Alle Artikel mit dem Schlagwort: interview

Kathrin Weßling im Interview!

© Yelda Yilmaz Gerade ist Kathrin Weßlings neuer Erzählband ,Morgen ist es vorbei‚ erschienen. Es geht um Liebe und was sie aus uns macht, wenn sie uns verlässt. Mit Kathrin habe ich über Liebeskummer gesprochen, über die Liebesfähigkeit unserer Generation und wer denn eigentlich so richtig fantastisch über Liebe schreiben kann. Kathrin, was tust Du denn gegen Liebeskummer? Das kommt wirklich sehr auf den Liebeskummer an. Manchmal fast gar nichts, weil es okay ist, wie und dass er da ist. Mit den Jahren habe ich jedoch herausgefunden, dass Sport und ein sehr regelmäßiger Lebensrhythmus sehr hilfreich sind. Aber seien wir mal ehrlich: Am Ende hilft doch gar nichts so richtig. Nur Zeit und Geduld mit sich. Was bedeutet Liebe für Dich? Oha. Ich glaube, das kann ich nicht so beantworten. Da bräuchte ich wohl eher 8163548 Seiten. Aber in erster Linie bedeutet sie (extrem kurz gefasst) für mich Freiheit. Wie schreibt man am besten über Liebe? Kann man überhaupt „gut“ darüber schreiben? Am Ende schreibt man ja doch immer nur über sich selber. Und über …

Alina Bronsky im Interview!

© Bettina Fürst-Fastré In ihrem aktuellen Roman erzählt Alina Bronsky von der alten Baba Dunja, die nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl in die radioaktiv verseuchte „Todeszone“ zurückkehrt. In diesem Dorf hat sie vor dem Unglück gelebt und sie will dort sterben. Alina Bronsky erzählt im Interview, was sie zu der Geschichte einer Rückkehrerin bewegte und wie sich sich selbst an das Unglück erinnert. Frau Bronsky, Sie waren bei dem Reaktorunglück in Tschernobyl acht Jahre alt und lebten noch in Russland. Was haben Sie in Erinnerung von damals? So seltsam es klingt: Ich erinnere mich an gar nichts. Ich kann heute gar nicht sagen, ob das Verdrängung ist oder ob die sowieso eher spärlichen Informationen einfach nicht zu mir durchgedrungen sind. Ich habe erst viel später angefangen, das Ausmaß der Katastrophe, die mit dem Wort Tschernobyl assoziert wurde, zu begreifen Baba Dunja tut mit der Rückkehr in die sogenannte „Todeszone“ ja etwas eigentlich Unbegreifliches. Dennoch gibt es ja auch außerhalb der Fiktion diese Rückkehrer. Was, glauben Sie, bewegt die Menschen dazu, sich dieser Gefahr auszusetzen? Ich …

Bitte übernehmen Sie, Bov Bjerg!

© Milena Schlösser Das Schreiben begann für mich.. mit Journalismus. Mein Lego-Dorf brauchte eine Zeitung, damit die Bewohner wussten, was da überhaupt vorging. Vier Seiten A6, einzeilig auf der Olivetti getippt. Ein Buch muss.. vor allem groß genug gedruckt sein. Also, die Schrift jetzt. Ein Kindheitstraum von mir war.. dass die Flaschenpost, die ich auf der Alb in die Donau werfe, es schafft, vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer zu gelangen, in den Suez-Kanal und von da nach Australien. Sidney hätte gar nicht sein müssen, Perth hätte mir völlig genügt. Den Atlas kannte ich ganz gut, aber die Meeresströmungen nicht so. Wenn ich nicht schlafen kann.. dann steh ich auf. Völlig unterschätzt wird.. der Schlaf nach zwölf. Wenn ich Musik höre,.. ist es in 90% der Fälle Bob Dylan. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich schaue sofort nach, ob „folgendes charmantes“ grammatikalisch korrekt ist, oder ob es nicht doch eher „folgendes charmante“ heißen müsste. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. alles ohne Unterschied zu lesen. Autokennzeichen, Verpackungen, Reklame, Hausnummern, Schlagzeilen, Wegweiser. Ich war ein einziges Mal …

Bitte übernehmen Sie, Jens Steiner!

