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Bitte übernehmen Sie, Tilman Rammstedt!

© Carolin Saage Das Schreiben begann für mich.. aus Langeweile in endlosen Sommerferien. Ein Buch muss.. körperlich spürbar sein. Dann ist es magisch: Wenn nur aneinandergereihte Buchstaben meinen Organismus durcheinander bringen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. bestimmt mindestens einen Handstandüberschlag machen. Außerdem könnte ich fließend Ungarisch und Paragliden. Aber ich schreibe ja leider Bücher. Ein Kindheitstraum von mir war.. als Erwachsener mal einen Schurrbart zu haben. Wenn ich nicht schlafen kann.. mache ich mir Sorgen aus Meisterhand. Völlig unterschätzt wird.. Abwesenheit. Wenn ich Musik höre,.. nehme ich mir immer vor, mehr Musik zu hören. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Alle (bis aufs Schreiben). Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist.. atmen, das ist schon fast so etwas wie eine Sucht. Literatur kann.. wahnsinnig nerven. Tilman Rammstedt wurde 1975 in Bielefeld geboren, er lebt in Berlin. 2003 erschien sein Debüt Erledigungen vor der Feier, es folgten die Romane Wir bleiben in der Nähe (2005), Der Kaiser von China (2008), Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters (2012) und Morgen mehr (2016). Er wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, …

Bitte übernehmen Sie, Marie Malcovati!

© Christian Trieloff Das Schreiben begann für mich… seit ich mir eingestehen musste, dass ich als Kellnerin einfach nichts tauge. Ein Buch muss… versuchen, etwas neu zu beleuchten. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… irgendwelchen anderen Unsinn machen. Ein Kindheitstraum von mir war… schön singen zu können. Wenn ich nicht schlafen kann… werde ich wütend – passiert leider dauernd. Völlig unterschätzt wird… alles, was beginnt. Wenn ich Musik höre,… bin ich manchmal von den merkwürdigsten Dingen überzeugt. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: vor dem Schreiben erstmal herausfinden zu müssen, warum der Stuhl so quietscht, und ob man nicht sowieso am besten erstmal kurz staubsaugen sollte. Aber ob das nun „charmant“ ist…? Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es… lieber im Dunkeln zu sitzen, als ein Deckenlicht anzumachen. Literatur kann… das Geheimnis nicht lüften, aber manchmal vielleicht verschönern oder entwirren. Marie Malcovati, geb. 1982, studierte Drehbuch und Filmwissenschaften in Manchester und an der Filmakademie Baden-Württemberg, sie lebt derzeit in Freiburg i. Br. Sie schreibt Features für den SWR, übersetzt aus dem Französischen und Englischen und veröffentlicht …

Bitte übernehmen Sie, Saša Stanišić!

© Katja Sämann Das Schreiben begann für mich.. mit Liebesgedichten und Partisanengeschichten und vorlesen für Opa, auf der Couch stehend und laut deklamierend. Ein Buch muss.. so vieles nicht, das man von ihm von außen verlangt. Wenn ich keine Bücher schreiben würde,.. wäre ich vielleicht eine Wahrsagerin. Ein Kindheitstraum von mir war es,.. die Nacht unbemerkt im Supermarkt zu verbringen. Wenn ich nicht schlafen kann,.. frage ich mich, wie es kommt, dass ich auf einmal nicht schlafen kann. Völlig unterschätzt wird.. Neid und seine destruktive Kraft. Wenn ich Musik höre,.. wünsche ich, ich wäre eine Trompete. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich sage vor Beginn jeder Lesung: „Freue mich, hier zu sein“, ganz egal, wo ich bin. Ist das charmant? Es ist sehr opportunistisch. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es,.. seltsame Angewohnheiten zu meiden. Literatur kann,.. schafft es aber zu selten. Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad in Bosnien-Herzegowina geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman Wie der Soldat das Grammofon repariert begeisterte Leser und Kritik gleichermaßen und wurde in 31 Sprachen übersetzt. …

Bitte übernehmen Sie, Benedict Wells!

