Kultur
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Wenn Bücher auf Menschen treffen

Dem gestrigen Abend, das darf mit Fug und Recht und Überzeugung behauptet werden, fieberten wohl einige buch- und netzaffine Menschen entgegegen. War es doch das erste Hamburger #bookup überhaupt. #bookup, das kann man ja eigentlich gar nicht ohne Hashtag denken, ist es doch ein Netzphänomen, das zunächst in Verbindung mit Museumsbesuchen – und dann freilich unter einem anderen Namen – das Licht der Welt erblickte. Interessierte und Gleichgesinnte trafen sich, tauschten sich aus, über das Gesehene und Gehörte, online wie offline, gern auch währenddessen. Es entstand gewissermaßen ein kulturelles Netzwerkevent, an dem man nicht nur körperlich, sondern auch virtuell teilhaben konnte. Stefanie Leo, Betreiberin des Kinderbuchportals Bücherkinder, fragte sich nun, ob man eine solche Veranstaltung nicht auch innerhalb der Buchbranche auf die Beine stellen könnte. Das ist außerhalb des norddeutschen Raums auch bereits erfolgreich geschehen – so z.B. in Berlin bei ocelot -, gestern feierte das fröhliche literarische Beisammensein mit explizit erwünschter Smartphonenutzung dann seine Premiere in Hamburg, im Büchereck Niendorf.

collagebookup1unten links: Karla Paul (links) und Christiane Hoffmeister, unten rechts: nach dem bookup klaffen merklich Lücken im Regal

Für den besonderen Abend hat das Büchereck sich schick gemacht. Es gibt kostenlose Getränke, allerlei Knabbereien und kleine Snacks, eine entspannte und einladende Atmosphäre. Es kommen Menschen aus sämtlichen Bereichen der Buchbranche, vom Buchhändler über den Verlagsmitarbeiter, Blogger, Journalisten, einfach-nur-so-Interessierte, ganz egal, – und ein Hund. Christiane Hoffmeister führt das Büchereck seit nunmehr 26 Jahren mit Leidenschaft und Freude, was anfänglich wahrlich nicht ihr Traum war, entpuppt sich als eine Lebensentscheidung, über die sie heute noch glücklich ist. Ja, mit dem Büchereck entdeckt man, wie Karla Paul nur einen Tag zuvor, ideale Lebenswelten, die digital und analog miteinander verbinden.

 

 

Der Abend begann, nachdem alle Hände geschüttelt und freudige Begrüßungen absolviert waren, mit Spaß. Ja. Mit Spaß in Wacken, mit Isabel Bogdans ,Sachen machen‚. Wer noch nie in Wacken war (so wie meinereiner), hatte nun die einmalige Möglichkeit, Einblick zu nehmen in eines dieser Paralleluniversen, in das man entweder passt oder in dem man untergeht. Wer unterginge, für den spielten sicherlich die Wacken Firefighters einen schmissigen Trauermarsch, alle anderen könnten auch auf die Excrementory Grindfuckers warten. Isabel Bogdan, die u.a. neben ihrer eigenen Autorentätigkeit als Übersetzerin arbeitet, hat viele Sachen gemacht, an denen sie ihre Leser im Buch teilhaben lässt (am 10.11. liest sie nochmals im Büchereck Niendorf!). Wacken war eine davon. In Wacken waren wir nun alle.

