Alle Artikel mit dem Schlagwort: eichborn verlag

Neil Gaiman – Der Ozean am Ende der Straße

Das Erwachsenwerden ist ein schmerzhafter Prozess. Manchmal hinterlässt er nur ein gefräßiges Loch im Inneren, das nach immer mehr verlangt. Manchmal weiß man einfach zuviel und sehnt sich zurück in eine Zeit, in der der Teich hinter’m Haus ein Ozean war. Neil Gaimans neuer Roman ist eine schaurig-schöne Reminiszenz an die Kindheit. Ein Mann besucht anlässlich der Beerdigung seines Vaters seinen Heimatort. Er ist lange nicht dort gewesen, doch noch immer erinnert er sich an das Haus am Ende der staubigen Landstraße. Es ist das Haus von Lettie Hempstock, dem elfjährigen Mädchen, das in seiner Kindheit eine so prägende Rolle spielte. Lettie wohnte dort gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter – und war stets etwas eigenwillig. Trotz ihres jungen Alters wirkte sie immer als sei sie schon unermesslich alt. Ganz zu schweigen davon, dass sie immer behauptete, der Teich im Garten sei eigentlich ein Ozean. Wie fremdbestimmt zieht es den Mann wieder zu Lettie Hempstocks Haus und damit in eine ferne Vergangenheit. Ich sah die Erde, auf der ich mich seit meiner Geburt aufgehalten hatte, …

Sarah Stricker – Fünf Kopeken

Sarah Stricker ist deine deutsche Autorin und Journalistin. Sie schrieb für viele Zeitungen und Magazine, darunter die taz, die Süddeutsche, Frankfurter Allgemeine und NEON. 2009 ging sie nach Tel Aviv und berichtet seitdem von dort für deutsche Medien über Israel und für isrealische über Deutschland. Fünf Kopeken ist ihr Debütroman, und erschien im Eichborn Verlag. Seine Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen. Sie kommt gewissermaßen über einen wie eine Naturkatastrophe oder eine lästige Krankheit. Man kann nur lernen, sie zu nehmen, wie sie ist und versuchen, zu verstehen. Sie aussitzen allenthalben. Fünf Kopeken erzählt die Geschichte einer deutschen Familie, die sich nach dem Krieg mit einer Modekette zu einem beträchtlichen Auskommen gearbeitet hat und dabei, wie wohl die meisten Familien dieser Zeit, das Ziel verfolgt, die Kinder mögen es einmal besser haben als man selbst. Familie Schneider legt große Maßstäbe an ihre Tochter, die Mutter der Erzählerin, an. Hässlich, wie sie war, sollte sie wenigstens etwas im Kopf haben. Meine Mutter war zu hässlich, um der Schönheit lange nachzutrauern. Nur hübsche Mädchen verbringen Stunden vorm …

Peter Heller – Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte

Peter Heller ist ein amerikanischer Autor. Er ist in New York geboren und aufgewachsen, unternahm aber bereits zahlreiche Extremexpeditionen, mit dem Kajak  durch das Pamir-Gebirge und die Anden, mit dem Surfbrett von Kalifornien aus die mexikanische Küste entlang. Peter Heller ist ein Abenteurer und das merkt man seinem Debütroman, der von Eva Bonné ins Deutsche übersetzt wurde, auch ganz deutlich an. Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte (Im Original: The Dog Stars) erschien im Eichborn Verlag. Es mangelt uns dieser Tage nicht an Ideen, wie unsere Erde einmal zugrunde gehen könnte. Naturkatastrophen, Lebensmittelknappheit, Pandemien. Fernsehsender greifen diese Ideen auf, um sie zu ihren Gunsten weiterzuentwickeln. Die Welt ohne uns ist eine Dokumentationsreihe, die sich sehr ambitioniert der Frage widmet, was von uns auf Erden bleibt, wenn wir eines Tages alle ausgestorben, dahingerafft sind von einer Macht, die höher ist als wir. Peter Heller hat aus diesem apokalyptischen Zukunftsszenario einen Roman gestrickt, der sich wohltuend von anderen dystopischen Zukunftsentwürfen abhebt. Hier gibt es wenig Zukunft. Hier gibt es nur Big Hig, Bangley, einen …

David Mazzucchelli – Asterios Polyp

David Mazzucchelli ist ein amerikanischer Comiczeichner. Er zeichnete für Marvel die Serie Daredevil und 1986 für Frank Miller die Batmanstory One Year. Mazzucchelli arbeitet auch als Illustrator zahlreicher Zeitungen, unter anderem dem New Yorker und als Dozent an der Rhode Island School of Design wie der School of Visual Arts in New York City. Als ich neulich so durch die Bibliothek flanierte, selbstverständlich mit dem unbedingten Vorsatz, nichts auszuleihen, fiel mir diese Graphic Novel in die Hände. Hier und da hatte ich schon von ihr gehört, aber mehr eben auch nicht. Ich nahm sie mit und wurde nicht enttäuscht. Ich wurde sogar tief beeindruckt von Mazzucchellis Werk, das sowohl inhaltlich als auch gestalterisch mit jedem Werk rein textlicher Belletristik locker mithalten kann! Ja, durch die Bilder entsteht, für meine Begriffe, noch viel mehr Tiefe als wenn es bloß geschrieben wäre. Nach wie vor bieten Graphic Novels unglaublich breite Gestaltungsmöglichkeiten, die Mazzucchelli mit diesem Kunstwerk vollumfänglich nutzt! Asterios Polyp ist ein erfolgreicher Architekt. Erfolg nicht im klassischen Sinne eines Architekten, keiner seiner Entwürfe wurde jemals zum …