Alle Artikel mit dem Schlagwort: blogger

Blogbuster: Anachronismus und Dörflichkeit

Der Blogbusterwettbewerb neigt sich dem Ende entgegen. Am 11.April werden die drei Shortlistkandidaten bekanntgegeben, am 04.Mai findet im Literaturhaus Hamburg die offizielle Preisverleihung statt. Unterdessen haben die teilnehmenden BloggerInnen ihren KandidatInnen Löcher in die Bäuche gefragt, das Longlistlesebuch wurde fleißig heruntergeladen und beurteilt, die Jury hat diskutiert. Ich möchte nochmal einen Blick werfen auf meine Herzenskandidatin Doris Brockmann und ihren Text „In Bhutan steckt Hut“. Während andere zukünftige Welten in düsteren Farben malen, schreibt Doris Brockmann Worte wie „alsdann“ und strickt ihre Geschichte um eine „Putzmacherin“. Nicht, dass es heute keine mehr gäbe, aber man würde sie ModistInnen nennen, Designer womöglich. Während es andernorts um Mord und Totschlag geht, um nutzlos gewordene Gewissheiten und zerfallende Gefüge, herrscht in In Bhutan steckt Hut noch ein Glauben an Althergebrachtes, Traditionelles und Bewährtes. Das Leben kann noch Lehrmeister sein. Es ist viel die Rede von „wir“ und „man“ und obwohl die Erzählstimme stark durchdrungen ist von Rosas Gedanken und Gefühlen, sucht man ein Ich vergebens. Keine Spur von moderner Vereinzelung, von Hektik oder Weltlage. Ort und Geschehen scheinen …

Blogbuster: Phase zwei.

Die erste Phase des Blogbuster-Projekts ist abgeschlossen. Will sagen: alle Manuskripte sind eingereicht und auf die jeweiligen Wunsch-Blogger verteilt. 252 Beiträge gehen ins Rennen, 40 davon sind auf meinem virtuellen Schreibtisch gelandet. Was ist bisher passiert und wie geht es jetzt weiter?  Schon vor Einsendeschluss versuche ich immer wieder, einen Überblick über das zu behalten, was mir vertrauensvoll zur Begutachtung überlassen wird; nicht immer gelingt das. Manches kann ich schnell aussortieren, weil es nicht den Teilnahmebedingungen entspricht, an anderem knabbere ich länger. Ist es gut? Ist es originell? Kann man daraus etwas machen? Schnell fällt mir auf, dass meine öffentlich bekundete Vorliebe für das Abseitige offenbar besonders eine Sorte Text anzieht: die Lebensüberdrussbewältigungsliteratur. Man findet seinen Platz im Leben nicht, ist orientierungslos und demonstrativ gleichgültig; Protagonist versucht gelegentlich erfolglos zu schriftstellern. Literatur wie diese fußt vielleicht häufig auf dem Missverständnis, dass das Abseitige nicht allein durch seine Abseitigkeit Tiefe und Qualität erhält. Mit mehr oder weniger gelungenen Referenzen auf Popkultur und Philosophie versucht mancher seinen Text irgendwie aufzuwerten, meistens erfolglos. Ich verstehe den Gedanken dahinter, …

Banal. Trivial. Egal.

© Berliner Büchertisch, Quelle: Flickr Wie wir reden, wenn wir über Literatur reden Nachdem die durch manch namenloses Dörfchen getriebene Kritikersau langsam erlahmt, gab ein Artikel über die Booktuberin Sara Bow unlängst erneut Anlass zur Diskussion. Jetzt gibt es Bissigkeiten innerhalb der Bloggerszene selbst, die Berufskritiker haben Pause. In Blogger – und Kritikerkreisen warf die 21-jährige Sara, die hauptberuflich im Mode – und Beautyblogging zuhause ist, aber sich mit dem telegenen Bücherloben ein Zubrot von rund 800 € monatlich verdient, Grundsatzfragen auf: Wie wollen wir eigentlich über Literatur sprechen? So, wie Sara, einfach aus dem Bauch heraus und ins Blaue hinein? Während manche Blogger kritische Worte für das weitgehend unbegründete Schwärmen der Vloggerin fanden (hier Thomas Brasch in seinem Artikel „Sara! Mir grauts vor dir!“), machten sich andere deutlich für das Buch und seine Empfehlung stark, in welcher Form sie auch erfolgen mag. (z.B. Nina Merks aka Frau Hauptsachebunt in ihrem Artikel „Lest doch was ihr wollt!„) Nun gibt es freilich zwischem dem deutlich artikulierten Grauen und einer weitgehend anspruchlosen Empfehlungskultur viele Grautöne, die bei …

Woody muss rein – zu Besuch bei Hanser

Immer. „Aus irgendeinem Grund mogelt er sich jedes Mal dazwischen, auch wenn ich gar kein besonders großer Fan von ihm bin.“, sagt Annika Reich. Auch wenn Lektoren diese Art von Verweisen nicht gern lesen, wenn sie Zitate und Anspielungen gern rigoros aus dem Textfluss reißen, Woody Allen muss rein. In jedes ihrer Bücher. Nur ganz kurz und flüchtig, so wie Hitchcock in nahezu jedem seiner Filme beiläufig die Szenerie kreuzt. Wir sitzen in trauter Runde an einem großen gedeckten Tisch, die Teelichter brennen, der Rotwein geht um. Es ist ein gemütliches und ungezwungenes Beisammensein in den Räumen des Hanser Verlages, in denen in diesem Augenblick ein bisschen Woody Allen ist. Und Schubert. Ein bisschen Tahirplatz und das Fenster zum Hof. All das und freilich noch viel mehr sind Zutaten von Annika Reichs neuem Roman ,Die Nächte auf ihrer Seite‘, das am 23. Februar bei Hanser erscheinen wird. Es geht um Paare, Partnerschaft und Selbstverständnis, die Arabische Revolution, die deutsche Wiedervereinigung. Wir verfolgen unmittelbar, durch die lebendige Schilderung Annika Reichs, den Entstehungsprozess eines Romans, der die …

Der Atlantik Verlag

Ein Geist geht um in der Buchbloggerwelt – der Geist des neu gegründeten Atlantikverlags. Im Zuge dieses Eintritts in die Verlagswelt haben sich die Zuständigen etwas wirklich Charmantes ausgedacht. So schickten sie Überraschungspost an einige Literaturblogger, bereits am Samstag wurde vielfach davon berichtet. Da ich aber arbeiten war und mein Paket erst heute aus den Fängen DHLs befreien konnte, komme ich eben – später. Ein Stoffbeutel, die Frühjahrsvorschau und das wunderschöne Bücher-Tagebuch ,Bücher sind treu‚ befinden sich im Paket. Wer sich also immer total schlecht merken kann, was er gerade gelesen hat, findet mit diesem liebevoll gestalteten Buch wahrscheinlich Anreiz genug, die ein oder andere Notiz zu machen, bevor er sich auf die nächste Lektüre stürzt. Im Atlantik-Verlag können wir zukünftig Romane, populäre Sach – und liebevolle Geschenkbücher wie Anthologien finden. ,Meine Zeichnungen duze ich, meine Bilder sieze ich.‘ ..,soll Ernst Ludwig Kirchner, berühmter expressionistischer Maler und Mitglied der Brücke, einmal gesagt haben. Und so sei der Atlantik Verlag eben mehr einer, den man duzt, während Hoffmann & Campe, in dessen Fahrwasser er sich bewegt, …