Kreativ
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Kreativ: Edition ArtLit

Das Sammeln und Kalligraphieren schöner Sätze aus der Literatur hat nicht nur unter Lesern eine lange Tradition. Das Konservieren von lehrreichen, witzigen und poetischen Sentenzen geht weit über das bloße Erinnern an die Lektüre hinaus, es erinnert auch immer ein bisschen an uns selbst und an Erkenntnisse, die wir gewonnen haben. Mit der Edition ArtLit bekommen diese Sätze in den fachkundigen Händen von Grafikdesignern, Illustratoren, Druckern und Schriftgestaltern einen künstlerischen Wert, der über das Gedankliche hinausreicht.

Am Anfang war eine vage Idee. Und die Worte natürlich. Astrid Froese, studierte Literaturwissenschaftlerin, Mitorganisatorin des Bücherfrauen-Literaturbrunchs in Hamburg und große Freundin der Buchkunst, sammelt bereits seit ihrer Lektüre Hans Christian Andersens schöne Sätze. Buchkunst sei, sagt sie, sehr lehrreich im Hinblick darauf, was kostbare Produkte in einer Welt des Überflusses sind. Produkte, die nicht industriell massengefertigt werden; Produkte, für die sich die Experten ihres Fachs die Zeit nehmen, die es eben braucht, etwas selbst herzustellen und zu begleiten. Einige Fragen standen am Anfang im Raum: Kann man heute literarische Zitate an die Wand hängen, wie es die Generation unserer Großeltern mit Sprüchen getan hat? Gibt es Sätze, die auch außerhalb ihres Kontextes Bestand haben? Und lassen sich Gestaltungen finden, die dem Inhalt eine weitere Bedeutungsebene hinzufügen? Und natürlich: Würden sich Menschen finden, die an einer solchen Idee mitarbeiten würden? Dass es die Edition ArtLit seit August 2014 gibt, beantwortet die letzte Frage erfreulich positiv. Die Idee hat Mitstreiter und Unterstützer gefunden und bereits eine erste Ausstellung in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle hinter sich gebracht.

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Auf die Frage, wer mitgewirkt habe, hat Astrid Froese eine so prallgefüllte und wunderbare Antwort, dass ich sie hier zitieren möchte. Denn sie verrät nicht nur Vieles über die Beteiligten, sondern auch einiges über die Arbeit, die hinter jedem Kunstwerk steckt. Ich habe mir erlaubt, die erwähnten Künstler und ihre Internetpräsenz, so auffindbar, entsprechend zu verlinken:

Zum Kreis der Wagemutigen gehört zum einen die Grafikdesignerin Barbara Kloth, die u. a. für die Andere Bibliothek den Jubiläumsband über die Rixdorfer Drucker gestaltet hat. Ihr verdankt ARTLIT sein, wie ich finde, wunderschönes Corporate Design.

Zum anderen gehören natürlich all die zum Teil renommierten Künstler, Grafikdesigner und Handwerker dazu, die Werke beigesteuert haben: die Kalligrafin Karin Bauer, deren Arbeiten in öffentlichen Sammlungen und Kalligrafie-Museen hängen;

die Malerin und Kalligrafin Jeannine Platz, die sofort befand: „Für dieses Hilde-Domin-Gedicht brauchen wir eine luftige Gestaltung!“;

Johannes Follmer, Papiermacher in fünfter Generation, der für jeden Farbsonderwunsch Verständnis hat;

der Drucker und Verleger Klaus Raasch, der mit größter Ruhe am Tag vor Ausstellungseröffnung das Jean-Paul-Zitat auf einer Grafix-Andruckpresse im Hamburger Museum der Arbeit gedruckt und auf dem Gepäckträger durch halb Hamburg transportiert hat;

der Grafikdesigner Malte Knaack, der für die Financial Times Deutschland zahlreiche Awards of Excellence gewonnen hat, welch Wunder, wer zeichnet schon so schöne Drachen mit Kaffeebecher in der Pranke;

der Schriftgestalter Nicolai Gogoll, der für seine Shaw-Gestaltung die Schrift in Schokoladenwährung bezahlt und jeden Buchstaben einzeln bearbeitet hat, damit er in die Abflugtafel passte;

die Grafikdesignerin Jennifer Kuck und die Siebdruckerin Gabriela Kilian, die Hunderte von Drucken angefertigt haben, bis die Nachtleuchtfarbe auch wirklich im Dunkeln leuchtete;

die Vergoldemeisterin Anna-Kathrin Hübner, die mit der Silberradierung das handwerklich aufwendigste Werk beigesteuert und sich dafür mit Vergoldern in ganz Europa über geeignete Fixierungstechniken ausgetauscht hat;

der Hebräisch-Übersetzer Michael K. Nathan, mit dem ich anregende Debatten über die Frage führen durfte, ab wann jüdische Witze Gefahr laufen, antisemitisch zu sein;

die Grafikdesignerin Katrin Brüggemann, die zu meiner großen Erleichterung des Hebräischen mächtig ist, sodass wir die Witze zweisprachig gestalten konnten.

Ihnen allen ist es zu verdanken, dass unser erstes Programm so vielfältig geworden ist.

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Im Augenblick ist die Edition ArtLit auf der Suche nach Partnern im Buchhandel, die ihr Sortiment mit den Drucken, Postkarten und Postern bereichern wollen. Zugegeben: Das meiste ist nichts für den kleinen Geldbeutel. In Anbetracht der Tatsache aber, wie viel Arbeit und Kunstfertigkeit dahinterstecken, erscheint es nur gerechtfertigt. Auf der Grenze zwischen Kunst und Literatur schafft die Edition ArtLit eine ästhetische Verbindung zwischen beidem. Weitere Ausstellungen sind bereits in Planung. Und wen es jetzt ungemein in den Fingern kribbelt, seine Wohnung ein bisschen zu verschönern, der kann im Onlineshop mal stöbern gehen. Bisher sind die Kunstwerke ausschließlich dort erhältlich. Wenn es aber nach Astrid Froese und all den fleißigen Künstlern ginge – gern auch anderswo!

artlit3Homepage: artlit.de | artlit auf Facebook

Wer selbst kreativ rund um Buch und Papeterie tätig ist und sich wünscht, dass seine Arbeiten einem breiteren Publikum vorgestellt werden, schreibt mir gern eine E-Mail an literatourismus@gmx.de

3 Kommentare

  1. Pingback: [Literaturen] Kreativ: Edition ArtLit - #Bücher | netzlesen.de

  2. Herrlich! Ich könnte mir die ganze Wohnung mit solchen Schätzen vollhängen. Was heißt könnte. Ich bin gerade dabei. Danke für die wunderbare Vorstellung.

    Liebe Grüße
    Vera

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