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All you can read – E-Book Flatrates

Foto: Ole Husby

amazon macht wieder einmal von sich reden. Zur kommenden Frankfurter Buchmesse will das Unternehmen sein E-Book Flatratemodell für Deutschland vorstellen. In den USA gibt es ,Kindle-Unlimited‘ bereits. Für 9,99 Dollar können Leser so viele E-Books auf ihre Geräte laden wie sie wollen. Zwar ist die Auswahl mit rund 600.000 Titeln groß genug, um einiges für sich zu entdecken, große US-Verlage allerdings wie Hachette, HarperCollins, Penguin Random House und Simon & Schuster sind nicht Teil des Angebots, Bücher aus diesen Verlagen werden die Leser weiterhin auf gewöhnlichem Weg beziehen müssen. Ähnlich auch in Deutschland: Die meisten großen Verlage partizipieren nicht an der Flatrate, das Verhältnis ist bekanntermaßen angespannt. Das ist wohl auch der Grund, dass nur ein geringer Teil der angebotenen E-Books überhaupt auf Deutsch verfügbar ist. Ein Versäumnis?

E-Book Flatrates sind in Deutschland nichts Neues. Skoobe bietet bereits für 9,99 € monatlich mit der Skoobe-App unbegrenzten Zugang (je nach Modell auf bis zu drei Geräten und auch offline) zu knapp 70.000 E-Books. (Update: Es wurde richtig korrigierend angemerkt, dass man die Bücher auch bei Skoobe nur leiht, nicht tatsächlich auf ewig erwirbt. Sie müssen also früher oder später zurückgegeben werden, wenn das Maximum, das sich je nach Tarif unterscheidet, an „erlaubten“ E-Books runtergeladen ist. Erst dann kann man wieder neue laden!) Dennoch, es entsteht ein sehr rasantes Lese-Durchlauf-Geschäft: das Buch wird zur Massenware, das jederzeit und überall konsumierbar ist, jederzeit auch wieder gegen was Interessanteres eingetauscht wird, wenn die ersten Seite nicht packen. Es ist das klassische Trial & Error-Prinzip. Bei Skoobes FAQs heißt es da:

Kann ich wirklich so viele Bücher lesen, wie ich will?

Ja, sie können mit allen Tarifen jeden Monat beliebig viele Bücher lesen. Mit Basic bis zu drei, mit Plus bis zu fünf und mit Premium bis zu 15 Bücher gleichzeitig.

Viele passionierte E-Book Leser heben lobend hervor, dass sie auf ihren E-Readern bedeutend schneller und mehr Bücher lesen als in klassisch analoger Form. E-Book Flatrates laden nun geradewegs dazu ein, auf das Gerät unzählige E-Books zu laden, die im ersten Augenblick interessant erscheinen, ohne sie jedoch jemals danach nochmal aufmerksam anzusehen. Selbst im klassischen Buchbereich ist das Problem passionierten Lesern ja nicht unbekannt: Bücher werden gesammelt, teils gehortet, in Szene gesetzt – doch wann das eigentlich alles lesen? Irgendwann wird sich schon Zeit finden, irgendwas wird der Sammelwut Grenzen setzen und sei es auch nur die begrenzte Quadratmeterzahl der Wohnung. Eine E-Book Flatrate ist noch wesentlich verführerischer. Wie viele dutzend Bücher werden heruntergeladen, die dann ungelesen auf dem Gerät „verstauben“ oder wieder gegen neue eingetauscht werden? Was mich heute interessiert, kann morgen schon wieder belanglos sein. Positiv zu bemerken ist natürlich, dass so Entdeckungen gemacht werden können, die es andernfalls wohl nie gegeben hätte. Ein E-Book ist schnell heruntergeladen, wenn es im monatlichen Festpreis inbegriffen ist. Schneller jedenfalls, als man im Buchladen zu einem Autor greift, von dem man noch nie etwas gehört hat.

Was machen Flatratemodelle mit dem einzelnen Kunstwerk?

