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Geld verdienen mit Buchblogs?

Auf Phileas Blog wurde kürzlich die Frage aufgeworfen, ob engagierte Literaturblogger (ab wann gilt man als engagiert?) für das, was sie tun – nämlich Verlagen mit ihrer Leidenschaft eine kostengünstige Werbeplattform zu bieten – nicht auch entlohnt werden sollten. Diese Diskussion ist nicht neu und blickt man auf Blogger anderer Branchen, scheint die Frage wenigstens nicht aus der Luft gegriffen. Die ZEIT beschäftigte sich vor einigen Wochen mit der Frage „Kann man davon leben?“ und ließ mehrere Modeblogger dazu Stellung nehmen. Nun gilt es eigentlich seit jeher als wenigstens unfein, über Geld zu sprechen und gerade in der Literaturblogszene, die sehr klein und überdurchschnittlich gut vernetzt ist, wäre es in den Augen vieler ein Unding, für seine Tätigkeit bezahlt werden zu wollen. Häufig wird entgegnet, dass Rezensionsexemplare bereits eine Be – und Entlohnung darstellten, darüber hinaus noch eine monetäre Zuwendung zu erwarten, sei schon nahezu raffgierig und bodenlos frech. Und tatsächlich: Literaturblogger schreiben nicht über exklusive Artikel, die sich Otto Normalverbraucher erst mühsam vom Mund absparen muss. Bücher sind, sofern es sich nicht um bibliophile Prachtbände handelt, im Gegensatz zu Markenkleidung, omnipotenten technischen Geräten oder der ein oder anderen Reise um den Globus, eigentlich ziemlich erschwinglich. Der Blogger ist nicht auf Rezensionsexemplare angewiesen, um seiner Tätigkeit nachzugehen – auch wenn sie fraglos einiges erleichtern.

Blogger haben einen Trumpf – ihre Glaubwürdigkeit.

Gute Blogs haben ein besonderes Fundament und einen Trumpf, der sie von anderen Medien abhebt: Sie gelten als besonders glaubwürdig, da hinter ihnen in der Regel eben keine Konzerne, Firmen oder finanzielle Interessen stehen. Hinter ihnen steht ein Mensch – oder eine kleine Gruppe von Menschen -, den eine Leidenschaft treibt. Und der unbedingte Wunsch, diese Leidenschaft mit anderen zu teilen, meistens relativ uneigennützig und selbstgenügsam. So mancher erachtet bereits die Arbeit mit Rezensionsexemplaren für einen Pakt mit dem Teufel. Wer Rezensionsexemplare annehme, binde sich an einen Verlag, gehe Verantwortlichkeiten ein, die ihn dazu verpflichten, das Buch mit anderen Augen zu lesen als er es täte, wenn er selbst dafür bezahlt hätte. Beteuerungen vieler Blogger, dass sie auch Rezensionsexemplare negativ besprechen (oder im Zweifelsfalle gar nicht, wenn der Verlag das zulässt und den Erhalt an keinerlei Bedingungen knüpft), stoßen oft auf taube Ohren. Was würde es also für die Glaubwürdigkeit und Authentizität eines Literaturbloggers bedeuten, wenn deutlich wäre, dass er für seine Buchempfehlungen (oder -verrisse) bezahlt würde? Und noch viel wichtiger: Wer sollte eine solche Bezahlung übernehmen? In der Regel bezahlt für eine Dienstleistung der Auftraggeber, doch wie absurd und gefährlich wäre es, Verlage für ihre eigenen Besprechungen zahlen zu lassen? Wie schnell wäre ein Blogger dann plötzlich der Haus – und Hofblogger eines Verlages? Ähnliche Fragen warf auch die Diskussion in Phileas Blog auf.

Literaturblogs haben eine sehr geringe Reichweite und zu wenig Pageviews

Während in Deutschland die Bloggerrelations gerade in der Buchbranche erst in den letzten Jahren so richtig entdeckt werden, gehören Blogs andernorts bereits zu den etablierten Medien. Wie sieht es in anderen Ländern mit den Buchbloggern aus? Eine kleine Recherche brachte mich zu dem Artikel: „Can you make money from book blogging?„, der auf sehr dezidierte Weise verdeutlicht, dass die Antwort darauf wohl auch anderswo ganz klar „Nein“ lautet. Aus verschiedenen Gründen, die in Deutschland dieselben zu sein scheinen wie in England (die Bloggerin des verlinkten Artikels lebt in England und stammt aus Amerika). Zunächst einmal haben Literaturblogger, im Gegensatz zu Bloggern des Food-, Travel – oder Modesektors eine viel zu geringe Reichweite, viel zu wenige Pageviews, um mit irgendeiner Form des Marketings eine nennenswerte Summe zu verdienen. Während etablierte Modeblogs gut und gern auf 100.000 Pageviews monatlich kommen, rangieren die meisten Literaturblogger zwischen 6000 und 9000. Nicht einmal ein Zehntel dessen, was so mancher Modeblog generiert.

Literaturblogger lesen sich gegenseitig, generieren wenig Zugriffe außerhalb der Blogosphäre

Als Literaturblogger weiß man, dass viele Leser des eigenen Blogs selbst über Literatur bloggen. Überhaupt gibt es eine derart unüberschaubare Zahl an Literaturblogs, dass ein Blogger, der plötzlich um eine Entlohnung seiner Tätigkeit anfragte, vermutlich sofort mindestens ausgelacht, wenn nicht künftig gemieden würde. Wenn einer Geld dafür will, geht man eben zum nächsten, es herrscht ein Überangebot, der Literaturblogmarkt ist gesättigt. Die oben erwähnte Bloggerin von Nose Graze widmet sich darüber hinaus auch den Möglichkeiten des Affiliate Marketing (das Verlinken zu anderen Seiten, auf denen man die besprochenen Bücher erwerben kann). Das geschieht meistens mit sogenannten Affiliate-Links, die in den Blog eingebunden und auch nur von dort abrufbar sind. Liest jemand auf dem Blog eine Rezension und ist an dem Buch interessiert, kann er es gleich (nach einer Anmeldung im betreffenden Onlineshop z.B.) auf der verlinkten Seite bestellen und der Blogger erhält eine geringe Provision für den Verkauf. Weshalb funktioniert das innerhalb der Literaturblogszene nicht? Amy von Nose Graze hat darauf verblüffend einfache Antworten:

1. wenn die meisten Leser von Literaturblogs selbst Literaturblogger sind, haben auch sie die Möglichkeit, Rezensionsexemplare zu bestellen. Wer sollte also unter diesen Umständen via Affiliate-Link einen Kauf tätigen, wenn er das Buch doch umsonst zur Besprechung anfordern kann?

2. Viele lesen Rezensionen erst dann, wenn sie das Buch selbst gelesen haben. Oft genug hört man Aussagen wie: „Ich lese keine Besprechungen, bevor ich mir selbst ein Bild gemacht habe. Ich will mir selbst ein Urteil bilden.“ Das führt zu dem simplen Ergebnis, dass sich das Buch, wenn Rezensionen gelesen werden und auf den Affiliate-Link geklickt werden könnte, bereits im Besitz des Lesers befindet.

3. Bei den meisten Affiliate-Links besteht keine Möglichkeit, das Buch mit einem Klick zu kaufen. Manchmal liest man eine Rezension vielleicht unterwegs, auf dem Smartphone und nimmt sich vor, das Buch zu einem späteren Zeitpunkt gezielt im Netz zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Leser schon nicht mehr auf den Affiliate-Link angewiesen, er wird eigenständig fündig, in Onlineshops oder beim Buchhändler seines Vertrauens. Oder gar in der Bibliothek um die Ecke.

Ähnlich verhält es sich mit Werbung ganz allgemein, die irgendwo auf dem Blog platziert ist. Selbstredend könnte man auch seine Leser darum bitten, eine Kleinigkeit zu spenden. Schließlich verursacht die Instandhaltung eines Blogs auch die einen oder anderen Kosten, je nachdem, wie professionell man das Bloggen betreiben möchte. Doch in einer Zeit, in der überall kostenlos Informationen abgerufen werden können, würde wohl niemand einem Literaturblog Geld spenden, ganz gleich, wie hochwertig die abrufbaren Informationen auch sein mögen. Auch hier gilt: Wenn ich auf Blog X nicht fündig werde, suche ich Blog Y.

Lesen ist noch immer eine Nischentätigkeit

Last but not least: Die traurige Erkenntnis, dass Lesen zwar die schönste Nebensache der Welt ist, aber das nur für eine verschwindend kleine Gruppe, gemessen an der Gesamtbevölkerung. Zwar mag das, wenn man sich das Netz durch die eigene Filterbubble betrachtet, manchmal ganz anders aussehen, doch die meisten Menschen ziehen bedeutend mehr Freude und Erfüllung aus schönen Kleidern, technischem Schnick Schnack, Filmen oder Games. Das ist mitnichten ein kulturpessimistischer Abgesang, es verhielt sich wohl zu keiner Zeit viel anders als heute. Das schmälert nicht unser Vergnügen an Lektüre, verweist es aber eher auf einen der unteren Plätze, wenn es um beliebte Freizeitbeschäftigungen geht. Kein Wunder also, dass ein Literaturblogger niemals die Reichweite erzielen könnte, die notwendig wäre, um nennenswerte Summen zu verdienen. Wenn er das denn wollte. Denn vielen ist die Beschäftigung mit Literatur, der Austausch mit anderen, das Netzwerken und Empfehlen Freude genug, ohne, dass es dafür noch einen gesonderten finanziellen Anreiz bräuchte. Und so ist es wohl relativ sicher, dass das leidenschaftliche Literaturbloggen auch weiterhin eine Tätigkeit sein wird, mit der man weder Zubrot noch Lebensunterhalt verdienen kann. Durch einen etablierten Blog kann man Kontakte knüpfen, die einen früher oder später in Lohn und Brot bringen, wenn man Glück hat. Man kann ein eigenes Business anschieben und den Blog als Multiplikator nutzen. Wer eine gewisse Bekanntheit erlangt hat, dem fällt es nicht schwer, Interessenten für eine, dem Zielpublikum angemessene, Geschäftsidee zu finden. Und vielleicht ist es auch ganz gut so, dass das Schreiben über Bücher weiterhin unabhängig bleibt, frei von ökonomischen Zwängen und Gefälligkeiten. Einfach, weil es schön ist, bereichernd und wertvoll.

meinung

72 Kommentare

  1. Pingback: [Literaturen] Geld verdienen mit Buchblogs? - #Bücher | netzlesen.de

    • literaturen sagt

      Liebe Eva,

      das empfinden viele so wie Du. Und dagegen ist ja gar nichts zu sagen. Nicht jedes Hobby muss irgendwann monetarisiert werden.

      Herzliche Grüße,
      Sophie

  2. Hallöchen,
    dazu kann ich nur eins sagen: Amen! ^^
    Ich sehe das ganz genauso. Warum sollte man bitte schön Geld verlangen dafür, dass man üver das schreibt, was man am meisten liegt?
    Ich gebe zu, dass ich auchschon mal einen Artikel geschrieben habe, für den mir Geld angeboten wurde. Diesen Artikel habe ich jedoch nur geschrieben, weil er 1. zu meinem Blog gepasst hat und er mich 2. selber interessiert hat. Ich würde mich schämen Geld von einem Verlag zu erwarten, damit ich für sie schreibe. Ich finde, dass es vollkommen in Ordnung ist Rezensionsexemplare anzufordern. Ich würde auch niemandem unterstellen, dass er/sie das Buch besser bewertet nur, weil er/sie es vom Verlag erhalten hat. Schließlich mache ich das auch nicht. wie lächerlich wäre das? Dann bräuchte man erst gar keinen Buchblog führen. Aber das ist ein anderes Thema.
    Ich hasse Werbung auf Blog, egal welches Art Blog, weil sie meinen PC langsamer macht und mich wirklich narrisch macht. Auch hier habe ich das Gefühl von ‚Hauptsache Geld machen‘ komisch ist, dass ich das bisher nur bei eher kleineren Blogs gesehen habe.
    Und um Himmels Willen, ich würde nie niemals meine Leser um eine Spende bitten. Das geht gar nicht. Warum sollte man das tun? Wie du schon sagtest sind die meisten Leser sowieso Buchblogger und warum sollte ich jemand dafür bezahlen bzw. mich von jemandem bezahlen lassen, der das Gleiche tut wie ich? Auserdem gibt es so viele Aufmerksamkeiten von Verlagen und anderen Bloggern, dass man (ich) eigentlich nur mehr als zufrieden sein kann, finde ich.
    So das wars glaube ich von mir jetzt!

