Literaturmagazine
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Das Buch als Magazin

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In einer neuen Reihe möchte ich künftig in loser Folge deutschsprachige Literaturmagazine vorstellen. Welche gibt es? Wie sind sie gemacht und für wen? Den Anfang macht hier eine noch recht junge Zeitschrift namens ,Das Buch als Magazin‚. 2014 erhielt es den goldenen Lead Award in der Kategorie ,Newcomermagazin des Jahres‘. Vier Ausgaben gibt es bereits seit Gründung der Zeitschrift. Und tatsächlich verfolgt ,Das Buch als Magazin‘, redaktionell betreut von Peter Wagner, Joanna Mühlbauer (Art Direction) und Marlene Zapf (PR) , einen ganz besonderen Ansatz, der im Bereich Literaturmagazin mit Fug und Recht einzigartig zu nennen ist.

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Jede Ausgabe hat eine ,Titelgeschichte‘, der alle anderen redaktionellen Arbeiten thematisch untergeordnet sind. Im aktuellen Fall ist das die Erzählung ,Das Gespenst von Canterville‘ von Oscar Wilde. (in vorherigen Ausgaben sind es z.B. Georg Büchners ,Woyzeck‘ oder Arthur Schnitzlers ,Traumnovelle‘). Dieser Leittext einer jeden Ausgabe wird gänzlich abgedruckt und gelegentlich am Rand mit Marginalien versehen. Was könnte im Zusammenhang mit diesem Text wissenswert sein? Hier und da auch kleine Fun Facts. Das Magazin ist von Beginn an frei von Werbung. In der aktuellen Ausgabe allerdings hat man sich den kleinen Scherz erlaubt, Werbeanzeigen rundum Produkte zu kreieren, die in Wildes Erzählung erwähnt werden. Ziemlich tricky und ziemlich sympathisch!

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Dem titelgebenden Text folgen nun nicht etwa Artikel, die ihn zu interpretieren versuchen. Artikel, die sich explizit mit Autor oder Werk beschäftigen. Viel mehr folgen Artikel, die in losem thematischem Zusammenhang stehen. Worum geht es eigentlich in Wildes Erzählung? Wovon ist, hermeneutisch betrachtet, eigentlich die Rede in dieser Erzählung um ein Gespenst, das eine amerikanische Familie trotz aller Bemühungen mit seinem Auftreten nicht ängstigen kann? Freilich geht es bei Gespenstern immer um den Tod und um eine ruhelose Seele. Im Falle des Cantervillegespensts geht es auch um Schuld und die Erlösung durch Mitgefühl. Während es vom Rest der Familie verspottet wird in seinen erfolglosen Ambitionen, ist es die kleine Virginia, die schließlich dem Spuk ein Ende bereitet. Weil sie zuhört. Weil sie mitfühlt. Und so drehen sich viele Artikel im Anschluss um den Tod, Mitgefühl, Vergebung und – ja, auch Identität.

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Eine junge Frau begleitet ihren schwerkranken Vater in den Tod, ein Fotograf lässt sich auf das Wagnis ein, gemeinsam mit Menschen am Rand der Gesellschaft zu leben, so u.a. mit Anhängern des Ku Klux Klan. Anhängern wie Jeff Berry, ehemaliger Führer des Klans in Butler, Indiana. Wer ihnen nahe kommt und mit ihnen lebt, so Jacob Holdt, der kann sie für sich gewinnen. Max Schnarnigg schreibt über jene, die den Tod als Ikone überdauern, denen es gelungen ist, über ihr Ende hinaus für die Menschen weiterzuleben. Exemplarisch am Mythos Kurt Cobain (die erste komplett autorisierte Biographie ,Montage of Heck‚ soll im Übrigen dieses Jahr über die Bildschirme flimmern) schildert er das Überwinden des Todes im popkulturellen Sinne. Die Mitwirkenden unterscheiden sich in jeder Ausgabe voneinander, es sind Fotografen, Autoren, Gestalter, Journalisten, die sich hier austoben können. Das macht das Magazin ungemein frisch und abwechslungsreich.

,Das Buch als Magazin‘ ist sicherlich nicht für die, die sich intensiv mit einem Autor und seinem Werk auseinandersetzen wollen. Oder für die, die Einblick gewinnen wollen in die junge deutsche Literaturszene. Aber es ist sehr wohl etwas für alle, die über den Text hinausdenken, die klassische Texte in der Gegenwart verorten wollen. Was sagt uns so ein Büchner, ein Schnitzler, ein Wilde oder Kafka noch heute? Welche Themen sind heute relevant, die sich mit diesen vergangenen Erzählungen verbinden lassen? Dieser deutliche Aktualitätsbezug in Verbindung mit klassischen Stoffen macht ,Das Buch als Magazin‘ einzigartig, bescheinigt ihm einen hohen Wiedererkennungswert. Im besten Sinne bemerkenswerte und anregende Artikel, oft auch nur kurz und pointiert, unterfüttern den Klassiker – was kann es Schöneres geben? Sehr lohnenswert dieses ,Buch als Magazin‘! Ein gelungener Auftakt!

Das Buch als Magazin im Web:

Twitter: @buchalsmagazin, Facebook: Das Buch als Magazin, Homepage: dasbuchalsmagazin.de

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Preis: 14 € (bei Onlinebestellung 2 € Versandkosten)

10 Kommentare

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  2. Ich habe den Schnitzler hier liegen. Ich bin von dem Konzept ziemlich begeistert und wünsche ihm genügend Liebhaber, die so ein Magazin auch finanziell tragfähig machen.

    Und Deine Idee, Literaturmagazine in Augenschein zu nehmen, finde ich ebenfalls klasse. Bin auf die weiteren gespannt.

  3. Schön, dass du hier in Zukunft auch Literaturzeitschriften besprechen möchtest! Abseits der (natürlich lesenswerten) Größen wie BELLA triste oder Edit gibt es sehr schöne und ambitionierte Magazine zu entdecken, die viel mehr Beachtung verdienten. „Das Buch als Magazin“ kannte ich noch nicht, finde das Konzept aber sehr interessant und innovativ – danke für den Tipp, da werde ich mir auf jeden Fall mal eine Ausgabe besorgen!

  4. Sehr gute Idee hier auch Literaturzeitschriften vorzustellen. Sehr interessant auf jeden Fall. Vielen Dank für den Tipp!

    Liebe Grüße
    Tobi

  5. Liebe Sophie,
    schöne Idee, sich mit Buchmagazinen zu befassen! Ich hatte mir vor einiger Zeit mal die Nummer zu Kafkas Verwandlung gekauft, bin aber nicht wirklich damit warmgeworden, wie ich gestehen muß. Habe sie dann in gute Hände abgegeben.
    Auf die weiteren Vorstellungen bin ich schon gespannt!
    Viele Grüße
    Norman

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