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#BloggerFuerFluechtlinge

© Rasande Tyskar „Lampedusa in Hamburg“, Lizenz

Man fragt sich dieser Tage immer wieder kopfschüttelnd: Was ist eigentlich in diesem Land los? Da kommen Menschen aus Kriegs – und Krisengebieten meistens unter Lebensgefahr nach Deutschland und hoffen, hier ein Leben ohne Angst und Terror führen zu können und begegnen auf den Straßen oft den Einfältigsten dieser Gesellschaft. Die, die in diesem Flüchtlingsstrom bloß „Wirtschaftsflüchtlinge“ sehen, „Asylschmarotzer“ und asoziales Pack, die über ihre Frauen und Kinder herfallen und den Deutschen ihre Arbeit wegnehmen. Sie marschieren auf als wütender und pöbelnder Mob, der sich den Anstrich des um Land und Leute besorgten Bürgers gibt, – in Heidenau, in Freital und anderswo. Mit Argumenten kann man die wenigsten noch erreichen, die nicht Überfremdung befürchten, sondern schleichende Kolonisierung durch die Länder der Dritten Welt. Mit Zahlen dagegen argumentieren? Erklären, wie viele Menschen dieser Tage weltweit auf der Flucht sind und wie viele davon in Europa landen? Das ist meistens müßig und mindestens ebenso schmerzlich. Ganz automatisch ist man plötzlich der Gutmensch und Realitätsverweigerer. Während man sich in Heidenau auf der Straße mit reichlich Alkohol zusammenrottet, zieht Ungarn unterdessen unter der Regierung von Viktor Orbán einen Grenzzaun hoch, der Flüchtlinge am Betreten des Landes hindern soll.

Ich habe mich in den letzten Monaten viel mit dem Thema beschäftigt, habe die hiesige Gemeindediakonie besucht, die sich mit ihrem FLOW-Projekt für Willkommenskultur einsetzt und mich kürzlich auch für das Mentoring-Programm gemeldet. Mir steht die Hetze, diese Empathielosigkeit, das Desinteresse und die mangelnde Mitmenschlichkeit – wie man so sagt – Oberkante Unterlippe. Ich kann es nicht mehr hören, ich will es nicht mehr ertragen, wenigstens nicht tatenlos. Man wird nicht jeden umstimmen, der seine Ängste und Parolen auch von den besten Argumenten nicht entkräften lassen will. (Pro Asyl: „Fakten gegen Vorurteile„) Aber man kann eine Gegenöffentlichkeit schaffen, die nicht wort – und tatenlos zusieht, die sich einsetzt, (Zivil)courage beweist, menschlich bleibt gegenüber denen, die es so dringend brauchen! Als Gegenöffentlichkeit bietet sich auch ein Blog an. Unter dem Titel #BloggerFuerFluechtlinge, einer Initiative von Paul Huizing, Karla Paul, Nico Lumma und Stevan Paul, beziehen Blogger ganz unterschiedlicher Themenbereiche nun Position und sammeln Spenden für ,Moabit hilft‚! Die freiwilligen Helfer leisten dort gerade vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales Außergewöhnliches!

bloggerfürNun kann vielleicht nicht jeder Geld erübrigen, ich selbst habe gespendet. Aber zu spenden ist ja auch bloß eine Möglichkeit, sich zu engagieren. Pro Asyl zeigt noch viele weitere auf, in der unmittelbaren Umgebung tätig zu werden. Wenn ihr immernoch skeptisch seid, informiert euch! Werdet euch bewusst über vorschnelle Urteile und hinterfragt sie! Andernfalls: Wenn ihr Blogger seid, bloggt über das Thema, verbreitet die Aktion und macht mit. Je mehr Menschen sich gegen die vorherrschende Stimmung zur Wehr setzen, desto besser ist es!

*UPDATE – Mittlerweile hat die Initiative deutlich an Reichweite und Aufmerksamkeit gewonnen! #BloggerFuerFluechtlinge hat jetzt eine eigene Homepage, auf der ihr alles Wichtige nachlesen könnt! Dort gibt’s u.a. auch kleine Bilder, die ihr, um Flagge zu zeigen, in eure Blogs – so z.B. in die Sidebar – einbauen könnt!

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