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Gérard Otremba – Die geheimen Aufzeichnungen des Buchhändlers

9783929232721

Gérard Otremba entnimmt seine herrlichen Anekdoten dem Arbeitsalltag einer großen Frankfurter Buchhandlung, in der er tätig ist. In zwei Kladden hat er über längere Zeit witzige bis absurde Begegnungen zwischen Kunde und Verkäufer zusammengetragen, die er in diesem kleinen Heftchen (39 Seiten) und dessen Nachfolger Ein weiterer Tag im Leben des Buchhändlers präsentiert.

Dieses Heftchen ist eine Besonderheit, die ich der lesenden Bevölkerung, insbesondere denen, die irgendwie beruflich mit dem Buchhandel verbandelt sind, nicht vorenthalten möchte, denn es ist einfach urkomisch und dabei überraschend authentisch. Wer sich schon immer einmal fragte, wie es wohl ist, in einer Buchhandlung zu arbeiten, der wird mit Gérard Otremba einen Einblick gewinnen, der ihm hoffentlich das nächste Mal ein bisschen Warmherzigkeit und Verständnis gegenüber seinem Buchhändler abnötigt. Ich habe bei der Lektüre merhfach schallend gelacht und war hin und wieder nahezu schockiert von … dem, was manche Kunden so fragen. Aber spätestens, nachdem mich ein Kunde fragte: ‚Ich suche das Buch ‚Der Hundertjährige, der aus dem Fenster sprang und starb‘, können Sie mir da helfen? habe ich keinerlei Zweifel mehr daran, dass Otremba hier vollkommen wahre Begebenheiten aufzeichnet!

Die Klassiker der Weltliteratur, mittlerweile zu Schullektüren degradiert, erleben durch die geistige Unreife diverser Schüler/innen eine wahre Hochkonjunktur. Und so entstehen moderne Buchhandelsklassiker mit einem der wohl bekanntesten Titel im deutschsprachigen Buchhandelsraum: „Von Rudolf Hess: Nazis in Dortmund.“ Armer Hermann Hesse. Wenn er um derlei Komplikationen gewusst hätte, vielleicht wäre Narziss und Goldmund nie entstanden.

Mehr als einmal bin ich in Gelächter ausgebrochen, um danach irgendwie doch betroffen zu sein. Ich habe begonnen, mir auch Notizen zu derlei Verwechslungen zu machen, leider sind bisher noch nicht allzu viele zusammengekommen. Das Buch eines norddeutschen Radiomoderators, Toast mit Ohren, wurde für eine Kundin kurzerhand Toast für die Ohren, es hätte mich brennend interessiert, welchen Zweck das Brot an eben dieser Stelle wohl erfüllt.

„Ich suche den Sündenbock von Dostojewskji.“ Den haben wir längst gefunden. Es ist der dämliche Buchhändler, der selbstverständlich nicht in der Lage ist, diesen Titel in seinem schlauen Computer zu finden, weil unter ‚Dostojewskji‘ noch immer nur Schuld und Sühne zu finden ist. Aber dann schmerzt es doch, zu hören: „Haben Sie von Dostojewskji: Die Brüder Casanova?“ Ein Casanova in der Weltliteratur reicht ganz und gar aus. In seinen Memoiren kann man sein Treiben lesen, aber Dostojewskji hat es ganz sicher nicht niedergeschrieben. Und den „Herr der Ringe von Tolstoi“ durfte sich eine andere Kundin auch gleich abschminken, genauso wie „Die Weihnachtsgeschichte von Charles Darwin.“

Es ist ein durch und durch kurzweiliges Vergnügen, mehrmals habe ich diese kleinen Buchhändleranekdoten schon verschenkt und im Gespräch mit anderen Buchhändlern auch schon die ein oder andere nahezu unglaubwürdige Geschichte aufgegriffen. Sowas wie die Nachfrage: Ich suche das Buch von Max Frisch mit dem Schwulen. Es hat die betroffene Buchhändlerin einige Sekunden Zeit gekostet, zu entschlüsseln, dass es sich bei dem gewünschten Titel um Homo Faber handelt. Genauso, wie sie eine Kundin bitter enttäuschen musste, die sich wünschte, Ernest Hemingway würde doch mal was Neues schreiben.