Flatratemodelle im Bereich Film und Musik sind längst salonfähig. Seiten wie das noch recht frisch in Deutschland eingetroffene Netflix oder Spotify erfreuen sich großer Beliebtheit. Abgesehen von seiner Praktikabilität, die viele sicherlich zu schätzen gelernt haben: Was macht dieses grenzenlose Angebot eigentlich mit der Musik, dem Film, der Literatur? Wenn ich ins Restaurant zum All you can eat-Buffet gehe, genieße ich es, dass ich mir um meinen Geldbeutel keine Gedanken machen muss. Ich kann mich nach Herzenslust satt essen, neue Sachen ausprobieren. Aber auch mein Magen hat ein begrenztes Fassungsvermögen. Ich werde sowieso niemals alles essen können, was angeboten wird. Und was macht diese „Friss, soviel du kannst“-Mentalität eigentlich mit der liebevollen Zubereitung von Speisen, mit der Arbeit des Kochs?

Wir leben jetzt schon in einer Welt, die von allem zuviel im Angebot hat. Zuviele Nahrungsmittel, zuviele Klamotten, zuviele Bücher, Filme, Musikproduktionen, Preise. Sie ist überkomplex und immer schwieriger zu überblicken. Für Menschen, die ihre Wahrnehmung gut nach dem filtern können, was sie interessiert und alles andere schlicht ignorieren, mag diese Komplexität und wahnwitzige Vielfalt von allem kein Problem darstellen. Für Menschen wie mich, die ihre Eindrücke nur schwerlich filtern können, bedeutet dieses Überangebot eigentlich nur eines: Stress. Ich könnte mir also künftig für 9,99 € (ob bei amazon oder Skoobe) sicherlich hundert E-Books herunterladen (nacheinander), deren Wert 9,99 € – nicht nur ideell gesehen – bei weitem übersteigt. Würde ich dazu kommen, sie zu lesen? Wahrscheinlich nicht. Aber ich könnte sie erstmal haben. Und darum geht es. Die Wertschätzung eines einzelnen Kunstwerkes – sei es musikalischer, filmischer oder literarischer Art – tritt durch Flatratemodelle in eklatanter Weise in den Hintergrund.

Schon jetzt habe ich genug zu lesen für die nächsten Jahrzehnte

Die Crux an dieser ganzen Sache: Ich kann auch jetzt schon so viel lesen wie ich will, ja, um ehrlich zu sein will ich so viel lesen, dass meine Zeit dafür gar nicht ausreicht. Ich will Bücher, egal in welcher Form, ob digital oder analog, nicht wegkonsumieren wie ein Fast Food Menü. Ich will mir Zeit lassen, will mich mit einem Buch auseinandersetzen, will es als einzelnes Produkt – im Sinne einer künstlerischen Produktion, nicht im Sinne wirtschaftlicher Rentabilität – wertschätzen. Selbstverständlich verbietet mir keine E-Book-Flatrate dieser Welt, mein Leseverhalten beizubehalten; allerdings glaube ich, dass dieser gewissermaßen maßlose Umgang mit Büchern schleichend zu einer Veränderung im Hinblick darauf führt, wie Bücher gesehen werden. Sie sind Kulturgut, keine Massenware. Dementsprechend möchte ich doch lieber ein Buch richtig lesen, statt fünfzehn gleichzeitig und halbherzig!

Claudia von dasgraufeSofa hat auch einige Gedanken dazu hiergelassen, die wichtige, von mir bisher nur angerissene oder unerwähnte Punkte beleuchten:

Der Vergleich mit dem All-you-can-eat-Bezahlsystem ist mir auch sofort eingefallen, als ich heute morgen von der Flatrate las. Manchmal macht das Ausprobieren an so einem Buffet vielleicht Spaß, aber es MUSS gerade bei billigen Angeboten, einfach etwas darunter leiden: entweder die Gehälter der Mitarbeiter und/oder die Qualität des Essens. Und der Konsument achtet – meistens – eben auch nicht auf die Qualität, da geht es dann oft mehr darum, wer sich wieviele Teller vollschaufeln kann.

