Alle Artikel mit dem Schlagwort: literatur

Banal. Trivial. Egal.

© Berliner Büchertisch, Quelle: Flickr Wie wir reden, wenn wir über Literatur reden Nachdem die durch manch namenloses Dörfchen getriebene Kritikersau langsam erlahmt, gab ein Artikel über die Booktuberin Sara Bow unlängst erneut Anlass zur Diskussion. Jetzt gibt es Bissigkeiten innerhalb der Bloggerszene selbst, die Berufskritiker haben Pause. In Blogger – und Kritikerkreisen warf die 21-jährige Sara, die hauptberuflich im Mode – und Beautyblogging zuhause ist, aber sich mit dem telegenen Bücherloben ein Zubrot von rund 800 € monatlich verdient, Grundsatzfragen auf: Wie wollen wir eigentlich über Literatur sprechen? So, wie Sara, einfach aus dem Bauch heraus und ins Blaue hinein? Während manche Blogger kritische Worte für das weitgehend unbegründete Schwärmen der Vloggerin fanden (hier Thomas Brasch in seinem Artikel „Sara! Mir grauts vor dir!“), machten sich andere deutlich für das Buch und seine Empfehlung stark, in welcher Form sie auch erfolgen mag. (z.B. Nina Merks aka Frau Hauptsachebunt in ihrem Artikel „Lest doch was ihr wollt!„) Nun gibt es freilich zwischem dem deutlich artikulierten Grauen und einer weitgehend anspruchlosen Empfehlungskultur viele Grautöne, die bei …

Literarischer Saloon

© Illustration von Jörg Hülsmann, aus „Das Papierhaus“ „Wir müssen über Bücher reden.“ Über Bücher streiten sollte man hin und wieder. Ich will jetzt dazu einladen, zum Hauen und Stechen mit und ohne Tässchen Kaffee. Die Literaturkritikdebatte ist (wieder einmal) in vollem Gange, der Bachmannpreis in Klagenfurt ist vorüber. Viel wurde diskuiert, Motive wurden gesucht. Es wurden Textkörper mit Taschenlampen durchleuchtet und schiefe Metaphern nicht vor dem Einsturz bewahrt. Es wird vielfach, womöglich auch völlig zu Recht, moniert, dass das Gespräch über Literatur im und auch abseits des Feuilletons zu wenig partizipativ ist. Und überhaupt zuviel gelobt wird! Es werden vielmehr Meinungen ausgestellt und hingestellt. Das soll an dieser Stelle auch keineswegs in Grund und Boden geredet werden, schließlich leisten diese Meinungen, so sie fundiert begründet werden, einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Orientierung. Ich möchte nun aber mal etwas anderes anstoßen, das mir in den Kopf schoss. Für jungfräulich-unbefleckte Kopfgeburten ist ein Blog natürlich immer die beste Spielwiese. Ins Rollen gebracht wurde der gedankliche Stein des Anstoßes von Sarah, Buchhändlerin und Betreiberin des Blogs …

Das war 2014

Die Highlights Jedes Jahr steht man als Vielleser wieder vor der Retrospektiv-Frage. Was war dieses Jahr besonders beeindruckend, bewegend, der Erinnerung wert? Bei über neunzig gelesenen Büchern ist die Frage nicht immer ganz so leicht zu beantworten, aber ich habe euch sechzehn Bücher herausgepickt, die ich guten Gewissens (und auch noch nächstes Jahr) mit Verve empfehlen kann, wenn jemand fragt! Giwi Margwelaschwili – Das Leseleben Stewart O’Nan – Die Chance Berthoud & Elderkin – Die Romantherapie Karen Köhler – Wir haben Raketen geangelt Mason Currey – Musenküsse Jon Bauer – Steine im Bauch Stephen Collins – Der gigantische Bart, der böse war Charles Jackson – Das verlorene Wochenende Nino Haratischwili – Das achte Leben Chris Ware – Jimmy Corrigan Robert Seethaler – Ein ganzes Leben Saša Stanišić – Vor dem Fest Phil Klay – Wir erschossen auch Hunde Michael Maar – Heute bedeckt und kühl Gail Jones – Ein Samstag in Sydney Jonathan Cott/Susan Sontag – The Doors und Dostojewski Bitte übernehmen Sie Im Juni überkam mich die Lust auf eine Interviewreihe mit zeitgenössischen Autoren, …

Literarische Weihnachtsempfehlungen

Wie jedes Jahr schneit regnet Weihnachten bald herein und womöglich braucht der ein oder andere noch Anregungen für literarische Weihnachtsgeschenke. Für Opa, Onkel, Stief -, Paten – und eigene Kinder und sämtliche Zwischenformen von Verwandtschaft bis Partnerschaft. Ich habe ein bisschen kategorisiert und vorsortiert, ein kleines Zitat aus der jeweiligen Rezension als Appetithäppchen hingestellt, mit einem Klick gelangt man aber auch zum vollständigen Text. (bei den Kinderbüchern ist beides noch nicht der Fall!) Frei nach Samuel Rogers ,When a new book is published, read an old one‚ habe ich nicht ausschließlich auf Neuerscheinungen zurückgegriffen. Viel Erfolg beim Geschenkesuchen und -finden! Für die Kleinen Kathryn Cave / Chris Riddell – Irgendwie Anders | Helen & Thomas Docherty – Der Bücherschnapp | Nina Weger – Die Saubande außerdem: Lemony Snicket – Dunkel Moritz Petz & Amélie Jackowski – Der Dachs hat heute schlechte Laune Lisa-Marie Dickreiter – Max und die wilde 7 Christine Nöstlinger – Als mein Vater die Mutter der Anna Lachs heiraten wollte Für die Spannung Toine Heijmans – Irrfahrt: Uns wird ein verstörendes Buch …

