Alle Artikel mit dem Schlagwort: interview

Abbas Khider im Interview!

© Peter-Andreas Hassiepen Mit seinem Roman „Ohrfeige“ hat Abbas Khider gewissermaßen den Roman der Stunde geschrieben. Im Mittelpunkt der Flüchtling Karim, der von Bürokratie und deutschem Asylsystem aufgerieben dem Land den Rücken kehrt. Aber nicht, ohne zuvor mit seiner Sachbearbeiterin von der Ausländerbehörde ein ernstes Wort zu sprechen. Ich habe unterdessen mit Abbas Khider ein paar Worte über persönliche Erfahrungen, die Stimmung in Deutschland und das Gefühl von Heimat gesprochen. Abbas, sicher verfolgst du die gegenwärtigen Debatten rund um das Thema Asyl und Flüchtlinge. Wie erlebst du diese Diskussionen vor dem Hintergrund deiner eigenen Erfahrungen? Ich glaube, wir beschäftigen uns zurzeit mit falschen Inhalten. Die Menschen, die hierher kommen, brauchen Sicherheit. Das ist die erste Phase der Integration. Natürlich ist es eine wichtige Phase, aber die zweite Phase der Integration ist härter, da geht es nicht nur um Sicherheit sondern um die Zukunft. Die Zukunft der einzelnen Personen, der Asylbewerber. In dieser zweiten Phase leben diese Menschen nur in Angst. Und ihre Ängste sind unbeschreiblich, verursacht durch das bürokratische Verwaltungssystem. In der ersten Phase der …

Bitte übernehmen Sie, Finn-Ole Heinrich!

© Denise Henning Das Schreiben begann für mich… mit dem Lesen, eigentlich relativ spät, so mit 17. Ein Buch muss… gut sein, groß sein, etwas wagen, eigentlich die ganze Welt beinhalten, dabei so knapp sein wie nur möglich und Raum lassen zum Atmen, zum Selberdenken. Und es muss einen auch irgendwie immer zum richtigen Zeitpunkt treffen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… tausend kleinen Geschäftsideen nachgehen. Eisverkäufer in Südfrankreich sein zum Beispiel. Ein Kindheitstraum von mir war,… Eisverkäufer in Südfrankreich zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann,… was ziemlich oft der Fall ist, liege ich im Bett, bin spätestens nach einer halben Stunde sehr genervt von mir und der Kleinheit meiner Gedanken. Völlig unterschätzt wird… das Fasten (mache ich gerade). Wenn ich Musik höre,… dann meistens nebenbei, was ich selbst gar nicht gut finde. Ich lese ja auch Bücher nicht nebenbei oder gehe nebenbei ins Theater. Ich sollte viel genauer zuhören, mich reinhören, aber meistens fehlt mir dafür die Ruhe, die innere, meine ich. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich kann mit zehn …

Bitte übernehmen Sie, Frank Rudkoffsky!

© Ronny Schönebaum Das Schreiben begann für mich.. in der Grundschule mit geradezu bizarr schlecht gezeichneten Comics und vermeintlich witzigen Kürzestgeschichten über senile Filmhelden. Später musste ich mich dann einige Schubladenromane lang an frühen Vorbildern abarbeiten, ehe ich zu meiner eigenen Stimme fand. Ein Buch muss.. mich gleichzeitig unterhalten und herausfordern. Sprache und Plot sind mir wichtig – im Zentrum müssen aber immer glaubhafte Figuren stehen, mit denen ihr Schöpfer gerne auch gnadenlos umgehen darf. Vielleicht sogar muss. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. sie ja immer noch jemandem diktieren. Und ihm dabei mit den freien Händen etwas Leckeres kochen. Stenographiekenntnisse wären jedoch von Vorteil: Langsam sprechen gelingt mir nur bei Lesungen. Ein Kindheitstraum von mir war.. mit Mitte dreißig mittelloser Schriftsteller zu sein. Nur jünger. Und weniger mittellos. Wenn ich nicht schlafen kann.. wälze ich mich so lange herum, bis ich fluchend aufstehe und mir Sätze wie diese ausdenke: „Bastian hat die Zeitreiseexperimente langsam satt. Es ist seit Nächten dasselbe: Wenn Nina morgens neben ihm aufwacht und ausgeschlafen in den neuen Tag …

Bitte übernehmen Sie, Heinz Helle!