    Liebst, Lotta

    • literaturen sagt

      Liebe Lotta,

      danke dir für deinen Kommentar. Ich finde es persönlich gar nicht so absurd, mit Dingen Geld verdienen zu wollen, die man liebt. Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass man eigentlich bloß für das bezahlt werden will, was man ungern und eher so widerwillig tut. Ich bin auch nicht unbedingt ein Werbehasser, wenn die Werbung auf die Zielgruppe zugeschnitten und nicht vollkommen willkürlich gesetzt ist. Ich freue mich auch sehr über die Aufmerksamkeit, die vielen Literaturbloggern mittlerweile seitens der Verlage entgegengebracht wird, aber man darf natürlich nie vergessen, dass das nicht ausschließlich aus Freundlichkeit den Bloggern gegenüber geschieht, sondern weil auch die Verlage etwas davon haben. 😉

      Liebe Grüße
      Sophie

  3. Chapeau! Ein bravourös geschriebener Artikel zu diesem Traum, der sich leider nicht erfüllen lässt. Dafür hätte ich jetzt glatt Geld gezahlt. Leider habe ich kein breites Medium, dass ich damit füttern könnte, sondern bin ja auch nur einer, der in der Blogger-Blase hockt. Vor kurzem haben wir darüber gewitzelt, dass wir jetzt doch einfach den Blog „Outfitter zum Buch“ gründen und zu jedem Buch das passende Outfit und die schönsten Accessoires anbieten. Vielleicht sollten wir das noch nicht ganz ad acta legen, denn die Idee hat schon ihren Reiz.

    Im Ernst: wir bloggen nicht für Geld, doch ich für meinen Teil möchte gerne verführen. Anfänglich schrieb ich meine Resümees über Literatur (und auch verwandte Themen) überwiegend, um mich selbst zu disziplinieren. Ordnung in die Vielfalt der Gedanken und Inspirationen bringen. Sich bewusst machen, was einen bewegt, berührt und geärgert hat. Es in Worte packen, um es dabei auch mal selbstkritisch zu reflektieren und zu prüfen. Ja, und auch aus Respekt vor dem Autor und auch zum Dank für die Er-, An- & Aufregungen, die mir sein Buch brachte.

    Im zweiten Schritt als ich mich entschied nicht mehr nur Rezensionen zu verfassen, sondern auch zu bloggen, bewegte mich der naive Idealismus, zur Literatur bzw. zum Lesen verführen zu wollen. Da dies nicht als Einzelmeister gelingt, begab ich mich in die Bloggosphäre. Die Erfahrungen waren einerseits ermutigend, da die Resonanz – wie du auch schreibst – innerhalb der „Szene“ sehr bereichernd ist. Man erweitert nicht nur seinen persönlichen Kreis um sehr interessante Menschen, sondern auch die eigenen Gedanken um viele weitere heterogene Meinungen.

    Anderseits gab es auch Ernüchterung durch die Erkenntnis, dass viele sich auf diesen Insideraustausch beschränken. Mag sein, dass meine Intention zu euphorisch ist, durch die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke & Co. zur Verbreitung und Verbreiterung der Leselust beizutragen. Ich bin auch sehr nüchtern in Hinblick auf den gesellschaftlichen Einfluss von einzelnen Büchern. Dennoch bin ich überzeugt, dass Lesen als Alternative zu anderen Medienangeboten die Lebensqualität hebt – und zwar die persönliche als auch die zwischenmenschliche. Vergleichbares leistet sonst nur noch die Musik.

    Die direkte Resonanz auf meine Blogbeiträge innerhalb meines engeren Kreises auf Facebook oder dem Followerkreis auf Twitter ist frustrierend. Selten, dass jemand aktiv einen Kommentar postet oder gar teilt. Doch im Nachhinein erfahre ich dann doch immer mal wieder, den einen oder anderen zum Lesen verführt zu haben. Und sei es nur, dass sie/er sich angesteckt fühlte, einfach mal wieder ein Buch zur Hand zu nehmen.

    Und genau das ist es, was wir uns als Blogger zum Ziel setzen sollten. Selten passt das gerade gelesene Buch in die Stimmung unseres Bekanntenkreises. Unsere Rezensionen werden bestenfalls mal überflogen. Aber unsere immer mitschwingende Begeisterung, mit Lesen sehr schöne Stunden verbracht zu haben, die kann ansteckend sein.

    Und deshalb wünsche ich mir von den Bloggern noch mehr Interaktivität. Nutzt die Funktionen der Netzwerke, Buchempfehlungen auch zu verbreiten und nicht nur zu liken. Retweetet Buchempfehlung, die ihr mittragen könnt. Werdet nicht penetrant, aber virulent. Scheut Euch nicht, die Rezensionen im Blog auch auf den Portalen der Online-Shops zu veröffentlichen. Das sind nämlich ganz andere Biotope für Bücher. Die Leser dort sind selten auch die Leser von Blogs.

    Wenn wir das noch mehr beherzigen, dann würde sich meines Erachtens das Bloggen auch noch mehr auszahlen. Nicht mit Geld, aber einem wachsenden Reichtum an gewonnen Lesern.

    • Wie schön Du noch einmal die Gründe zum Bloggen – eigene Auseinandersetzung mit dem Gelesen, Austausch mit anderen Lesern, im günstigsten Falle, weil mehrere Leser gerade mit gleicher Lektüre beschäftigt sind – zusammengefasst hat. Ja, deshalb bloggen wohl die meisten von uns und gerade der Austausch und auch die Lektüre-Tipps, die dort zu finden sind, finde ich so unheimlich bereichernd.

    • Ein toller Beitrag von Sophie! Und eine schöne Antwort von Thomas Brasch, der noch einmal den auch für mich wichtigsten Grund zum Bloggen herausstreicht: Andere für eine bestimmte Lektüre begeistern, die vorhandene Begeisterung teilen oder „zum Lesen verführen“. Irgendwann erhielt ich einmal eine Nachricht eines Lesers meines Blogs, der mir schrieb: „Ihnen habe ich es zu verdanken das ich wieder Zeit & Muße habe zu Lesen. Habe mir 2 Ihrer vorgestellten Bücher gekauft und gelesen 😉 Also, ich bin total begeistert und habe durch den ‚Kaffeehaussitzer‘ die Freude am Lesen wiedererlangt.“ Das war und ist für mich die schönste Anerkennung und der schönste Lohn, den ich für alle mit dem Blog verbundenen Arbeiten erhalten kann.

    • literaturen sagt

      Lieber Thomas,

      vielen Dank für dein Kompliment und deine Gedanken zum Beitrag. Mehr Interaktivität ist sicher eine Möglichkeit, allerdings habe ich mich bisher bewusst dagegen entschieden, meine Rezensionen z.B. auf amazon einzustellen, weil sie dort in ihrer Ausführlichkeit doch möglicherweise fehl am Platz wären. Und es ist teilweise mindestens auch eine Zeitfrage, wo ich meine Artikelnoch überall streuen könnte. Ich bin z.B. nicht bei Google +, ich bin sehr inaktiv bei Lovelybooks usw., weil das Bespielen dieser Plattformen ja immernoch mehr Zeit kostet als man ohnehin schon investiert, Aber mehr Retweets von guten Artikeln und Rezensionen – da gehe ich mit, eine bessere Vernetzung untereinander, die nicht nur bedeutet, beieinander zu lesen, sondern gute Arbeit von Kollegen auch mit der eigenen Leserschaft zu teilen, kann niemals schaden.

      Liebe Grüße,
      Sophie

  4. Liebe Sophie,

    ein zweischneidiges, aber auch zweiseitiges Thema – vielen Dank für Deine ausführlichen Worte.
    Allerdings zähle ich mich zu denen, die die Option zum Geld verdienen akzeptabel finden. Ich möchte niemandem den Wunsch verbieten, mit seinem Blog wenigstens etwas Geld einnehmen zu können.

    Warum ist das überhaupt so anrüchig? Ich fand eines der Beispiele sehr passend, was in einem der Beiträge zu diesem Thema stand: Auch Hobbysportler, die mit ihrem Sport nichts verdienen, haben gesponserte Trikots für ihre Mannschaft – daran stört sich keiner, dass die Shirts nicht selbst bezahlt sind. Ein Hobbysportler, der für die Aufnahme in ein Profiteam arbeitet, ist auch OK. Viele bezahlte Journalisten haben sich unbezahlt profiliert und jede Verkäuferin, der wir auf Dawanda einen Verdienst mit Kreativwaren zugestehen, hat vorher auch nur für ihre Leidenschaft gehäkelt, gestrickt und genäht. Dass sie jetzt bei Dawanda ist, finden wir alle völlig in Ordnung.

    In der Blogszene anderer Themen ist Verdienen längst kein Unthema mehr, sondern hat sich zu einem Berufsbild entwickelt. Und nur Literaturblogger dürfen nicht? Die güldene Insel im stinkenden Bloggermeer? Ich empfinde das als ein Messen mit zweierlei Maß und finde das sehr schade. Wer mit einem Literaturblog Geld verdienen möchte, landet deshalb noch lange nicht bei bezahlten Jubelrezensionen.

    Letzten Endes kann auch nur eine gewisse Offenheit dazu führen, dass die offensichtlich in sich abgeschlossene Literaturblogger-Szene mehr Sichtbarkeit nach außen bekommt. Wenn man sich als Insel versteht, verstehen will, sich einredet oder sich einreden lässt (freie Auswahl, bitte ankreuzen) wird das nicht klappen.

    Viele Grüße,
    Bettina

    • literaturen sagt

      Liebe Bettina,

      ich finde es auch akzeptabel, Geld dazu verdienen zu wollen. Ich glaube bloß nicht, dass das mit einem Buchblog möglich ist – deshalb der eher abschlägige Bescheid in dieser Richtung. Nicht alles, was ich in der Analyse geschrieben habe, entspricht in dieser Form tatsächlich meiner Meinung, wenn ich auch das Fazit teile, zu dem der Text gelangt. Ich bin auch der Auffassung, dass Geld nicht automatisch jede eigene Meinung korrumpiert, was der Blogger aber selbst glaubt, ist insofern unerheblich, als ich ziemlich sicher bin, dass viele Leser es glauben werden. Und das kostet den Blogger nicht nur die Leser, die dann ggfs. abspringen, sondern mit ihnen auch wieder Reichweite und Pageviews. Glaubst du denn persönlich, dass Literaturblogs eine wirklich große Masse an Menschen erreichen können? Und wer sollte die Literaturblogger bezahlen?

      Vielen Dank für deine Meinung und herzliche Grüße,
      Sophie

      • Liebe Sophie,

        vielen Dank für Deine Antwort. Nun verstehe ich Deine Intention etwas besser. Ich schätze, man sollte nicht erwarten, dass man mit einem Buchblog seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Daran wird man vermutlich scheitern; Reichweite spielt eine erhebliche Rolle. Grundsätzlich Einnahmen erzielen sollte man aber können, wenn man mag. Ein weiterer Grund ist eher die noch zu geringe Akzeptanz – wahrscheinlich auf allen Seiten. Leser, Blogger, Sponsoren. Was die Glaubwürdigkeit angeht, rotiere ich erneut um die Frage, warum das anderswo – auch innerhalb der Buchbranche – offensichtlich akzeptabel ist.

        Was einzelne Möglichkeiten angeht: Ich kenne von Kreativseiten aus den USA u.a. quadratische Kleinbanner, die natürlich günstiger sind und auch anders gestreut werden können. Das wäre eine Variante, u.a. für Kampagnen. Eine andere wäre zum Beispiel das Sponspring für Blogtouren, Wettbewerbe oder Verlosungen. Ich sehe da schon Möglichkeiten, abgesehen von Adsense-Geschichten, Affiliate-Programmen und sowas. Je nach Interessenslage, Zeit, Lust etc lassen sich die Einnahmen auch über Nebenthemen generieren und über entsprechende Konzepte – und das müssen noch nicht einmal immer Lesezeichen sein oder Leselotten. Aber wenn die Finanzierung insgesamt in den Kinderschuhen steckt, ist es freilich noch ein gewisser Weg, bis Ideen jenseits von Bannern entstehen. Das Thema ist bei den Buchblogs noch ziemlich jung – dementsprechend vorsichtig wird das gehandhabt.

        Sonnige Grüße,
        Bettina

        • literaturen sagt

          Liebe Bettina,

          nein, seinen Lebensunterhalt sollte man in der Tat nicht damit bestreiten wollen. Das halte ich für sehr utopisch. Aber gegen ein kleines Zubrot hier und da hätte ich persönlich nichts einzuwenden. Warum das Geldverdienen anderswo akzeptabel ist, kann ich schwer beantworten, lese aber auch immer wieder bei Mode – oder Foodblogs, dass sie sich dafür rechtfertigen müssen, mit ihrem Blog auch etwas einzunehmen. Keine Unsummen freilich, aber bei vielen Lesern schwingt, sobald man etwas für Geld tut, immer eine gewisse Missgunst mit. Der Vorwurf, der Blogger würde sich jetzt verkaufen oder nur aufs Geld aus sein.

          Ich habe ja selbst schon eine Menge ausprobiert, von Affiliate-Marketing über Bannerwerbung und die VG Wort. Nichts davon hat mir irgendetwas gebracht. Und damit meine ich nicht nur wenig, sondern 0,00 €. Deshalb gelange ich eben, auch auf der Basis eigener Erfahrungen, zu dem Schluss, dass kein Geld mit Buchblogs zu machen ist.

