe an. Jo Lendle allerdings hat, nach Antritt der Leitung des Hanser Verlages, einige programmatische Änderungen vorgenommen, die der Zeitschrift ein zeitgemäßeres und aktuelleres Antlitz gegeben haben. Statt verschiedene, ausgewählte Autoren relativ …

Keine Delikatessen

,Das hektische Trendabfeiern findet woanders statt‘, kann man auf der Homepage der 2003 gegründeten Zeitschrift ,Keine Delikatessen‘ lesen. Das umreißt, trotzdem es ein Zitat Roland Steiners ist, sehr angemessen und treffend das Selbstverständnis des Literaturmagazins mit Wiener Herausgeberinnensitz. Sarah Legler und Maria Seisenbacher sind studierte Literaturwissenschaftlerinnen und wollen entdecken. Nicht kurzfristig bejubeln. Mittlerweile erscheint ,Keine Delikatessen‘ einmal jährlich stets vor einem speziellen thematischen Hintergrund. Mit #18 war das ,andernorts‘, das sich in vielschichtiger Weise den Themen Heimat, Fernweh und Reiselust genähert hat. Ein Artikel über weibliche Reisende und Entdeckerinnen zu Zeiten, in denen die sich noch als Mann kostümieren mussten, um die notwendige Bewegungsfreiheit zu haben, findet in der Ausgabe ebenso Platz wie Besprechungen zu entsprechenden Romanen, Lyrikbänden, Antologien oder Graphic Novels. Jede Ausgabe versucht ein Thema in möglichst großer stilistischer Bandbreite darzustellen und so gibt es wohl kaum eine literarische Herangehensweise, der sich ,Keine Delikatessen‘ verschließen würde. Erzählungen, Essays und Lyrik, beizeiten auch unterstützt durch stimmungsvolle Fotografien bilden die hauptsächlichen Inhalte. Ab und an findet sich auch ein zweisprachiges Gedicht zwischen den Seiten, ,Keine …

Am Erker

,Am Erker‚ gehört zu den inländischen Literaturmagazinen, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben und deshalb zweifellos immer genannt werden müssen, wenn man sich auf die Suche nach den Stätten literarischer Diskurse begibt. 1977 von Joachim Feldmann und Michael Kofort gegründet, erscheint das Magazin mittlerweile zweimal jährlich – im Frühjahr und im Herbst – im Münsteraner Daedalus Verlag. Schon wenn man dieses Literaturmagazin zum ersten Mal in den Händen hält, wird anhand der Haptik schon unmissverständlich klar: Es geht um Literatur, es geht um Bücher. Schließlich ähnelt dieses Literaturmagazin in Format und Verarbeitung zunächst  viel mehr einem etwas dünneren Taschenbuch denn einer Zeitschrift im klassischen Sinne. Glücklicherweise, will man betonen, denn andernfalls fänden die vielseitigen Beiträge womöglich nicht den Platz, den sie verdienen. ,Am Erker‘ beinhaltet, trotzdem es freilich jungen Autoren eine hevorragende Plattform bietet, nicht nur Texte angehender Debütanten. Unter einem bestimmten Oberthema (zuletzt ,Angst und Schrecken‘) ordnen sich stilistisch ganz verschiedene Beiträge, von jungen wie älteren Autoren. Eine Hannah Dübgen („Strom“, dtv, 2013) findet genauso ihren Platz wie der langjährige Bachmannpreis-Juryvorsitzende Burkhard …

Das Buch als Magazin

In einer neuen Reihe möchte ich künftig in loser Folge deutschsprachige Literaturmagazine vorstellen. Welche gibt es? Wie sind sie gemacht und für wen? Den Anfang macht hier eine noch recht junge Zeitschrift namens ,Das Buch als Magazin‚. 2014 erhielt es den goldenen Lead Award in der Kategorie ,Newcomermagazin des Jahres‘. Vier Ausgaben gibt es bereits seit Gründung der Zeitschrift. Und tatsächlich verfolgt ,Das Buch als Magazin‘, redaktionell betreut von Peter Wagner, Joanna Mühlbauer (Art Direction) und Marlene Zapf (PR) , einen ganz besonderen Ansatz, der im Bereich Literaturmagazin mit Fug und Recht einzigartig zu nennen ist. Jede Ausgabe hat eine ,Titelgeschichte‘, der alle anderen redaktionellen Arbeiten thematisch untergeordnet sind. Im aktuellen Fall ist das die Erzählung ,Das Gespenst von Canterville‘ von Oscar Wilde. (in vorherigen Ausgaben sind es z.B. Georg Büchners ,Woyzeck‘ oder Arthur Schnitzlers ,Traumnovelle‘). Dieser Leittext einer jeden Ausgabe wird gänzlich abgedruckt und gelegentlich am Rand mit Marginalien versehen. Was könnte im Zusammenhang mit diesem Text wissenswert sein? Hier und da auch kleine Fun Facts. Das Magazin ist von Beginn an frei von …