© Bogenberger / autorenfotos Das Schreiben begann für mich.. mit dem Beobachten und der Lust, etwas zu erzählen. Ein Buch muss.. mich beim Lesen berühren, damit ich es liebe. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. einpacken. Ein Kindheitstraum von mir war.. Abenteuer zu erleben. Und wie Marty McFly „Johnny Be Goode“ auf der E-Gitarre spielen zu können. Das möchte ich immer noch, aber das hebe ich mir für meine Midlife-Crisis auf. Wenn ich nicht schlafen kann.. höre ich Hörbücher oder räume auf. Völlig unterschätzt wird.. die Serien „Freaks & Geeks“ und „Firefly“. Dankbarkeit. Und ein richtig gutes Sandwich. Wenn ich Musik höre.. gehe ich vermutlich gerade durch die Stadt. Das ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen: Mir eine Playlists mit alten und neuen Songs zusammenzustellen. Und dann beim Spazieren Musik zu hören und in Gedanken an einem Buch zu arbeiten. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Bis in den Mittag hinein zu schlafen. (Lustig, dass niemanden interessiert, dass man zuvor bis um sechs Uhr morgens gearbeitet hat, man gilt trotzdem als faul.) Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten …

Bitte übernehmen Sie, Finn-Ole Heinrich!

© Denise Henning Das Schreiben begann für mich… mit dem Lesen, eigentlich relativ spät, so mit 17. Ein Buch muss… gut sein, groß sein, etwas wagen, eigentlich die ganze Welt beinhalten, dabei so knapp sein wie nur möglich und Raum lassen zum Atmen, zum Selberdenken. Und es muss einen auch irgendwie immer zum richtigen Zeitpunkt treffen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… tausend kleinen Geschäftsideen nachgehen. Eisverkäufer in Südfrankreich sein zum Beispiel. Ein Kindheitstraum von mir war,… Eisverkäufer in Südfrankreich zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann,… was ziemlich oft der Fall ist, liege ich im Bett, bin spätestens nach einer halben Stunde sehr genervt von mir und der Kleinheit meiner Gedanken. Völlig unterschätzt wird… das Fasten (mache ich gerade). Wenn ich Musik höre,… dann meistens nebenbei, was ich selbst gar nicht gut finde. Ich lese ja auch Bücher nicht nebenbei oder gehe nebenbei ins Theater. Ich sollte viel genauer zuhören, mich reinhören, aber meistens fehlt mir dafür die Ruhe, die innere, meine ich. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich kann mit zehn …

Bitte übernehmen Sie, Frank Rudkoffsky!

© Ronny Schönebaum Das Schreiben begann für mich.. in der Grundschule mit geradezu bizarr schlecht gezeichneten Comics und vermeintlich witzigen Kürzestgeschichten über senile Filmhelden. Später musste ich mich dann einige Schubladenromane lang an frühen Vorbildern abarbeiten, ehe ich zu meiner eigenen Stimme fand. Ein Buch muss.. mich gleichzeitig unterhalten und herausfordern. Sprache und Plot sind mir wichtig – im Zentrum müssen aber immer glaubhafte Figuren stehen, mit denen ihr Schöpfer gerne auch gnadenlos umgehen darf. Vielleicht sogar muss. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. sie ja immer noch jemandem diktieren. Und ihm dabei mit den freien Händen etwas Leckeres kochen. Stenographiekenntnisse wären jedoch von Vorteil: Langsam sprechen gelingt mir nur bei Lesungen. Ein Kindheitstraum von mir war.. mit Mitte dreißig mittelloser Schriftsteller zu sein. Nur jünger. Und weniger mittellos. Wenn ich nicht schlafen kann.. wälze ich mich so lange herum, bis ich fluchend aufstehe und mir Sätze wie diese ausdenke: „Bastian hat die Zeitreiseexperimente langsam satt. Es ist seit Nächten dasselbe: Wenn Nina morgens neben ihm aufwacht und ausgeschlafen in den neuen Tag …

Bitte übernehmen Sie, Heinz Helle!

© Jürgen Bauer/Suhrkamp Verlag Das Schreiben begann für mich.. beim Zivildienst in der Psychiatrie. Ein Buch muss.. klingen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. Serien anschauen. Ein Kindheitstraum von mir war.. Erfinder zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann.. setze ich mich aufs Sofa. Manchmal mache ich Licht. Völlig unterschätzt wird.. End Zone, das zweite Buch von Don DeLillo. Wenn ich Musik höre,.. weine ich manchmal. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich bin ein bisschen langsam und unselbständig. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. dass ich mir im Internet ständig Immobilienangebote aus Skandinavien ansehe, obwohl ich gar kein Geld habe. Literatur kann.. einen dankbar machen, dafür, dass man ein Mensch ist. Heinz Helle, geboren 1978, Studium der Philosophie in München und New York, Arbeit als Texter in Werbeagenturen, Absolvent des Schweizerischen Literaturinstituts in Biel, wohnhaft ebendort, verheiratet, eine Tochter. Sein Romandebüt Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin erschien 2014. Mit seinem aktuellen Roman Eigentlich müssten wir tanzen stand er auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015.