          LG,
          Sophie

  5. Ein wunderbar differenzierter Beitrag zu einem sensiblen Thema – und gleichzeitig ziehe ich den Hut davor, wie Du immer die passenden Worte findest. Selbiges muss ich auch zu Thomas sagen… *auch in seine Richtung verbeugend den Hut zieh*

    Ich denke mir auch, dass sich durch Literatur- und auch Filmbloggerei (wie ich sie ja mit ein paar weiteren Leuten betreibe, wenngleich ich uns bekannterweise als Magazin-Blog-Hybrid sehe) kaum bis kein Geld machen lässt, und ich wüsste momentan auch nicht, warum. Klar, manchmal würde ich gern die Hostinggebühren und gelegentliche Versandkosten decken. Aber ist es das wert? Werbung auf der Seite zu haben, weil ich mal im Monat 10€ an Versandkosten hatte und die jährlichen Hostinggebühren anfallen? Ich bin selbst noch am Hadern mit mir, ob ich denn wenigstens ein Affiliate-Programm (geht das bei ocelot eigentlich wieder? jpc wäre auch denkbar) integriere – denke mir dann aber auch wieder: Wieso? Selbst da hätte ich irgendwie das Gefühl der Abhängigkeit.
    Für mich ist Reichweite eine viel schönere „Bezahlung“. Ich freue mich riesig, wenn ein Verlag oder ein Autor oder aber auch ein Bloggerkollege meine/unsere Rezensionen verlinkt. Ich freue mich wahnsinnig, wenn ich unter „Pressestimmen“ auch uns zitiert sehe. Und selbst da versuche ich, nicht zu aufdringlich zu sein. Ich mache zwar bei Fanseitenaktionen mit, um die Seite bekannter zu machen, ich poste an Verlags-/Künstler-/Labelpinnwände usw., gern auch in Literaturgruppen – aber das war’s dann auch.

    Ich fühle mich mit meiner idealistisch motivierten Arbeit deutlich wohler, integrer, echter – und sollte ich irgendwann meine Rezensionen als Brotjob ausüben, wäre das zwar schön, aber ich hätte irgendwie schon Angst, mich selbst dabei zu verlieren.

    Was das Erreichen großer Massen angeht, so denke ich, dass es grob gesagt dreierlei Leser gibt: Die Freischwimmer, die keine Rezensionen lesen und somit weder Feuilletons, Buchzeitschriften noch Buchblogs. Das dürften einige sein. Dann – und derer gibt es unzählige – die Mainstreamleser, die ebenfalls keine Rezensionen lesen, und wenn, dann bestenfalls die Kundenrezensionen auf amazon oder bei anderen großen Onlinehändlern, und bei jenen Mainstreamlesern gibt es ja auch zahlreiche, die ein Buch nur kaufen, weil es durchschnittlich über 4 Sterne bei amazon hat – da kann es ja nur gut sein. Und dann gibt es Leser wie, sagen wir, uns. Unabhängige und neugierige solche, bloggend und nichtbloggend. Welche, die sich, wenn sie bloggen, beim Schreiben ihre eigenen Gesetze machen und ihre eigene Herangehensweise ans Werk haben.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass Literaturbloggen in Deutschland in Verbindung mit Geldeinnahmen nur mit Zugeständnissen möglich ist, und ich denke, der Grat zwischen Authentizität und Abhängigkeit ist hier sehr, sehr schmal, zumal die Literaturszene sehr sensibel ist. Sensibler offenbar, als es in anderen Bereichen der Fall ist.

    Wenn ich mir – es wird wohl kaum an jemandem vorbei gegangen sein – die teilweise absurde, latent vorwurfsvolle Kostenauflistung bei gourmetguerilla.de anschaue, wird mir ganz anders, und ich habe mir mit meinen Kommentaren dort nicht gerade Freunde gemacht.

    Zum Glück muss ich mich nicht mit aufgebrachten Lesern herumschlagen, die sich über Werbung und Sponsored Posts beklagen. Die gibt es bei mir/uns nämlich schlichtweg nicht.

    • literaturen sagt

      Lieber Chris,

      selbstverständlich ist es schön, wenn die Reichweite wächst, wenn man irgendwo erwähnt wird, vielleicht sogar selbstverständlich mit anderen etablierten Pressestimmen. Auch das ist eine Form der Entlohnung, die ich sehr schätze und auch nicht unter den Teppich kehren möchte. Ich weiß auch nicht, ob ich mich sofort unsäglich vereinnahmt fühlte, wenn Geld im Spiel wäre. Sicher, wissen kann man es nie vorher und wenn Bloggen ein Hobby ist, das man ohnedies neben einem „Hauptjob“ betreibt, liegen die Dinge nochmal völlig anders. Ich würde grundsätzlich jedenfalls nicht sagen, wer Geld nimmt, würde unweigerlich dadurch unglaubwürdig und korrumpiert, – dann dürfte kein Journalist dieser Welt für irgendeinen Artikel bezahlt werden. Aber, lange Rede, kurzer Sinn: Ich glaube nicht, dass mit Buchblogs Geld zu machen ist, ich glaube aber, dass es legitim ist, sich ein bisschen was dazuverdienen zu wollen. Auch, wenn’s nicht klappt, – wie in diesem hier behandelten Fall. 😉

      LG,
      Sophie

  6. Danke, Sophie, für dieses engagierten und persönliche Statement. Vieles (das meiste) sehe ich genauso. Monetarisierung und Bloggen, das heikle Thema hat mich randständig auch jüngst bei meiner Beschäftigung mit dem Selbstverständnis des Bloggers beschäftigt.
    Generell: ich denke, dass sich auch mit Literatur- und Buchblogs Geld verdienen liesse, nur zu welchem Preis. Dann sähen auch diese Blogs einförmig aus, wie viele Mode- und Travelblogs, die alle nach derselben erfolgsverheißenden Masche (gibt ja genug Anleitungen á la: wie werde ich ein erfolgreicher Blogger) gestrickt sind (Appelcharakter, Aufzählung, kurze Texte, Fette Headlines, Marketingblubberei, biete Lösungen etc.). All das will ich nicht, all das will auch die überwiegende Mehrheit der Buchblogger nicht. Heraus käme nämlich ein einförmiger, gedankenloser, an den Geschmack der Massen angepasster Brei von Texten, anstatt geistreicher, eigenwilliger Beiträge mit persönlicher Handschrift und Stil, befeuert von ganz persönlichen Vorlieben und vom eigenen Geschmack. Ergebnis: mein potentieller LeserInnnenKreis schrumpft schlagartig zusammen (und wird uninteressant für Werbende jeglicher Couleur).
    Geld verdienen kann man nur dort, wo große Umsätze generiert und hohe Gewinnmargen erzielt werden; in der Buchbranche sind/wären das Ratgeber, Unterhaltungsliteratur ohne hohen Anspruch, schnell produzierte, auf schnellen Gewinn getrimmte, dem Zeitgeist stromlinienförmig angepasste Bücher, Massenware eben. Die interessiern mich persönlich nicht. Tata, erneut bin ich raus aus dem Spielfeld des Kaptals.
    Glücklich übrigens werden/sind nicht alle Blogger, die mit ihren Artikeln, Posts, Videos, Wasauchimmer Geld verdienen. Wer sich in das Spielfeld des Kapitals begibt, kann darin umkommen oder zumindest Schaden nehmen und Haltung einbüßen. (Prominente YouTuber wie LeFloid haben das unlängst unsanft erfahren … und Konsequenzen gezogen; nämlich sich aus dem Spielfeld des Kapitals (vorerst) zurückgezogen.
    Ich betrachte meinen Blog als journalistisches (in Ansätzen literaturkritisches) Angebot; mit Journalismus läßt sich im Netz wenig bis nichts verdienen. Das merken selbst die Big Player (Zeit, Spiegel, führende Tageszeitungen etc.) und verzichten notgedrungen auf Bezahlschranken. (Nur bei der BLÖD scheint’s zu funktionieren, wobei sie ehrliche Zahlen auch nicht herausrücken.)
    Werbebanner, Blinkende Laufschriften, irgendwelches AdSens-Gedöns kommt mir nicht auf die Seite; wäre dank Adblocker ohnehin nicht sichtbar und brächte deswegen auch nix. Erneut: keine Einnahme also.
    Mir/uns bleibt also nur das »ehrenamtliche« Schreiben und der Austausch mit andern ist der einzige erzielte Gewinn. Der allerdings könnte, wie Thomas Brasch richtig anmerkte, hin und wieder fruchtbarer ausfallen, streitsüchtiger, meinungsfreundlicher. Warum wird so wenig kommentiert und (konstruktiv) gestritten (sei es auf unter dem Blobbeitrag selbst oder bei FB)? Die Frage finde ich wesentlich interessanter, als die nach Geld und Einnahmequellen. Vielleicht diskutieren wir die morgen?!
    Fazit: Geld einnehmen? … ist schlicht unmöglich, so wie ich/wir blogge/n. Punkt.
    lg_jochen
    P.S.: Rezensionsexemplare sind Teil des literarischen Spiels, Teil der betriebswirtschaftlichen Regeln im Verlagsbusiness, waren sie schon immer, und deswegen halte ich ihre kategorische Ablehnung für Heuchelei oder zumindest für falsch verstandenen Ethos. Grenzwertig wird es nur dann, wenn Rezensionsexemplare in Größenordnungen angefordert werden, die einer sachgerechten Verarbeitung Hohn spotten.
    Langer Text, viele (überflüssige?) Worte … Danke für die Geduld.

    • literaturen sagt

      Lieber Jochen,

      nicht alles, was ich im Artikel so widergebe, kann ich hundertprozentig unterschreiben. Ich sehe nichts Anrüchiges darin, sich mit einer Leidenschaft etwas dazuverdienen zu wollen (dazuverdienen, nicht Lebensunterhalt bestreiten, das sind ja zwei völlig verschiedene Paar Schuhe!) Ich glaube nur, dass bisher kein Modell gefunden worden ist, um diese Entlohnung zu ermöglichen, weil zuviele Faktoren ungeklärt sind. Abgesehen von den spezifischen Problemen der Literaturbloggerszene. 😉

      Weshalb wenig kommentiert, lebhaft diskutiert und gestritten wird, kann ich nicht beurteilen. Aber fruchtbare und bereichernde Diskussionen werden im Internet ohnehin nicht allzu häufig geführt, bei FB schon gar nicht. Dafür habe wenige Menschen Zeit und Muße. Darüber kann man sich aber sicherlich mal Gedanken machen.

      LG
      Sophie

  7. Hallo Sophie, erste einmal vielen Dank für diesen Artikel, der viele Aspekte des Themas anspricht, die ich bisher in der Reichweite noch nicht bedacht hatte. Es klingt ernüchternd, aber irgendwo logisch und durchaus sympathisch, wenn Du zu dem Schluß kommst, dass sich Buchblogger (etwas salopp ausgedrückt) hauptsächlich gegenseitig lesen. 😉 Wie dem auch sei, mancher versucht ja durchaus, mit Affiliate-Links seine Unkosten etwas abzufangen und da gibt es inzwischen bessere Möglichkeiten, als mit Links zum großen Global Player A., zum Beispiel buchhandel.de. Aber mehr als ein Unkostenbeitrag wird nicht dabei heraus kommen. Stellt sich natürlich noch die Frage, inwiefern Werbung die Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit der Rezensionen beeinträchtigt. In den vier Jahren bei Phantastik-Couch, die ja massiv Werbung von Verlagen schaltet, habe ich mir eingeredet, dass wir ‚trotzdem‘ unabhängig beurteilen und bewerten und natürlich auch Verisse schreiben. Aber wenn ich ehrlich bin, gab es da schon einige ‚wenn‘ und ‚aber‘, die die Möglichkeiten dann doch eingeschränkt haben. Nein, natürlich ist man mit Werbung nicht weiterhin vollkommen unabhängig (und eine andere Form von Unabhängigkeit gibt es ja nicht), und für Blogger dürfte das noch um einiges schwieriger sein, als es für ein Portal wie Phantastik-Couch ist. Also bleibt am Ende keine andere Schlußfolgerung übrig, als die, die Du bereits getroffen hast. Einen Buchblog sollte man aus Spass an der Literatur und am Netzwerken erstellen und aus keinem anderen Grund. Liebe Grüße, Eva

