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Bitte übernehmen Sie, David Wonschewski!

Das Schreiben begann für mich..

…1997, dem Jahr, in dem ich mein Abitur machte. Ich wusste, dass der Mensch, der nichts von meiner Zuneigung ahnte, mir auf ewig entgleiten und in ein anderes Leben, eine andere Realität abtauchen würde, wenn ich nicht endlich die passenden Worte finde. Und so schrieb ich meinen ersten Text, der darauf aus war einem anderen Menschen meine Gefühle zu verdeutlichen. Die Aktion ging im Übrigen komplett nach hinten los und so schreibe ich bis heute, nehme immer wieder neu Anlauf.

Ein Buch muss..

…so geschrieben sein, dass ich jede Seite zweimal lesen muss, um alles zu begreifen. Bücher, bei denen ich jeden Satz auf Anhieb peile langweilen mich.

Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich..

…irgendwas Kriminelles machen. Schreiben ist schließlich ein Ventil, so wie für andere Sport oder auch Sex ein Ventil ist. Wir wollen uns lieber gar nicht vorstellen welch anarchischer Tiefpunkt uns blüht, wenn all diese Ventile eines Tages entfallen.

Ein Kindheitstraum von mir war..

…Astronaut zu werden. Es hat einige Jahre gebraucht, um darin den misanthropischen Denkansatz zu sehen, den ich bis heute mit mir herumschleppe. Vielleicht ist das aber auch Quatsch. Ich glaube, ich fand wie jeder vernünftige Menschen einfach nur Star Wars und die Masters Of The Universe ziemlich geil. Außerdem war „Major Tom“ von Peter Schilling mein allererstes Lieblingslied. Streich den Misanthropenkram also.

Wenn ich nicht schlafen kann,..

…dann erhöhe ich einfach die Pillendosis. Nein, ernsthaft: Ich danke jeden Abend und jeden Morgen dem Herrgott, dass ich mit dem Schlafen keinerlei Probleme habe. Nichts kann mich aufhalten, wenn ich schlafen will, schlafe ich auch sofort ein.

Völlig unterschätzt wird..

…Schlagermusik. Ich habe nie verstanden warum. Hartes Geschäft und diese Texte schreiben und singen sich auch nicht von selbst.

Wenn ich Musik höre, dann..

…zumeist wie ein Wissenschaftler oder Bürokrat. Ich höre immer nur mit dem Kopf, selten mit dem Herz oder dem Bauch und schon gar nicht mit den Füßen. Ich bin ein Musiksezierer, einer der zerlegt, betrachtet und wieder zusammensetzt.

Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee:

Ich erfülle ziemlich viele Autorenklischees, nur leider ist nicht eines davon charmant, ha!

Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es..

… mich mit ironischer Wonne größer zu machen als ich bin, da ich mich insgeheim viel kleiner fühle als ich bin. Leider ist die Ironie für Außenstehende nicht immer ersichtlich.

Literatur kann ..

…nichts, was ein gutes Gespräch mit einem guten Menschen bei einem guten Glas Wein nicht auch könnte. Da exakt diese Situationskombination allerdings schwieriger zu erlangen ist als es hier mal eben herunterschreibt, kann Literatur uns also das geben, was wir Menschen uns gegenseitig viel zu selten geben können. Damit meine ich die ganze Klaviatur der Menschlichkeit.

David Wonschewski ist Autor und Musikjournalist. Er veröffentlichte bei Periplaneta einen Roman (,Schwarzer Frost‚) und einen Erzählband (,Geliebter Schmerz‚) Er ist Initiator und Chefredakteur des Liedermacher – und Chansonmagazins ,Ein Achtel Lorbeerblatt‚.

Homepage: http://davidwonschewski.wordpress.com/

3 Kommentare

  1. Was für ein wunderbares Interview. Ich bin zwar kein Fan von Büchern wo ich jeden Satz 2 mal lesen muß aber ich glaube ich bin denoch neugierig auf den Autor geworden. Schau gleich mal was sich so findet in der Bücherei. Dankeschön 😉

  2. Ein schönes, kurzweiliges Interview, welches mich daran erinnert, dass Schwarzer Frost immer noch darauf wartet gelesen zu werden, was ich wohl bald mal machen werde.

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