Alle Artikel mit dem Schlagwort: andrea gerk

Andrea Gerk – Lob der schlechten Laune

Wohin mit schlechter Laune in einer Gesellschaft, die positives Denken zur Grundvoraussetzung erfüllten Lebens macht? Überall solle man glücklich sein, konstruktiv, begeistert, voller Tatendrang, das Leben genießen. Ist schlechte Laune also immer ein destruktives Element? Und was ist das überhaupt, »schlechte Laune«? Andrea Gerk hat eine kleine Kulturgeschichte dieser unterschätzten Stimmungslage geschrieben, die implizit auch eine Kritik am Optimismuswahn unserer Zeit ist. Schlechte Laune gilt in diesen Tagen als ein Umstand, den man so schnell wie möglich beseitigen muss. Das Leben ist zu kurz, um mies drauf zu sein. Wie einem das gelingt, verraten unzählige Ratgeber aus dem Bereich optimistischen Lebensführung. Wenn einem das nicht gelingt, ist man wahrscheinlich ein unverbesserlicher, ineffizienter Stinkstiefel, der im Jammertal ganz selbstverantwortlich Rast macht. Was schlechte Laune ist, variiert je nach Definition. Eine kleine Verstimmung ohne akuten Auslöser, ein Leiden an der Verfasstheit der Welt, die so viel besser sien könnte als sie ist, ein eruptives Gebrodel im Inneren. Weltschmerz, Ärger, Wut, Enttäuschung. Andrea Gerk präsentiert einen launigen Querschnitt durch die Niederungen seelischen Missbehagens. Mittels vieler Beispiele aus Literatur …

Andrea Gerk – Lesen als Medizin

Als LeserIn weiß man um die heilende Wirkung von Literatur. Sie erlaubt es nicht nur, Abstand von unliebsamen Gegebenheiten zu nehmen und in fremde Welten einzutauchen, mit ihrer Hilfe können wir auch aus uns selbst heraustreten. Uns und andere von außen betrachten, Neues kennenlernen, von Erfahrungen profitieren, die wir gar nicht selbst gemacht haben. Mit ,Lesen als Medizin‘ ist Andrea Gerk nicht nur ein Loblied auf das Lesen, sondern eine kleine Kulturgeschichte des Lesens als etwas gelungen, das großen Anteil an der Besserung, Gesundung und Menschwerdung hat. Lesen ist nicht einfach bloß eine Freizeitbeschäftigung. Die Kraft, die mit der Lektüre guter Literatur verbunden ist, kann kaum hoch genug eingeschätzt werden, auch kulturgeschichtlich betrachtet. Durch das Lesen und Erzählen verleihen wir einem kontingenten Leben Struktur und Sinn, indem in einer Erzählung zumeist das eine logisch auf das andere folgt. Das ist die Chance, aber auch die Herausforderung des Erzählens. Wir, die wir Geschichten hören und lieben, tun das aus vielerlei Gründen. Einerseits natürlich, weil sie uns einen Fluchtweg bahnen aus dem Alltag, einen Rückzugsort bieten, an …