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Bitte übernehmen Sie, Frank Rudkoffsky!

© Ronny Schönebaum Das Schreiben begann für mich.. in der Grundschule mit geradezu bizarr schlecht gezeichneten Comics und vermeintlich witzigen Kürzestgeschichten über senile Filmhelden. Später musste ich mich dann einige Schubladenromane lang an frühen Vorbildern abarbeiten, ehe ich zu meiner eigenen Stimme fand. Ein Buch muss.. mich gleichzeitig unterhalten und herausfordern. Sprache und Plot sind mir wichtig – im Zentrum müssen aber immer glaubhafte Figuren stehen, mit denen ihr Schöpfer gerne auch gnadenlos umgehen darf. Vielleicht sogar muss. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. sie ja immer noch jemandem diktieren. Und ihm dabei mit den freien Händen etwas Leckeres kochen. Stenographiekenntnisse wären jedoch von Vorteil: Langsam sprechen gelingt mir nur bei Lesungen. Ein Kindheitstraum von mir war.. mit Mitte dreißig mittelloser Schriftsteller zu sein. Nur jünger. Und weniger mittellos. Wenn ich nicht schlafen kann.. wälze ich mich so lange herum, bis ich fluchend aufstehe und mir Sätze wie diese ausdenke: „Bastian hat die Zeitreiseexperimente langsam satt. Es ist seit Nächten dasselbe: Wenn Nina morgens neben ihm aufwacht und ausgeschlafen in den neuen Tag …

Bitte übernehmen Sie, Heinz Helle!

© Jürgen Bauer/Suhrkamp Verlag Das Schreiben begann für mich.. beim Zivildienst in der Psychiatrie. Ein Buch muss.. klingen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. Serien anschauen. Ein Kindheitstraum von mir war.. Erfinder zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann.. setze ich mich aufs Sofa. Manchmal mache ich Licht. Völlig unterschätzt wird.. End Zone, das zweite Buch von Don DeLillo. Wenn ich Musik höre,.. weine ich manchmal. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich bin ein bisschen langsam und unselbständig. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. dass ich mir im Internet ständig Immobilienangebote aus Skandinavien ansehe, obwohl ich gar kein Geld habe. Literatur kann.. einen dankbar machen, dafür, dass man ein Mensch ist. Heinz Helle, geboren 1978, Studium der Philosophie in München und New York, Arbeit als Texter in Werbeagenturen, Absolvent des Schweizerischen Literaturinstituts in Biel, wohnhaft ebendort, verheiratet, eine Tochter. Sein Romandebüt Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin erschien 2014. Mit seinem aktuellen Roman Eigentlich müssten wir tanzen stand er auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015.

Bitte übernehmen Sie, Mercedes Lauenstein!

© Juri Gottschall Das Schreiben begann für mich… sehr früh mit der Sehnsucht nach großen Schwestern, die auf mich aufpassten und mir die Welt erklärten und die ich aber nicht hatte und deshalb erfinden musste. Ein Buch muss… meinen Vibe treffen – ist ein bescheuertes, aber irgendwie auch geiles Wort. Ich denk da immer an Kendrick Lamars „Bitch don’t kill my vibe“, da weiß man doch sofort was gemeint ist. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… malen. Ein Kindheitstraum von mir war… Schauspielerin zu werden und Vagabundin. Wenn ich nicht schlafen kann… räume ich auf, gehe spazieren oder male. Oder reiße zwanzig Bücher aus meinem Regal und lese wild drauf los, hier mal rein, da mal rein, bis ich eine Stelle finde, die mich umhaut. Die lese ich dann immer und immer wieder und dann setze ich mich hin und fange selbst an zu schreiben. Völlig unterschätzt wird… das Golfspiel. So ein weiser, lebensphilosophischer Sport, der viel zu oft als spießiges Seniorenhobby oder Snobscheiße für Neureiche verspottet wird. Wenn ich Musik höre,… wirkt …

Bitte übernehmen Sie, Katharina Hartwell!