Wenn Bibliotheken solche Bezahlmodelle nutzen, ist das aus vielerlei Gründen eine gute Sache. Du hast sie ja in Deinem Beitrag beschrieben. Anders ist das schon, wenn es ein Unternehmen macht, dass mit seinem Geschäftsgebahren eine deutliche Marktdurchdringungs- und Verdrängungsstrategie fährt. Ein Unternehmen ausgerechnet auch noch, das alle Gewinne, die in Europa erwirtschaftet werden, in Luxemburg versteuert. Zu dem Spitzenhebesatz von 1 Prozent auf den Gewinn (Quelle Suüddeutsche Zeitung vom 7.10.2014, es läuft ein EU-Ermittlungsverfahren gegen Luxemburg und amazon!)

Das ist bedenklich, wenn wir auf die schauen, die – bisher – davon gelebt haben, Bücher zu schreiben. Was von der Flatrate kommt dann noch bei Schriftstellern an? Werden sie noch experimentieren, ausprobieren, etwas schreiben, das nicht unbedingt marktkonform ist, das nur wenige Leser interessiert und beeindruckt? Wird es neue, junge Autoren geben, die etwas wagen, uns mit neuen, leider marktunkalkulierbaren, Geschichten unterhalten, nachdenklich stimmen, zum Lachen oder Weinen bringen? Wird es politische Geschichten geben, die unbequem sind, die uns aufklären, Zusammenhänge erklären, unser Sicht verändern?
Und wieviele Daten über unser Leseverhalten fließen an den Anbieter zurück? Was kann der anstellen mit den Daten? Noch mehr marktgängige Stories schreiben lassen?

Julia schreibt auf Julias Buchblog eine Antwort, die sagt: „Bücher sind Kulturgut, eben WEIL sie Massenware sind.“

 Nachdem nun merhfach die Kritik aufgekommen ist: Nein, ich kritisiere keine Bibliotheken, sondern Maßlosigkeit. Ja, ich sehe einen Unterschied zwischen der kommunalen Einrichtung „Bibliothek“ und der Online-Flatrate eines profitorientierten Unternehmens, das mit einem Angebot von zigtausenden Büchern wirbt. Nein, ich kann keine meiner Thesen endgültig beweisen, sondern verleihe dem Gefühl Ausdruck, dass durch permanentes Überangebot das einzelne Kunstwerk und die Auseinandersetzung damit zwangsläufig in einer unüberschaubaren Masse untergehen muss, zugunsten schneller Konsumierbarkeit. Oder eben: „Schnell weg und neu.“

32 Kommentare

  1. Pingback: [Literaturen] All you can read – E-Book Flatrates - #Bücher | netzlesen.de

  2. Die Krux bei der Flat ist, du besitzt die Produkte nicht, du erkaufst dir das Recht, sie zu konsumieren. Sobald du aus egal welcher Flat wieder aussteigst, hast du keinen Zugriff mehr auf die Dinge. Das ist der Grund, weshalb ich keine Flat in egal welcher Kunstform habe. Bis auf Amazon Prime, aber das habe ich nicht wegen der Flat.

    Worauf ich hinauswill: Leser wie du und ich, bei denen sich noch echte SUBs links und rechts des Schreibtisches und des Bücherregals tummeln, die gerne eine Stelle markieren und auch mal ein gelesenes Buch einem anderem Menschen in die Hand drücken, die brauchen die Bücherflat nicht. Aber dann gibt es ganz viele andere, die Bücher tatsächlich lediglich konsumieren. Dann sollen sie das auch machen. Und wenn Ihnen dabei die Illusion der unbegrenzten Bücher weiterhilft, ist das doch gut. Vielleicht motiviert das ja mehr Menschen, auf ihren Displays mehr in Büchern zu lesen, als bei Facebook.

    Liebe Grüße, Fabian

    PS: Ich würde gern wissen, so in einem Jahr, wieviele Bücher der durchschnittliche Flatratebesitzer dann tatsächlich liest. Und wenn sich diese Zahl um die eins bis zwei pro Monat dreht, dann hätte er sich diese Bücher ja auch kaufen können.

    • literaturen sagt

      Lieber Fabian

      klar, dass sie einem gar nicht gehören, kommt noch erschwerend hinzu. Ich will auch niemandem verbieten, diese Flatrates zu nutzen, aber ich finde es eben bedenklich, was dadurch mit dem Buch geschieht. Und in deinem P.S. sprichst du es ja auch schon an: Oft wird ja längst nicht soviel gelesen, wie runtergeladen wird. Dann könnte man auch Bücher kaufen oder gar in eine Bibliothek gehen, bzw. die Onleihe nutzen!

