Alle Artikel mit dem Schlagwort: dumont buchverlag

Marc Degens – Fuckin‘ Sushi

Viele Jugendliche träumen von einer eigenen Band, von rasanten Gitarrensoli und entfesselten Tourneen, von einem Rockstarleben und kreischenden Fans. René und Niels machen diesen Traum wahr, zuerst als zweiköpfige Straßenband vor dem Heino-Café in Bad Münstereifel, dann drei – und vierköpfig als Fuckin Sushi in angesagten Diskotheken in Bonn. Marc Degens belebt auf mitreißende Art in seinem Roman einen Jugendtraum mit heimeligem Flair, „Abrentnern“ zwischen Sommerferien und Oma Frese. Den Bass bekam Niels von Oma Frese und bevor er René kennenlernt, klimpert er gelegentlich damit herum, ohne ernstzunehmende Ambitionen zu hegen. Nach ihrem Zusammentreffen sind sie R@ & Niels, fordern das Abrentnern – worunter sie die Vorzüge des Alters ohne dessen Nachteile verstehen – und den Weltfrieden. Ihre Musik ist experimentell, in der Fußgängerzone von Bad Münstereifel kommen Trommeln und eine Zither zum Einsatz, gesungen wird aus dem Pornoequipment-Katalog von Renés älterem Bruder Pascal. Ihre Songs sind ausladend, kleine musikalische Erzählstücke, weil Niels sich nur mit Liedern arrangieren kann, die besonders lang sind. Irgendwann hat das angefangen, dass ihn nur mehr Lieder zwischen sieben und …

Richard McGuire – Hier

In der Gegenwart zu leben, gilt heute als allgemein anerkannte und empfohlene Art, seine Existenz zu bewältigen. Wer seinen Fokus zu sehr auf die Vergangenheit legt, ist rückwärtsgewandt und starr, wer mit seinen Gedanken immer wieder in die Zukunft abschweift, weiß den Moment nicht zu schätzen. Für die YOLO-Philosophie, so der Begriff „Philosophie“ für dieses Lebenskonzept nicht ein paar Nummern zu groß ist, zählt nur der Augenblick. Dass aber auch alles nebeneinander existieren kann, beweist Richard McGuire mit seiner ungewöhnlichen Graphic Novel „Hier“. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wie die Gegend, in der er lebt, früher einmal aussah? Die Antworten darauf geben häufig Archive oder Stadthistorien, vielleicht noch einige Zeitzeugen. Was stand hier, bevor mein Wohnhaus gebaut wurde? Was wird hier einmal in fünfzig oder hundert oder zweihundert Jahren stehen? Immernoch das Haus? Wird sich die Natur womöglich die Fläche zurückerobert haben? Insbesondere die Zukunftsfragen können natürlich allenfalls mit Prognosen beantwortet werden, mit Wahrscheinlichkeiten. In Richard McGuires „Hier“, dessen Idee bereits erstmals 1989 in ihrer Urfassung als Schwarz-Weiß-Comic im RAW-Magazin erschienen ist, dreht …

Entfremdung im Urwald

Durch den Urwald schlägt man sich am besten querfeldein. Man verlässt ausgetretene Pfade, wehrt sich gegen so manche exotisch-florale Erscheinung, versucht sich zu orientieren, während man selbst innerhalb dieser üppigen Natur immer unbedeutender wird. Etwas Ähnliches geschieht vielleicht auch in Roman Ehrlichs neuem Erzählband. Schlaglichtartig sammelt er in ,Urwaldgäste‘ ein Potpourri aus Menschen, die verloren und verlassen sind. Roman Ehrlichs Prosa ist nicht glatt und von jedem erdenklichen Stolperstein bereinigt, über den man als Leser unversehens stolpern und darüber ins Taumeln geraten kann. Das galt für ,Das kalte Jahr‚ und das gilt in noch viel stärkerem Maße für die jüngst erschienenen Erzählungen. Sie sind alles andere als gefällig, man reibt sich an ihnen auf. In ,Urwaldgäste‘ werden wir Zeuge von lebensverändernden Maßnahmen mehr oder weniger erfolgreicher Art. Sei es durch eine Band, die nach einem sehr durchschnittlichen Auftritt all die Romantik verfliegen sieht, die mit so einem Banddasein verbunden ist. Oder durch Arne Heym, den „Fleurateur“, Hersteller und Arrangeuer von Kunstblumen, der eine Agentur anheuert, sein Leben aufzumischen. Ein Leben, das ihm eingefroren und starr …

