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Immer auf die Kleinen

ImmeraufdieKleinenKnapp einen Monat ist es jetzt her, dass ich die Aktion „Die Kleinsten werden die Größten sein“ ins Leben gerufen habe. Die Resonanz war überraschend. 267-mal auf Facebook und 24-mal auf Twitter verbreitet, das schien mir ein ganz guter Schnitt zu sein und ich war ganz begeistert, wie viele diesen Aufruf für eine gute Idee hielten. Mich erreichten aber auch enttäuschte Nachrichten, Erfahrungen aus Buchhandlungen, die so natürlich Ressentiments schüren. Abschätzige Blicke von Buchhändlern, die eher im Literarischen beheimatet sind, eine Art von Nostalgie und Rückwärtsgewandtheit, die ein Verschließen gegen gewisse Veränderungen in der Branche bedeutet. Ich habe mir die kleinen und großen Nöte angesehen und versucht, zu einem neuerlichen Besuch einer anderen Buchhandlung zu raten. An anderer Stelle – und nicht im Rahmen meiner Aktion – wurde dem Buchhändlerberuf gar attestiert, völlig überflüssig und nutzlos zu sein. Auch im Berufsalltag höre ich auf mein freundliches Angebot „Ich kann Ihnen das Buch aber gern zu morgen bestellen“ ein fast pikiertes und kaltschnäuziges „Das kann ich auch selber.“

Vielerorts scheint die Auffassung Fuß zu fassen, dass ein Buchhändler nichts anderes tut als an seinem PC zu stehen und gegebenenfalls zu recherchieren. Dafür jemanden zu beschäftigen, sei in der heutigen Zeit ja vollkommen antiquiert, – wo doch jeder zuhause seinen Computer anschalten und auf eigene Faust recherchieren kann. Wer braucht persönliche Beratung, wenn es die Sternchenbewertung von amazon gibt? Das Bild, das sich manchmal ergibt, ist ein bisschen trist und traurig. Denn dass dem Buchhändler sein Untergang prophezeit wird, ist beileibe keine Erfindung der letzten Jahre. Auch dafür, um diesem tristen Bild des Buchhändlersterbens etwas entgegenzusetzen, habe ich dazu aufgerufen, mir kleine, unabhängige Buchhandlungen vorzustellen. Als Kunde, als Inhaber, – ganz gleichgültig, Hauptsache, es steckt Herzblut drin und zeigt, was kleine Buchhandlungen und ihre Buchhändler so besonders und bewahrenswert macht.

In manchen Großstädten schießen immer öfter kleine Nischenbuchhandlungen aus dem Boden. Es gibt noch Mutige, die es wagen. Nach Anlaufen der Aktion war ich sehr zuversichtlich, dass sich einige bei mir melden würden. Doch das war leider nicht der Fall. Vier Vorstellungen habe ich bekommen. Vielleicht schreckt viele der Aufwand, selbst einen Text schreiben zu müssen, denke ich mir jetzt. Ich versuche, mich von dem Gedanken abzulenken, dass viele womöglich gar keine Lieblingsbuchhandlungen mehr haben. Öfter jedenfalls habe ich gelesen, die Lieblingsbuchhandlung habe schließen müssen oder man sei durch einen Umzug nun zunächst auf lange Sicht von ihr getrennt. Ja, man befinde sich gar in einer Umgebung ohne jede „Buchhandelsanbindung.“

Nun bin ich aber manchmal ein bisschen stur. Ich könnte mich damit zufriedengeben, dass zwar viele begeistert waren, daraus aber eben nicht mehr erwachsen ist. Will ich aber nicht. Weil ich weiß, dass da draußen noch so einige Buchhandlungen darauf warten, entdeckt zu werden. Mal abgesehen davon, dass es wahrscheinlich niemals bessere Möglichkeiten der Vernetzung gab als heute. Hier und da bekam ich auch Nachrichten, die lediglich aus einem Satz bestanden: „Die Buchhandlung xy is‘ toll!“ Das ist ein Anfang, das will ich gar nicht verhehlen, aber ich – und die Leser sicher ebenfalls – wüsste schon gern, warum. Wie seid ihr auf die Buchhandlung gestoßen? Weshalb ist es dort so toll, dass ihr gern immer wiederkommt? In letzter Zeit bilden sich ja immer mehr Initiativen, die das Schaffen in Nischen unterstützen. So auch die Bloggerinitiative We read indie (zur Unterstützung kleiner Independent-Verlage) oder das Projekt zur Unterstützung des lokalen Handels buy local. In Österreich gibt es die Initiative Ihr Buch hat ein Gesicht, die Buchhändler aus Österreich mit dem Slogan auf Plakaten verewigt.

Ich freue mich also nach wie vor über Zuschriften, über das Verbreiten, das Drüber-Diskutieren. Ich freue mich auch über Kritik. Nach wie vor bin ich gern bereit, auch Negativerfahrungen aus dem Buchhandel aufzunehmen, denn die gibt es zweifellos. Insgesamt möchte ich aber am Ende gern eine möglichst umfangreiche Liste an Buchhandlungen präsentieren dürfen, die einen Besuch wert sind, wenn man sich gerade zufällig in der entsprechenden Stadt aufhält. Sowas wie ein Buchhandlungs-Guide. Und das war es dann auch von mir. Keine Sorge, das war kein erhobener Zeigefinger … nur eine kleine Erinnerung.

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