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Bitte übernehmen Sie, Margit Mössmer!

mössmer

Das Schreiben begann für mich..

wie für die meisten Menschen mit endlosen Zeilen AAAs und IIIs.

Ein Buch muss..

neben Millionen und Milliarden anderen bestehen.

Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich..

Schaufenster dekorieren.

Ein Kindheitstraum von mir war..

Schaufenster zu dekorieren.

Wenn ich nicht schlafen kann..

werde ich zornig. Das muss man sich als ein kleines Wunder vorstellen, denn ich bin dem Affekt Zorn gegenüber schlecht disponiert.

Völlig unterschätzt wird..

Von mir persönlich? Wie klein ich auf manche Menschen wirken muss.

Wenn ich Musik höre,..

drücke ich sehr oft auf Repeat. Ich höre Lieder gerne zu Tode. Das heißt alle Lieder, die ich höre, habe ich bereits getötet. Ich lebe mit toten Liedern.

Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee:

Ja zu Kaffeehausschreiben und Filmbarkritzeln.

Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es..

Trottel zu verteidigen.

Literatur kann..

mir natürlich eine Idee davon vermitteln, wie andere Menschen auf die Welt schauen. In die Welt schauen. Je fremder mir die Welt ist, von der mir jemand erzählt, umso besser. Ich habe kein Verständnis dafür, wenn sich ein Bobo ein Buch über Bobos kauft. Soll sich doch die Bauarbeiterin das Buch kaufen. „Aber das ist so aus meinem Leben gesprochen!“ Blödsinn, da könnte man ja auch immer dieselbe Musik hören, nur um das zu hören, was man ohnehin schon kennt. Eine Selbstvergewisserung ist das, bequem und dumm. Diese Bequemlichkeit betrifft natürlich nicht nur den Leser, sondern genauso die Autorin, den Kunstschaffenden. Der Rezipient sagt: „Oh, er hat jenes Papier und jene Farben verwendet, oh, er ist abgestürzt, mit dem Flugzeug, und das Fett hat ihn gerettet!“ Oft hat der Künstler aber niedrige Motive: Es ist eben das, was er kann und es ist bequem aus seiner Welt heraus gesprochen.

In der Kunst jedenfalls, sei es nun in der Literatur, im Film, wo auch immer, kann man die Welt so (genau) betrachten, dass sie sich verändert. Das Ergebnis kann egal oder bedeutsam sein. Ich versuche selbst für mein Schreiben so lange zu betrachten, bis sich die Welt verändert. Darum stimmt es auch nicht, dass ich Absurditäten und Surreales erfinde. Die Dinge, die ich beschreibe, sind schon auch wirklich so passiert.

Immer wenn ein Autor stirbt, fällt irgendwo in China ein Fahrrad um. Das heißt, als Gabriel García Márquez gestorben ist, war mir klar, dass die Welt nicht mehr dieselbe sein wird wie früher, denn es gibt niemanden mehr, der so auf die Welt sieht wie er. Dasselbe gilt natürlich auch, wenn dein Frisör, irgendein Hofrat oder meine Oma stirbt. Jeder, der auf die Welt schaut, macht uns die Welt. Jeder Blick ist eine Raumkonstitution für den Besitzer des Auges und alle anderen. Was dann erst eine richtig tolle Beobachtung im Stande ist für uns zu leisten, ist manchmal gar nicht auszudenken, geschweige denn aufzuschreiben. Aber Literatur versucht  das. Und sie tut uns den Gefallen die Welt auf die Probe zu stellen. Tatsächlich würde eine Verfeinerung unseres (Wertungs-)vokabulars durch die Einführung neuer Begriffe den Sinn der existierenden Begriffe ändern. Jetzt macht eine Schwalbe klarerweise noch keinen Frühling. Aber probieren kann man es schon. Es gibt ja nicht nur ein Buch, sondern mindestens Tausende!

1982 in Hollabrunn (NÖ) geboren, lebt und arbeitet in Wien. Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie der Hispanistik. Redakteurin und Ressortleiterin beim Freien Magazin FM5. Seit 2007 arbeitet sie im quartier21/MuseumsQuartier Wien. Veröffentlichungen in Magazinen. 2010 wurden Texte aus Die Sprachlosigkeit der Fische beim Ö1 Literaturwettbewerb Wörter.See prämiert und mit Burgschauspielerin Dorothee Hartinger vertont.

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