© Marc Wetli Das Schreiben begann für mich.. als ich begriff, dass Lesen allein die Schlaflosigkeit nicht lindert. Ein Buch muss.. mir zeigen, wie die Dinge sind, aber auch, dass sie anders sein könnten. Ich möchte, dass ein Buch mir von der Veränderlich- und Veränderbarkeit des Lebens erzählt, von den sich wandelnden Bedingungen der Liebe, des individuellen und kollektiven Glücks, des Heranwachsens, des Altwerdens, des Sterbens. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. mich endlich wie ein rechter Schweizer verhalten und anständig Geld verdienen. Ein Kindheitstraum von mir war.. Fliegen. Unsichtbar sein. Ein Däumling sein. Ein Riese sein. Sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen können. Kinetische Fantasien hege ich immer noch, allerdings hat das Leben ihnen die Flügel gehörig gestutzt. Heute träume ich höchstens davon, ein guter Slackliner zu werden, vor meinem vierzigsten Geburtstag nochmals den Kopfsprung vom Dreimeterbrett zu schaffen, einmal einen ganzen Hang nur auf dem linken Ski hinunterzubrettern. Wenn ich nicht schlafen kann.. schreibe ich. Völlig unterschätzt wird.. connectedness, die sich aus offline ergibt. Online winkt dein Hirn Input auf Input an deinem …

Bitte übernehmen Sie, Anke Stelling!

© Nane Diehl Das Schreiben begann für mich.. … in meinem ersten Semester am Leipziger Literaturinstitut. Hans-Ulrich Treichel hatte die Aufgabe gestellt ‚Mein Ort‘, und ich habe über Berlin geschrieben, aber eigentlich über den Liebeskummer, der mich damals gequält hat. Und wie der dann Text war, mitgeteilt, geteilt und kritisiert im Prosaseminar, da dachte ich: Ich kann’s, und ich will’s, und ich werde es tun. Ein Buch muss.. … radikal das Denken und Fühlen und Erleben seines Autors/seiner Autorin ausdrücken, und dadurch für andere erstaunlich neue oder aufregend bekannte Welten eröffnen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. … nach dem, was mich beschäftigt, in bereits geschriebenen Büchern suchen. Diese dann empfehlen (Literaturkritiken schreiben?), versuchen, sie zu verkaufen (Buchhändlerin sein?) oder sie einfach nur lesen und mein Geld mit was ganz anderem verdienen. Aber womit? Ich fürchte, egal was ich täte, ich würde wiederum davon erzählen wollen. Ein Kindheitstraum von mir war.. … die Erkenntnisse, die ich jeweils hatte, zu teilen und dann direkt in die Tat umzusetzen. Der Wald stirbt? Ja, hallo! Dann …

Bitte übernehmen Sie, Valerie Fritsch!

© Jasmin Schuller / Suhrkamp Verlag Das Schreiben begann für mich.. Mit dem Lesen. Erst all die Kinderbücher mit ihren karierten Uhus und Valeries auf Gute Nacht Schaukeln, die nie ins Bett wollen, und später alle Geschichten über die Liebe und die französischen Existenzialisten. Bücher zu lieben, war die Vorstufe sie zu schreiben. In der Schule begann ich als Fingerübungen mit Nacherzählungen, Aufsätzen, Erörterungen, die so übertrieben phantastisch, hochgestochen und barock waren, als wären es nicht nach dem Millennium, aber doch weit vor 1900 gewesen. Ein Buch muss.. nichts, aber darf alles. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. mich wohl nicht mit so verschiedenen Dingen auseinander setzen, ganze Sonntage Fachartikel über Beinamputationen lesen oder in Bordellen mit den Damen plaudern und es Recherche nennen. Ein Kindheitstraum von mir war.. um die Welt zu reisen und gemeinsam mit meinem Vater alle Zootiere zu befreien, verwegen wie Tom Sawyer zu sein und so schön wie meine Mutter, groß zu werden und große Dinge zu tun. Wenn ich nicht schlafen kann.. räume ich wild und zu …

Julia Tieke im Interview!

Mit dem authentischen Echtzeit-Dialog „Mein Akku ist gleich leer“ (erschienen im Digitalverlag mikrotext) bringt Julia Tieke uns das Schicksal eines Flüchtlings auf unmittelbare Weise näher. Hier ist nichts gekünstelt oder literarisch aufbereitet, es gab diesen Dialog zwischen Flüchtling Faiz und Julia Tieke, die selbst Kulturwissenschaftlerin ist und bereits ein Radiofeature über syrische Radiostationen produziert hat. Ich habe ihr dazu und zur ersten Begegnung mit Faiz einige Fragen gestellt. Julia, dein Kontakt zu Faiz ist letztlich aus einem Radiofeature hervorgegangen, das von syrischen Radiomachern und ihren Verbindungen u.a. nach Berlin handelte. Wie bist du auf dieses Thema gestoßen? Freunde von mir arbeiten in der Berliner Nichtregierungsorganisation MICT, die das Radioprojekt „Syrnet“ mit syrischen Radiomachern durchführt. Sie haben mir früh von dem Projekt erzählt, und als Radiomensch war ich begeistert von dem Vorhaben, UKW-Radio in, bzw. für Syrien zu fördern. Und ich war natürlich neugierig, wer dort mit dem Medium Radio arbeitet, und wie das unter Kriegsbedingungen geschieht. Welche Erfahrungen hast du in der Türkei mit dieser Art des Widerstands und der Opposition gemacht? Was kann das …