  8. Liebe Sophie,
    ja, das Thema geistert immer wieder über die Blogs uns hat sicher auch damit zu tun, dass in anderen Bereichen mit dem Bloggen tatsächlich Geld zu verdienen ist. Ich meine, dass es auch in der SZ am letzten oder vorletzten Samstag dazu eine Artikelreihe gab und es waren alles Mode-, Technik oder Familienblogger, die ein bisschen oder auch ausreichend (Technik/Apple) Geld verdienen konnten.
    Mit Deiner Analyse der Zugriffszahlen und der Zielgruppe der Leser unserer Literaturblogs hast Du ein ganz wichtiges Thema angesprochen. Wahrscheinlich ist das Interesse an „unseren“ Romanen, auch wenn es sich um die Werke der „Hochkultur“ in dem Sinne handelt, als dass sie auch in medial wahrgenommenen Auszeichnungen einem breiteren Publikum vorgestellt werden, doch einer nur kleinen Zielgruppe vorbehalten. Deshalb ist über Werbebanner und Tausender-Kontaktpreise nur wenig zu machen – einer guten Möglichkeit aus meiner Sicht, um eine Geldquelle zu haben, andererseits aber nicht zu nah an die Verlage zu rücken.
    Das „Produkt“ der Buchbesprechung ist auf der anderen Seite aber auch nicht interessant genug, um sich jeden Beitrag vom Leser bezahlen zu lassen. Das ist zum Beispiel bei Strickanleitungen ganz anders. Es gibt mehrere sehr gut gemachte Webzines, in denen Modelle hochprofessionell präsentiert werden. Die einzelne Anleitung kann dann super einfach und schnell erworben werden – für einen sogar recht hohen Preis (6 – 8 $). Dieses Erlösmodell kann ich mir für Literaturrezensionen auch nicht recht vorstellen: es ist wiederum die kleine Zielgruppe, alleine schon der Sprache wegen. Selbst wenn sich mehrere Blogger zusammenschließen würden und eine ähnliche Zeitung auf die Beine stellten, kann ich mir kaum vorstellen, dass es Leser gibt, die dafür bezahlen würden. Dass es keine anspruchsvolle Literaturzeitung im deutschsprachigen Raum mehr gibt, ist ja Beweis, dass es finanziell nicht klappt.
    Und dann die Verlage: Natürlich freuen wir uns über Rezensionsexemplare – sollten dann aber auf jeden Fall unsere Unabhängigkeit und unsere eigenen Eindrücke bewahren und die auch in den Besprechungen formulieren.
    Ich habe aber auch im letzten Jahr den Eindruck gewonnen, dass Verlage das eine oder andere Buch der Bloggerszene so angeboten haben, dass es schon wirkt, als ob Verlage Blogger – ich will es mal vorsichtig sagen – „mit ins Boot holen“ oder anders gesagt: durchaus für ihre Werbekampagnen nutzen. Vera hat das auf ihrem Blog im Zusammenhang mit dem Hanser-Verlagsbesuch ja recht deutlich formuliert. So fließt zwar kein Geld vom Verlag zum Blogger, es gibt aber andere Vergünstigungen – und Öffentlichkeitsarbeit hat nun einmal das erklärte Ziel, den Angesprochenen für das eigene Unternehmen oder das eigene Produkt gewogen zu stimmen Dass ist vor allem deshalb so problematisch, als dass wir ja alle an guter Literatur wirklich interessiert sind und es uns Herzensangelegenheit ist, für diese auch Leser zu interessieren. Hier verbinden sich auf einmal zwei ganz unterschiedliche Interessen.
    Auch wenn es wirklich ein sehr, sehr schöner Traum ist, ich bin auch sehr skeptisch, was die finanziellen Erfolge eines Literaturblogs betrifft. Es ist wohl wirklich eher das wunderschöne Hobby, so wie Thomas es beschrieben hat, und die Möglichkeiten, sich mit Gleichgesinnten, die es ja auch im eigenen Freundeskreis manchmal auch nicht in der unglaublichen Vielfalt gibt, auszutauschen.
    Viele Grüße, Claudia

    • literaturen sagt

      Liebe Claudia,

      vielen Dank für deine Gedanken zum Thema! Sicherlich nutzen Verlage Blogger in ihrer Eigenschaft als Multiplikatoren. Deshalb schrieb ich zu Beginn auch: Blogger schreiben natürlich erstens leidenschaftlich über Literatur, sind dadurch aber weitens natürlich auch mit jeder Besprechung eines Buches, sei sie gut oder schlecht, Werbeplattform für einen Verlag. Je bekannter und besser besucht der Blog, umso mehr rechnet es sich. Was Hanser anbelangt – ich war ja nun auch dort -, sehe ich das nicht ganz so kritisch. Ich war gern dort, ich habe viele nette Menschen getroffen und Kontakte geknüpft. Ich nehme mir deshalb aber nicht etwa vor, Hanser jetzt mehr in den Fokus zu rücken als ich es sonst getan hätte, ich habe den Verlag auch bereits vor dem Verlagsbesuch sehr geschätzt. Ich denke aber durchaus, man muss da immer wieder reflektieren und abwägen, da hast du sicherlich Recht, inwieweit man noch objektiv, ohne die netten Gesichter im Hinterkopf, über ein Buch schreiben kann. Um sich aber gegenseitig kennenzulernen, Einblicke zu gewähren und bis zu einem gewissen Grad voneinander zu profitieren, sind solche Verlagsbesuche sicher eine gute Möglichkeit.

      LG,
      Sophie

  9. Liebe Sophie,
    eine Antwort auf deinen guten Artikel zu schreiben, ist gar nicht so einfach, weil das Thema sehr komplex ist und der Versuch, wirklich alles in einem Kommentar fassen und erläutern zu können, nur scheitern kann. Darum versuche ich, die einzelnen Punkte, die ich zu diesem Thema wichtig finde, kurz anzureißen.

    Zuallererst ist der Literaturbetrieb neben den „schönen Künsten“ und den anderen Geisteswissenschaften traditionell eher der „brotlosen Kunst“ zuzuordnen; von daher halte ich schon alleine die Idee, von einem Buchblog leben zu möchten, für sehr, sehr idealistisch. Vorsichtig formuliert. Wie du in deinem Artikel ja schon ausführlich erläutert hast, sind alleine schon die Voraussetzungen wie Zielgruppe, Anzahl und Reichweite, nicht mit anderen Sparten zu vergleichen.

    Dann kommt die (nicht unberechtigte) Frage nach der Unabhängigkeit. Für viele Leser und die meisten Blogger DAS Qualitätsmerkmal schlechthin – wobei ich mich frage, nach welchen Kriterien das bewertet werden soll, ist doch die Wahrnehmung immer subjektiv. Also geht es zuerst einmal um Glaubwürdigkeit. Diese kann ich mir nur durch qualitativ hochwertige Texte über einen längeren Zeitraum erarbeiten. So, und dann kommt die Frage, ob ich mich durch das Annehmen von Rezensionsexemplaren bereits in eine Unabhängigkeit begebe, mich instrumentalisieren lasse. Im Gegensatz zu anderen finde ich, dass meine Unabhängigkeit in meinem Kopf beginnt. Zu einem Abhängigkeitsverhältnis gehören immer zwei. Wenn ich mit einem Verlag in Kontakt stehe, der mir Leseexemplare zur Verfügung stellen möchte, dann lese ich das und fühle mich immer noch so frei, meinen persönlichen Leseeindruck auf meinem persönlichen Blog einstellen zu können, egal, wie er ausfällt. Sollte das dem ein oder anderen Verlag nicht gefallen, dann gibt er mir eben keine Leseexemplare mehr. Aber: die Besprechung kommt ja trotzdem, wenn es sich um ein Buch handelt, das mich interessiert. Das wiederum führt mich zum nächsten Punkt: denn, allen löblichen moralischen Ansprüchen der Blogger, die fürchten, durch die bloße Annahme dieser Leseexemplare instrumentalisiert zu werden, zum Trotz: auch diese Besprechungen dienen den Verlagen als erweiterter Marketingkanal, ob man das nun will oder nicht. Jede Rezension, jede Besprechung, jeder Artikel, den ein Blogger liefert, füttert das Marketingtier.

    Und da wir nun gerade mal beim Thema sind: warum zum Teufel sind Buchblogger eigentlich so furchtbar etepetete, wenn es nur alleine schon um die Frage einer eventuellen Monetarisierung der Aktivitäten geht? Ist ihnen ihre eigene Arbeit so wenig wert? Sind sie sich selbst so wenig wert? Reicht ihnen die eigene Qualität selbst nicht? Ich finde dieses Duckmäusertum so furchtbar anstrengend, gekünstelt und schlichtweg überflüssig. Wenn ich einen großen Teil meiner Zeit darauf verwende, mich mit Literatur zu beschäftigen, verschiedene Bücher zu lesen, Messen und branchenspezifische Treffen zu besuchen und anschließend darüber gute Artikel zu schreiben, die einfach gut sind und gerne gelesen werden – warum müsste ich dann ein schlechtes Gefühl dabei haben, damit einen Teil meines Geldes verdienen zu können? Nur, weil ich es leidenschaftlich mache? Versteh ich nicht. Das machen auch Ärzte, Architekten oder Regisseure oder was auch immer. Wie viele zig Artikel in irgendwelchen Magazinen werden interessiert verschlungen, weil sie davon handeln, dass jemand seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Und hier ist das verpönt und ein No-Go? Puh…

    Aber, um mal wieder zu deinem Artikel zu kommen: ich vermute, dass es gar nicht erst zu dieser Situation kommen wird. Weil ich nicht weiß, wer überhaupt die Zahlungen leisten soll. Die Verlage aus naheliegenden und von dir erläuterten Gründen nicht. Die Zeitungen haben kein Interesse und Bedarf, weil sie durch ihre Mitarbeiter im Feuilleton abgedeckt sind. Der Leser, der kein Blogger ist? (Übrigens gibt in deinem Artikel eine Diskrepanz bei der Definition der potentiellen Leserschaft/Literaturblogs. Einmal schreibst du über eine „Literaturblogszene, die sehr klein und überdurchschnittlich gut vernetzt ist“, später dann „gibt es eine derart unüberschaubare Zahl an Literaturblogs“, aber das nur fürs Protokoll und von einer Erbsenzählerin;-)). Wenn Leser nicht bereit sind, selbst für die Lieferung von Qualitätsartikeln mit viel Recherchearbeit im professionellen Journalismus einen Betrag zu leisten und gewohnt sind, es bequem im Netz für lau zu bekommen, werden sie es sicherlich nicht für ein paar Lesevorschläge aufbringen.
    Bliebe noch ein Literaturportal im Netz, in dem Blogger ihre Beiträge zur Verfügung stellen, das beworben werden kann und die Werbeeinnahmen auf die Beitragsersteller aufgeteilt werden. Aber selbst das dürfte über ein kleines Taschengeld nicht hinausreichen.

    Bis dahin werde ich mich weiterhin leidenschaftlich meiner Lektüre widmen, nach literarische Perlen suchen, mich vernetzen, kommentieren und über all das und meine Leseelebnisse der beim Buchhändler gekauften und vom Verlag zur Verfügung gestellten Bücher leidenschaftlich gerne schreiben. Und hoffen, dass ich ein paar Interessierte zum lesen verführen kann, im besten Fall sogar begeistern kann.
    Sollte dann jemand meinen, meine Artikel darüber seien so gut, dass er mich unter Vertrag nehmen will, nur zu. 😉

    Herzliche Grüße
    Sonja

    • Ich sehe vieles wie Du, stelle ich fest: Die bescheidene Selbstwahrnehmung kann da durchaus den wenigen im Weg stehen, die gerne Geld verdienen möchten. Auch, wenn es eben nicht der Lebensunterhalt ist.

  10. Ich glaube nicht, dass man mit jedem Blog nun Geld verdienen MUSS, nur weil’s gerade Medienthema ist. Ja, es gibt professionelle Blogger, Journalisten, die ein Blog so anlegen. Die haben es auch verdient, für Arbeit und Unkosten entlohnt zu werden (die tw. immens sind). Es wäre aber furchtbar schade, wenn das Erfrischende einer freien Hobbyszene nun vollkommen verschwände.

    Tatsächlich ist Glaubwürdigkeit stark ans Thema gekoppelt. Wenn ich Verlagslogos auf einem Rezensionsblog sehe oder immer der gleiche Verlag auftaucht, wird mir das als Leserin „verdächtiger“, als wenn ich beim Guglhupfrezept endlich erfahre, wo man die speziellen Kuchenformen kaufen kann.

    Allerdings verstehe ich nicht, warum man es nicht mal versuchen sollte, ganz seriös ein paar Unkosten reinzukriegen. Flattr z.B. ist nichts Böses. VG Wort wäre da. Amerikanische Blogger haben einen Spendenknopf für die Kaffeekasse. Und ich persönlich fände nichts selbstverständlicher, als in einem Rezensionsblog im großen Bücherkaufhaus zu landen, wenn ich das möchte (wird ja niemand gezwungen) – AutorInnen machen das ja auch und es funktioniert.
    Mich überrascht, dass Literaturblogs scheinbar so im eigenen Saft schmoren sollen. Ich glaube das ehrlich gesagt nicht. Die meisten, die ich kenne, habe ich via Google entdeckt, auf der Suche nach einem speziellen Buch, das ich noch nicht kannte.

