Alle Artikel in: Interviews

Julia Tieke im Interview!

Mit dem authentischen Echtzeit-Dialog „Mein Akku ist gleich leer“ (erschienen im Digitalverlag mikrotext) bringt Julia Tieke uns das Schicksal eines Flüchtlings auf unmittelbare Weise näher. Hier ist nichts gekünstelt oder literarisch aufbereitet, es gab diesen Dialog zwischen Flüchtling Faiz und Julia Tieke, die selbst Kulturwissenschaftlerin ist und bereits ein Radiofeature über syrische Radiostationen produziert hat. Ich habe ihr dazu und zur ersten Begegnung mit Faiz einige Fragen gestellt. Julia, dein Kontakt zu Faiz ist letztlich aus einem Radiofeature hervorgegangen, das von syrischen Radiomachern und ihren Verbindungen u.a. nach Berlin handelte. Wie bist du auf dieses Thema gestoßen? Freunde von mir arbeiten in der Berliner Nichtregierungsorganisation MICT, die das Radioprojekt „Syrnet“ mit syrischen Radiomachern durchführt. Sie haben mir früh von dem Projekt erzählt, und als Radiomensch war ich begeistert von dem Vorhaben, UKW-Radio in, bzw. für Syrien zu fördern. Und ich war natürlich neugierig, wer dort mit dem Medium Radio arbeitet, und wie das unter Kriegsbedingungen geschieht. Welche Erfahrungen hast du in der Türkei mit dieser Art des Widerstands und der Opposition gemacht? Was kann das …

Kristine Bilkau im Interview!

© Thorsten Kirves Ihr Debütroman ,Die Glücklichen‚ ist ein beeindruckendes Gesellschaftsporträt, in seinem Zentrum die Ängstlichen, die Lebensoptimierer, für die jeder Fehler den Verlust ihres persönlichen Glücks bedeuten könnte. Scheitern müssen wir wieder lernen, Perfektion ist Stillstand. Auf der Leipziger Buchmesse habe ich Kristine Bilkau zum Interview getroffen. Sie sind auch Journalistin. Wie sind sie vom journalistischen zum literarischen Schreiben gekommen? Ich habe schon während des Studiums literarisch geschrieben, aber war immer zu schüchtern und zu unsicher, um es irgendjemandem zu verraten. Ich habe das immer schön heimlich gemacht und versucht, mich nebenbei dort zu verwirklichen, wo es eben ging. Zum Beispiel habe ich meine Magisterarbeit so geschrieben, dass sie besonders schön war und mein Professor sagte dann: ,Das war aber angenehm zu lesen‘. Ich habe das also irgendwie in andere Kanäle laufen lassen. Im Journalismus habe ich auch gemerkt, dass es mich eingrenzt, dass ich mich an Informationen halten muss und nicht das schreiben kann, was ich gerne schreiben würde. Mit dem ersten Prosatext bin ich 2008 rausgegangen, als ich ihn zum open mike …

Auf Messers Schneide mit Maria Odoevskaya

© Heike Köllzer Maria Odoevskaya ist eine zierliche junge Frau, deren Äußeres zunächst keinerlei Rückschlüsse auf ihre Sprachgewalt zulässt. Sie wirkt manchmal schüchtern, nervös. Nicht unbedingt wie jemand, der gern auf einer Bühne stehend ein Publikum mitreißt. Wie sehr man doch manchmal in der Beurteilung seiner Mitmenschen einer Täuschung unterliegen kann, demonstriert Maria Odoevskaya auf beeindruckende Weise, wenn sie eine Bühne betritt. Man sieht sie oft bei Poetry Slams, im Juni dieses Jahres wird sie Lübeck bei den U20 Poetry Slam Nationals in Regensburg vertreten. Als sie am 30. Januar im Haus der Lübecker Bücherpiraten einen Abend lang Einblick in die Entstehung ihres Debütromans ,By Your Name‚ gibt, wird unweigerlich deutlich, wie gewandt Maria Odoevskaya mit Worten umgeht, welch feines Gespür für Sprache und psychologische Motivationen sie besitzt. Mithilfe einiger – oft ebenfalls schreibender – Freunde bringt sie Ausschnitte des Romans szenisch auf die Bühne. Die Figuren treten aus ihrem fiktionalen Rahmen und werden lebendig. Das fast fertige ,By Your Name‚ ist ein Coming Of Age Roman und wie so oft geht es darin um …