38 Kommentare

  1. Hihi, oh ja, ich habe in meiner Zeit als Buchhändlerin auch so einige witzige Geschichten erlebt. Aber – wenn man sich mal selbst beobachtet – so etwas passiert leider nicht nur anderen 😉 Nach meiner aktiven zeit als Buchhändlerin habe ich es tatsächlich auch schon mal gebracht, in eine Buchhandlung zu gehen und nach einem Buch zu fregen, von dem mir nur die Covergesteltung in Erinnerung war und das noch nicht mal besonders gut… Aber, um noch mal auf die schönen Seiten des Buchhändleralltags zurückzukommen, wenn man solche Andeutungen und Verballhornungen einmal entschlüsselt hat, ist die Anerkennung meist umso größer 🙂
    Liebe Grüße,
    Mareike

    • Oh, mit Sicherheit passiert das nicht nur anderen. (;

      Ich habe mir schon häufiger Anerkennung „ergoogelt“, wenn Kunden kamen, die nur noch so grob die Geschichte im Kopf hatten, sonst aber nichts darüber wussten. Das ist in der Tat ein ganz nettes Gefühl, man fühlt sich dann fast ein bisschen allmächtig. 😀

  2. Schon bei den wenigen Zitaten und auch bei deinen Geschichten musste ich lachen! 🙂 Geht es denn tatsächlich in den Anekdoten hauptsächlich um Fehler beim Titel oder Verfasser? Oder kommen auch andere Aspekte des Kundenkontakt vor?

    • Es geht auch um andere Aspekte des Kundenkontakts. Wie wird der Buchhändler im Laden angesprochen? („Sind Sie besetzt?“, war da noch eine der schöneren Varianten) Wie läuft so ein Gespräch ab, mit welchen einleitenden Worten wird es begonnen? Aber auch skurille Wünsche werden etwas näher unter die Lupe gekommen. Bei uns waren schon Leute im Laden, die dringend Batterien und Eier brauchten. Diese Titelverwechslungsanekdoten machen aber tatsächlich einen recht großen Teil aus, .. sie sind aber auch so schön. (;

      • Batterien und Eier! Ich hab es dir ja schon bei meinem Artikel zum Handel gesagt: Schreib doch auch mal so ein Büchlein! 🙂

  3. Das hatte ich vor ein paar Tagen in der Hand und habe an alle meine Buchhänderbloggerkollegen denken müssen. 😉 Ich habe im Dezember ja nur ein Monat als Weihnachtsaushilfe gejobbt, aber habe bereits in dieser kurzen Zeit bereits Dinge erlebt, die ich mir nie hätte ausmalen können: „Gestern wurde in dieser Fernsehsendung ein gelbes Buch vorgestellt, haben sie das vorrätig?“ Vea Kaiser hat mir erzählt, dass in einer Buchhandlung in der sie letzte Woche las, die Buchhändlerin ihr erzählte, dass eine Kundin in den Laden kam und ganz dringend einen Amazongutschein haben wollte.
    Ich unterstützte übrigens ramagens Einwurf: schreib doch bitte auch so ein Büchlein mit deinen Erlebnissen! 🙂

    • Ich werde mal sehen, was sich machen lässt. Wie gesagt, bisher ist die Anekdotendichte noch nicht ausreichend. Wobei ich, gerade als ich im Winter in unserem separaten Shop (nur Kalender) gearbeitet habe, einige wirklich seltsame Gestalten getroffen habe. Unter anderem auch jemanden, der keine Kalender, sondern dringend NUR die Folien suchte, in denen die Kalender eingepackt sind.

      • Alles Sachen, die sich lohnen! Und vor allem mit deinem prosaischen Talent würde es sicher besser werden als viele Bücher, die sich gerade auf dem Markt finden. Aber kein Stress…wenn du meinst, es sei noch nicht genug gesammelt, dann muss ich wohl weiter harren! 😉

    • Ha, das habe ich auch mal gemacht:

      Bei Perlentaucher: *Sie haben Werbung für ein weinrotes Buch geschaltet, wie hieß das?*

      (Es handelte sich um das karmensinrote Blütenblatt.)

  4. Na gut, jeder sagt einmal etwas Blödes. Als ich während des Studiums gejobbt habe, wollte mindestens einmal am Tag jemand wissen, wo im Fahrzeugschein der Kilometerstand eingetragen wäre.