    • literaturen sagt

      Liebe Petra,

      danke auch für deine Sichtweise. Natürlich muss man nicht plötzlich jeden Blog in jeder Sparte monetarisieren können. Das mit den Verlagslogos sehe ich auch so, deshalb entsteht ja die Frage: Woher sollte die Entlohnung stammen? Über Flattr lese ich immer wieder, dass das so gut wie nichts einbringt, weil kaum einer flattrt. Die VG Wort hat mir bisher nicht einen Cent gebracht und ergibt bei Besucherzahlen, wie sie die meisten Blogs haben, auch nicht ganz soviel Sinn. Besonders dann nicht, wenn sie auf Gegenwartsliteratur und aktuelle Neuerscheinungen ausgerichtet sind. Die VG Wort kann Sinn ergeben für einen Literaturblog, der sich z.B. mit Klassikern beschäftigt, denn die werden immer wieder aufgerufen (Schullektüre sei Dank) und so erreicht ein Artikel vielleicht die vorgeschriebene Zahl Aufrufe, um ihm einreichen zu können.

      Was das große Bücherkaufhaus anbelangt, so fände ich es, als Mitglied von We Read Indie, als Buchhändlerin und Unterstützerin unabhängiger Läden einfach ein Unding und vollkommen eigenartig, wenn ich auf amazon verlinken würde. Auch das wären ja Affiliate-Links und wie viel bei Affiliate Links herauskommt, hat sowohl der von mir verlinkte Blog eindrücklich dargelegt wie auch ich am eigene Leibe erfahren: nämlich nichts. 😉

      Literaturblogs schmoren insofern im eigenen Saft als sehr viele Menschen außerhalb der Bloggerszene und der Buchbranche nicht einmal wissen, dass es Literaturblogs gibt. Die meisten, die sie wahrnehmen, lesen und kommentieren sind entweder selbst Blogger oder in der Buchbranche beschäftigt. Und da greift eben dieses Zirkelproblem, was ich zu beschreiben versucht habe.

      LG,
      Sophie

      • Liebe Sophie,
        danke für deine ausführliche Antwort – du machst dir allein hier viel Arbeit, Hut ab!
        Das mit Flattr & Co. sehe ich pragmatisch: Kommt auf die Arbeit an, die es macht, aber 20 Euro haben oder nicht haben, ist doch auch was? 😉 Die Frage ist natürlich, ob das eigene Zielpublikum dabei ist, das stimmt.
        Und ja, das große A. wäre in deinem Fall natürlich Unsinn, aber zu einem kleineren Shop zu verlinken brächte wieder den Nachteil, dass viele LeserInnen sich da vielleicht nicht neu einloggen wollen.
        Wie gesagt, ich habe offenbar die Reichweite und Bekanntheit von Literaturblogs vollkommen überschätzt. Wenn es sich aber um ein solch branchenaffines Stammpublikum handelt, dann könnte ich mir die Spendentaste doch gut vorstellen.
        Schöne Grüße, Petra

  11. Zuallererst: Würde es legitim finden, wenn es (für einige Lit-Blogger) Geld geben könnte. Schon alleine, weil es von außen so wirkt, als ob sie doch fast 40 Stunden pro Woche Zeit für ihren Content in Anspruch annehmen und weil sie Qualität bieten. Die entscheidende Frage ist nur: Wie?

    Generell ist es doch so, dass z.B. Verlage, Medienportale oder Zeitungen nach wie vor kein gescheites Rezept dafür gefunden haben, wie sie von der Werbung im Netz profitieren. Betrachte ich mein Verhalten, so blende ich doch die meiste Werbung komplett aus. Sei es schon alleine durch meinen Ad-Blocker. Facebook und Social Media, okay, da erreicht mich vielleicht noch der Großteil der generierten Promotionen (Algorithmen, auf das Nutzerverhalten abgestimmt). Geld für eine Buchbesprechung zu nehmen? Nein. Nimmt das Feuilleton dafür Geld? Nein. Anzeigen für Veröffentlichungen? Jein. Würde ich nur schalten, wenn ich 100% hinter dem Inhalt stehe, aber nicht für ein x-beliebiges Werk. Auf die Kohle bin ich nicht angewiesen. Product Placement in Artikel? Nein, will ich nicht sehen!

    Möglich, dass wir Blogger, wenn wir an Geld kommen wollen, deutlich interaktiver „arbeiten“ sollten. Weg von den klassischen Besprechungen. Hin zu z.B. Video-Content (auf YouTube lässt sich bekanntlich auch was abgreifen, wenn auch bisher nicht für Buchblogger) oder andere (visuelle) Variationen. Das wird uns doch auch häufig vorgeworfen: Inhaltsangaben ohne literarisches Werkzeug und Analysen.

    Insgesamt stehen die Literaturblogs noch am Anfang der (kommerziellen) Entwicklung – insofern es überhaupt eine geben wird – obwohl schon einige gefühlt ein Jahrzehnt geschaltet sind. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nimmt auch durch die Digitalität zu, wenn bestimmte Rezensionen der Blogs bei Google vor der FAZ oder Zeit landen. Das sollte man nicht unterschätzen und es wirkt auch so, als ob die Verlage den Trend erkannt haben (Hanser). Überhaupt bemerke ich allerdings zumindest bei mir und anhand der Kommentare, dass mein Blog zusehends von Blogger-Kollegen gelesen wird. Bzw. Interkationen nur durch sie erfolgen und keine Kommentare von Frau Müller hereinflattern, die keinen Blog führt und eine Diskussion starten möchte.

    Ansonsten gibt es doch in der Szene immer noch sehr viel Schatten als Licht. 1000 Vampir-, Chick-Lit-Blogs usw. sind für mich Schrott, haben aufgrund der „Demokratie“ durch das Web 2.0 aber dennoch ihre Daseinsberichtigung – muss sie ja nicht besuchen.

    Für mich bleibt es ein Hobby. Trotzdem wäre es spannend zu sehen, wenn irgendwer den Versuch unternehmen würde, alles auf eine Karte zu setzen. Ein Lösung, wie das funktionieren soll, nicht nur Zustimmung zu erhalten, sondern auch ausreichend Moneten, fällt mir allerdings nicht ein. Ein langer Atem wäre sicherlich (wie bei jedem „Startup“) erforderlich. Vermutlich würde das (Stand) jetzt nur bei einem Netzwerk funktionieren, einer Verknüpfung von Bloggern, die eine Art Online-Redaktion führen. Dadurch würde man sich allerdings von der eigentlichen Idee entfernen. Ergo, hat die Meinung eines Literaturbloggers auch (noch) zu wenig Gewicht in der Medienlandschaft und der Literaturkritik.

    Just my two cents! 🙂

    • Wenn das Thema etwas reift, werden sicher verschiedene Bezahlmodelle aufkommen, an die wir heute noch nicht denken. Ich stehe gerade auf dem Schlauch, weil mir die Onlinejournalisten nicht namentlich einfallen wollen, die immer wieder offen Sponsoren für ihre Seite suchen. Ein Literaturblogger könnte also (als Beispiel) für einige Wochen von einer Stiftefirma gesponsort werden, weil es das große Thema „Schreiben“ aufgreift. Aber davon sind wir noch weit weg.

  12. Die Frage ist meiner Meinung nach nicht, ob man mit einem Literaturblog Geld verdienen kann, sondern ob man damit Geld verdienen will. Wer das wirklich will und die Fähigkeit dazu hat, findet immer Mittel und Wege das zu tun.

    Das Blog an sich ist diesem Zusammenhang jetzt nicht die cashcow. Der Blogger dahinter könnte es aber sein. Dann nämlich, wenn er sich durch seinen Sachverstand, seine Art zu Schreiben und sein Publikum zu unterhalten, für andere Aufgaben im Literatur-Marketing empfiehlt. Zum Beispiel als freier Mitarbeiter im PR-Bereich der Verlage oder der Medien. Als Berater von Online-Projekten, beim Inbound-Marketing, Moderator von Lesungen usw.

    Ein gut gemachtes Blog ist daher nicht viel mehr als eine Visitenkarte. Ich persönlich werde schon skeptisch, wenn ich sehe, dass manche Blogger beinahe jeden Tag ein bis zwei Bücher vorzustellen. Dann frage ich mich, wann lesen die die Dinger eigentlich? Das klappt, wenn sich mehrere Personen zusammentun und ein Online-Magazin daraus machen. Bei einigen Blogs ist das schon passiert und wenn der Content stimmt, könnte das durchaus ein interessantes Geschäftsmodell werden.

    Ansonsten müssen wir uns einfach der Tatsache bewusst sein, dass Literatur (und hier meine ich anspruchsvolle Belletristik) mehr und mehr zu einem Nischenmarkt wird. Wir haben einfach nicht so eine breite Zielgruppe, wie Musik, Mode- oder Foodblogger.

    Rezensionsexemplare als Unterstützung finde ich gut, noch besser finde ich allerdings, wenn Verlage Blogger in die anderen Bereiche ihrer PR-Arbeit mit einbauen. Auch das passiert bereits und insofern hat jeder Blogger die Möglichkeit, das für sich zu nutzen und sich für andere Aufgaben und Tätigkeiten ins Gespräch zu bringen. Vorausgesetzt er will das und hat auch das Zeug dazu.

    Insofern: nicht labern – machen! ☺

    • Vielen Dank für den erstklassigen Beitrag, Sophie, und allen anderen für die aufschlussreichen Ergänzungen.

      Ich möchte einen Punkt aufgreifen, den Tobias angesprochen hat: „Ein gut gemachtes Blog ist daher nicht viel mehr als eine Visitenkarte.“ Es wurden bereits verschiedene Gründe genannt, aus denen wir bloggen: Der Blog ist unser literarisches Gedächtnis, wir wollen andere zum Lesen verführen usw. Bei mir kommt aber noch das hinzu, was Tobias sehr treffend als Visitenkarte bezeichnet.

      Ich blogge nicht nur über Literatur, sondern bin auch als Freiberuflerin im Literaturbetrieb tätig. In den letzten zwei Jahren merke ich, wie sich die beiden Tätigkeiten – Hobby und Beruf – immer mehr miteinander verschränken und gegenseitig befruchten. Die Kontakte, die ich bei der einen Tätigkeit knüpfe, sind mir auch für die andere nützlich, und bei bestimmten Projekte kann ich beide miteinander verbinden. Auch wenn ich also vielleicht nicht direkt mit dem Bloggen Geld verdiene, so ist es mittlerweile doch auch Teil meiner Arbeit: ein Weg, mich zu vernetzen und Aufträge zu akquirieren. Es kam schon vor, dass Aufträggeber durch meinen Blog auf mich aufmerksam geworden sind und meine Leistungen dann anderweitig in Anspruch genommen haben. Anderersherum lerne ich durch meinen Beruf spannende Menschen und Projekte kennen, die wiederum meinen Blog inspirieren, zuletzt beispiesweise bei meiner neuen Interviewreihe, bei der Literaturenthusiasten aller Art zu Wort kommen (zumindest glaube ich, dass solche Einblicke auch für den Branchenfremden interessant sein können). Manch einer mag diese Durchdrängung von Hobby und Beruf als Interessenskonflikt sehen – für mich ist es eine Bereicherung.

      Bei all dem bleibt es aber dabei, dass das Schreiben und der Austausch mit Gleichgesinnten, Bloggern wie Nicht-Bloggern, vor allem einer Leidenschaft geschuldet sind, und die versuche ich auch in meinen Bloginhalten zu transportieren.

    • literaturen sagt

      Ich glaube tatsächlich nicht, dass es nur eine Frage des Willens ist. Ich habe schon Vieles ausprobiert, nichts davon war erfolgreich. Das, was du beschreibst, nämlich den Blogger als Person hinter der Seite z.B. als freien Mitarbeiter zu nutzen, hat ja schon mehr mit dem zu tun, was ich ganz unten schrieb: Der Blog kann ein Multiplikator sein, um an Aufträge oder Jobs zu kommen, die Geld einbringen. Der Blog selbst aber wird es nicht tun – und der Literaturblog als solcher noch viel weniger als andere Blogs.

      LG,
      Sophie

  13. Liebe Sophie,

    vielen Dank für diesen informativen und durchdachten Beitrag, der nur einen Haken hat – er ist typisch deutsch. Kein anderes Land käme auf die Idee, eine Leidenschaft in Blogform in Frage zu stellen, egal, um welches Thema es sich handelte – denn wenn jeder, der auch nur ansatzweise einen Überblick im Bereich Journalismus, Texten, Übersetzen etc. hat, mal kurz an fünf Fingern abrechnet, welche Investitionen hinter einem so geführten Blog stehen, und sich nicht kontinuierlich mit der flachen Hand gegen die Stirn schlägt, dann noch beschwert, dass die Monetarisierung des Teufels ist … tja, dann… lebt er/sie halt in Deutschland.

    Es ist richtig: Literatur hat nicht diese Streubreite, die andere Medien ermöglichen, aber das spricht überhaupt nicht dagegen, dass auch Literatur via Blog sich erfolgreich vermarkten ließe. Wer das will und die nötige Disziplin besitzt, kann auch das erreichen. Auch in Deutschland 😉

    Ich kenne das innere Bedürfnis, das hehre Ziel der hohen Kulturverbreitung aus rein ehrenamtlicher Sicht zu betreiben, nur zu gut. Ich habe mittlerweile kein Verständnis mehr dafür, dass einige laut aufschreien, wenn es Leute gibt, die den Weg der Monetarisierung beschreiten.

