Kultur
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9/11 in der Literatur

Dreizehn Jahre sind sie her – die Anschläge des 11.September 2001. Fraglos haben sie unsere Welt vollkommen verändert, über die Gefahren von Terrorismus machten sich vor 2001 die wenigsten tiefgreifende Gedanken. Ein Ereignis wie dieses beschäftigt natürlich auch Autoren, die auf verschiedene Weise versuchen, es zu begreifen und ihm gerecht zu werden. Manchmal geht es direkt um die Anschläge, manchmal werden sie auch nur als eine Art Stimmungsfolie oder Hintergrund für eine ganz andere Geschichte gebraucht. Mal stehen ausschließlich die Opfer und deren Verluste im Vordergrund, mal versucht man sich auch den Tätern anzunähern und ihr Tun entweder begreiflich zu machen oder eindeutig zu verdammen. Manch einer dreht die Ereignisse gleich gänzlich um und lässt christliche Fundamentalisten in Bagdad angreifen. Es gibt viele Ansätze, dieses Ereignis zwischen Buchdeckel zu bannen. In unser kollektives Gedächtnis ist es bereits unwiderruflich eingegraben. Nur einige der Romane und Berichte, die in den letzten dreizehn Jahren zum Thema 9/11 erschienen sind –

nineelevenMatt Ruff – Mirage; Jonathan Safran Foer – Extrem laut und unglaublich nah; Amy Waldman – Der amerikanische Architekt; Don DeLillo – Falling Man; Madison Smart Bell – Die Farbe der Nacht; John Griesemer – Herzschlag

nineeleven2Nadeem Aslam – Der Garten des Blinden; John Updike – Terrorist; Rainald Goetz – Elfter September 2010; Kathrin Röggla – really ground zero

Ich persönlich kann Amy Waldman sehr empfehlen; wenn sie auch weniger auf die Anschläge an sich eingeht als auf das, was sie in den Köpfen der Menschen hinterlassen haben. Denn wenn ein Mann namens Mohammed als Architekt ein Mahnmal für den 11. September entwerfen soll, beinhaltet das eine Menge Zündstoff. Und illustriert auf sehr eindrückliche Weise, was sich im Empfinden vieler Menschen nach diesem Tag verändert hat. Rainald Goetz und Kathrin Röggla wählen weniger eine fiktionale denn eine dokumentarische Herangehensweise an die Ereignisse. Rögglas Buch erschien 2001 und ist in seinen Beobachtungen daher noch sehr frisch, Rainald Goetz dokumentiert die Zeit nach den Anschlägen über einen längeren Zeitraum hinweg. Welchen Ansatz man auch wählt, die Auseinandersetzung mit 9/11 ist noch nicht vorbei, sie existiert weiter in Form von Verschwörungstheorien und den zahlreichen Verschärfungen von Sicherheitsmaßnahmen, mit denen wir heute ganz selbstverständlich leben.

Lesertipps zum Thema

Büchernische – ,102 Minuten‚ von Jim Dwyer. (nur noch antiquarisch)

Poesie und so – ,Das gute Leben‚ von Jay McInerney

ramagens – ,Nine-Eleven – Ästhetische Verarbeitungen des 11.September 2001′

Stefan Meschs Empfehlungen zu 9/11

Dienstag, 11. September 2001 (mehrere Autoren, z.B. Toni Morrison, Colum McCann, Paul Auster, nur noch antiquarisch)

19 Kommentare

  1. Pingback: [Literaturen] 9/11 in der Literatur - #Bücher | netzlesen.de

  2. Eine sehr interessante Zusammenstellung! Ich hatte mir damals einen Zeitzeugenbericht gekauft, ich habe extra die gebundene Ausgabe gesucht und nach einer ganzen Weile auch gefunden: im Piperverlag erschien „102 Minuten“ von Jim Dwyer, ein Buch, das mir bei Recherchen im Netz begegnet ist und mir eine liebe Bekannte, die sich ebenfalls viel mit dem Thema beschäftigt, empfohlen hat. Kennst du das auch?

    Liebe Grüße
    Sandra

  3. Ich schließe mich Deiner Empfehlung für Amy Waldmans „Amerikanischer Architekt“ an, weil der Roman auf solche eindringliche Art deutlich macht, wie lange, wie nachhaltig und wie in alle gesellschaftlichen Bereiche vordringend das Gift der Anschläge wirkt und die Gesellschaft so durcheinanderwirbelt, dass kaum noch eine Gewissheit bestehen bleibt. So kommt nach der ersten physischen Gewalt eine zweite Welle nach, an der wir alle beteiligt sind.
    Vielen Dank für die Erinnerung und die ausführliche Bücherliste, Claudia

    • literaturen sagt

      Liebe Claudia,

      ja, deshalb hat mich dieser Roman auch so unglaublich beeindruckt und gefesselt. Denn das, was zurückbleibt und was unser Leben und unsere Gesellschaft so nachhaltig verändert hat, ist ja gerade das Spannende. Es sind nicht die immer gleichen Bilder, die man jedes Jahr wieder sieht und an die man sich noch immer erinnert. Es ist das, was immernoch da ist. Vielen war der Roman ja zu trocken und dröge. LG

  4. Eine wirklich interessante Zusammenstellung. Ich kenne noch keines der Bücher, aber Matt Ruff würde mich reizen. Ich und die Anderen hat mir damals gut gefallen.

    • literaturen sagt

      Danke für die Tipps, Stefan! Habe sie oben mit verlinkt. Über Beigbeders Roman habe ich eher Schlechtes gelesen. (aber den Roman selbst noch nicht, deshalb ist das natürlich nur ein Stimmungsbild) Kennst du die Graphic Novel von Art Spiegelman zum Thema?

      • Spiegelman: nein – immer noch nicht. obwohl ich „Maus“ liebe. Beigbeder ist wirklich schwierig / nicht jedermanns Sache. aber ich fand es damals sehr klug und interessant, weil das ganze Buch immer wieder fragt:

        „Wie kann ich mich dem nähern? Darf ich das? Was soll ich, als Außenstehender, dazu schreiben?“

        Ich hatte lange Rezensionen zu all diesen Büchern auf lit05.de, aber die Seite ging diesen Sommer offline. Wenn ich Zeit habe, blogge ich die Texte nochmal.

  5. Pingback: {In memoriam} 102 Minuten: Der Kampf um’s Überleben | Gedanken zu 9/11 | Büchernische

  6. Ich habe nur Extrem Laut und Unglaublich Nah gelesen. Es ist seitdem eines meiner Lieblingsbücher. Ich bin ganz tief eingestiegen und war mittendrin… ein unfassbarer unglaubliches Buch.

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