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Joachim Meyerhoff – Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Mit seiner autobiographischen Reihe Alle Toten fliegen hoch hat Joachim Meyerhoff in den letzten Jahren viele begeistert. Er schrieb über seinen Auslandsaufenthalt in Amerika, das Aufwachsen auf dem Gelände der Schleswiger Psychiatrie, persönliche Verluste, seine Schauspielausbildung und nun – dem Gesetz der linearen Biographie folgend – über seine Engagements an Provinzbühnen und erste Lieben. Das tut er, wie immer, gewinnend und ausgesprochen humorvoll. An der einen oder anderen Stelle aber gerät ihm seine Rückschau zu überdreht. Nach der Beendigung seiner Schauspielausbildung und dem schmerzlichen Tod der exaltierten, aber liebenswürdigen Großeltern hat es Meyerhoff an ein Bielefelder Theater verschlagen. Dort spielt er lustlos seine Rollen, es sinnkriselt. Soll das alles gewesen sein? In diesem Ensemble? An dieser Bühne? Er träumt von Flucht und Ausbruch, ist dafür aber am Ende zu pflichtbewusst. Er verflucht seine Geradlinigkeit, seine »Harmlosigkeit«, mit Anfang zwanzig verlangt es ihn nach einem Exzess, der nicht in Aussicht ist. Auf der Premierenfeier eines Shakespeare-Stücks lernt er Hanna kennen, die sein bis dato beschaulich-bräsiges Leben mit ihrer unkonventionellen Art in Bewegung bringt. Hanna ist intellektuell, …

Joachim Meyerhoff – Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

2011 erschien „Alle Toten fliegen hoch – Amerika“, das vom Auslandsaufenthalt und den Teenagerjahren Meyerhoffs erzählte, 2013 folgte „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war„, mit dem er sogar überrasched auf der Longlist des Deutschen Buchpreises landete – und in diesem Jahr nun „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Der dritte und letzte Teil von Meyerhoffs unwiderstehlich charmant geschriebenen Lebenserinnerungen führt in die Zeit seiner Schauspielausbildung in München. Während Karl Ove Knausgard, so sagt man, unbarmherzig erzählt und dabei weder sich noch andere schont, gelingt Joachim Meyerhoff in seinen Erinnerungen ein weit versöhnlicherer Tonfall. Beschwingt und humorvoll berichtet er insbesondere im zuletzt erschienenen Roman von seinem Scheitern, seinem Nicht-Hineinpassen und seinen Zweifeln an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Dieses stetige Versagen an den eigenen Ansprüchen wie auch an denen anderer steht im Mittelpunkt des Erzählens. Joachim, der eigentlich vorhatte, seinen Zivildienst beim Rehasport in einem Schwimmbad abzuleisten, wird zu seinem Schrecken als Schauspielschüler an der Otto-Falckenberg-Schule in München aufgenommen. Warum, das ist ihm selbst ein Rätsel. Er betrachtet sich selbst nicht als besonders …

[5 lesen 20] Joachim Meyerhoff – Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

Joachim Meyerhoff ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Autor. Seit seiner Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München war er bereits an zahlreichen Theatern als Ensemblemitglied beschäftigt. So zum Beispiel am Staatstheater Kassel, am Maxim Gorki Theater in Berlin und seit 2005 auch am Wiener Burgtheater. Sein Projekt „Alle Toten fliegen hoch„, die Geschichte seiner Familie episodisch in sechs Teilen auf die Bühne gebracht, erfreut sich großer Beliebtheit. Der erste Teil, ‚Amerika‚ erschien 2011 bei Kiepenheuer und Witsch in Buchform und beschreibt die Erlebnisse während seines Auslandsjahres in den USA. ‚Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war‚ erschien erst kürzlich und markiert den zweiten Teil, die Geschichte seiner Kindheit. Es steht neben neunzehn anderen Romanen auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2013. Für die meisten von uns ist die Psychiatrie ein Ort, dessen Vorhandensein wir tapfer leugnen. Es gibt ihn, in jeder größeren Stadt, aber so lange nicht wir selbst oder unsere Freunde oder Angehörigen unter einer Erkrankung leiden, die eine Unterbringung dort erfordert, bleiben sie für uns finstere Mahnmale für die …