      Liebe Grüße

    • Daniela sagt

      Wieviele Bücher so ein Skoobe-Nutzer zB dann im Monat davon liest? Nun – dieses Jahr sind es bislang 60. Für mich. Dann noch 30 – 40 Kinderbücher, die ich vorgelesen habe. (DIe Bücher, die wirklich gut ankamen, haben wir dann auch gekauft).

      Was mich an deinem Beitrag echt triggert ist dieses abwertende „Flatrate-Nutzer konsumieren ja nur“ – während „echte“, „wahrhaftige“ Leser wie du (?) – ja, was denn nun? die Bücher nicht konsumieren? Sondern? Hochgeistig durchsteigen, durcharbeiten, ach ja, auch mal markieren? (nun, das kann ich elektronisch auch – und mache ich auch häufiger als auf dem Papier… )

      Mir geht es gar nicht darum, dass man Flatrates gut finden muss. Muss man wahrlich nicht. Es gibt genug Punkte daran, die ungeklärt sind. Aber was mich ärgert sind Menschen, die sich für die besseren Leser halten, nur weil sie ihr Buch in gedruckter Form vor sich haben.

      • literaturen sagt

        Ich habe gegen das E-Book gar nichts gesagt! Da triggert dich jetzt etwas ganz Anderes, was in meinem Text nicht enthalten ist. Ich kritisiere Flatratemodelle, nicht E-Books. Und dabei geht es mir nicht nur um E-Book-Flatrates, sondern auch Flatrates in anderen Bereichen. Weil sie etwas mit dem Kunstwerk machen, was ich bedenkenswert finde. Ich habe niemals von mir behauptet, der bessere Leser zu sein, ich weiß nicht, woraus du das schließt.

        • Daniela sagt

          Nein, nicht in deinem, Sophie. Im Beitrag von Fabian triggert es mich! Sorry für das Missverständnis.

          • literaturen sagt

            Okay. 😉 Es ist ja nunmal auch so, dass du mit diesen Angeboten reflektiert umgehen magst, das kann man aber tatsächlich nicht von allen erwarten, die es nutzen. Man geht immer von der eigenen Nutzung aus und schließt selbstverständlich auf andere. Die eben tatsächlich ihre digitalen Bücherregale wechseln wie die Unterwäsche. 😉

        • Wenn Du explizit das „Flatratemodell“ kritisierst, kritisierst Du also das Modell der meisten (Verleih-)Bibliotheken. Verstehe ich das so richtig?

          • literaturen sagt

            Nö. Erstens ist die Bibliothek Teil des öffentlichen, kommunalen Lebens und das Geld, was dort hineinfließt, ist sinnvoll angelegt. Schließlich organisiert die Bibliothek auch entsprechende Veranstaltungen, hält alte Ausgaben vorrätig, archiviert – das ist wohl durchaus noch ein Unterschied als schlicht eine E-Book Flatrate eines marktorientierten Anbieters. Mal abgesehen davon, dass ein Buch aus der Bibliothek (das meistens ja auch die Anfahrt zur Bibliothek und genau definierte Rückgabefristen mit sich bringt) nicht derart schnell in Massen ausgeliehen, zurückgegeben und neu ausgeliehen wird. Die Fluktuation ist eine andere, jedenfalls bei den meisten. (mag sein, dass es auch Leute gibt, die dauernd hunderte Bücher ausleihen und sie nicht lesen, aber das dürfte schon aufgrund des gegenständlichen Mediums „Buch“ selten sein, muss man ja auch immer hin und herschleppen…)

      • Liebe Daniela, entschuldige, wenn ich dich irgendwie falsch erwischt habe. Ich sagte, „Aber dann gibt es ganz viele andere, die Bücher tatsächlich lediglich konsumieren.“ Ich sagte nicht, „Alle Nutzer von Flatrates sind die schlechteren Leser, die auch nur Bergdoktorromanheftchen lesen, die ich ja voll scheiße finde.“ Ich habe weder alles über den Kamm geschert, noch bewusst oder intendiert bewertet. Ich habe nur gesagt, dass es tatsächlich Leute gibt, die so eine Flat vielleicht nicht brauchen, aber sehr gut nutzen.

