Kurz & Knapp
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Neu. k&k – Kurz & Knapp rezensiert.

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© Anthony Delanoix, Stocksnap

Künftig wird es auf dem Blog eine neue Rubrik geben. Die k&k-Rezensionen (die natürlich ausschließlich ihrer userfreundlichen Kürze wegen so heißen und nicht aufgrund ihrer geradezu königlichen Qualität). In loser Folge werden also unter dieser Überschrift Bücher kurz und knapp umrissen und mit einem Qualitätsurteil versehen. Den Anfang machen vier ganz unterschiedliche Bücher.

zoom_berenberg_book_087d97a12a97María Sonia Cristoff – Lasst mich da raus

Eine Simultanübersetzerin, deren täglich Brot das Reden und Kommunizieren in hoher Geschwindigkeit ist, verordnet sich ein Schweigejahr. Sie kündigt ihren Job, zieht landwärts und beginnt als Aufseherin in einem Museum zu arbeiten. Wenn das Sprechen sich irgendwie vermeiden lässt, schweigt sie, auf ganz unterschiedliche Art. Mal duldsam, mal diplomatisch, mal verständnisinnig. Das geht gut, bis sie einem etwas geschwätzigen Tierpräparator assistieren soll, den sie durch eine List zu Fall bringt. Kein klassischer Aussteigerroman, aber listig, bösartig, humorvoll.

Berenberg Verlag, übersetzt von Peter Kultzen, 120 Seiten, 20 €

4F447C7C373334353232327C7C434F504CJ. Paul Henderson – Letzter Bus nach Coffeeville

Gene, genannt „Doc“, hat es in seinem Leben nicht leicht gehabt. Unerwartet meldet sich, nach vielen Jahren, seine Jugendliebe Nancy bei ihm und bittet um die Einlösung eines Versprechens. Viele Frauen in ihrer Familie sind bereits an Alzheimer erkrankt und sie spürt die Vorzeichen. Bevor sie ganz verschwindet, mit allem was sie ist, bittet sie Doc, ihr Leiden zu verkürzen, wenn es keine Hoffnung mehr gibt und sie zum Sterben nach Coffeeville zu begleiten. Was wie ein äußerst trauriger Roman klingt, entwickelt sich trotz der ernsten Hintergrundgeschichte zu einem witzigen, unterhaltsamen Roadmovie mit herrlich skurrilen Charakteren. Warmherzig, menschlich, mit bedauerlichen Ausreißern ins Alberne. Nach Jonasson will niemand mehr von zufälligen (!) Treffen mit Personen der Weltgeschichte lesen, die totaal witzig verlaufen (Hier: Che Guevara und Fidel Castro über Bartpflege debattierend).

Diogenes Verlag, übersetzt von Jenny Merling, 528 Seiten, 24 €

U1 Entwürfe F 2016 Bugadze.inddLasha Bugadze – Der Literaturexpress

Die Idee klingt ja witzig: eine Gruppe von Lyrikern und Prosaautoren besteigt zusammen einen Zug, der quer durch Europa fährt. Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Georgier Zaza, der bisher eher mäßig erfolgreich schriftstellert. Während die meisten Autoren ganz unterschiedlicher Kulturen bereits zu Beginn wie manisch Notizen machen, zweifelt Zaza an seinen Fähigkeiten. Worüber soll er schon schreiben? Sind sie womöglich eine Reisegruppe voller Möchtegernautoren? Ganz klar wird das nicht, denn die Georgier bleiben unter sich. Zeitweilig zwar ein ganz witziger Roman, insgesamt aber ein mittelmäßiges Vergnügen. Geht es um die Selbstdarstellung von Autoren, um die Bedingungen des Schreibens, um die Betrachtung verschiedener Kulturen? Man weiß es nicht. Ein indifferentes Buch, das mir wenig zu sagen hatte.

Frankfurter Verlagsanstalt, übersetzt von Nino Haratischwili, 320 Seiten, 24 €

9783455851519George Steiner – Ein langer Samstag

Hoffmann & Campe setzt die Reihe von Gesprächen mit großen Denkern und Denkerinnen fort (zuvor: „The Doors & Dostojewski„). Diesmal mit dem Philosophen und Literaturwissenschaftler George Steiner, der sich über mehrere Jahre immer wieder mit der Kulturjournalistin Laure Adler zur Diskussion traf. Gesprochen wird über allerhand: Steiners Ablehnung der Psychoanalyse, das Erstarken des Antisemitismus, die Bedeutung des Lesens, Musik und Humanismus im 21.Jahrhundert. („Wir sind informiert, überinformiert bis hin zum Überdruss“) Anregende Gespräche mit manch streitbarer Hypothese, die zum Weiter- und Selberdenken animiert. Eine wirklich empfehlenswerte Reihe, deren Fortsetzung ich hoffnungsvoll entgegensehe!

Hoffmann & Campe, übersetzt von Nicolaus Bornhorn, 160 Seiten, 20 €

3 Kommentare

  1. Pingback: [Literaturen] Neu. k&k – Kurz & Knapp rezensiert. – #Bücher

  2. Hallo Sophie,

    das ist ja witzig: nicht nur, dass ich mich auf Deinem Blog sehr wohl fühle, weil wir das gleiche Theme verwenden; ich habe auch erst vor Kurzem eine neuen Kategorie „kurz & gut“ mit Kurzrezensionen begonnen, in deren erster Folge ich ebenfalls u.a. „Letzter Bus nach Coffeeville“ empfohlen habe.

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