© Jürgen Bauer/Suhrkamp Verlag Das Schreiben begann für mich.. beim Zivildienst in der Psychiatrie. Ein Buch muss.. klingen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. Serien anschauen. Ein Kindheitstraum von mir war.. Erfinder zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann.. setze ich mich aufs Sofa. Manchmal mache ich Licht. Völlig unterschätzt wird.. End Zone, das zweite Buch von Don DeLillo. Wenn ich Musik höre,.. weine ich manchmal. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich bin ein bisschen langsam und unselbständig. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. dass ich mir im Internet ständig Immobilienangebote aus Skandinavien ansehe, obwohl ich gar kein Geld habe. Literatur kann.. einen dankbar machen, dafür, dass man ein Mensch ist. Heinz Helle, geboren 1978, Studium der Philosophie in München und New York, Arbeit als Texter in Werbeagenturen, Absolvent des Schweizerischen Literaturinstituts in Biel, wohnhaft ebendort, verheiratet, eine Tochter. Sein Romandebüt Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin erschien 2014. Mit seinem aktuellen Roman Eigentlich müssten wir tanzen stand er auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015.

Bitte übernehmen Sie, Mercedes Lauenstein!

© Juri Gottschall Das Schreiben begann für mich… sehr früh mit der Sehnsucht nach großen Schwestern, die auf mich aufpassten und mir die Welt erklärten und die ich aber nicht hatte und deshalb erfinden musste. Ein Buch muss… meinen Vibe treffen – ist ein bescheuertes, aber irgendwie auch geiles Wort. Ich denk da immer an Kendrick Lamars „Bitch don’t kill my vibe“, da weiß man doch sofort was gemeint ist. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… malen. Ein Kindheitstraum von mir war… Schauspielerin zu werden und Vagabundin. Wenn ich nicht schlafen kann… räume ich auf, gehe spazieren oder male. Oder reiße zwanzig Bücher aus meinem Regal und lese wild drauf los, hier mal rein, da mal rein, bis ich eine Stelle finde, die mich umhaut. Die lese ich dann immer und immer wieder und dann setze ich mich hin und fange selbst an zu schreiben. Völlig unterschätzt wird… das Golfspiel. So ein weiser, lebensphilosophischer Sport, der viel zu oft als spießiges Seniorenhobby oder Snobscheiße für Neureiche verspottet wird. Wenn ich Musik höre,… wirkt …

Bitte übernehmen Sie, Katharina Hartwell!

© Tobias Bohm Das Schreiben begann für mich.. als ich Buchstaben gerade so in die annähernd richtige Reihenfolge bringen konnte. Ein Buch muss.. erst mal gar nichts. Sollte aber viel können. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. – hier fällt mir überhaupt nichts ein. Das sagt ja auch was aus. Ein Kindheitstraum von mir war.. ein mindestens dreiteiliges Fantasy-Epos zu schreiben, mit Landkarten. Und Glossar. Wenn ich nicht schlafen kann,.. höre ich Podcasts, wahrscheinlich „This American Life“. Völlig unterschätzt wird.. Pathos. Wenn ich Musik höre,.. kann ich mich besser aufs Arbeiten konzentrieren. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Manchmal trage ich ausgeleierte Cardigans und eine Brille wie alle Schriftsteller in allen Filmen. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. zu Filmsoundtracks zu schreiben. Literatur kann.. mich gut aus dem Alltag hebeln. Katharina Hartwell, 1984 geboren, studierte Anglistik und Amerikanistik sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie war u.a. Gewinnerin des MDR-Literaturpreises und Stipendiatin des Landes Hessen und des Freistaates Sachsen. 2013 war sie die Sylter Inselschreiberin. Ihr erster Roman »Das Fremde Meer« wurde begeistert aufgenommen …

Bitte übernehmen Sie, Sandra Weihs!

© Theresa Pewal Das Schreiben begann für mich.. mit dem Verstehenwollen von Menschen, inklusive mir selbst. Ist gar nicht so einfach. Ein Buch muss.. gar nichts, aber dass ich es auch bis zu seinem Ende lese, sollte es in mir irgendetwas umordnen. Oder neu machen. Mich berühren oder bewegen. Oder so. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. den Haushalt schaffen. Ein Kindheitstraum von mir war.. Schauspielerin zu werden. Jetzt schreibe ich die Figuren, die ich eigentlich spielen wollte. Ich wollte immer beweisen, dass das Verhalten eines Menschen meist inkongruent zu seinem Denken und Fühlen steht. Ja, auch schon als Kind. Wenn ich nicht schlafen kann.. muss irgendetwas Tragisches passiert sein. Meine erste Buchveröffentlichung zum Beispiel. Völlig unterschätzt werden.. Brieffreundschaften. Die könnten die Welt verändern. Wenn ich Musik höre,.. kann es sein, dass ich zu heulen, tanzen oder singen beginne. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: nicht ganz zufrieden zu sein mit dieser Welt und deswegen schreiben und trinken zu wollen. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. ständig mit dem linken Bein zu wippen. Literatur …