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Roman Simić – In was wir uns verlieben

simicRoman Simić ist ein kroatischer Schriftsteller. Er arbeitet auch als Lektor und lebt in Zagreb. Simić war Herausgeber der wichtigsten kroatischen Literaturzeitung Quorum und ist noch Organisator und Programmdirektor des Festival Of European Short Story. Er gewann bereits mehrfach den Goran Preis für junge Dichter. In was wir uns verlieben erschien 2007 in der Übersetzung von Alida Bremer bei Voland & Quist. Im September erscheint sein neuer Erzählband Von all den unglaublichen Dingen.

Ein Mann, der aufgrund eines verblichenen Fotos Ausschau hält nach seiner Familiengeschichte und seiner Herkunft. Der Erinnerungen nachspürt, sich der Beschaffenheit von Erinnerung und ihrer Fragilität nähert. So beginnt Roman Simićs erste Geschichte Ein Rahmen für den Familienlöwen.

Die Fotos schweigen hier genauso wie die Erinnerungen. Zu erwarten, dass sie uns Gründe für irgendetwas aufzeigen, für das alltägliche Chaos von Ursachen und Folgen, für den Raum, der in uns mit Kraft und Schwäche, Dankbarkeit, Schmerz, Verrat, Liebe …gefüllt und geleert wird, käme der Hoffnung gleich, dass aus dem Fotomeer der japanischen Touristen, das im Schaum der Sensationen badet, die Natur unseres Krieges oder der italienischen Renaissance aufscheinen würde und sich erklären ließe – wenn auch erst in hundert Jahren.

Ausgehend von der Fotografie eines Löwen in einem amerikanischen Zoo rekonstruiert der Protagonist Teile seines Lebens und des Lebens seiner engsten Verwandten. Wie gut kannte er sie wirklich? Was liegt womöglich in Fotos verborgen, das ihm sonst niemals aufgefallen ist? Und über allem schwebt die Frage, was Erinnerung tatsächlich meint, wie konservierbar und fehleranfällig sie ist – und wie unerlässlich trotzdem, um uns selbst zu erkennen und einzuordnen.

Zwei Freunde, die in einem Krankenhaus den Toten Geschichten erzählen, Geschichten rückwärts, vom ihrem sicheren Tod bis zu ihrer unsicheren Geburt und ihrer möglichen Lebensgeschichte. Drei Männer, die sich nur ihrer Hunde wegen begegnen. Einer, der seinen Hund so viel mehr liebt als die Menschen.

Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, und darum ist der Hund zu seinem besten Freund geworden. Nicht deshalb, weil die Natur will, dass Freundschaft zwischen Wolf und Hund herrscht, sondern weil sie es nicht einrichten konnte, dass das zwischen den Menschen der Fall ist.

Da ist der Mann, der in seine Heimatstadt zurückkehrt und alles schmerzlich verändert vorfindet, abgesehen von der Distanz, die zwischen ihm und seinem Vater herrscht wie ein außergewöhnlich langer und harter Winter. Da ist der Mann, der im Treppenhaus ein Paket umklammert hält, das er seinem kleinen Sohn schenken will. Er ist betrunken, die Beziehung zu seiner Frau ist vorbei und er scheitert an dieser Zuneigungsbekundung kläglich. Weiß er doch gar nicht, was sich im Paket befindet.

Roman Simićs Erzählungen über verschiedene Spielarten von Liebe, verschiedene Beziehungen und Menschen stecken voller Poesie und leiser Zwischentöne, die man manchmal nur ganz am Rande wahrnimmt. Hier und da klingt der Krieg als leiser Grundton in einigen Geschichten an, die Verzweiflung des Verlusts, das Auseinandergerissenwerden durch ganz unterschiedliche Umstände. Manchmal kontrastiert durch ungewöhnliche Härte fängt Roman Simić das Dazwischen ein, das Ungesagte und Ungezeigte zwischen Menschen, Liebespaaren, Familien. Ein inhaltlich und besonders sprachlich beeindruckender Erzählband, der die Vorfreude auf Simićs neues Werk weckt. Wer diese Art leise-melancholischer Zwischenspiele menschlichen Miteinanders mag, wird an Roman Simić nicht vorbeikommen. Zum Glück!

Die Geschichte brauchte schleunigst, dringend und per Einschreiben ein Happy End, und ich musste mich zusammenreißen und mir schnell eines einfallen lassen.

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