collagebookup2Miriam Semrau alias Krimimimi (links), Isabel Bogdan

Durch den weiteren Abend führten Karla Paul und Miriam Semrau (ihren empfehlenswerten Krimiblog ,Krimimimi‘ findet ihr hier), die jeweils Bücher mit einem kurzen Textauszug vorstellten. Nur untermalt von gelegentlichem Tapsen des Hundes gab es Empfehlungen zu: ,Die niedrigen Himmel‚ von Anthony Marra, ,Glow von Ned Beauman, ,Galveston‚ von Nic Pizzolatto, ,Die Wahrheit und andere Lügen‚ von Sascha Arango und ,Die Kairo-Affäre‚ von Olen Steinhauer. Prägnant und knackig vorgestellt, war hier eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei. Nach Beendigung des offiziellen Teils wurde gestöbert und gequatscht, Tüten wurden gefüllt, ein frohes Durcheinander im Namen der Literatur, manche Gäste empfohlen sich gar gegenseitig Bücher, in der Luft waren Energie und später Abend. Als ich mich zum Bahnhof aufmache, habe ich eine kleine Tüte bei mir und die Gewissheit, dass ich wiederkomme. Wo auch immer demnächst gebookuped wird. Soll nochmal einer sagen, es würde keiner mehr lesen!

zehMeine #bookup-Beute

 

10 Kommentare

  1. Pingback: [Literaturen] Wenn Bücher auf Menschen treffen - #Bücher | netzlesen.de

  2. „Beisammensein mit explizit erwünschter Smartphonenutzung“ – wie muss ich mir das vorstellen ? – Digitale Kommunikation im (gleichen) analogen Raum ? – Ansonsten: #bookup – #hutab.

    • literaturen sagt

      Was sonst unhöflich ist, ist an diesen Abenden erlaubt, – also Fotos oder kleine Anekdoten während der Lesung oder den Buchvorstellungen twittern. Es ist ja von grundauf auch als eine Veranstaltung konzipiert, die man online unter dem Hashtag verfolgen kann – auch, wenn man nicht dabei ist.

  3. Sehr schön geschriebener Beitrag, der den tollen Abend nochmal Revue geschehen und in frischen Erinnerungen schwelgen lässt 😀

  4. Was für gute Ideen. Für die Verbindung von analog und digital kann gar nicht genug getan werden, der verbreitete Irrglaube, das eine sei der Feind des anderen, ärgert mich so oft.

  5. Liebe Sophie,
    was für ein schöner Bericht über eine interessante Veranstaltung. Ich beobachte diese ganze digitale Schiene mit grossem Interesse und bewundere alle, die da soviel Dinge gleichzeitig auf die Reihe kriegen. In diesem Fall: Eigentlich ging es doch ganz konventionell um Bücher-Vorstellungen und drüber reden, oder? Das liebe ich sehr. Ob ich deshalb nach dem Fratzenbuch-Beitritt auch noch twittern muss? Och nö, muss nicht sein. Würde mich sowieso nerven, wenn neben mir welche sitzen, die dauernd in ihrem Smartphone leben anstatt mit den Menschen im Raum zu kommunizieren, aber das ist wahrscheinlich eine rein persönliche Angelegenheit. Ich fühle mich mit immer mehr Kommunikationskanälen einfach überfordert, nehme aber gerne ‚besichtigend‘ daran teil.
    Liebe Grüsse
    Kai

    • literaturen sagt

      Lieber Kai,

      es ist auch durchaus nicht so, dass da unaufhörlich getwittert wird und niemand zuhört. 😉 Im Grunde ist es Teil des Veranstaltungskonzepts, Social Media einzubinden (und das muss ja nicht zwingend Twitter sein), um die Veranstaltung auch auf anderen Kanälen erlebbar zu machen, aber wer da nur sitzen und zuhören möchte, wäre auch jederzeit herzlich eingeladen. Zwar gab es Momente, in denen viele über ihren Handys saßen, aber nach dem offiziellen Veranstaltungsteil wurde auch in Gruppen zusammengestanden, um über alles Mögliche zu sprechen, ganz ohne Smartphone. Diese Kombination ist also durchaus machbar, ohne die Social Media Komponente überzubetonen. Verstehe aber deine Überforderung gut, auch mir ist es manchmal zuviel. Dann muss man ein paar Tage zurückfahren und Reize begrenzen ..danach gehts meistens wieder.
      Liebe Grüße,
      Sophie

  6. Andrea Delumeau sagt

    Sehr schoen geschrieben, macht Lust auch so etwas hier in Paris zu organisieren

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