    Wenn ich einkaufen gehe, gerade bei Elektronik, möchte ich nicht wissen, was die Verkäufer denken.

    • Sicher sagen alle mal was Blödes. Gerade deshalb sollte man ja drüber machen können. (;
      Und manchmal ist man schon ein bisschen .. überrascht.

    • mickzwo sagt

      Menschen, die über sich selbst lachen können, die haben Humor. Sie verdienen besonderen Respekt. Wer nur über andere lacht pflegt allenfalls seine Schadenfreude. Vielleicht muß das auch mal sein, dann allerdings leise. Den Beitrag von nomadenseele finde ich sehr weise.

      • Ach. glaube mir, ich bin vieles, aber nicht *weise*.

        Ich bin nur irgendwann zu der Einsicht gekommen, dass ich bestimmte Dinge auch nicht besser mache als die, über die ich manchmal grinse. Am Anfang musste ich mich noch zur Ordnung rufen, inzwischen ist mir das in Fleisch und Blut übergegangen.

        Letztendlich gibt es auch Leute, die sich Hobbys von mir wesentlich profunder auskennen als ich und auch regelmäßig den Kopf schütteln. Gleicht sich alles aus.

  5. mickzwo sagt

    Dass Du Dich nicht als *Weise* bezeichnest, das ehrt Dich. Leute, die sich selbst als weise einstufen, bezeugen damit eher ihre Dummheit als ihre Weisheit. Ich würde Dich auch nicht als weise bezeichnen, ich kenne Dich ja gar nicht. Den Beitrag, den Du da geschrieben hast, finde ich nach wie vor weise. Dazu stehe ich. „Gleicht sich alles aus“, könnte auch von meiner Oma Frieda stammen. Ich hätte es mir strikt verbeten dieser klugen Frau sowas wie Weisheit zu unterstellen. Da hätte sie doch nur „Watt soll der Quatsch?!“ geantwortet. Trotzdem hat sie zu mir einmal, mit genau dem richtigen timing, den Satz gesagt: „Jung, datt Leben geht weiter.“ Und das war weise.

  6. “Ich suche den Sündenbock von Dostojewskji.” Den haben wir längst gefunden. Es ist der dämliche Buchhändler, der selbstverständlich nicht in der Lage ist, diesen Titel in seinem schlauen Computer zu finden, weil unter ‘Dostojewskji’ noch immer nur Schuld und Sühne zu finden ist. Aber dann schmerzt es doch, zu hören: “Haben Sie von Dostojewskji: Die Brüder Casanova?” Ein Casanova in der Weltliteratur reicht ganz und gar aus. In seinen Memoiren kann man sein Treiben lesen, aber Dostojewskji hat es ganz sicher nicht niedergeschrieben. Und den “Herr der Ringe von Tolstoi” durfte sich eine andere Kundin auch gleich abschminken, genauso wie “Die Weihnachtsgeschichte von Charles Darwin.”

    Eine kleine Geschichte aus dieser Woche:

    Ich helfe einer Frau, die bei mir Deutsch lernt, bei Behördengängen. Dienstag waren wir beim Bürgeramt, weil sie eine Erweiterte Meldebestätigung brauchte. Die Dame vom Amt: *Dafür brauche ich eine Bestätigung, dass Sie das Dokument brauchen*.
    Mittwoch waren wir wieder dort, dieses Mal mit der geforderten Bestätigung. Ich gebe ihr die Bescheinigung und sie stößt im System ein Erweitertes Führungszeugnis an. Ich weise sie darauf hin, dass meine Nachhilfeschülerin eine Erweiterte Meldebestätigung haben möchte. Die Dame von Amt: * Gestern sagten Sie aber Erweitertes Führungszeugnis, die Erweiterte Meldebestätigung kann ich Ihnen auch so geben.* Da ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal wusste, dass es ein Erweitertes Führungszeugnis gibt, bezweifle ich das.

    Die Dame vom Amt hatte irgendwas im Hinterkopf und hat ignoriert, dass auf der Bescheinigung Erweiterte Meldebestätigung stand und ich ihr dies sagte. Und das, obwohl dies ihr Arbeitsumfeld betrifft!

    Und weder Charles Dickens noch Charles Darwin gehören zum normalen Umfeld des Durchschnittsmenschen.