    Denn seien wir doch mal ehrlich: Wer würde nicht lieber seinen Blog betreiben, mit dem eigenen Lieblingsthema, mit anderen Gleichgesinnten, und davon leben können? Alternative: 9-to-5-job und irgendwie zwischendurch mal bloggen. Das hat weder Hand noch Fuß.

    Aber dieser Sprung, diese Risikobereitschaft, diese Gedankenwelt ist uns Deutschen einfach fremd. Ausnahmen bestätigen die Regel.

    • Lieber Marcel, ich glaube um eine Verteufelung der Monetarisierung von Blogs geht es gar nicht; und auch nicht um »German Angst«, als erfinderischer Blog-Klein-Unternehmer zu scheitern.
      Die Frage ist, wie und zu welchem Preis ist Monetarisierung im Literaturbereich überhaupt möglich. In stromlinienförmigen Branchen wie der Mode ist das leicht, denn die ist auf Schnelligkeit, PR, hohe Margen, schnellen Umsatz und hohe Taktzahl getrimmt. Kultur ist das nicht.
      Wer bewußt Nischen besetzt und eine gewisses Level von Qualität und Glaubwürdigkeit nicht unterschreiten möchte, begibt sich an den Rand des Spiefeldes von Kapital und Markt. Klassische Einnahmemöglichkeiten (wie in Mode-, Technik, Reise-Blogs) sind dann nur noch beschränkt sichtbar.
      Und ganz ehrlich, viele, die dennoch Potential für Verdienste sehen, haben auf Nachfrage dann doch keine konkreten Vorschläge (ausser Banner, Affiliate und Adsense).
      lg_jochen

      • Vielleicht denken viele zuerst an Banner etc, weil da noch Ausbaupotenzial ist. Zum Einen, dass überhaupt jemand damit anfängt, zum Anderen, weil das auch auf Seiten von möglichen Anzeigenschaltern vielleicht noch nicht breit genug genutzt wird. Danach gibt es definitiv Varianten. Aber in einer Bloggerszene, die werbetechnisch in den Kinderschuhen steckt, ist es zunächst auch schwer, Geldgeber zu überzeugen – und dann noch mit anderen Konzepten. Das klappt nicht von heute auf morgen. Und es muss Blogs geben, die das konzeptionell und inhaltlich hergeben.

      • Hallo Jochen,

        ja, das ist tatsächlich eine von den wichtigen Fragen – _Wie_ soll das funktionieren? Und da sind Länder wie die USA eben weiter, bei denen Crowdfunding und Angebote wie Patreon kreativen Menschen den „Traum“ bereits ermöglichen – gegen Leistung 🙂

        Ich habe damals miterlebt wie die Krautreporter darum kämpften, ihre Idee umzusetzen (siehe https://krautreporter.de/), und ich bin sehr froh, dass sie es geschafft haben. Denn das zeigt, dass auch die vielzitierte „German Angst“ langsam einem Umdenken weicht.

        Wir sind da einfach nur langsamer, aber ich bin frohen Mutes, dass gerade Deutschland erkennt, welchen hohen Stellenwert Kultur hat – und dass sie gefördert – oder nennen wir das Kind beim Namen: bezahlt – werden muss.

      • Wer Nischen besetzt, noch dazu so klar umrissende, hat aber auch ein treueres und wertschätzenderes Publikum! Das ist eine Chance, kein Hindernis.

    • literaturen sagt

      Lieber Marcel,

      zum Teil ist das sicherlich ein „deutsches“ Problem, mit dem sich ja auch Blogger deutlich reichweitenstärkerer Blogs im Bereich Food/Mode/Travel herumschlagen. Zum Teil, denke ich, ist es aber auch ein Literaturblogproblem.Wie würdest du denn, die Risikobereitschaft vorausgesetzt, einen Literaturblog monetarisieren? (jetzt mal abgesehen von Affiliate Marketing, VG Wort, Bannerwerbung usw.)

      LG,
      Sophie

      • Liebe Sophie,

        tatsächlich sind wir ja nicht die Ersten, die sich zu diesem Them Gedanken machen – es gibt ja sogar bereits (tatsächlich brauchbare) Online-Angebote wie etwa https://www.blog-camp.de.

        Kurz gesagt gilt für den deutschsprachigen Markt vermutlich die gute, alte Regel: Publiziere. Ohne Buch bist Du nichts.

        Kombiniere das mit drei-vier weiteren SoMe-Kanälen, bevorzugt Twitter, Instagram/Pinterest und v.a. einem Newsletter – und Dein Buch schreibt sich quasi allein, weil Du ja fleißig blogst. Suche die besten Texte aus, finde den gemeinsamen Nenner (oder entwickle ihn), packe es ihn ein Buch, verkaufe es über den Blog.

        Das ist kein allgemeingültiges Rezept, das bedarf der Hilfe durch andere Leute (außer Du bist Graphikerin, Layouterin, Korrektorin/ Lektorin und Social-Media-Zauberin in einem :)), da muss man netzwerken, und wenn man noch ein paar Euro in die Hand nehmen kann, dann geht es schneller. 🙂

        Aber ja, das ist für viele Literaturblogs eine Möglichkeit. Das bringt nicht sofort den Agenten, der J.K.Rowling-Verträge aushandelt, oder gar Zahlen im Vergleich zum 6er im Lotto – aber dann entwickelt sich das Profil, mit dem man als Literaturblogger/in sein tatsächliches Geld verdient: Kompetenz.

        Man wird zu Jurys eingeladen, Film/ Funk/Fernsehen, Buchprojekte usw. Das ist zumindest einer der Wege, den mensch beschreiten kann, wenn man das möchte (und kann.)

        Ob und wie das funktioniert, wie man den Übergang ohne Tagesjob schaffen soll, wer einen das denn finanziert … Tja, darauf habe ich keine perfekte Antwort. Sonst würde ich vermutlich nicht hier, sondern auf meinem eigenen Blog schreiben 😉

        Best wishes,
        Marcel

  14. Ein großes Lob für diesen interessanten Artikel an Sophie!

    Ich studiere selbst Wirtschaftswissenschaften, habe davor schon mehrere Jahre im Buchhandel verbracht und betreibe selbst seit 2012 die Literaturbloggerei.
    Allgemein ist die Ökonomisierung von Literatur ein schwieriges Terrain, für Blogger im Besonderen. Natürlich gibt es die ganz großen Unternehmen oder vielmehr Konzerne in der Literatur (sowohl auf der Hersteller- als auch auf der Handelsseite) und die verdienen gut Geld, aber das sind rare Ausnahmen.
    Als Literaturblogger kommt man natürlich nicht umhin sich auch für Buchhandlungen zu interessieren und hat wohl festgestellt, dass stationäre Geschäfte nicht leicht sind. Große filialisierte Unternehmen schließen ihre Filialen, kleine Läden verschwinden für immer von der Bildfläche. Die Schrumpfung Thalias in den letzten Jahren und die Insolvenzdrohungen des ocelot sind aktuelle Beispiele, traurige Beispiele. Vor diesem Hintergrund stellt sich mir die Frage, wie kann denn ein Blogger hoffen, dass er Geld mit seiner Arbeit verdienen kann, wenn schon Unternehmen in der Buchbranche große Schwierigkeiten haben?
    Da ist die Modebranche ein schlechter Vergleich! Oder habt ihr davon gehört, dass Modelabel häufig von der Insolvenz bedroht sind und Ketten ihre Filialen im großen Stil schließen? Es lässt sich trefflich Geld verdienen mit der Mode.

    Integrität ist für einen Blogger essenziell, da erzähle ich nichts Neues. Aber dazu gehören zwei Komponenten: Zum einen braucht es ersteinmal die Versuchung, sich korrumpieren zu lassen. Es müsste einem ernsthaft ein lohnender Betrag in Aussicht gestellt werden. (Ja, okay der lohnende Betrag kann für manche schon das 20€-Hardcover sein..) Und die nächste Komponente ist dann natürlich die Willensstärke auch sehr kritische Meinung zu äußern, wenn etwas schlecht ist. Aber solche Versuchungen schätze ich aufgrund der Branche wirklich niedrig ein, es gibt nicht genug Geld.

    Also gibt es Möglichkeit zwei Geld zu verdienen, Affiliateprogramme, Bannerwerbung. Ich schalte auf meinem Blog Bannerwerbung. Ja. Warum?
    Weil ich dadurch Host- und Domainkosten decken kann. Mein Hobby wird also zum Nullsummenspiel. Naja, eigentlich nicht ganz. In der Zeit, in der ich etwas für meinen Blog tue, könnte ich auch einer Tätigkeit nachgehen, die Geld bringt. Opportunitätskosten gibt es da also schon. Aber wenn man bloggt, dann tut man das doch im Allgemeinen nicht für Geld, sondern aus Leidenschaft für die Sache. Andernfalls wird es den Blog nicht lange geben.

    In diesem Sinne: Wir als Literaturblogger machen weiter auch ohne Geld.

    Viele Grüße
    Janine

    • literaturen sagt

      Liebe Janine,

      vielen Dank auch für deine Gedanken! Ich bin ja selbst gelernte Buchhändlerin und weiß, wie schwierig es ist, da überhaupt noch einen Job zu bekommen. Dass dann die Frage aufkommt, wie man den mit Literaturblogs noch Geld verdienen soll, ist nachvollziehbar. Zu Affiliateprogrammen und Bannerwerbung habe ich gerade in anderen Kommentaren schon viel geschrieben: Ich habe beides ausprobiert, ohne irgendeinen monetären Erfolg. Natürlich sollte man nicht ausschließlich des Geldes wegen bloggen, ich glaube, darum geht es hier auch weniger. Ich blogge, weil es mir Spaß macht, weil ich Spaß an Literatur habe, am Austausch darüber, an der Auseinandersetzung damit. Dennoch ist ja der Wunsch nachvollziehbar, ein bisschen was dazuzuverdienen. Leben wird man davon wohl niemals können und das wäre auch nicht mein Ziel oder gar ein Anreiz, weiter zu bloggen.

      LG,
      Sophie

  15. Dorothea Kenneweg sagt

    Wie wäre es, statt des flattr-Buttons ein E-Book zum Kauf anzubieten? „Best of Literatourismus“ oder „Meine 100 Lieblingsbücher“ oder so. Die „Selfpublisherbibel“ macht das zum Beispiel so (ist aber auch kein klassischer Literaturblog).
    Oder wie wärs mit Sponsoring? Muss ja nicht gleich ein Verlag sein, sondern eine Bücherregal- oder Leselampen- oder Notizbuch-Firma oder ein Optiker oder, oder …
    Grundsätzlich finde ich es absolut gerechtfertigt, darüber nachzudenken, wie man mit seinem Blog Geld verdienen könnte. Auch wenn es womöglich nicht für den gesamten Lebensunterhalt reichen wird.

    • literaturen sagt

      Liebe Dorothea,

      ja, sowas wäre natürlich eine Möglichkeit, – über die ich bisher allerdings noch nicht nachgedacht habe. Weil ich auch glaube, dass ich für solche Projekte noch deutlich zu wenig Leser habe, die bereit wären, für so etwas Geld auszugeben. Dazu kommt, dass das ja mutmaßlich für die Leute am interessantesten ist, die ohnehin den Blog lesen und denen die meisten Artikel wahrscheinlich längst bekannt wären, wenn man sie in anderer Form herausbrächte.

      LG,
      Sophie

      • Dorothea Kenneweg sagt

        Liebe Sophie,
        es gibt doch erstaunlich viele Leute, die noch zusätzlich ein Buch/E-Book kaufen, obwohl die Inhalte online schon verstreut zugänglich sind. Und außerdem gibt es treue Blogleser, die das Buch eben auch kaufen, um den Blogger zu unterstützen.

  16. Hallo Sophie,
    erst einmal: großes Lob für Deinen Artikel.
    Ich bin mit meinem Blog nicht dem großen Geld hinterher sondern lebe meine Leidenschaft aus, würde es aber auch Niemanden zum Vorwurf machen, wenn er/sie sich für Rezensionen bezahlen lassen würde. Am Ende muss jeder Blogger ja selbst wissen, ob er voll hinter seinem Blog stehen kann 🙂 Ich selbst würde aber nur ungern eine bezahlte Rezension veröffentlichen. Ich arbeite viel lieber mit Rezensionsexemplaren oder Buchexemplaren aus Leserunden, die ich zeitlich gut bei mir unterbringen kann und bei denen mir keiner vorschreibt, welche Rezension am Ende erwartet wird. Für mich ist das ein guter Deal, die Autoren/Verlage bekommen ihre Aufmerksamkeit und ich ein Buch 😉
    Des Weiteren nutze ich noch ein Affiliate Programm, das ist aber nicht zum Geldverdienen gedacht, sondern für mich die simpelste und beste Lösung des Cover-Urheberrechts-Problems.

