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Keine Delikatessen

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,Das hektische Trendabfeiern findet woanders statt‘, kann man auf der Homepage der 2003 gegründeten Zeitschrift ,Keine Delikatessen‘ lesen. Das umreißt, trotzdem es ein Zitat Roland Steiners ist, sehr angemessen und treffend das Selbstverständnis des Literaturmagazins mit Wiener Herausgeberinnensitz. Sarah Legler und Maria Seisenbacher sind studierte Literaturwissenschaftlerinnen und wollen entdecken. Nicht kurzfristig bejubeln.

Mittlerweile erscheint ,Keine Delikatessen‘ einmal jährlich stets vor einem speziellen thematischen Hintergrund. Mit #18 war das ,andernorts‘, das sich in vielschichtiger Weise den Themen Heimat, Fernweh und Reiselust genähert hat. Ein Artikel über weibliche Reisende und Entdeckerinnen zu Zeiten, in denen die sich noch als Mann kostümieren mussten, um die notwendige Bewegungsfreiheit zu haben, findet in der Ausgabe ebenso Platz wie Besprechungen zu entsprechenden Romanen, Lyrikbänden, Antologien oder Graphic Novels. Jede Ausgabe versucht ein Thema in möglichst großer stilistischer Bandbreite darzustellen und so gibt es wohl kaum eine literarische Herangehensweise, der sich ,Keine Delikatessen‘ verschließen würde. Erzählungen, Essays und Lyrik, beizeiten auch unterstützt durch stimmungsvolle Fotografien bilden die hauptsächlichen Inhalte.

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Ab und an findet sich auch ein zweisprachiges Gedicht zwischen den Seiten, ,Keine Delikatessen‘ blickt über den Tellerrand der deutschsprachigen Literatur. Wien als Zentrum ist für solche Ambitionen natürlich ein denkbar prädestinierter Ort. Und weil das gewissermaßen schon immer zur Programmatik gehört hat, Entdeckungen zu machen, die noch bei keinem Branchenzirkus Runden in der Manege drehen, kam es letztlich zu den Balkan Delikatessen. Durch eine Bekanntschaft mit Angelika Welebil, die entsprechende Kontakte in die ex-jugoslawischen Staaten hatte, konnte letztlich der Traum einer zweisprachigen Ausgabe der ,Keine Delikatessen‘ realisiert werden. Mit dem übergreifenden Thema Schweigen ist so eine bedeutend umfangreichere Ausgabe voller Autoren aus Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Albanien entstanden, die tiefen Einblick in die jeweilige Kultur gewährt. Vielfach geht es hierbei natürlich auch um Krieg, Gewalt und Armut, die Jugoslawienkriege haben die Länder tief geprägt, das Schweigen über die Erlebnisse und Veränderungen ist keine Seltenheit. Wer Interesse hat an Literatur aus diesen Ländern, dem liefert diese Ausgabe einen leichten und unheimlich vielseitigen Einstieg, auch die Rezensionen beschäftigen sich ausnahmslos mit Autoren aus dem Balkan. Diese mehrsprachige Ausgabe soll ein Netzwerk schaffen zwischen Literaturschaffenden, Übersetzern und Kulturorganisationen.

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,Keine Delikatessen‘ ist ohne Zweifel das Magazin für das Besondere, das Unbekannte. Zwar liest man in ihr auch bekanntere Namen, wie in #18 Kerstin Preiwuß, insgesamt sind die Autoren aber eher einem kleineren Publikum außerhalb der literarischen Szene ein Begriff. Und so fördert ,Keine Delikatessen‘ unbedingt die Entdeckerlust. Der Text, in welcher Form er sich auch präsentiert, steht hier unbedingt im Mittelpunkt. Wer will, kann sich, insbesondere in die Balkanausgabe, ein paar Stunden versenken. Für die Covergestaltung und einen Großteil der oft die Textstimmung herauskitzelnden Fotografien ist Sabine Ziegelwanger zuständig. Es lohnt sich, zu diesem Magazin zu greifen, wenn man offen für Neues und reif für eine Horizonterweiterung ist!

Keine Delikatessen im Web

Facebook: Keine Delikatessen, Homepage: keinedelikatessen.at

Preis: 5 € (die Balkan Delikatessen gibts für 9,50 €)

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