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Saïd Sayrafiezadeh – Kurze Berührungen mit dem Feind

Schauplatz von Saïd Sayrafiezadehs Erzählungen sind die Straßen einer mittelgroßen amerikanischen Stadt. Ihre Bewohner arbeiten im Walmart, im Schnellrestaurant, im Callcenter. Sie alle sind ernüchtert, orientierungslos und an einem Punkt angekommen, an dem sie ihr bisheriges Leben in Frage stellen. Saïd Sayrafiezadehs Erzählungen gelingt ein Tonfall, der nichts beschönigt, gleichzeitig aber die kurzen Momente der Hoffnung nicht verleugnet. Packend, eindringlich und sprachlich auf hohem Niveau konfrontiert er seine Protagonisten mit Grenzen. Ihren eigenen und denen aller. Bereits 2014 erschienen, gehören diese Erzählungen vermutlich zu dem Besten, was man mit einer Vorliebe für lebensnahe, eindringliche Geschichten lesen. Sayrafiezadeh, von dem bereits 2009 der Roman „Eis essen mit Che“ erschienen ist, hat ein herausragendes Gespür für Figurenzeichnung und Dialoge. In einer mittelgroßen amerikanischen Stadt unbekannten Namens nimmt er den „einfachen Mann“ ins Visier seiner Erzählungen. Es sind junge Männer, deren Collegeträume langsam aber stetig an der Realität zerbrechen, die ihnen dieses Land bietet. Sie arbeiten im Supermarkt oder im Schnellrestaurant, servieren Schinken-Käse-Toast oder verkaufen am Telefon Konzerttickets. Man hat ihnen versprochen, dass sie einmal Großes leisten können, …