        Ich finde es toll, dass das System, für dich funktioniert, wie gesagt, ich habe hier durch Amazon Prime auch eine „Flat“ und mir fällt das auf, was du auch erwähnst, die guten Sachen kaufe ich dann nochmal, sodass es mir gehört.

        Nochmal, sorry, falls ich dich verärgert habe. Nicht meine Intention. Es geht mir nicht um den besseren Leser, sondern um den anderen Leser. Ich habe keine qualitative Unterscheidung getroffen.

  3. Ja und nein. Auch ich habe schon „Perlen“ als E-Book entdeckt, die mir sonst entgangen wären. Allerdings war ich auch froh, für einige „Produkte“ nicht bezahlt zu haben, sonst hätte ich mich geärgert. Alle „seine Bücher“ mit in den Urlaub mitnehmen zu können hat seinen Reiz, aber letztendlich muß man auch etwas laden bzw. lesen, „man hat ja dafür bezahlt“. Wichtiger wäre, den Buchmarkt so zu gestalten, daß alle Schichten der Bevölkerung Zugang haben. Was uns Frau von der Leyen als Kultur-Beitrag läßt, reicht gerade für ein Buch im Jahr.

    Ronald Dempfel

    • literaturen sagt

      Aber Entdeckungen könnte man ja auch so machen, indem man eben in Shops surft oder die Onleihe nutzt. Für Entdeckungen braucht es keine Flatrate, das einzig Positive ist, dass man sich nicht zu ärgern braucht, wie du sagst, wenn ein Buch dann doch nicht zusagt. Bezahlt hat man es ja allerdings dennoch, bloß nicht das einzelne Buch, sondern das ganze Angebot. Und du sprichst noch einen ganz anderen Punkt an, man muss dann auch irgendwas laden, wenn man schließlich Geld dafür ausgibt. Und wenn es gerade nichts so richtig Interessantes gibt, lädt man „irgendwas“, weil man in diesem Monat ja noch nicht wirklich viel geladen hat. Sicher hat es seinen Reiz, Bücher mit in den Urlaub zu nehmen, möglichst viele, unter ihrem Gewicht zusammenzubrechen. Deshalb sage ich ja auch nichts gegen E-Books generell, sondern nur gegen die entsprechenden Flatratemodelle.
      Herzliche Grüße

  4. Danke für dieses warmherzige Plädoyer für das Buch als Kulturgut! Ich sehe das genauso, obwohl ich auch einige Bücher auf meinem SUB habe die noch gelesen werden möchten und ich daher diese Sammelleidenschaft gut verstehen kann. Ich hab schon einige Bücher auf dem E-Reader gelesen und mir dann zusätzlich noch als Printausgabe gekauft, einfach weil sie so toll waren, dass sie unbedingt meinen Schrank zieren sollten….verrückt? Vielleicht… aber schön 😉

    • literaturen sagt

      Ich kann die Sammelleidenschaft auch verstehen, so ist es nicht! Aber ich würde der Neigung zum Horten und grenzenlosen Ansammeln nicht noch eine Flatrate an die Hand geben. Es ist übrigens auch kein Plädoyer für das gedruckte Buch oder so, es geht mir nur um das Flatratemodell an sich, nicht um E-Books. 😉

  5. Dementsprechend möchte ich doch lieber ein Buch richtig lesen, statt fünfzehn gleichzeitig und halbherzig!

    ich finde, damit ist alles Wesentliche gesagt und habe auch dieses Jahr sehr gemerkt, mehrere Bücher gleichzeitig lesen, verdirbt mir den Lesegenuß völlig. Vom Streß und dem übereilten Konsum völlig abgesehen. Lieber ein Buch (bevorzugt ausgedruckt) auf einmal und dieses in Ruhe genießen.

