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Bitte übernehmen Sie, Saša Stanišić!

© Katja Sämann Das Schreiben begann für mich.. mit Liebesgedichten und Partisanengeschichten und vorlesen für Opa, auf der Couch stehend und laut deklamierend. Ein Buch muss.. so vieles nicht, das man von ihm von außen verlangt. Wenn ich keine Bücher schreiben würde,.. wäre ich vielleicht eine Wahrsagerin. Ein Kindheitstraum von mir war es,.. die Nacht unbemerkt im Supermarkt zu verbringen. Wenn ich nicht schlafen kann,.. frage ich mich, wie es kommt, dass ich auf einmal nicht schlafen kann. Völlig unterschätzt wird.. Neid und seine destruktive Kraft. Wenn ich Musik höre,.. wünsche ich, ich wäre eine Trompete. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich sage vor Beginn jeder Lesung: „Freue mich, hier zu sein“, ganz egal, wo ich bin. Ist das charmant? Es ist sehr opportunistisch. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es,.. seltsame Angewohnheiten zu meiden. Literatur kann,.. schafft es aber zu selten. Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad in Bosnien-Herzegowina geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman Wie der Soldat das Grammofon repariert begeisterte Leser und Kritik gleichermaßen und wurde in 31 Sprachen übersetzt. …

Saša Stanišić – Fallensteller

Nach dem prämierten Uckermarkmärchen Vor dem Fest sind unlängst neue Erzählungen von Saša Stanišić erschienen. Ihr Ton changiert, mal ist er humorvoll und lakonisch, mal verspielt und romantisch, gelegentlich bodenständig. Ihnen allen gemein ist ein gekonntes Spiel mit Wirklichkeit und Fremdheit, das neben dem titelgebenden Fallensteller in einer Erzählung noch mindestens einen weiteren in gleicher Mission enttarnt: den Autor selbst. Ein Zauberer bei seinem ersten Auftritt im Holz – und Hobelwerk Klingenreiter, der Mikrokosmos um eine Snookerpartie, eine syrische Surrealistin, christliche Menschenrechtsaktivisten, eine seufzende Fabrik auf der Romanija in Bosnien – Stanišićs Erzählungen sind gewandt und in vielen Tonlagen, an vielen verschiedenen Orten angesiedelt. Wie ein gekonnter Kostümwechsel geht das vonstatten, eben war man noch auf dem Rhein und vermisste den Häppchenkäse, jetzt ist man mit Georg Horvarth im falschen Taxi irgendwo in Rio und freut sich, dass man entführt wurde. Oder verwechselt. Oder beides, mit Zustimmung, „weil er als der, der er dann war, nicht mehr dorthin musste, wohin er als der, der er gewesen war, gemusst hätte.“ Die kleinsten Abweichungen können die größten …