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Das Frühjahr kommt immer früher.

farlane

Eigentlich sind wir ja erst mit einem Bein den Herbstprogrammen der Verlage entstiegen. Längst haben wir nicht alles gelesen, was wir uns vorgenommen haben, da trudeln schon wieder die nächsten Kataloge ein. Unermüdlich und in völliger Nichtachtung der Sachlage werden uns bereits neue Bücher präsentiert, die in Bälde erscheinen – und gelesen werden wollen. Ich habe die Weihnachtstage genutzt und Verlagsvorschauen gewälzt, um euch – gewissermaßen als Ausklang des Jahres – vorfreudig in das neue Jahr zu entlassen.

farlaneDie DVA legt im nächsten Jahr gleich mehrere interessante Bücher vor. So zum Beispiel Fiona McFarlanes ,Nachts, wenn der Tiger komt‘, das mit seiner Handlung durchaus in Konkurrenz zu einem Hitchcockstreifen treten könnte. Eine alte Dame in einem abgelegenen Haus und die ihr entgleitende Realität. Andreas von Flotow erzählt in ,Tage zwischen gestern und heute‘ von der gewaltsamen Auflösung einer Familie und dem Jungen, auf dessen Rücken sie ausgetragen wurde. flotow

Im Piper Verlag erscheint mit Ramona Ausubels ,Der Anfang der Welt‘ ein Roman, der fast wie ein Märchen anmutet. Ein kleines Dorf am Rande der Welt versucht, sich wider die Wirklichkeit gegen seinen eigenen Untergang zur Wehr zu setzen. Die Dinge neu zu erfinden. Und scheint damit implizit die Frage zu stellen, wie viel Einfluss wir haben, auf uns und unsere Realität.

ausubelDer Hanser Verlag beschenkt uns im Frühjahr mit einer wirklich glänzenden Vorschau, die man am liebsten in Gänze liebevoll zu sich nähme. So gibt unter anderem Martin Kordic, den ich in Köln bei DuMont kennenlernen durfte, mit ,Wie ich mir das Glück vorstelle‘ sein Romandebüt. Es klingt märchenhaft, herzerwärmend und skurril. kordicWer die Außenseiter liebt, wird diesen Roman wohl lesen müssen.

Gaito Gasdanows ,Das Phantom des Alexander Wolf‘ galt 2013 als große Entdeckung und wurde von der Kritik und vielen Lesern mehr als wohlwollend aufgenommen. Nun erscheint bei Hanser ein weiterer Roman von ihm, – Ein Abend bei Claire. Es ist eine Liebesgeschichte aus dem Russland des frühen 20.Jahrhunderts, aber auch die Geschichte einer Fantasie, die über die Wirklichkeit hinauswächst.

Gasdanow_24471_MR.inddElisabeth de Waal ist die Großmutter von Edmund de Waal, der mit ,Der Hase mit den Bernsteinaugen‘ einen erfolgreichen, in realer Geschichte verankerten Roman geschrieben hat. Ähnlich, wie es auch seine Großmutter tat. Zsolnay und Deuticke entführt uns mit ,Donnerstags bei Kanakis‘ in das Wien der 50er-Jahre. dewaal

Besondere Freude macht auch wieder einmal Matthes & Seitz, nicht nur, weil wir uns auf ein neues Buch von Emmanuel Carrère freuen dürfen. Mit Limonow, einem prosaischen Portrait des höchst strittigen russischen, ja, „Antihelden“ hat er mich schon sehr beeindruckt. Umso mehr freue ich mich nun auf ,Alles ist wahr‘.carrere

Auch Suhrkamp wartet wieder mit allerlei Perlen auf, so zum Beispiel mit dem Roman der Bachmannpreisträgerin 2013 Katja Petrowskaja, ,Vielleicht Esther‘. Wie angekündigt erscheint der sprachmächtige Roman Ende Januar in voller Länge. Und alle, die den Ausschnitt aus Klagenfurt so mitreißend fanden wie ich, freuen sich aufrichtig darauf.esther

Im Dumont Verlag erscheint, vermutlich von Kennern und Liebhabern bereits sehnsüchtig erwartet, der neue Roman von Haruki Murakami. Ich bin ja bisher mit dem japanischen Marquez nicht so richtig warm geworden – trotzdem erwarte ich das Erscheinen von ,Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki‘ mit Freuden. Die-Pilgerjahre-des-farblosen-Herrn-Tazaki-9783832197483_xxl

Auch im Berlin Verlag gibt es wieder eine Menge zu sehen. Zählten doch James Salter und Katharina Hartwell zu den großen Erfolgen 2013, legt der Verlag im nächsten Frühjahr gewaltig nach. Unter anderem mit einem neuen Roman von Margarete Atwood namens ,Die Geschichte von Zeb‘. 0-4520806

