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Riad Sattouf – Der Araber von morgen

Riad Sattouf, Marjane Satrapi, Zeina Abirached – sie alle sind in Regionen aufgewachsen, die wir heute überwiegend mit Terror, Krieg und Leid assoziieren. Sattouf in Syrien und Libyen, Satrapi im Iran, Abirached im Libanon. Und nicht nur ihre Herkunft eint sie, sondern auch die Tatsache, dass sie sich ihrer Biographie zeichnerisch annähern. Für seine auf fünf Bände angelegte Reihe „Der Araber von morgen“ wurde Sattouf 2015 beim Comicfestival in Angoulême als Bestes Album ausgezeichnet. Zu Recht, wie sich zeigt, denn Sattouf gelingt ein unverstellter Blick auf den Nahen Osten und die Menschen. Der kleine Riad ist ein Charmeur. Wegen seiner ungewöhnlich blonden Haare und seiner großen Augen wird er von Verwandten und Bekannten wie Fremden bei jeder Begegnung getätschelt und bewundert als sei er eine vom Aussterben bedrohte Spezies.  Seine Eltern Clémentine und Abdel-Razak lernen sich in Frankreich kennen, während sein aus Syrien stammender Vater an der Sorbonne studiert. Da er aus einer illiteraten Familie stammt, ist er besessen von seiner medizinischen und akademischen Karriere. E will es zu etwas bringen, aus seinen Möglichkeiten etwas …

Jenny Erpenbeck – Gehen, ging, gegangen

Der neue Roman von Jenny Erpenbeck ist so aktuell, dass man meinen könnte, er sei in weiser Voraussicht für diese Tage geschrieben worden. Tage, in denen Tausende Flüchtlinge nach Deutschland kommen, in denen wieder einmal Unterkünfte brennen. Tage, in denen sich eine große Solidarität zeigt, aber auch Extremismus und Menschenhass. Ist er aber deshalb auch lesenswert, bloß weil er den Finger in eine Wunde legt, die uns alle angeht? Richard ist nun Emeritus, ehemaliger Professor für Alte Sprachen und nach seinem Ausscheiden aus dem universitären Betrieb vor allem mit einer schier unüberschaubaren Fülle freier Zeit konfrontiert. Er macht sich viele Gedanken, über sich, sein Leben, die Vergänglichkeit und darüber, was wirklich wichtig ist und einmal übrig bleibt. Seine Frau hat er bereits vor einigen Jahren verloren, zu seiner einstigen Geliebten hat er keinen Kontakt mehr. Richard ist in der DDR aufgewachsen und sozialisiert, im Westen Berlins kennt er sich noch immer nicht besonders gut aus. Seine Familie ist ihrerseits von Schlesien nach Deutschland übergesiedelt und um ein Haar wäre er auf einem überfüllten Bahnsteig von …