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Närrische Pilzsammler trinken das Radio aus

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Eine Liebeserklärung an Max Goldt

Er ist eine moralische Instanz. Er ist ein Alltagspoet, ein Philosoph des Absonderlich-Profanen, ein Mann, bei dem sogar das Debattieren über Hautausschlag, Drogenkonsum und absurde Kneipenspiele („Wer kann die meisten KZs aufzählen“) zur Prosa gerät, vor der man niederknien möchte. Max Goldt ist der schreibende Funny van Dannen, unaufgeregt und immer ein bisschen „über den Dingen“. Das macht ihn unweigerlich zu einer Autorität in allen lebensnahen und -fernen Fragen, die die Menschheit bewegen. Oder spätestens nach der Lektüre eines Max Goldt Textes bewegen. ,Wie ich Max Goldt in den Wahnsinn trieb‚ wird unweigerlich ein Text bleiben, der niemals geschrieben wird. Max Goldt kann nicht aufgerieben oder aufgeregt werden, außer von denen, die wissen wie. Und das weiß eben keiner.

Krimi-Autorinnen heißen immer Petra, hat er mal geschrieben. Überdurchschnittlich viele Petras scheinen kriminalistisch und literarisch ambitioniert zu sein. Oelker und Hammesfahr. Immer wenn ich beide Namen lese, denke ich an Max Goldt. Wenn sich jemand wieder einmal kleiner macht als er ist, denke ich daran, dass Understatement nur eine kenntnisreichere Form der Prahlerei ist und muss lächeln. Wenn Max Goldt liest – und das ist eine der elemtarsten Zutaten eines Max-Goldt-Textes, Max Goldt selbst in akustischer Anwesenheit – ist es, als würde die Komplexität der Welt plötzlich greifbar in Text und Wort. Max Goldt macht Zwischentöne lesbar und er schreibt über alle Dinge, über die sonst keiner schreibt. In einer Art wie sonst keiner schreibt. Weil man jeden anderen dafür schelten würde, einen Text ,Metrosexualität, Transparenz und die drei dümmsten Aphorismen von Oscar Wilde‚ zu nennen.

Manchmal werde ich erstaunt gefragt, wieso ich mich denn nicht als Satiriker empfinde. Da ich keine Lust habe, auf diese Frage immer wieder ausführlich zu antworten, habe ich mir eine Art Esprit-Sprüchlein, einen Aphorismus zurechtgelegt: Satiriker wollen der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Gesellschaften sind aber wie Tiere: Sie erkennen sich im Spiegel nicht. (Max Goldt – Mind-boggling – Evening Post)

Gemeinsam mit Stephan Katz erarbeitet Max Goldt als Duo Katz&Goldt seit 1996 immer wieder herrlich absurde Comics, die so polarisierend sind wie – ja – ..Apple (also, das Unternehmen), Sauerkraut und Bodybuilding. Ihr Label Rumpfkluft bietet T-Shirts und andere Gebrauchsgegenstände mit entsprechender Verschönerung an. Manch lieblich alberne Stunde habe ich dort verbracht. Max Goldt schriebe, so sagt man ihm nach, wohl das schönste Deutsch. Unbestritten ist wahrscheinlich, dass die Lektüre eines Max-Goldt-Textes die eigene Sprachfertigkeit schlagartig um mehr als das Doppelte erhöht. Sagen Statistiker. Irgendwo. In Holzhütten im Odenwald. Max Goldt ist die textgewordene Rache an und die inhaltliche Umarmung des Gewöhnlichen, man weiß nie so genau, ob er nicht eigentlich zuhause unentwegtüber die Welt lacht, die er sieht. Vielleicht weint er auch. Vielleicht ist das auch dasselbe. Max Goldt ist der einzige Mensch, den ich mir nicht dabei vorstellen kann, wie er im Supermarkt ein Glas Gewürzgurken kauft. Gerüchtehalber gibt es ihn gar nicht.

Ich könnte die Gerüchte widerlegen.

Mache ich aber nicht.

katz und goldt

Fotostrecke Katz & Goldt, zum Ansehen feste draufklicken

Goldts Bücher erscheinen im Rowohlt-Verlag.

13 Kommentare

  1. Großartig! Kann ich alles unterschrieben. Es gibt sonst keinen wie ihn! Ich liebe Max Goldt seit ich 1984 das Buch ‚Mein äußerst schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz‘ gekauft habe, natürlich wegen des großartigen Titels. Etwa um dieselbe Zeit habe ich ihn mal als Mitglied seiner, naja, sagen wir mal avantgardistischen Popgruppe ‚Foyer des Arts‘ in irgendeinem Hamburger Bunker live erlebt. Er sang da Lieder mit Titeln wie ‚Schimmliges Brot‘ und war damals schon großartig.
    Zum Einstieg übrigens auch sehr schön ist ‚Ungeduscht, geduzt und ausgebuht‘, auch aus den 80ern und passenderweise im a-verbal Verlag veröffentlcht.
    Danke und liebe Grüße, Kai

  2. Funny van Dannen schreibt auch. Aber nicht so gut wie Max Goldt. Funnys Prosa ist sogar sehr ähnlich wie seine Lieder, aber seltsamerweise nervt sie, was seine Lieder bisweilen auch tun, aber meistens eben nicht. Schöne Hommage. Ich liebe ohnehin Hommagen. Schon der Name …

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