    • Daniela sagt

      Nur, weil man 15 Bücher gleichzeitig runterladen kann, heißt das ja nicht, dass man sie auch alle gleichzeitig lesen muss…

  6. Daniela sagt

    Inhaltlich möchte ich dazu gar nichts sagen, aber technisch ist dir ein Fehler unterlaufen.

    Bei Skoobe zB kannst du zwar wirklich monatlich so viele Bücher lesen, wie du möchtest. Aber: du LEIHST sie trotzdem nur aus. Man lädt sich also nicht hunderte Bücher auf seinen E-Reader, weil das schilcht technisch nicht möglich ist. Man kann bis zu 15 Bücher gleichzeitig laden (was für einen Urlaub ohne INternetzugang praktisch sein kann) aber ansonsten gibt man immer jeweils ein Buch wieder zurück, wenn man ein weiteres laden möchte.

    Kindle Unlimited habe ich natürlich noch nicht ausprobiert, aber aus dem, was ich über Prime weiß, wird es auch hier so sein: die gelesenen Bücher werden zurückgegeben.

    Der Unterschied, den diese Angebote zB zur Onleihe darstellen ist für mich, dass ich hier weder eine Wartezeit einkalkulieren muss noch eine zeitliche Beschränkung habe, wie lange ich ein Buch lesen kann. Das Sortiment von (bei Skoobe) 70.000 Titeln steht mir eben jederzeit zur Verfügung – als hätte ich die Bücher hier daheim im Bücherregal.

    Bislang habe ich noch nicht herausgefunden, wie exakt es mit der Bezahlung der Autoren bei diesem System funktioniert. Kindle hat einen Topf, aus dem jede Ausleihe zu einem Festpreis vergütet wird.

    Ich persönlich weiß das Angebot zB von Skoobe durchaus zu schätzen. Ich habe schon viele Bücher dadurch gelesen, die ich mir erstmal nicht unbedingt gekauft hätte – aber so war das praktisch. Beim abendlichen Surfen darüber gelesen, als interessant empfunden, bei Skoobe nachgesehen, ob es da ist, angelesen, und dann oft genug entschieden, es zu Ende zu lesen.

    Ich muss nicht mehr alles besitzen, was ich lese / um mich habe. Das heißt nicht, dass ich darum nicht bereit bin, die dahinter stehende Leistung zu bezahlen. Für mich ist – bis auf wenige, sehr schön gemachte Ausgaben – der physische Besitz eines Buches nicht mehr wichtig. Das war früher anders.

    • literaturen sagt

      Danke für die Berichtigung. Und wie lange leihe ich sie aus? Von Rückgabefristen ist da ja nicht die Rede. Es wird sogar damit geworben, dass es keine Rückgabefristen gibt. Also kann ich mir ja dennoch sehr viele Bücher in sehr kurzer Zeit runterladen für kleines Geld. Ich werde das im Text korrigieren, es ändert für mich allerdings nichts an dem Umgang mit Büchern ganz grundsätzlich in diesem Konzept. Ich muss auch nicht alles besitzen, sonst würde ich auch nie eine Bibliothek aufsuchen. 😉

  7. Daniela sagt

    Sophie, du hast das Prinzip nicht verstanden, oder?
    Du hast jederzeit Zugriff auf alle Bücher. Aber nur (je nach Flatrate) 5 oder 15 davon sind gleichzeitig auf deinem Gerät.

    Du lädst dir zB 5 Bücher für den Urlaub auf dein Gerät. Dann interessiert dich ein sechstes. Um das jetzt laden zu können, gibst du eines der anderen zurück. Das du dann aber, wenn du ein anderes zurückgibst, jederzeit wieder laden kannst. Solange – und das ist natürlich die wesentliche Einschränkung – solange du die Flat abonniert hast.

    • literaturen sagt

      Okay, ändert allerdings an meiner Kritik wenig. 😉 Ob du die Bücher nun wieder zurückgeben musst oder nicht, du kannst in sehr kurzer Zeit sehr viele Bücher laden, viele auch wieder verwerfen, ist ja eh alles in der Flatrate drin. Wie gesagt: Ist ja auch bei anderen Flatrates fernab von Literatur so. Unbegrenzten Zugang zu einer unüberschaubaren Masse an Büchern und es wird so zum „Durchlaufgeschäft“ sie runterzuladen, wegzugeben, neu zu laden usw.