    Es gibt nur zwei Möglichkeiten:

    1.) Die Leute wissen es nicht besser – dann ist es erfreulich, dass sie diese Lücke schließen wollen.
    2.) Sie verwechseln einfach etwas oder sind auf irgendetwas fixiert – Auch nicht schlimm.

    Und mal ganz davon abgesehen:

    Es zeugt von ausgesprochen schlechten Stil / Benehmen, sich über die Fehler anderer lustig zu machen. Ich habe auch gelacht, aber das ändert nichts daran, dass es sich nicht gehört.

    Keiner kennt sich überall aus. Ich habe mich zwar gefragt, wie es sein kann, warum jemand den sich ständig ändernden Kilometerstand im Fahrzeugschein sucht, aber letztendlich habe ich das auf die Unerfahrenheit geschoben. Deswegen sich die Leute nicht *doof*, noch taugt dies zur lustigen Unterhaltung.

    • Nachtrag:

      Herr Otremba sollte einmal in sich gehen und sich überlegen, ob er nicht Bildung und Intelligenz verwechselt. Bildung ist nichts weiter als die Kombination aus Sitzfleisch und Interesse. Intelligenz ist (für mich), wie ich mich verhalte; und ein Buch, in welchem man sich über andere lustig macht zu veröffentlichen, ist kein besonders intelligentes Verhalten.

      Ich stutze auch immer, wenn *Rezension* und Rezession* miteinander verwechselt werden. Beim Sport hat eine Dame allen Ernstes erklärt, San Franzisco liege am Atlantik. Kein einziger hat auch nur die Augenbraue gehoben, und wenn, dann wäre eher dieser eine bei mir unten durch gewesen.

      Vor 1-2 Monaten hatten wir eine Diskussion in einem Blog, und die Bloggerin kannte *Die Geburt der Venus* nicht*. Deswegen hätte ich sie nie als dumm eingestuft; das kam erst nach zwei wirklich strunzdummen Reaktionen in Folge.

      Und trotzdem ist mir so jemand immer noch lieber, als jemand wie Herr Otremba oder wie eine Blogger, der meinte, *wir sind hier Szene* und die vor lauter Stolz auf sich selbst nicht mehr wissen wohin mit sich.

      • Ich denke, man kann die Dinge in diesem Falle auch über Gebühr ernstnehmen. Es ist einfach eine Sammlung witziger Situationen (im Übrigen auch Situationen, über die die Kunden vermutlich selbst lachen könnten!, ich hatte jedenfalls oft Kunden, die mit genügend Selbstironie ausgestattet waren, so einen Patzer mit Humor zu nehmen). Niemals sagt jemand, dass all diese Leute, die da irgendwas verwechseln, strohdumm sind. Und für mich macht es auch immernoch einen Unterschied, ob ich mich mit bürokratischen Formularen und Verfahrensweisen nicht auskenne oder ob ich z.B. keine Ahnung habe, wann der zweite Weltkrieg begann oder wer John Lennon ist. Nicht umsonst gibt es so etwas wie Allgemeinbildung, mit deren Aneignung man sich doch einen Gefallen tut. Hin und wieder.

        Ich sehe dieses Heftchen nicht als Szenebauchpinselei, nicht als Arroganz oder schlechtes Benehmen, es ist einfach eine ironisch kommentierte Sammlung lustiger Situationen im Berufsalltag, die es so genauso in anderen Branchen gibt. Weder steht da explizit drin: ‚Seid ihr alle doof, wenn ihr nicht wisst, wer Charles Darwin oder Charles Dickens ist.‘ noch wird da sonst irgendwie vom hohen Ross hinab geurteilt. Für mich ist fast noch wichtiger, dass man in der Lage ist, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Dann stellt man halt mal ne blöde Frage oder dann hat man halt ne Bildungslücke. Ich denke nach wie vor, dass es sowas wie kanonisches Wissen gibt, das dem halbwegs gebildeten Europäer nicht weh tut.

      • Ich sehe dieses Heftchen nicht als Szenebauchpinselei, nicht als Arroganz oder schlechtes Benehmen, es ist einfach eine ironisch kommentierte Sammlung lustiger Situationen im Berufsalltag, die es so genauso in anderen Branchen gibt.

