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Bitte übernehmen Sie, Sandra Gugic!

© Dirk Skiba

Das Schreiben begann für mich..

Ich muss bei dieser Frage spontan an eine Textstelle aus Elementarteilchen von Michel Houellebecq denken.

// Die erste Reaktion eines frustrierten Tieres besteht im allgemeinen in dem Versuch, verstärkt Kraft aufzubringen, um sein Ziel zu erreichen. Ein ausgehungertes Huhn (Gallus domesticus) zum Beispiel, das durch einen Drahtzaun daran gehindert wird, seine Nahrung zu erhalten, wird immer hektischere Versuche unternehmen, durch diesen Zaun zu gelangen. Nach und nach wird sein Verhalten jedoch durch ein anderes ersetzt, das anscheinend keinerlei Ziel verfolgt. So picken Tauben (Columba livia) häufig auf dem Boden herum, wenn sie die begehrte Nahrung nicht erhalten können, obwohl sich auf dem Boden keinerlei Nahrung befindet. Sie verfallen nicht nur in dieses wahllose Pickverhalten, sondern gehen auch oft dazu über, ihre Flügel glattzustreichen; ein solches inadäquates Verhalten, das häufig in Situationen auftritt, die eine Frustration oder einen Konflikt beinhalten, wird Ersatzhandlung genannt. Anfang 1986, nachdem Bruno dreißig geworden war, begann er zu schreiben.//

Das Schreiben begann für mich so richtig erst um mein 30. Lebensjahr herum. Davor habe ich meine Texte meist wieder verworfen, ich bin ungeheuer selbstkritisch, es war für mich kein Leichtes mit meinen Texten an die Öffentlichkeit zu gehen.

Ein Buch muss (wenn es Literatur ist)…

Dringlichkeit haben, wütend und zart sein, eine eigene Sprache haben, frei von Manierismen sein – Redundanzen tanzen nicht.

Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich…

Der Konjunktiv tanzt auch nicht.

Ein Kindheitstraum von mir war…

Romane zu schreiben. Auch wenn ich in Wien geboren wurde, war Deutsch nicht meine Muttersprache, umso kostbarer ist diese Sprache für mich. Ein anderer Kindheitstraum war, Superheldin zu werden.

Wenn ich nicht schlafen kann…

stehe ich auf und schreibe weiter.

Völlig unterschätzt wird…

Stille.

Wenn ich Musik höre,…

höre ich sie laut.

Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee:

Ich habe einen analytischen Blick auf Dinge und Menschen. Wenn ich einen Raum betrete oder jemanden kennenlerne, entgeht mir kaum ein Detail. Ansonsten, je nach Wetter und Tagesverfassung: Lebenshunger, Misantrophie, Insomnie, Euphorie, Manie und Depression.

Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es…

Ich habe selbstverständlich keine seltsamen Angewohnheiten, ich bin ganz normal.

Literatur kann,…

soll, muss und will.

Sandra Gugic, 1976 in Wien geboren, schreibt Prosa, Lyrik und Theatertexte. Studium an der Universität für Angewandte Kunst Wien/Sprachkunst, Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2010/11 Staatsstipendium für Literatur des bm:ukk, 2012 Open Mike Preisträgerin, 2012 Preis der Akademie Graz, 2013 Autorenstipendium der Stadt Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien.

ASTRONAUTEN (Verlag C.H.Beck) ist ihr erster Roman.

www.sandragugic.com

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