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Die Vorzüge digitalen Lesens

Das Lesen von E-Books ist für so manchen Leser ein Ding der Unmöglichkeit. Fehlende Haptik, kühle Technik, – Berührungsängste mit E-Readern und digitalen Inhalten haben viele. Zu Unrecht? Eine kleine Übersicht interessanter Projekte und Verlage.

1000 Tode schreiben/Frohmann Verlag

tumblr_nfumi3H33I1snbv2io1_1280Erst kürzlich habe ich hier auf das Projekt Christiane Frohmanns hingewiesen. 1000 subjektive Texte, Betrachtungen, Kommentare, Erinnerungen rund rum den Tod. Ein Projekt, das sich gedruckt kaum in solcher Geschwindigkeit realisieren ließe. Ein Projekt, dessen Erlös an ein Kinderhospiz in Berlin gespendet wird. Ein Projekt, das zum Nachdenken über das Leben und dessen Ende anregt mit so vielfältigen Texten, das für jeden Geschmack etwas dabei sein dürfte.

minimore

IKiwfSQhminimore ist seit März 2014 die erste umfassende E-Book Boutique, die Titel aus ausgewählten (Digital)Verlagen anbietet. Wer also Entdeckungen machen möchte abseits des Weges, wer sich gern mal in neue Gebiete entführen lässt, der ist bei minimore an der richtigen Stelle. Und auch für das digitale Publizieren kann eine solche Plattform zur Bündelung nur von Vorteil sein. minimore vertreibt deutsche wie auch fremdsprachige Titel in allen gängigen Formaten, ohne Kopierschutz und DRM.

mikrotext

DruckDer 2013 gegründete Verlag versteht sich als Verlag für kurze Lektüren zeitgenössischer Autoren, die in unterschiedlichsten Formen gesellschaftliche und kulturelle Debatten aufgreifen und verarbeiten. Essays, Erzählungen, Romane und Debatten finden bei Nikola Richters mikrotext ihren Platz. Unter anderem gerade der sehr empfehlenswerten Bericht Heike Geißlers (,Saisonarbeit‚) über ihre Aushilfstätigkeit bei amazon (davon wird hier auch noch zu lesen sein!). In gedruckter Fassung erschien ,Saisonarbeit‘ in der Buchreihe Volte, herausgegeben von Jörn Dege und Mathias Zeiske, beide Redakteure der EDIT. Auf startnext läuft gerade ein Crowdfundingprojekt für ein Abo des mikrotext-Verlages. Das heißt konkret: 15 € bezahlen und ein Jahr lang die aktuellen Veröffentlichungen per E-Mail erhalten. Hier gibt es eine kleine Vorschau.

Culturbooks

e7a4349f0091f089381ce49c9e9b24ac_400x400Culturbooks – das sind Jan Karsten und Zoé Beck, die in ihrer verlegerischen Tätigkeit großen Wert darauf legen, selbst hinter ihren Titeln zu stehen. Es geht hier nicht mehr darum, ein Buch einem möglichst breiten Publikum anzupassen, sondern für einen besonderen Text das passende Publikum zu finden. Eine wohltuend idealistische Herangehensweise an das Verlegen, das im Falle von Culturbooks nicht nur deutschsprachige Autoren beinhaltet. Was die Leser 2015 so erwarten dürfen? Hier gibts eine Vorschau.

shelff

8a3f66207c271e4b3b7f1f82864c0679_400x400Bei shelff geht es um unabhängiges Publizieren. Eine Mischung aus Titeln, die zuerst und ausschließlich digital veröffentlicht werden sowie Neuauflagen vergriffener und verschollener Texte, gwährleistet ein abwechslungsreiches Angebot. Die klassische Vertriebsstruktur wird bei shelff durch neue Modelle ersetzt, Grenzen werden gelockert, ein stetiger kultureller Austausch. Wenn man das Besondere sucht, eben richtig indie, lohnt sich hier ein Blick.

Das Beben

BEBEN-Logo-schwarz„Unerhörte Elektronovellen“ heißt es gleich auf der Startseite. Das Beben (angelehnt an ,Das Erdbeben in Chili‘ von Kleist) bringt kurze Erzähltexte ganz unterschiedlicher Stilrichtungen, gemacht von Buchhändlern, Autoren und Verlegern, die den Texten eine Plattform bieten, die im gewöhnlichen Verlagsprozess nicht die nötige Aufmerksamkeit erfahren könnten. „Das E-Book„, liest man auf der Homepage, „bringt die Novelle, die „unerhörte Begebenheit“, wieder dorthin, wo sie hingehört: in den bewegten Alltag kluger, interessierter Leserinnen und Leser.

Oetinger34

Oetinger34_LogoWas wäre, wenn die Arbeit an einem Text ein gemeinschaftlich-kreatives und interaktives Projekt wäre? Bei Oetinger34, der digitalen Plattform des Oetinger Verlages, wird die Arbeit an einem Buch sichtbar. Autoren können Projekte hochladen, als Junior-Lektor kann man sich am Korrektorat beteiligen, als Leser den Werdegang der Bücher begleiten. Oetinger34 steht für Nachwuchsförderung und eine neuartige Verbindung zwischen digitalem Publizieren und klassischer Verlagsarbeit. Die Suche nach den besonderen Kinder – und Jugendbuchprojekten (digital wie gedruckt) in einem transparenten Prozess sichtbar machen – das ist Oetinger34.