  17. Als Buchblogger ist die Beschäftigung mit Literatur nicht nur ein Zeitvertreib, sondern ein wichtiger Bestandteil des eigenen Lebens. Wenn man sieht, wie viel Herzblut und Arbeit in so vielen Literaturblogs steckt, kann man kaum zu einem anderen Schluss kommen. Dabei mag es vielerlei Gründe geben, mit einem eigenen Blog zu starten. Ich persönlich habe mit dem Bloggen angefangen, weil es mir schon immer Spaß gemacht hat, mich über Bücher und Literatur auszutauschen. Da ist so ein Blog einfach eine großartige Möglichkeit, Gleichgesinnte kennenzulernen, mit anderen Menschen zu diskutieren und viele neue Kontakte zu knüpfen. Und genau so ist es gekommen, ich tausche mich mit vielen Lesern und Bloggern aus, die ich davor nicht kannte und sonst auch nie kennengelernt hätte. Über eine Monetarisierung habe ich noch nie nachgedacht. Wozu auch, wenn doch der eigentliche Zweck des Blogs sich tagtäglich erfüllt. Denn ich habe einen Job, mit dem ich mein Geld verdiene. Der Blog wiederum hilft mir dabei, meine Leidenschaft für Bücher auszuleben. Und das ist, ehrlich gesagt, unbezahlbar.

    • literaturen sagt

      Lieber Uwe,

      klar, wenn man einen Job hat, mit dem man sein Geld verdient, wenn man in diesem Job glücklich und zufrieden ist, stellt sich die Frage der Monetarisierung eines Blogs natürlich nicht besonders vordergründig. Ich bin momentan Studentin, habe einen Minijob und bekomme sonst nirgendwoher Geld. Weder kann ich meine Miete selbst zahlen noch sonst ohne regelmäßige familiäre Unterstützung auskommen. Und da macht man sich natürlich schonmal Gedanken darüber, dass es schön wäre, einen kleinen Nebenerwerb zu haben. Das schmälert mitnichten irgendeine Leidenschaft, mit der ich an die Sache herangehe. Ich glaube, da liegt auch ein Denkfehler: zu glauben, dass man weniger leidenschaftlich, voreingenommener und irgendwie angeätzter an diese wundervolle Tätigkeit geht, wenn sie entlohnt wird, in welcher Form auch immer. Das, glaube ich, muss nichts zwangsläufig so sein.

      LG,
      Sophie

      • Liebe Sophie,
        da gebe ich Dir völlig recht, und es liegt mir fern, meinen Kommentar verallgemeinernd deuten zu wollen. Deshalb habe ich ganz bewusst auch die Formulierung „ich persönlich“ verwendet. Das liebe Geld ist in unserer Branche sowieso ein ungeliebtes Thema: Während meines Studiums der Verlagswirtschaft absolvierte ich vier Praktika, drei davon waren gänzlich unbezahlt. Und auch wenn ich dabei eine Menge gelernt und viele interessante Menschen getroffen habe, ohne Bafög-Unterstützung wäre das ganz einfach nicht gegangen. Aber ich schweife ab…

  18. Guten Abend! 🙂

    Ein schöner und informierender Beitrag, den du da getippt hast.
    Ich finde ihn gerade sehr interessant, da ich tatsächlich genau über diese Frage nachgedacht habe… Eben ob es möglich ist, sich quasi als Blogger selbstständig zu machen.

    Ich habe diese Frage für mich selbst auch bereits mit „Nein“ beantworten müssen. Die Gründe, die du hier noch einmal verdeutlicht hast sind auch gut zu vertreten.
    Was wären wir denn, wenn wir unsere Begeisterung an einem Hobby verlieren würden und es nur tun, weil wir es eben müssen?

    Trotzdem steckt wirklich viel Abreit hinter so einem Blog.. und da bin ich zumindest froh, dass es solche Dinge wie Rezensionsexemplare gibt.

    Ich wünsche noch einen angenehmen Abend! 🙂
    LG Ever

  19. Spannende Diskussion! Zwei kleine Anmerkungen meinerseits.

    1. Wer Rezensionsexemplare bezieht sollte Rückgrat beweisen – und im Falle des Falles einen Verriss schreiben. Sonst leidet die Glaubwürdigkeit.

    2. Es stimmt nicht, dass nur BloggerInnen die Blogs lesen. Mir ist aber bei der Analyse meiner „Hits“ aufgefallen, dass umso mehr Leute durch Suchmaschinen auf meinem Blog landen, desto weniger das jeweilige Buch im klassischen Feuilleton besprochen wurde.

    Soweit mein kurzer Beitrag, bin gespannt auf die weitere Diskussion!
    Tobias

    • literaturen sagt

      Lieber Tobias,

      mit den Rezensionsexemplaren gebe ich dir vollkommen Recht! Es ist sicherlich nicht so, dass ausschließlich andere Blogger Literaturblogs lesen, ich bekomme auch viele Aufrufe über Suchmaschinen. Allerdings können da ja gut und gerne auch andere Blogger und Buchbranchenmenschen gesucht haben. Wahrnehmung erfahren Literaturblogs jedenfalls größtenteils von anderen Bloggern/Buchhändlern/Verlagsleuten usw. Hätte ich während meiner Arbeit Kunden des Buchhandels gefragt, was ein Literaturblog ist und ob sie schonmal einen besucht haben, hätten die meisten wohl verneint.

      LG,
      Sophie

  20. Guten Abend.

    Ich finde diese Diskussion hier äußerst spannend. Und auch wenn ich nur eine ganz „kleine“ Buchbloggerin bin – klar habe ich schon darüber nachgedacht, mit meinen Rezensionen Geld zu verdienen. Studierte Literaturwissenschaftlerin bin ich ja auch – und bald fertig. Ein bisschen Geld mit meinem Blog zu verdienen – ein Traum! Es ist merkwürdig, dass hier zum Teil so stringent auf die angebliche Unabhängigkeit gepocht wird, darauf, dass Literaturblogger_innen Berufene sind usw. usw. Kennt ihr das Bild von Spitzweg „Der arme Poet“? Dem regnet es fast ins Bett, aber er ist berufen…. Nun bin ich weit von solchen Zuständen entfernt und mein Bett steht im Trockenen, keine Sorge. Aber was ist verwerflich daran, wenn Leute, die gute Rezensionen schreiben, die tolle Impulse geben, mit ihre guten Gedanken ein bisschen Geld verdienen? Ich finde es sehr traurig, dass „wir“ als Buchblogger_innen uns selbst da so wenig wert sind. Und kapitalistische Zwänge mal außen vor – es ist unsere Zeit, die in einen Blog fließt und natürlich eine ganze Menge Leidenschaft. Aber ich könnte auch leidenschaftlich fremde Hausflure wischen und hätte allein finanziell mehr davon. Ohne eine klassistische Diskussion anzustoßen, das Beispiel dient allein der Provokation (u. fällt natürlich auch in den Bereich Jobs für Studierende ). Jetzt mal ehrlich: findet ihr das in Ordnung? Und nein, eine Lösung habe ich natürlich auch nicht.

    (Noch mal nachgedacht. Vielleicht ist es auch so, wie Kaffehaussitzer schreibt: „Denn ich habe einen Job mit dem ich Geld verdiene.“ Genau. Ich nicht und meine Praktika waren bisher auch alle unbezahlt ;))

    • literaturen sagt

      Liebe E.,

      ich gebe dir Recht mit dem, was du sagst. Kann aber auch die Fragen nach der Glaubwürdigkeit verstehen, die aufkommen, bzw. es bleibt die unbeantwortete Frage, wer Literaturblogger bezahlen sollte, wenn es nicht die Verlage sind. Es ist ein schwieriges Thema und gerade, wenn es ums Geldverdienen mit einer Leidenschaft geht, werden die Diskussion oft sehr hitzig geführt. Auch in anderen Blogs, die sich ständig dafür rechtfertigen müssen, irgendwas zu verdienen.

      Herzlich,
      Sophie

  21. Wow, toller Beitrag! Ich finde es total erstaunlich, dass neuerdings jeder immer und überall Geld für haben will.. Selbst Leute, die nur drei Leser haben, fangen plötzlich mit Kooperationen und Geld verdienen an, was ich echt schade finde..
    Klar ist das toll, wenn hier oder dort mal etwas „kostenloses“ für einen abfällt, aber ich glaube, dass viele nur noch mit dem Bloggen oder auch YouTube anfangen, um damit irgendwo etwas abgreifen zu können. Ich persönlich freue mich über jedes Rezensionsexemplar, was mir zur Verfügung gestellt wird, tierisch und würde niemals auf die Idee kommen dann auch noch Geld dafür zu wollen, dass ich darüber schreibe. Allerdings bin ich auch absolut kein Fan von diesen Werbebannern oder Links.. Das ist nicht nur nervig, sondern lässt den Blogger irgendwie auch als geldgeil erscheinen. Ich bin da echt kein Fan von.. Schließlich blogge ich, weil es mir Spaß macht und nicht, um damit reich zu werden.. Man sollte sich eben nicht immer mit den Modepüppchen dieser Welt vergleichen und selbst von diesen aber von Millionen Modeblogs schaffen es ja die wenigsten reich und berühmt zu werden 😉

    • literaturen sagt

      Hallo Meiky,

      danke für deine Meinung! Die Frage, die sich mir stellt, ist: Warum glauben alle, die, die den Wunsch nach einem kleinen Nebenverdienst haben, wollten stinkreich und unheimlich berühmt werden? Ich glaube, da fehlen die Graustufen in dieser Diskussion. Ich betreibe den Blog nun mittlerweile im vierten Jahr und wusste am Anfang nicht einmal, dass es sowas wie Rezensionsexemplare für Leute wie mich gibt. Ich finde einfach, man muss abstufen und vorallendingen differenzieren können, ob sich jemand etwas dazuverdienen möchte, legitimerweise und zu dem, was er ohnehin in einem Job verdient, den er nebenbei ausübt. Oder ob er sein Leben mit einem Blog finanzieren will und dabei ohne Rücksicht auf Verluste und Sinnhaftigkeit jede nur erdenkliche Geldquelle ausprobiert, während der Inhalt des Blogs auf der Strecke bleibt.

      Herzliche Grüße,
      Sophie

    • Ich stimme Sophie zu, denn es geht nicht um das reich und berühmt werden 😉 Sondern um das ganz normale Geld verdienen. Wer diesen geschmähten Modeblog betreibt und damit ernsthaft Geld verdient, hat eine Menge Arbeit, viel mehr, als die meisten Blogger realisieren. Selbständigkeit macht Spaß, aber man muss auch richtig anpacken können und viel Risiko alleine stemmen. Da haben es die Literaturblogger, bei denen es derzeit nicht um den Lebensunterhalt geht, deutlich weniger riskant.

  22. Pingback: Warum bloggst du?

  23. Pingback: GELD VERDIENEN MIT BUCHBLOGS ? | Die LiteraTüre

  24. Hallo Sophie,

    ein hervorragender Beitrag und du zeigst sehr schön auf, welche Schwierigkeiten sich ergeben, wenn mit dem eigenen Literaturblog Geld in die Kasse kommen soll. Da bleibt nicht mehr viel hinzuzufügen. Die Frage, wie man von seinem eigenen Blog leben oder sich etwas dazuverdienen kann wurde eine Zeit lang auch bei vielen Techblogs regelmäßig thematisiert. Ich finde die Frage ganz typisch für unsere kapitalorientierte Gesellschaft, die auf private Gewinnmaximierung getrimmt ist (das ist keine Kritik an diesen Beitrag, du fasst ja sehr schön zusammen, was so durch die Literaturbloggerszene geistert).

    Ich gebe Sonja absolut recht, wenn sie von einer brotlosen Kunst schreibt. Anders als bei anderen Themenfelder wie aktuelle Hardware oder Mode ist Literatur kein riesiger Massenmarkt in dem massive Umsätze generiert werden, wie das beispielsweise in der Modebranche der Fall ist. Wenn jemand einen Blog über neue Smartphones liest und darüber ein Lead generiert wird, dann ist das höchstwahrscheinlich ein Smartphone für durchschnittlich 400 bis 500 Euro und nicht ein Taschenbuch für 9,99 Euro. Da sind dann einfach andere Margen drinnen. Was bietet die Literaturszene? Da können nur wenige Autoren vom Schreiben leben, Verlage und Buchhandlungen kämpfen ums Überleben und bei einer Gesellschaft der immer mehr Unterhaltungsformen geboten werden ist die Lektüre eines Buches nur noch eine marginale Sache der man im Wartezimmer oder S-Bahn nachgeht. Ein Taschenbuch konkurriert plötzlich mit einem 260 Millionen Dollar Game (beispielsweise GTA 5) und bei einem Spiel mit Margen im dreistelligen Millionen Dollar Bereich fallen auch für Marketing ganz andere Häppchen ab, als bei einem Taschenbuch.