Meg Wolitzer im Interview

Foto: Nina Subin Gerade hat sie im Dumont Verlag einen Roman veröffentlicht, der nicht nur von Jonathan Franzen gelobt, sondern bisweilen sogar mit ihm verglichen wird. ,Die Interessanten‚ ist ein Buch über Freundschaft und das Leben, aber auch ein gesellschaftlicher Querschnitt durch viele Jahrzehnte amerikanischer Geschichte, von den Siebzigern bis heute. Ich hatte, was mich wirklich sehr freut, die Möglichkeit, Meg Wolitzer einige Fragen zu stellen. Das zweite Interview, neben Dorthe Nors, das ich auf Englisch geführt habe. Und die Antworten kamen tatsächlich den langen Weg von New York hierher! Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle natürlich an Meg Wolitzer selbst, aber auch an den Dumont Verlag, der das überhaupt möglich gemacht hat. Waren Sie jemals in einem Sommercamp und wenn ja, wo und wann? Ja, ich war mal in einem Sommercamp in Massachusetts, als ich fünfzehn war. Es war dem in ,Die Interessanten‘ sehr ähnlich. Sie haben ,Creative Writing‘ am Smith College und der Brown University studiert und unterrichten heute selbst. Wie ist es dazu gekommen? Denken Sie, dass man Schreiben lernen kann? …

Bitte übernehmen Sie, Gunnar Cynybulk!

Das Schreiben begann für mich .. …beim Erleben. Ein Buch muss .. …gar nix, es kann. Wenn ich keine Bücher schreiben würde,könnte ich .. …weiterhin schön blöd bleiben. Ein Kindheitstraum von mir war .. …ein Buch zu schreiben, gähn. Wenn ich nicht schlafen kann, .. …lese ich, gähn. Völlig unterschätzt wird .. …die Weltbedeutung des Erzählens. Wenn ich Musik höre, dann.. Bach und Motown. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Doofe Frage. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es,.. …doch diskret zu bleiben. Literatur kann .. …fetzen. Gunnar Cynybulk wurde 1970 geboren und wuchs in Leipzig auf. Mit vierzehn verließ er die DDR und zog nach Bayern. Er studierte Literatur, Geschichte und Philosophie in Berlin, wo er in einem Buchverlag arbeitet. ›Das halbe Haus‹ ist sein erster Roman und erschien im Dumont Verlag.

Meg Wolitzer – Die Interessanten

Sie lernen sich in einem Feriencamp kennen, das die Talente junger Menschen fördern soll. Und obwohl ihre Leben sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln, erhalten sie dennoch Kontakt und Freundschaft aufrecht. Meg Wolitzer schreibt einen fast filmischen Roman über Freundschaft, Verlust und über die Bürde, etwas Besonderes sein zu müssen. Spirit-in-the-Woods, Anfang der 70er Jahre. Sechs Jugendliche sitzen zusammengepfercht in einem Tipi und diskutieren über Gott und die Welt. Für eine von ihnen, Julie Jacobson, wird dieser Sommer eine Kehrtwende bringen. Ihr Vater ist gerade gestorben, sie ist fünfzehn und fühlt sich im Kreis irgendwie fehl am Platz. Ist sie doch unscheinbar, ungeschickt, – weshalb sie förmlich zu diesem fast komspirativen Treffen eingeladen worden ist, weiß sie nicht. Doch im Laufe des vorbeiziehenden Sommers wird sie nicht mehr Julie, sondern Jules und die Gruppe fortan scherzhaft von sich selbst die Interessanten getauft werden. Zu ihnen gehören außer Jules der ästhetisch eher benachteiligte, aber zeichnerisch geniale Ethan Figman, der bereits zu dieser Zeit in einem Schuppen des Camps Trickfilme zeichnet. Ash und Goodman Wolf, die Gutaussehenden und …