Hanser Box

csm_HANSER_BOX_LOGO2_6bb55edcbfViele Verlage arbeiten mittlerweile mit digitalen Imprints. Im Falle von Hanser ist das die Hanser Box, in der wöchentlich Texte bekannter Autoren (u.a. T.C. Boyle, Janne Teller, Ilja Trojanow, A.L. Kennedy) erscheinen, die bisher nicht in Printform veröffentlicht wurden, kleine Schätze für zwischendurch; von kurzen Erzählungen und Essays zu aktuellen Themen , hier lohnt das Stöbern. Was im Januar so kommt? Hier gibts eine Vorschau.

Nun sind die meisten, die sich bisher nicht näher mit digitalen Inhalten beschäftigt haben, der Meinung, E-Books seien nur deshalb praktisch, weil sie einem das Schleppen von Printbüchern ersparten. Das greift aber dramatisch zu kurz, wie sich relativ schnell zeigt. Es geht nicht nur um rückenschonende Lektüre, es geht um eine neue Form des Vertriebs von Texten, die sich im konventionellen Printbereich schwer behaupten könnten. Nicht etwa aufgrund mangelnder Qualität, sondern aufgrund besonderer Inhalte und/oder ihrer Machart, die nicht im klassischen Sinne massenwirksam sind. Ein großer Irrglaube ist allerdings auch hier vielerorts, in Digitalverlagen gäbe es deshalb kein Lektorat. Dem Digitalen haftet für einige oft genug immernoch der Nimbus des „Minderwertigen“ an. Was „nur“ als E-Book erscheint, ist eben zu schlecht, um einen klassischen Verlag zu finden. Selten trifft das zu. Es ist spannend, die jüngsten Entwicklungen zu beobachten und neue Entdeckungen zu machen, die ohne die Öffnung hin zu neuen Publikationsformen gar nicht möglich wären.

Es geht nicht um die Auslöschung des Mediums Buch. Es geht um seine sinnvolle Erweiterung und Ergänzung in einem temporeichen Alltag. In diesem Sinne: Geht auf Entdeckungstour! Öffnet euch! Und manchmal ist es so: Gerade an einem Artikel gearbeitet und von Bloggerkollege Tilman Winterling überholt worden. Auch er widmet sich auf 54books jüngst dem Digitalen.

10 Kommentare

  1. Pingback: [Literaturen] Die Vorzüge digitalen Lesens - #Bücher | netzlesen.de

  2. wirklich sehr interessant was es da so ales gibt. ich bin ziemlich angefixt, schon ne Weile weil es eben manche E Books gar nicht in gedruckt gibt, außerdem passt viel drauf auf so ein Gerät und manches gibt es ehr günstig.. vielen Dank

  3. Ich selbst hänge auch stark an der Haptik und der Wertigkeit des gedruckten Buches; auch auf ein gut sortiertes Bücherregal im Wohnzimmer möchte ich nicht verzichten. Aber: Dasselbe habe ich vor zehn Jahren über CDs gesagt und höre inzwischen ausschließlich digital.

    Danke für die Vorstellung der Digitalverlage, von denen mir bislang nur Mikrotext ein Begriff war; ich finde es wichtig, dass dort, wo die etablierten Verlagshäuser Lücken hinterlassen haben, immer mehr innovative Verlagsmodelle entstehen, die unser verändertes Kommunikations- und Rezeptionsverhalten als Chance begreifen und das Medium Buch neu definieren. Der e-Book-Markt sollte schließlich nicht bloß Selfpublishern überlassen werden; für eine ausgewogene, anspruchsvolle Buchkultur sind Verlage auch in Zukunft notwendig und wichtig.

    Die aktuelle Situation ist in jedem Fall eine Chance für Indie-Verlage und Startups, die Leerstellen der etablierten Verlage zu nutzen und sich mit Innovationen und Qualität nach vorne zu bringen; durchaus interessante Zeiten als Autor und Leser!

  4. Ein Aspekt der mir beim Ebook-Lesen noch positiv aufgefallen ist: Beim fremdsprachigen Lesen ist das Wörterbuch (zumindest beim tolino) gleich integriert. Das ist ausgesprochen praktisch!! Ganz zu schweigen von den anderen genannten Vorteilen. Ich freu mich, dass sich nun mehr und mehr auch qualitätsvolle, erschwingliche, alternative Möglichkeiten im digitalen Lesebereich durchsetzen. Selbst wenn es mir das analoge Lesen nie zu 100% ersetzen kann.

  5. Ich bin E-Book-Leser von Anfang an und ich finde diesen Weg, an Literatur zu geraten ausgesprochen schön. Das bedeutet nicht, dass ich Bücher in ihrer haptischen Form nicht leiden kann, oder mich ihrem Geruch verschließe. Aber gibt es auf dieser Welt nun einmal Dinge, die auf jeden Fall kommen und bleiben werden und die Digitalisierung gehört dazu. Warum also nicht daraus das beste machen und sich an den Vorteilen dieser Änderungen erfreuen, als sich ihrer zu verschließen?
    Danke für einen sehr interessanten Beitrag, der über viele andere, die zum Thema E-Books verfasst werden/wurden, wissenswert hinaus geht!

  6. Mona Jeuk sagt

    Kann ein E-Book nicht noch viel mehr sein? Stichwort enhanced oder augmented e-books: Geht so etwas nur im Sachbuchbereich? Ich suche nach Autoren, die im Bereich der Belletristik mit Bild- und Tonbausteinen experimentieren oder wenigstens darüber nachdenken. Wer kann mir helfen?

  7. Pingback: Frank O. Rudkoffsky: E-Book-Singles: Kleine Texte mit großem Spielraum (1/2) « buchreport.blog

  8. Pingback: Ein elektrischer Nachmittag | Buzzaldrins Bücher

  9. Pingback: »Kein Mensch ist illegal« – SchöneSeiten

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