Alle Artikel mit dem Schlagwort: frohmann verlag

Claudia Vamvas – Sitze im Bus

Claudia Vamvas verdanke ich den ausgesprochen praktikabeln Ratschlag, vor dem Verlassen meiner Wohnung den Herd zu fotografieren, um unterwegs sicherzugehen, dass er ausgeschaltet ist. Ihrem Twitteraccount @akkordeonistin folgen mittlerweile rund 12.800 Menschen, Tendenz steigend. Wer bislang (oder: noch immer, trotz zahlreicher Gegenbeispiele) glaubte, Twitter wäre aufgrund seines Zwangs zur Kürze nichts für Feingeister, ungeeignet fürs Literarische, der wird durch die Schweizerin Vamvas eines Besseren belehrt. Eigentlich fährt sie nur Bus. Doch Claudia Vamvas lässt es in ihren pointierten und warmherzigen Beobachtungen mehr nach einer Schicksalsgemeinschaft aussehen, die jeden Tag zur gleichen Zeit in einem Gelenkbus mit Faltenbalg zusammentrifft. Kurz oder auch länger sind sie, einander zwar unbekannt, aber durch das Leben und Menschsein verbunden, Gefährten mit unbestimmtem Ziel. Sie beraten gemeinsam über wichtige Fragen. Warum hat der Busfahrer nicht angehalten? Sollte nach dem aufdringlichen Geplapper einer mittlerweile aus dem Bus gestiegenen Frau einmal durchgelüftet werden? Wird ein zweiter Bus gebraucht angesichts der Fülle an Utensilien, die eine Frau auf der Suche nach etwas Wichtigem aus ihrer Handtasche zutage fördert? Allgemeine Ratlosigkeit herrscht angesichts eines Gesprächs, …

Tausend Tode schreiben: Ein Projekt

Tausend Texte über den Tod? Das Projekt des Frohmann Verlags nähert sich dem menschlichen Ableben auf sehr vielfältige und berührende Weise: In tausend subjektiven Ansichten, Erfahrungen, Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen zu einem so ungeliebten wie unausweichlichen Thema. Der Tod ist unbegreiflich. Nichtsdestotrotz haben Menschen schon immer versucht, ihn für sich selbst, durch Kunst oder Religion, zu verstehen. Ihm Worte und Bilder zuzuordnen, die ausdrücken, was man in seiner Gegenwart empfindet, was die durch ihn entstandenen Verluste und Schmerzen bedeuten. Das ,Tausend Tode schreiben‘-Projekt des Frohmann Verlags will sich dem Tod auf eine besondere Weise nähern: Tausend subjektive Ansichten, von ganz persönlichen und autobiographischen Erlebnissen über literarisierte Fiktion, von Prosa über Lyrik, – und nur eine Frage: Was bedeutet der Tod und wie gehen wir mit ihm um? Mit dem Tod anderer wie mit unserem eigenen. Ganz individuell und gesellschaftlich. Versammelt sind in diesem ersten Teil 135 Texte, nicht nur von Autoren und Literaturschaffenden, sondern schlichtweg von allen, die sich mit einer textlichen Verarbeitung des Themas befasst haben. Mit dabei sind u.a. Frédéric Valin (dessen Text …