  8. Daniela sagt

    Der Vollständigkeit halber müsstest du in diese Kritik dann aber auch alle einschließen, die
    – auf Flohmärkten ganze Bücherkisten heimschleppen
    – bei Rebuy und Medimops und wie sie alle heißen zuschlagen
    – sonstige Tausch- und Secondhand-Geschäfte tätigen.

    Ich habe den Eindruck, du beschwörst eine Zeit des hehren Ideals einer wohlausgesuchten Bibliothek, in der jedes Buch handverlesen an seinem Platz steht und liebevoll gepflegt wird (ob es nun gelesen wird, ist eine ganz andere Sache…)

    Aber was ist denn dann das Horten und SUB-Aufhäufen, wenn es sich um gedruckte Bücher handelt, anders? Ist man dann weniger der Versuchung, schnell zuzugreifen und es wieder wegzulegen, ausgesetzt? Ich frage dich das ganz ernsthaft! Denn wenn das so wäre, dann hätte ein vernünftiger Mensch maximal ein Buch auf Vorrat und würde immer erst neu kaufen, wenn das aktuelle Buch zu Ende ist. Das praktiziere ich übrigens seit einem Jahr tatsächlich – nur dann ein Buch tatsächlich zu kaufen, wenn ich es auch unmittelbar danach zu lesen beginne. Nun komme ich aber, dank der Flatrate- und Onleihe-Angebote, dabei auch kaum in Versuchung… denn das deckt ziemlich viel von dem ab, was mich interessiert.

    Ich kenne kaum noch jemanden, der all diese Bücher auf dem SUB regulär im Handel kauft. Fast alle kaufen den Großteil bei den oben genannten Anbietern. Und soll ich dir mal was sagen? Davon haben die Autoren und die Verlage noch viel, viel weniger als von Flatrate-Ausleihen, nämlich gar nichts.

    • literaturen sagt

      Diesen SUB-Wahnsinn habe ich im Text ja durchaus angesprochen. Und das sehe ich vergleichbar. Genauso wie ganze Bücherkisten heimschleppen, wie jede Maßlosigkeit im Zusammenhang mit Kunst und Kultur. Eben weil diese Dinge nicht einfach so durch mich durchrasseln, sondern im Idealfall irgendwas in mir hinterlassen sollen. Ich will keine Kultur-to-go, mal schnell mitnehmen und dann wieder verwerfen. Ich tätige auch keine riesigen Einkäufe bei Medimops und Rebuy. Ich kaufe im Buchhandel. Ich bin ausgebildete Buchhändlerin, – wenn ich etwas kaufe, dann auch an der richtigen Stelle. Und freilich mag dich sowas wie die Flatrate abhalten, Bücher zu kaufen, …das muss allerdings nicht für alle gelten. Und das Durchlaufgeschäft bleibt ja dennoch, das einen faden Beigeschmack hinterlässt.

  9. Nun ja – warum soll es beim Ebbok anders sein als bei der mp3 Musik? Es wird schlicht und ergreifend gehortet, aber was hören wir wann und /oder überhaupt…?

    Wir sind alle „Hunters & Collectors“ um es mit Can zu sagen…

    LG

    Maccabros

  10. Interessantes Thema und in Deinem Beitrag steckt so viel Wahres… :-). Ich sehe diese Entwicklung der Bücher-Flatrates als Teil unserer „Modernisierung“. Es wird nicht mehr telefoniert, es wird über Internet kontaktet, es werden keine CDs mehr gekauft, sondern Musik downgeloaded. Da war es nur eine Frage der Zeit, wann dies auf die Literatur bzw. Bücher überspringt. Selbst die Tageszeitung kann man inzwischen online lesen. Alles Ansichtssache und jeder muss für sich entscheiden, was am besten zu ihm „passt“. Ungeklärt scheint dabei doch eher die Bezahlung der Autoren zu sein. Was in der Musik die GEMA, ist in der Literatur…?!