© Tobias Bohm Das Schreiben begann für mich.. als ich Buchstaben gerade so in die annähernd richtige Reihenfolge bringen konnte. Ein Buch muss.. erst mal gar nichts. Sollte aber viel können. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. – hier fällt mir überhaupt nichts ein. Das sagt ja auch was aus. Ein Kindheitstraum von mir war.. ein mindestens dreiteiliges Fantasy-Epos zu schreiben, mit Landkarten. Und Glossar. Wenn ich nicht schlafen kann,.. höre ich Podcasts, wahrscheinlich „This American Life“. Völlig unterschätzt wird.. Pathos. Wenn ich Musik höre,.. kann ich mich besser aufs Arbeiten konzentrieren. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Manchmal trage ich ausgeleierte Cardigans und eine Brille wie alle Schriftsteller in allen Filmen. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. zu Filmsoundtracks zu schreiben. Literatur kann.. mich gut aus dem Alltag hebeln. Katharina Hartwell, 1984 geboren, studierte Anglistik und Amerikanistik sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie war u.a. Gewinnerin des MDR-Literaturpreises und Stipendiatin des Landes Hessen und des Freistaates Sachsen. 2013 war sie die Sylter Inselschreiberin. Ihr erster Roman »Das Fremde Meer« wurde begeistert aufgenommen …

Bitte übernehmen Sie, Sandra Weihs!

© Theresa Pewal Das Schreiben begann für mich.. mit dem Verstehenwollen von Menschen, inklusive mir selbst. Ist gar nicht so einfach. Ein Buch muss.. gar nichts, aber dass ich es auch bis zu seinem Ende lese, sollte es in mir irgendetwas umordnen. Oder neu machen. Mich berühren oder bewegen. Oder so. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. den Haushalt schaffen. Ein Kindheitstraum von mir war.. Schauspielerin zu werden. Jetzt schreibe ich die Figuren, die ich eigentlich spielen wollte. Ich wollte immer beweisen, dass das Verhalten eines Menschen meist inkongruent zu seinem Denken und Fühlen steht. Ja, auch schon als Kind. Wenn ich nicht schlafen kann.. muss irgendetwas Tragisches passiert sein. Meine erste Buchveröffentlichung zum Beispiel. Völlig unterschätzt werden.. Brieffreundschaften. Die könnten die Welt verändern. Wenn ich Musik höre,.. kann es sein, dass ich zu heulen, tanzen oder singen beginne. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: nicht ganz zufrieden zu sein mit dieser Welt und deswegen schreiben und trinken zu wollen. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. ständig mit dem linken Bein zu wippen. Literatur …

Bitte übernehmen Sie, Marc Degens!

© SuKuLTuR Das Schreiben begann für mich.. mit lesen. Ein Buch muss.. gar nichts. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. mehr lesen. Ein Kindheitstraum von mir war.. es, erwachsen zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann.. träume ich. Völlig unterschätzt wird.. Humor. Wenn ich Musik höre,.. beantworte ich mitunter solche Fragen. Ich erfülle folgendes charmante Autorenklischee: Früher Kettenraucher, heute Brille. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. zu schreiben. Literatur kann.. alles. Marc Degens (* 1971) lebt in Toronto, Kanada. Er ist Schriftsteller, SuKuLTuR-Verleger und Betreiber der Ebook-Boutique Minimore für ausgewählte Bücher. 2015 erschien im Dumont Buchverlag sein vierter Roman »Fuckin Sushi«. marc-degens.de

Bitte übernehmen Sie, Bov Bjerg!

© Milena Schlösser Das Schreiben begann für mich.. mit Journalismus. Mein Lego-Dorf brauchte eine Zeitung, damit die Bewohner wussten, was da überhaupt vorging. Vier Seiten A6, einzeilig auf der Olivetti getippt. Ein Buch muss.. vor allem groß genug gedruckt sein. Also, die Schrift jetzt. Ein Kindheitstraum von mir war.. dass die Flaschenpost, die ich auf der Alb in die Donau werfe, es schafft, vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer zu gelangen, in den Suez-Kanal und von da nach Australien. Sidney hätte gar nicht sein müssen, Perth hätte mir völlig genügt. Den Atlas kannte ich ganz gut, aber die Meeresströmungen nicht so. Wenn ich nicht schlafen kann.. dann steh ich auf. Völlig unterschätzt wird.. der Schlaf nach zwölf. Wenn ich Musik höre,.. ist es in 90% der Fälle Bob Dylan. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich schaue sofort nach, ob „folgendes charmantes“ grammatikalisch korrekt ist, oder ob es nicht doch eher „folgendes charmante“ heißen müsste. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. alles ohne Unterschied zu lesen. Autokennzeichen, Verpackungen, Reklame, Hausnummern, Schlagzeilen, Wegweiser. Ich war ein einziges Mal …