    Eine weitere Schwierigkeit ist die Fokussierung, die ein Literaturblog aufweist. Selbst wenn man zahlreiche Literaturblogs ansieht, bleiben doch sehr wenige im eigenen Raster hängen. Es geht ja auch darum, den eigenen Lesegeschmack zu treffen und das ist meines Erachtens wesentlich schwerer, als es in anderen Themenfelder der Fall ist. Alleine das führt ja bereits zu eher geringen Zugriffszahlen und Leser und somit ist es sehr schwer einen Blog mit diesen vielen Besuchern zu haben, wie es das für Modeblogs gibt.

    Interessant finde ich die Argumentation, dass der eigene Blog ja Kosten erzeugt und man doch wenigstens hier einen Teil gedeckt haben möchte. Ich glaube für die Blogger steht das Vergnügen über Gelesenes zu schreiben im Vordergrund und nicht der reine Akt der Nächstenliebe. Man bloggt also immer primär für sich. Was brauch ich am Ende? Einen Hoster für 5 Euro im Monat, der Rest (Software usw.) ist ohnehin für umsonst. Und die 5 Euro im Monat dürfte der durchschnittliche Literaturblogger über Rezensionsexemplare locker wieder reinholen (sofern es denn an den 5 Euro happert). Hier „Arbeitszeit“ zu verrechnen dürfte immer zur Frustration führen. Aber wenn es darum geht Geld zu verdienen, dann wäre das Bloggen wohl das Letzte, was ich starten würde.

    Vielen Dank, dass du die Diskussion angestoßen hast. Ich finde sie sehr spannend und werde hier weiter mitlesen.

    Liebe Grüße
    Tobi

  25. Liebe Sophie,
    ich freue mich gerade sehr darüber, dass du das Thema noch mal aufgegriffen und damit so viele weitere interessante Kommentare angestoßen hast. Hier scheinen mir viele schon ein bisschen offener für die Idee zu sein, mit Bücherblogs ein bisschen was zu verdienen. Das finde ich interessant.

    Ich kam damals auf das Thema, weil ich etliche Zeit zuvor den Beitrag einer Bücherbloggerin las, in dem sie auflistete, was ihr am Bloggen inzwischen auf den Zeiger ging. Sie hat dann leider auch ihr Blog geschlossen. Bei ihrer Aufzählung hatte man das Gefühl, dass sie sich immer mehr fremdbestimmt und unter Druck gesetzt fühlte, dass die schöne Hobbybloggerei also plötzlich in ganz schön viel Arbeit ausgeartet war. Nun kann man natürlich sagen: selber Schuld, schließlich hat man das doch in der Hand, wie viel Zeit und Geld man in das Blog investieren möchte. Aber bei ihr las sich das, als gebe es kein Zurück mehr, als könne sie es nun nicht einfach wieder etwas lockerer angehen lassen. So kam mir der Gedanke, dass es womöglich noch mehr Kandidatinnen und Kandidaten in der Buchblogszene geben könnte, die sich irgendwann ausgelaugt und ausgenutzt fühlen, und dass es dann vielleicht das Einfachste wäre, wenn sie für ihre Arbeit und ihr Engagement außer vielen tollen Leserinnen und Lesern, Likes und freundlichen Erwähnungen auch Geld bekommen würden. Für mich war die logische Konsequenz: Wenn Verlage Besprechungen erwarten, womöglich termingerecht einfordern, dann klingt das eher nach einem Auftrag als nach einer puren Freundlichkeit, also wäre es doch sinnig, wenn sie die bislang unbezahlte PR-Arbeit doch bezahlen.

    Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das der richtige Weg wäre, zumal offenbar viele dann das Gefühl hätten, es ginge plötzlich um Verlagshofschreiber oder ähnliches. Das denke ich zwar nicht, aber noch immer habe ich selbst keine bessere Idee. Vielleicht hat ja noch eine der Kommentatorinnen oder Kommentatoren eine ; )

    Das Argument mit der Reichweite ist zwar gut, aber da es bei Büchern insgesamt um kleinere Reichweiten geht als bei Spielen, Filmen, Lifestyle etc., muss man da sicher auch andere Maßstäbe anlegen.

    Jedenfalls: Das Ganze ist für mich weiterhin ein spannendes Thema!

    Liebe Grüße
    Petra

  26. Pingback: Lesen mit Links

  27. Danke für den Beitrag – vieles sehe ich ganz ähnlich. Ich glaube allerdings schon, dass Rezensionen gelesen werden, bevor man das Buch selbst liest (ich mache das jedenfalls so), allerdings würde ich wohl nicht auf die Idee kommen, speziell auf Blogs danach zu suchen. Denn im Vorfeld interessiert mich weniger die subjektive Einschätzung des Rezensenten, sondern eher die „Facts“: worum geht das Buch, ist es konventionell/experimentell/dick/dünn etc. – um einzuschätzen, ob mich das womöglich interessieren könnte. Auf Blogs hingegen suche ich gerade nach den subjektiven Wertungen – und die sind tatsächlich eher dann relevant, wenn ich ein Buch bereits gelesen habe, es interessant fand und erfahren will, was andere Leute darüber denken.

    Die Literaturbloggerszene kenne ich noch kaum – ich selbst schreibe hauptsächlich (allerdings noch nicht sehr lange) über Musik und nur ab und zu (wie gerade heute) über Literatur. Aus anderen randständigeren Bloggerszenen – d.h. jenseits der Mode-, Computer- und Medienwatchblogs – kenne ich jedoch das ähnliche Phänomen, das Blogger sich oft gegenseitig lesen. Trotzdem gab und gibt es immer auch eine gar nicht so kleine Zahl von Nichtbloggern, die mitlesen (Blogger sind in der Leserschaft wohl auch deshalb sichtbarer, weil sie öfter kommentieren). Man sollte darum, denke ich, die Außenwirkung der Blogs – inkl. der Zufallsbesucher, die sich nur eine spezifische Information abholen – nicht unterschätzen.

  28. Liebe Sophie!

    Ein wirklich schöner Beitrag. Ich glaube im Übrigen, dass dies ein zutiefst deutsches Problem ist. Sobald jemand mit dem, was er aus Herzblut tut, Geld verdient, kommen die Neider um die Ecke.

    Ich rezensiere seit 1999 für meine Seite und ich habe nie ein Blatt vor den Mund genommen. Wenn ich ein Buch nicht gut fand, habe ich das auch gesagt und ich habe nie Probleme damit gehabt, wenn es sich dabei um ein Rezensionsexemplar gehandelt hat. Sprich, man muss sich keinem Diktat beugen, wenn man es nicht will. Die meisten Verlage sind an ehrlicher Mitarbeit interessiert und nicht an Lobhudelei.

    Und ehrlich gesagt, kann man Glaubwürdigkeit auf Dauer vortäuschen? Das mag bei Modeblogs zum Beispiel leichter fallen, aber wenn ich mich bei Rezensionen immer verbiegen müsste, um einem Auftraggeber zu gefallen… dann hätte ich bei der morgigen Oscarverleihung einen Preis verdient! 🙂

    Was ich ganz schlimm finde, ist, dass sich dann oft Leute beschweren, die selbst in ihrer Freizeit niemals so ein Projekt stemmen würden, weil es ihnen zu viel Arbeit ist. Wie gesagt, ich empfinde es als deutsches Problem. Ich möchte alles in Bioqualität, aber bitte sofort und am besten umsonst. Andere Baustelle, aber das gleiche Prinzip.

    Ich verdiene mit meinem Blog kein Geld. Ich bin aus moralischen Gründen nicht mal mehr beim Amazon Partnerprogramm. Und das ist alles okay so, weil ich liebe die Arbeit an meinem Blog und ich gebe sogar gerne Geld dafür aus, wenn ich mir z.B. ein neues Layout zulege. Aber gäbe es eine Möglichkeit mit dem Blog Geld zu verdienen, würde ich sie nutzen und dennoch würde mein Blog genauso bleiben, wie es ist und ich würde genauso schreiben wie bisher.

    Es stimmt übrigens nicht, dass alle Blogs, die damit Geld verdienen gleichförmig sind. Ich lese zum Beispiel Josie Loves – ein Reise- und Modeblog. Die Betreiberin arbeitet hauptberuflich für ihren Blog und trozdem habe ich nicht das Gefühl auf einem dieser hippen Blogs mit riesenhaften Bildern und wenig Content zu sein. Im englischsprachigen Raum verfolge ich Emily Shulman von cupcakesandcashmere.com. Sie lebt nicht nur von ihrem Blog, sie hat sogar Mitarbeiter und auf diesem Blog fällt in den Kommentaren kein böses Wort, wenn sie einen Beitrag mit Kooperation schreibt, eben weil sie transparent ist und weil man trotzdem merkt, dass sie mit Herzblut bei der Sache bleibt.

    Sprich, der Schlüssel ist Glaubwürdigkeit und guter Content. Egal ob man nun bezahlt wird oder nicht.

    Liebe Grüße,
    Steffi

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  32. Ein wirklich toller Artikel. Danke dafür! Viele Dinge sind wirklich gut auf den Punkt gebracht und sprechen wahrscheinlich den meisten Buchbloggern aus dem Herzen.
    Ich blogge jetzt seit 2,5 Jahren und mir macht es große Freude. Ich würde nie auf die Idee kommen, Geld dafür zu verlangen und freu mich jedes Mal tierisch wie ein Kind zu Weihnachten, wenn ich ein Reziexemplar bekomme. Das setze ich aber gar nicht voraus. Ich kaufe immer noch genug Bücher selbst.
    Natürlich wä es klasse, wenn man sein Hobby zum Beruf machen könnte, aber ich glaube, da ist die Nachfrage einfach zu gering für.

  33. Hey!

    Ich fände es nicht verwerflich, dafür Geld zu verlangen. Wieso? Weil ich meine beruflichen Tätigkeiten ebenso gern mache& dafür auch entlohnt werde. Ich halte es allgemein so, dass ich meine Zeit fast nur mit Tätigkeiten verbringe, die ich auch gerne mache. Das ist meine Lebensphilosophie.
    Und wenn man es nicht in die eigene Tasche stecken möchte, kann man es ja auch spenden.
    Ich bin selbst Buchbloggerin (noch nicht all zu lange) und finanziere die Gewinnspiele aus der eigenen Tasche. Wenn ich mit dem Blog Geld verdienen würde, könnte ich mehr Gewinnspiele machen& mehr Zeit in den Blog stecken.
    Rezensionsexemplare mag ich nicht all zu gerne. Es ist dann einfach mehr Druck dahinter.

    LG, Sara

  34. Sigrid sagt

    Mein Kommentar trifft jetzt vielleicht nicht unbedingt das Hauptthema, mit Literatur-blogs Geld zu verdienen (was ich auch nicht befürworte, da ich nicht annehme, dass dann die statements bzw. die Rezensionen zu den Büchern exakt der Beurteilung des jeweiligen bloggers/bloggerin entsprechen könnten – wie sollte man/frau negative Beurteilungen abgeben und dafür noch einen Verlag finden, der das Ganze sponsern würde?) – aber ich bitte als Leserin (sehr aktiv in Literaturforen) eines zu beachten:
    Die Bibliophilen möchten eines, nämlich BÜCHER lesen – Neuvorstellungen, Besprechungen und Rezensionen finden sich dafür allerorten in tollen Bücherforen und -plattformen; sogar jeweils für das spezielle Lieblingsgenre (siehe Histo-Couch, Krimi-Couch, mit Beratungsfunktion zu Autoren und jeweiligen Länder-Interessensgebieten:

    WER, ihr Leute, hat überhaupt ZUSÄTZLICH noch die Zeit, 1000e von Literatur-blogs zu lesen? Wo liegt der Sinn in blogs? Das frage ich mich (auch wenn ich vereinzelt mal einen besuche und den Aufbau sowie Inhalt wirklich qualitativ gut finde) – ich habe einfach (neben dem Lesen von Büchern, Leserunden und Rezensieren) keine Zeit für blogs!

    Sicher bedeutet das Erstellen und die Pflege des eigenen blogs jede Menge Arbeit – und follower, wie oft lese ich, dass man sich über einen Besuch freut. Das mag ja durchaus sein, aber wie gesagt, mir persönlich fehlt hierzu die Zeit (und teilweise auch das Verständnis).

    • Sigrid sagt

      Freut mich sehr, liebe Gaby, dass meine Überlegungen dazu Dein Gefallen finden 😉 Ich habe mir den Artikel gerade durchgelesen – und kann dem nur zustimmen, was Du bereits geschrieben hast: Das ist auch das, was ich schon gut an den bloggern finde – es steckt sehr viel Arbeit dahinter – und Durchhaltevermögen (blog-Pflege)….. Für mich wäre es jedenfalls nix, da bin ich sicher (siehe oben) 😉
      Liebe Grüße und schöne Pfingsten!

      P.S. zumindest ist das hier ein blog, auf dem man seine Eindrücke hinterlassen kann, ohne sich für die „Benutzung von blogs“ noch extra via google anmelden zu müssen: Das spricht auf jeden Fall für diesen blog!!!

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