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Bitte übernehmen Sie, Melanie Raabe!

melanie

© Christian Faustus

Das Schreiben begann für mich…

mit dem Lesen. Genauer gesagt mit den Märchen und Geschichten, die mir meine Eltern und Großeltern vorgelesen haben. Ich habe mich so schon sehr früh in die Welt der Bücher verliebt und war – noch bevor ich das ABC konnte – ein absoluter Bücherwurm. Wie die meisten Kinder habe ich mir gerne Geschichten ausgedacht. Dann, als ich ein Teenager war, kam eine Phase, in der ich fürchterliche, weinerliche Gedichte geschrieben habe. Und schließlich habe ich zur Prosa gefunden. (Zum Glück!)

Ein Buch muss…

meines Erachtens gar nichts. Ein Buch muss nichts und darf alles. Freiheit! Wildheit! Unterschiedlichkeit!

Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich…

ohne Weiteres wahnsinnig werden. Denn dann hätte ich kein Ventil – und das wäre … eher schlecht. Für alle Beteiligten.

Ein Kindheitstraum von mir war…

Stuntfrau zu werden. Ich bin ein Kind der 80er und war das, was man im Englischen als „tomboy“ bezeichnen würde. Ich bin mit diesen ganzen coolen 80er-Jahre-Serien aufgewachsen: „Trio mit vier Fäusten“, „Simon & Simon“ und Co. Meine absolute Lieblingsshow war jedoch „Ein Colt für alle Fälle“. Die Hauptfigur ist dieser unglaublich großartige Stuntman, der ständig aus fahrenden Zügen oder Autos springt. Er war vermutlich mein erstes Role Model. Ich habe ihm enthusiastisch nachgeeifert, was diverse Narben und zwei abgebrochene Schneidezähne heute noch bezeugen.

Wenn ich nicht schlafen kann…

dann freue ich mich über die gewonnene Lesezeit.

Völlig unterschätzt wird…

Unvollkommenheit. Immer und überall wird Perfektion erwartet. Dabei sind kleine Fehler und Macken oftmals doch erst recht charmant. Ein winziger Sprung in Omas kostbarer Sammeltasse. Eine kleine Narbe in einem schönen Gesicht. Ein unerwarteter Regenguss, eine schiefe Metapher. Unvollkommenheit kann unglaublich sexy sein, sogar oder vor allem in der Kunst.

Wenn ich Musik höre, dann…

freue ich mich, dass ich so unmusikalisch bin, denn so kann ich Musik einfach nur genießen, ohne auf das Handwerk, die Struktur oder auf sonst etwas zu achten. Und dann fühle ich mich als Autorin manchmal sogar ein bisschen unzulänglich. Weil ich auf Worte und Schilderungen angewiesen bin und so immer den Umweg über den Kopf nehmen muss, um zu Herz oder Bauch oder an die Nieren zu gelangen, während die Musik direkt ins emotionale Zentrum schießt wie ein intravenös verabreichter Drogencocktail.

Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee:

Ich bin mir nicht sicher, ob das charmant ist, aber ich mache mir immer und überall Notizen. In mein Büchlein, in mein Handy, auf Post-its, Servietten, Bierdeckel, Kaugummipapier, meine Handflächen.

Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es…

dass ich vor dem Schreiben oft erst einmal obsessiv ein paar Runden Solitaire auf meinem Mac oder meinem Handy spielen muss, bevor ich mit der Arbeit beginnen kann.

Literatur kann…

einfach alles. Bücher sind magische Werke. Es wird nie aufhören, mich zu faszinieren, dass da eigentlich nichts ist als schwarze Zeichen auf hellem Grund, dass diese Zeichen aber machen können, dass man lacht, oder weint, oder sich verliebt, oder eine Weltreise unternimmt. Oder etwas lernt. Oder in den Kopf von jemandem teleportiert wird, der schon seit 400 Jahren tot ist. Das ist wie Zauberei.

Melanie Raabe wurde 1981 in Jena geboren, wuchs in einem 400-Seelen-Dorf in Thüringen und einer Kleinstadt in NRW auf, studierte Medienwissenschaft und Literatur in Bochum und lebt inzwischen in Köln – als Journalistin, Drehbuchautorin, Bloggerin, Performerin und Theaterschauspielerin. Sie betreibt ihren eigenen Interview-Blog (www.biographilia.com) und erhielt bereits mehrere Preise für ihr Schreiben. Die Rechte an ihrem Roman „Die Falle“ wurden bereits vor Erscheinen international verkauft, u.a. nach Frankreich, Italien, die Niederlande, Spanien und das englischsprachige Ausland.

2 Kommentare

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  2. „Wenn ich Musik höre, dann… freue ich mich, dass ich so unmusikalisch bin, denn so kann ich Musik einfach nur genießen, ohne auf das Handwerk, die Struktur oder auf sonst etwas zu achten.“

    Zum Glück kann ich sagen, dass man auch als Berufsmusiker noch Musik als „direkt ins emotionale Zentrum schießend wie ein intravenös verabreichter Drogencocktail“ erleben kann… schöne Formulierung btw! 🙂

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