Auch im Wallstein Verlag haben wir eine Menge zu gucken, besonders ins Auge gesprungen sind mir hier Ludwig Laher mit ,Bitter‘, die Geschichte eines Kriegsverbrechers sowie Lukas Bärfuss ,Koala‘. Die tragische Geschichte eines Selbstmords und nicht etwa die Frage, wie es sein kann, dass man sterben wollte .. viel mehr die Frage, warum man am Leben bleiben sollte. Auch das Frühjahr steht ganz im Zeichen von tragischen Familiengeschichten, von Problemen, Sorgen und Nöten. Aber, dessen kann man sich sicher sein, – nicht ohne andere Perspektiven aufzuzeigen, nicht ohne etwas mitzugeben, von dem wir zehren können, wenn die Buchdeckel zugeklappt sind.

bitterkoalaDa hier unmöglich alle Bücher aufgeführt werden können, diemeine Aufmerksamkeit erregt haben, liegt es in der Natur der Sache, dass nun so einige fehlen. Betrachtet es gewissermaßen als Vorgeschmack, als Appetithäppchen für das, was da folgen mag. Ein paar Tipps habe ich jedenfalls auch im neuen Jahr noch parat. Jetzt verlasst aber erstmal heile und am Stück 2013. Wir lesen uns dann auf der anderen Seite der Zeit!

12 Kommentare

  1. Was für eine schöne Zusammenstellung! Schade, dass wir noch so lange auf die neuen Bücher warten müssen. Für mein Sachbuchblog arbeite ich gerade an einer ähnlichen Liste, habe aber längst noch nicht alle Vorschauen gesichtet und natürlich auch noch nicht alle Favoriten der letzten Saison gelesen. Da sitzen wir in einem Hamsterrad und genießen es!

  2. Ich habe bisher nur ein paar Vorschauen durchblättert, Hanser war zum Beispiel noch nicht dabei. Und was finde ich nun bei dir? Den Debütroman von Martin Kordic, wie schön! Bin gespannt, was er so macht. Und Ende Januar werde ich sicher auch wieder meine Frühjahrshighlights vorstellen. Danke für deinen persönlichen Blick aufs Frühjahr!

  3. Oh wie schön! Ich danke dir für den Blick in die Vorschauen, den ich bislang noch gar nicht gemacht habe. Auf Murakamis neuen Roman freue ich mich natürlich sehr. Der Anfang der Welt spricht mich gleich auf Anhieb an. Märchenhaft ist das Zauberwort. Von Margaret Atwood möchte ich erstmal eins ihrer älteren Werke lesen, eine der vielen AutorInnen, die ich im neuen Jahr entdecken möchte, denn in meinem Regal warten noch einige ungelesene Schätze. You know. 😉 Hast du eigentlich schon Elizabeth wird vermisst gelesen? Ich hatte es bei dir, glaube ich, irgendwo schon mal entdeckt? Darauf bin ich schon neugierig, es liegt bereits ungeduldig neben mir.

    Leuchtende Jahreswechselgrüße sendet dir,

    Klappentexterin

    • Ich habe „Elizabeth wird vermisst“ angelesen, noch nicht beendet. Und war von den doch sehr authentischen Schilderungen der Demenz beeindruckt. Sonst kennt man das Thema ja eher beschrieben von Außenstehenden, in ‚Elizabeth wird vermisst‘ beschreibt die betroffene Person selbst den Verlust ihrer Erinnerungen. Das ermöglicht, finde ich, noch einmal einen ganz anderen Zugang zum Thema. Liebe Grüße

  4. In der Tat ragt Hanser bei den Vorschauen bisher irgendwie raus. Auf „Ein Abend bei Claire“ (Gasdanow), „Bonavia“ (Dragan Velikic) und „Große Liebe“ (Navid Kermani) freue ich mich bereits…

  5. Heidewitzka, da erschlägt es mich ja gleich. Aber spannende Auswahl und auch sehr schöne Cover. Ob die Klappentexte auch so gut sind? Ich war ja übrigens mal so ein richtiger Murakami Fan, habe jedes Buch heiß herbeigesehnt. Seit Kafka am Strand ist das vorbei. Aber ich werde trotzdem mal ein Auge drauf werfen, obwohl ich noch Afterdark hier liegen habe, ungelesen.
    Vielen Dank, Herzliche Grüße und the Best for 2014

    • Ich bin bei Murakami immer so zwiegespalten, ,Kafka am Strand‘ hat mir ganz gut gefallen, dann habe ich die Erzählung ,Schlaf‘ gelesen und da fehlte mir völlig der Zugang. Ich finde aber, nach wie vor, dass meine bisherige Murakami-Lektüre irgendwie nicht repräsentativ genug ist, um zu einem endgültigen Urteil zu gelangen. 😉 Auch dir alles Gute für 2014!

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