Meg Wolitzer im Interview

Foto: Nina Subin Gerade hat sie im Dumont Verlag einen Roman veröffentlicht, der nicht nur von Jonathan Franzen gelobt, sondern bisweilen sogar mit ihm verglichen wird. ,Die Interessanten‚ ist ein Buch über Freundschaft und das Leben, aber auch ein gesellschaftlicher Querschnitt durch viele Jahrzehnte amerikanischer Geschichte, von den Siebzigern bis heute. Ich hatte, was mich wirklich sehr freut, die Möglichkeit, Meg Wolitzer einige Fragen zu stellen. Das zweite Interview, neben Dorthe Nors, das ich auf Englisch geführt habe. Und die Antworten kamen tatsächlich den langen Weg von New York hierher! Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle natürlich an Meg Wolitzer selbst, aber auch an den Dumont Verlag, der das überhaupt möglich gemacht hat. Waren Sie jemals in einem Sommercamp und wenn ja, wo und wann? Ja, ich war mal in einem Sommercamp in Massachusetts, als ich fünfzehn war. Es war dem in ,Die Interessanten‘ sehr ähnlich. Sie haben ,Creative Writing‘ am Smith College und der Brown University studiert und unterrichten heute selbst. Wie ist es dazu gekommen? Denken Sie, dass man Schreiben lernen kann? …

Dorthe Nors und ihr Handkantenschlag

Sie mag keine Geschichten, die belehrend den Zeigefinger heben. Viel mehr geht es ihr um das Spiegeln menschlichen Handels und Empfindens, sagt die dänische Autorin Dorthe Nors in einem Interview. Die heute 44-jährige studierte Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte und veröffentlichte 2001 ihr erstes Buch. Drei weitere folgten, so auch 2008 ,Kantslag‚, das ihr zum Durchbruch verhalf. 2014 unter dem Titel ,Karate Chop‚ auch auf Englisch veröffentlicht, wurde es frenetisch von der amerikanischen Presse gefeiert. Sie sei ein aufstrebender Star, die Publishers Weekly verkündet sogar, kein Wort sei bei Dorthe Nors am falschen Platz. Sie selbst bezeichnet ,Handkantenschlag‚, das sechs Jahre brauchte, um in deutschen Regalen zu landen (dank dem Osburg Verlag), als eine Art Logbuch. Dorthe Nors lebte für zwei Jahre an verschiedenen Orten in Dänemark und lernte bei ihren Reisen unzählige Menschen und ihre Geschichten kennen. Es waren gute Begegnungen und weniger gute, auf jeden Fall aber haben sie sich in das Gedächtnis der aufmerksamen Autorin eingebrannt. Es geht um Einfühlungsvermögen und Genauigkeit, sagt sie. In ihren Geschichten, die oft nur kurze Momentaufnahmen alltäglichen Lebens …

Marion Brasch im Interview

Foto: Jörg Steinmetz Gerade erschien ihr neuer Roman ,Wunderlich fährt nach Norden‚. Eine fast mystische Reise an die Grenzen des Erklärlichen und letztlich doch wieder ein Ankommen bei sich selbst. Marion Brasch spricht mit mir über den Roman, Wunderlichs Ursprünge und das Schreiben. 1.Marion, wie kommt man vom Radio zum Bücherschreiben? War das schon lange ein Traum von Dir oder eher ein spontaner Entschluss? Ich schreibe eigentlich schon lange, allerdings passierte das früher eher sporadisch; meist waren es kleine absurde Geschichten – nichts, das in die Welt hinaus musste. Das „ernsthafte“ Schreiben kam erst durch meinen ersten Roman „Ab jetzt ist Ruhe“. Da musste ich mal etwas länger bei der Sache bleiben, was sonst nicht so meine Art war. 2.Du bist noch immer beim Radio tätig, mittlerweile bei Radio Eins. Was ist das Schöne am Radio? Radio ist eine großartige Sache, weil es schnell, unmittelbar, unaufwendig und trotzdem ein sinnliches Medium ist; durch die Musik, aber auch durch die Leute, die hinterm Mikrofon sitzen und die man mögen kann oder auch nicht. Ich habe das …

Das Antiquariat Diderot

Wir alle wissen als Leser und Leserinnen meistens sehr gut, wie es so im Sortimentsbuchhandel aussieht. Viele von uns gehen dort mehr als regelmäßig ein und aus. Doch wie läuft es eigentlich im Antiquariat ab? Was ist dort anders? Jasmin Fritz, 1976 in Lübeck geboren und Inhaberin des Antiquariats ,Diderot‘ in Kiel, stand mir Rede und Antwort. Die gelernte Antiquarin und studierte Literaturwissenschaftlerin geht mit ihrem Laden auch für die Auszeichnung Kultur – und Kreativpilotin 2014 ins Rennen. Würde sie ausgewählt, wäre Diderot Teil einer Initiative der Bundesregierung, die Unternehmen unterstützt, die sich als Kulturbewahrer und kulturelle Treffpunkte engagieren. So oder so ist das Antiquariat aber nicht nur ein Antiquariat, sondern auch Veranstaltungsort für Lesungen oder Ausstellungsraum für Kunstwerke.