  11. Schon in der Bezeichnung »Flatrate« schwingt etwas mit, das ich nicht mag. Das klingt so maßlos.
    All you can read (or eat) – Wird da wirklich gelesen oder nur geladen?
    Wie beim Büffet zum Einheitspreis: alles auf den Teller stapeln, was da ist und es dann doch wieder zurückgehen lassen.
    Wir noch sorgfältig gewählt oder einfach wild geklickt (gepatscht)? (Ist ja alles bezahlt.)
    Setzen sich Leser noch mit sperrigen Texten auseinander oder werden die schnell durch neue ersetzt?
    Mag sein, dass sich das Modell durchsetzt; für mich ist es nichts, genauso wie Spotify oder ähnliches. 1.) Das Gesamtkonzept eines Künstlers, eines Albums geht verloren. 2.) Wirklich hochwertiges aus Klassik oder Jazz (das höre ich nun mal) gibt es dort nicht oder selten.
    Bei der e-Book-Flat wird es, fürchte ich, ähnlich sein. Wirklich Hochwertiges bleibt bei diesem Angebot vermutlich aussen vor. Fastfood für die Massen eben, nichts für Genießer.
    Falls es anders kommen sollte, lasse ich mich gern belehren. Vorläufig bleibe ich in der Galaxie Gutenberg.
    lg_jochen
    (langer Text, wirre Gedanken, sorry)

    • literaturen sagt

      Lieber Jochen,

      ich bin beruhigt, dass du mein Ansinnen verstehst – ich war zwischenzeitlich schon kurz davor, den Beitrag zurückzuziehen, weil ich das Gefühl hatte, der ursprüngliche Kritikpunkt dringt nicht mehr so richtig durch. Gut, dass er dich erreicht hat, auch wenn ich hinsichtlich der Funktionsweise der Flatrate (Asche auf mein Haupt!) Korrekturen vornehmen musste.
      LG

  12. Liebe Sophie,
    einen schönen Beitrag hast Du geschrieben zur Buch-Flatrate, zu einem Bezahlsystem also, nicht aber zum Produkt! Der Vergleich mit dem All-you-can-eat-Bezahlsystem ist mir auch sofort eingefallen, als ich heute morgen von der Flatrate las. Manchmal macht das Ausprobieren an so einem Buffet vielleicht Spaß, aber es MUSS gerade bei billigen Angeboten, einfach etwas darunter leiden: entweder die Gehälter der Mitarbeiter und/oder die Qualität des Essens. Und der Konsument achtet – meistens – eben auch nicht auf die Qualität, da geht es dann oft mehr darum, wer sich wieviele Teller vollschaufeln kann.
    Wenn Bibliotheken solche Bezahlmodelle nutzen, ist das aus vielerlei Gründen eine gute Sache. Du hast sie ja in Deinem Beitrag beschrieben. Anders ist das schon, wenn es ein Unternehmen macht, dass mit seinem Geschäftsgebahren eine deutliche Marktdurchdringungs- und Verdrängungsstrategie fährt. Ein Unternehmen ausgerechtnet auch noch, das alle Gewinne, die in Europa erwirtschaftet werden, in Luxemburg versteuert. Zu dem Spitzenhebesatz von 1 Prozent auf den Gewinn (Quelle Suüddeutsche Zeitung vom 7.10.2014, es läuft ein EU-Ermittlungsverfahren gegen Luxemburg und amazon!) Das ist bedenklich, wenn wir auf die schauen, die – bisher – davon gelebt haben, Bücher zu schreiben. Was von der Flatrate kommt dann noch bei Schriftstellern an? Werden sie noch experimentieren, ausprobieren, etwas schreiben, das nicht unbedingt marktkonform ist, das nur wenige Leser interessiert und beindruckt? Wird es neue, junge Autoren geben, die etwas wagen, uns mit neuen, leider marktunklakulierbaren, Geschichten unterhalten, nachdenklich stimmen, zum Lachen oder Weinen bringen? Wird es politische Geschichten geben, die unbequem sind, die uns aufklären, Zusammenhänge erklären, unser Sicht verändern?
    Und wieviele Daten über unser Leseverhalten fließen an den Anbieter zurück? Was kann der anstellen mit den Daten? Noch mehr marktgängige Stories schreiben lassen?
    Sehr, sehr nachdenkliche Grüße, Claudia
    .

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