Alle Artikel in: Kurz & Knapp

Kurz und knapp rezensiert im Juni!

Im Juni geht es um feministische Essays, ein ungewöhnliches Zoo-Exponat und die russische Schwermut aus französischer Feder. Rebecca Solnits Essayband beginnt mit einer exemplarischen Partysituation: ein Mann belehrt Solnit, ungefragt und zunächst ohne es zu wissen, über ihr eigenes Buch. Es bedarf einiger Anstrengung, um ihn davon zu unterrichten, dass das Buch, aus dessen Besprechung er so übereifrig zitiert, von der Frau stammt, die ihm gegenüber steht. Gelesen hat er es selbst noch nicht. Worum es aber geht: mit dem 2/5-Wissen glänzen und das Revier abstecken. Von da aus reißt Rebecca Solnit mit ihren Essays zahlreiche feministische Themen an: die Marginalisierung von weiblichen Stimmen in Machtpositionen (verbunden mit der Schwierigkeit, als Frau überhaupt in solche Positionen zu gelangen), die Häufigkeit von Gewalt gegen Frauen, insbesondere in Form von Vergewaltigung, Machtverschiebungen und -differenzen und die eheliche Gleichstellung von Homosexuellen. Solnit ist eine scharfe Beobachterin, die klug und differenziert argumentiert und eigene, auch unkonventionelle Gedanken entwickelt. Am Ende steht eine anregende Sammlung ganz verschiedener Texte zu den Themen Feminismus und Gleichberechtigung, die offen zutage treten lassen, was …

Kurz und knapp rezensiert im April

Nicht zu jedem Roman kann man sich in epischer Breite auslassen. Ein guter Grund für die überfällige Reanimation des Kurz & Knapp-Formats. Truman Capote – Handgeschnitzte Särge Mit Kaltblütig (1966) begründete Capote das Genre des Tatsachenromans. An diesen furiosen Erfolg konnte er nicht mehr anknüpfen, viel mehr kann man hier einen veritablen Karriereknick verorten. Handcarved Coffins, das Kein & Aber als eigenständiges Büchlein herausgebracht hat, erschien erstmals 1980 in der Textsammlung Music for Chameleons. Auch hier ist Capote auf der Spur skurriler Morde, die sich jedes Mal durch die Zusendung handgeschnitzter Miniatursärge mit einer Fotografie des Opfers ankündigen. Im Gegensatz zu Kaltblütig ist die Provenienz dieses Kriminalfalls unklar; ob er tatsächlich auf Tatsachen beruht, konnte nie letztgültig festgestellt werden. Obwohl Capote bis zu seinem Tod darauf bestand, dass es sich um eine wahre Begebenheit handelt (dem Text vorangestellt ist die Versicherung Tatsachenbericht eines amerikanischen Verbrechens) spricht vieles dafür, dass es sich um ein Potpourri aus verschiedenen Kriminalfällen handelt – mehr dazu hier. Auch stilistisch wählt Capote einen neuen Ansatz, indem er die Geschichte als Drama …

Kurz und knapp rezensiert im Juni!

Zum dritten Mal k&k-Rezensionen, diesmal mit nur einer einzigen Neuerscheinung! George Steiner – Warum Denken traurig macht Schon im April hatte ich kurz über George Steiner geschrieben, seinerzeit ging es dabei um den Interviewband Ein langer Samstag. In diesem bereits 2006 erschienenen (ja, was eigentlich?) Essay, Traktat, Gedankenspiel geht es um den Akt des Denkens und seine immanenten Schwierigkeiten. Unter Berufung auf Schelling entfaltet Steiner zehn Gründe, weshalb das Denken und Existieren traurig stimmt. Begonnen bei der Erkenntnis, dass sicht nicht über das Denken hinausdenken lässt über die mutmaßliche Unmöglichkeit des Nichtdenkens bishin zur Uneindeutigkeit von Sprache, untersucht Steiner sämtliche Aspekte des Denkens. Er kommt letztlich auch zu dem Schluss, dass selbst zwei Liebende nie genau wissen können, was der andere denkt. Wir bleiben doch einsame Inseln in einem riesigen Meer, so sehr wir uns auch um den Brückenbau bemühen. Ein lehrreiches, hinsichtlich seines Aufbaus fast lyrisches Buch, das trotz aller Schwermut zum Denken anstiftet! Georg Steiner: Warum Denken traurig macht. Suhrkamp Verlag. Aus dem Englischen von Nicolaus Bornhorn. 124 Seiten. 8,00. Rebecca West – …

Kurz und knapp rezensiert im Mai

Zum zweiten Mal schon gibt es auf dem Blog die k&k-Rezensionen. Diesmal mit zwei ganz unterschiedlichen Romanen und einer Graphic Novel, die überraschend in meinem Briefkasten gelandet ist. Daniela Danz – Lange Fluchten Nach einem Zwischenfall wird Constantin Staas, genannt Cons, aus dem Militärdienst entlassen und damit einer Beschäftigung beraubt, für die er sich wie geschaffen wähnt. Seitdem ist mit ihm wenig anzufangen. Ein Haus wollte er für seine Familie bauen, für seine Frau Anne und die beiden Söhne. Stattdessen leben sie nun schon schmerzlich lange getrennt in einem provisorischen Baucontainer. Cons kämpft um eine Anerkennung als Wehrdienstbeschädigter, obwohl er nie im Krieg gewesen ist. Obwohl er schon selbst nicht mehr weiß, was mit ihm geschehen ist. Sein sterbender Freund Henning rüttelt schließlich an Cons‘ Festung und versucht, ihn aus der Lähmung des Nichtstuns zu befreien. Daniela Danz lehnt diesen Roman an die Legende des heiligen Eustachius an, gibt ihm aber ein modernes und zeitgemäßes Gewand. Intensiv erzählt sie vom Scheitern und Verlieren, das unerklärlich und unüberwindbar, aus der Feder von Daniela Danz aber dennoch …

Neu. k&k – Kurz & Knapp rezensiert.

© Anthony Delanoix, Stocksnap Künftig wird es auf dem Blog eine neue Rubrik geben. Die k&k-Rezensionen (die natürlich ausschließlich ihrer userfreundlichen Kürze wegen so heißen und nicht aufgrund ihrer geradezu königlichen Qualität). In loser Folge werden also unter dieser Überschrift Bücher kurz und knapp umrissen und mit einem Qualitätsurteil versehen. Den Anfang machen vier ganz unterschiedliche Bücher. María Sonia Cristoff – Lasst mich da raus Eine Simultanübersetzerin, deren täglich Brot das Reden und Kommunizieren in hoher Geschwindigkeit ist, verordnet sich ein Schweigejahr. Sie kündigt ihren Job, zieht landwärts und beginnt als Aufseherin in einem Museum zu arbeiten. Wenn das Sprechen sich irgendwie vermeiden lässt, schweigt sie, auf ganz unterschiedliche Art. Mal duldsam, mal diplomatisch, mal verständnisinnig. Das geht gut, bis sie einem etwas geschwätzigen Tierpräparator assistieren soll, den sie durch eine List zu Fall bringt. Kein klassischer Aussteigerroman, aber listig, bösartig, humorvoll. Berenberg Verlag, übersetzt von Peter Kultzen, 120 Seiten, 20 € J. Paul Henderson – Letzter Bus nach Coffeeville Gene, genannt „Doc“, hat es in seinem Leben nicht leicht gehabt. Unerwartet meldet sich, nach …