Kreativ: Edition ArtLit

Das Sammeln und Kalligraphieren schöner Sätze aus der Literatur hat nicht nur unter Lesern eine lange Tradition. Das Konservieren von lehrreichen, witzigen und poetischen Sentenzen geht weit über das bloße Erinnern an die Lektüre hinaus, es erinnert auch immer ein bisschen an uns selbst und an Erkenntnisse, die wir gewonnen haben. Mit der Edition ArtLit bekommen diese Sätze in den fachkundigen Händen von Grafikdesignern, Illustratoren, Druckern und Schriftgestaltern einen künstlerischen Wert, der über das Gedankliche hinausreicht. Am Anfang war eine vage Idee. Und die Worte natürlich. Astrid Froese, studierte Literaturwissenschaftlerin, Mitorganisatorin des Bücherfrauen-Literaturbrunchs in Hamburg und große Freundin der Buchkunst, sammelt bereits seit ihrer Lektüre Hans Christian Andersens schöne Sätze. Buchkunst sei, sagt sie, sehr lehrreich im Hinblick darauf, was kostbare Produkte in einer Welt des Überflusses sind. Produkte, die nicht industriell massengefertigt werden; Produkte, für die sich die Experten ihres Fachs die Zeit nehmen, die es eben braucht, etwas selbst herzustellen und zu begleiten. Einige Fragen standen am Anfang im Raum: Kann man heute literarische Zitate an die Wand hängen, wie es die Generation …

Was ist eigentlich ,große Literatur‘?

Eigentlich ging es bloß um den neuen Roman von Dave Eggers, der bisher wohl jede denkbare Reaktion, von begeisterten Lobpreisungen über gründlichsten Verriss, provoziert hat. Die einen halten ihn für scharfsichtig, die anderen für platt und oberflächlich. Die einen bemängeln seine simple Sprache und flach konstruierten Charaktere, die anderen halten die Sprache in diesem speziellen Fall nicht für ausschlaggebend. Die meisten, die sich bemüßigt fühlen, ,Der Circle‘ zu besprechen, schieben hier und da beinahe entschuldigend ein: ,Es ist keine große Literatur, aber man kann’s schon lesen‘. So auch geschehen bei einer Diskussion mit dem Kaffeehaussitzer Uwe Kalkowski auf Twitter. @Literatourismus @DanaresY @citoyenberlin Keine große Literatur,aber ein durchaus lesens- und nachdenkenswertes Buch. http://t.co/C7HaEZJo3R — Cafehaussitzer (@cafehaussitzer) 11. September 2014 Worauf berechtigtermaßen eine Frage folgte, an der sich Literaturkritiker, Leser und Buchliebhaber wohl nicht erst seit gestern die Zähne ausbeißen. Hin und wieder jedenfalls. @cafehaussitzer @Literatourismus @DanaresY @citoyenberlin Ich hätte gern eine Definition für „große Literatur“. R-R ist leider dahin… — Ronald Dempfel (@Heimatfotos) 11. September 2014 Fest steht wahrscheinlich, dass große Literatur keine klare Definition ist, …

9/11 in der Literatur

Dreizehn Jahre sind sie her – die Anschläge des 11.September 2001. Fraglos haben sie unsere Welt vollkommen verändert, über die Gefahren von Terrorismus machten sich vor 2001 die wenigsten tiefgreifende Gedanken. Ein Ereignis wie dieses beschäftigt natürlich auch Autoren, die auf verschiedene Weise versuchen, es zu begreifen und ihm gerecht zu werden. Manchmal geht es direkt um die Anschläge, manchmal werden sie auch nur als eine Art Stimmungsfolie oder Hintergrund für eine ganz andere Geschichte gebraucht. Mal stehen ausschließlich die Opfer und deren Verluste im Vordergrund, mal versucht man sich auch den Tätern anzunähern und ihr Tun entweder begreiflich zu machen oder eindeutig zu verdammen. Manch einer dreht die Ereignisse gleich gänzlich um und lässt christliche Fundamentalisten in Bagdad angreifen. Es gibt viele Ansätze, dieses Ereignis zwischen Buchdeckel zu bannen. In unser kollektives Gedächtnis ist es bereits unwiderruflich eingegraben. Nur einige der Romane und Berichte, die in den letzten dreizehn Jahren zum Thema 9/11 erschienen sind – Matt Ruff – Mirage; Jonathan Safran Foer – Extrem laut und unglaublich nah; Amy Waldman – Der amerikanische …