Kurz & Knapp
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Kurz und knapp rezensiert im Mai

Zum zweiten Mal schon gibt es auf dem Blog die k&k-Rezensionen. Diesmal mit zwei ganz unterschiedlichen Romanen und einer Graphic Novel, die überraschend in meinem Briefkasten gelandet ist.

Daniela Danz – Lange Fluchten

Nach einem Zwischenfall wird Constantin Staas, genannt Cons, aus dem Militärdienst entlassen und damit einer Beschäftigung beraubt, für die er sich wie geschaffen wähnt. Seitdem ist mit ihm wenig anzufangen. Ein Haus wollte er für seine Familie bauen, für seine Frau Anne und die beiden Söhne. Stattdessen leben sie nun schon schmerzlich lange getrennt in einem provisorischen Baucontainer. Cons kämpft um eine Anerkennung als Wehrdienstbeschädigter, obwohl er nie im Krieg gewesen ist. Obwohl er schon selbst nicht mehr weiß, was mit ihm geschehen ist. Sein sterbender Freund Henning rüttelt schließlich an Cons‘ Festung und versucht, ihn aus der Lähmung des Nichtstuns zu befreien. Daniela Danz lehnt diesen Roman an die Legende des heiligen Eustachius an, gibt ihm aber ein modernes und zeitgemäßes Gewand. Intensiv erzählt sie vom Scheitern und Verlieren, das unerklärlich und unüberwindbar, aus der Feder von Daniela Danz aber dennoch menschlich und nie larmoyant erscheint. Um die Lektüre zu genießen, ist die Geschichte Eustachius‘ nicht vonnöten, wer sie aber kennt, wird insbesondere am Ende Querverbindungen und Parallelen entdecken. Ein leises, ein bedächtiges, ja, auch ein trauriges Buch.

Daniela Danz: Lange Fluchten, Wallstein Verlag, 146 Seiten, 18,90 €

Joachim Lottmann – Hotel Sylvia

Der Urvater der Popliteratur hat eine wirklich halbwegs ernsthafte, kleine Novelle über das Altern und Erinnern geschrieben. Ein Autor namens Wolfgang macht sich Sorgen um seinen bisher von ihm eher vernachlässigten Bruder Manfred. Der ist gerade in dritter Ehe mit einer slowakischen Krankenschwester verheiratet, die dem alten Herrn statt zu einem gesteigerten Wohlbefinden eher suggestiv zu einer ständigen Nahtoderfahrung verhilft. Eigentlich stirbt er schon, jetzt gerade, er weiß es nur noch nicht. Um den Bruder auf andere Gedanken zu bringen, lädt Wolfgang ihn nach Grottamare ein, ins Hotel Sylvia, das sie als Kinder jeden Sommer besuchten (und das, Fun Fact, übrigens tatsächlich existiert: Hotel Sylvia). Gewohnt scharfzüngig und mit dem einen oder anderen Seitenhieb (so wird aus KiWi-Verleger Helge Malchow der „nie in bester Verfassung“ befindliche Helmut Grabow) entfaltet sich nun ein Italien-Panorama der besonderen Art. Wolfgang setzt an zum Wiederbelebungsversuch an der Adria. Manfred soll sich verlieben in die junge Agnes, in der Sonne Italiens wieder das Leben genießen und in Erinnerungen schwelgen. Aber dieses „früher“ ist nicht für jeden dasselbe und Erinnerung doch immer konstruierte Wirklichkeit. Intelligent komponiert, mit einer guten Prise Lottmann-Humor!

Joachim Lottmann: Hotel Sylvia, Haffmans & Tolkemitt, 125 Seiten, 14,95 €

Rina Jost: Der Hase auf dem Rücken eines Elefanten

Im Jahr 2013 unternimmt Rina Jost eine Reise, von der ihr viele mit einer Mischung aus Angst und Skepsis abraten. Allein geht es von der Schweiz nach China. Entlang der transsibirischen und transmongolischen Eisenbahn über Russland  schließlich ins Reich der Mitte. Was sie erlebt, hält sie in ihrem Skizzenbuch fest. Mit sich führt sie nicht nur ihr Gepäck, sondern auch das ein oder andere Vorurteil (am Beginn jedes Kapitels repräsentiert durch die jeweiligen Erwartungen an das Land), dessen Entkräftung wir miterleben dürfen. Rina Jost ist aufgeschlossen, herzlich und neugierig. Der Titel dieser grafischen Reisebeschreibung geht auf eine Bildunterschrift einer buddhistischen Stickerei zurück. Dort heißt es: „The rabbit on the back of an elephant is a symbol of the dullness of the brain.“ Wenn man der Trägheit des Geistes irgendwie entgegenwirken kann, dann mit dem Reisen und der ständigen Entdeckung neuer Perspektiven und Ideen. Genau das eben, was Rina Jost getan und mit dieser Graphic Novel so charmant aufbereitet hat. Ein lesens- und sehenswertes Plädoyer für Offenheit und Entdeckerfreude!

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Rina Jost: Der Hase auf dem Rücken eines Elefanten, Edition Moderne, 128 Seiten, 25 €

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