        Da haben wir andere Ansichten – ich halte es grundsätzlich für schlechtes Benehmen, sich über andere lustig zu machen.
        Und wenn man bedenkt, dass die Kunden Herrn Otremba den Lohn bezahlen, halte ich das zusätzlich für ausgesprochen dumm. Wenn dies mal ein Kunde mitbekommt und das macht die Runde, dann hat er einmal Leute gehabt, die seine Brötchen bezahlt haben.

        Mich erinnert das Buch an diese selbstgefälligen Selbstbauchpinselei-Blogs, in denen es vorrangig darum geht, wie toll man in der Schule / Uni klarkommt und wie nachlässig die anderen sind.
        Da will einfach jemand zeigen, wie toll und gebildet er ist. Was ohne Benehmen nicht besonders von Nutzen ist.

        Ich denke nach wie vor, dass es sowas wie kanonisches Wissen gibt, das dem halbwegs gebildeten Europäer nicht weh tut.

        Mag sein, aber einbilden braucht man sich darauf nichts, dass kann sich jeder mit Interesse anlesen.
        Wobei es so ist, dass selbst die, die sich für *gebildet* halten, oft ordentliche Bildungslücken aufweisen:

        Ohne googlen:

        – Wo ist der Unterschied zwischen Eigentum und Besitz?
        – In welchem Kontext ist das Gebot *Du sollst nicht töten* zu verstehen? Bzw. wie wird esim Judentum näher erläutert?
        – Die 10 Gebote und 7 Tugenden / Tödsünden ect.

        Nur um mal ein paar einfache Verständnisfragen zu nennen.

        Ich bin inzwischen dazu übergegangen, eher Leute zu achten, die in ihrem Leben aus eigener Kraft erfolgreich waren, als die, die Zeit und Muße hatten sich etwas anzulesen. Letzteres kann jeder.

  7. Letztes kann nicht nur jeder, letzteres muss auch jeder mal, denn mit dem Wissen um bestimmte Dinge wird man ja bekanntlich nicht geboren. (;

    Was „sich Wissen anlesen“ (was ich persönlich für sehr wichtig halte und was für mich auch viel mit dem Lesen an sich verbunden ist) zu tun hat, mit Erfolg im Leben, weiß ich zwar gerade nicht, aber es sei dir unbenommen, diese Meinung zu vertreten.

    Wie dem auch sei,wenn du Wert darauf legst, können wir das ja an anderer Stelle noch diskutieren. Ich wundere mich gerade nur, dass dir der Artikel gefallen hat, wo du doch offensichtlich strikt gegen das darin Vorgestellte bist. (;

    • Der Artikel hat mir solange gefallen bis ich anfing, über das Buch nachzudenken. Ganz davon abgesehen finde ich den Artikel nach wie vor gut und nur das Buch furchtbar.

      Bei allem weiteren scheinen wir zu sehr aneinander vorbei zu reden, als dass es sich lohnen würde weiter zu diskutieren.

      Was “sich Wissen anlesen” (was ich persönlich für sehr wichtig halte und was für mich auch viel mit dem Lesen an sich verbunden ist) zu tun hat, mit Erfolg im Leben, weiß ich zwar gerade nicht, aber es sei dir unbenommen, diese Meinung zu vertreten.

      Genau das ist es: Gar nichts.

      Der dümmste Sonderschüler kann sich selbst z.B. zum Napoleon – Experten ausbilden. Er braucht nur ein paar Bücher und Zeit, aber keine Intelligenz. Ein gutes Gedächnis vielleicht noch. Bildung = Interesse + Sitzfleisch.

      Richtige Intelligenz haben geschätlich erfolgreiche Menschen, die mussten nämlich andauernd Strategien ect. entwickeln. Und das kann sich nicht jeder Dämlack anlesen.

      • Das erfolgreiche Führen eines Geschäfts hat für mich genausowenig mit reiner Intelligenz zu tun, es ist eine Sache der Kreativität bezüglich Problemlösungen und Flexibilität. Ich finde aber auch, dass es gar nicht notwendig ist, hier so absolut über Intelligenz zu debattieren, denn wie wir wissen, gibt es verschiedene Formen von Intelligenz (DIE absolute, eine und richtige Intelligenz gibt es ja gar nicht, IQ-Tests testen ja auch nur die Auffassungsgabe und das logische Denkvermögen) und jemand, der geschäftlich erfolgreich ist und mit einem Unternehmen viel Geld verdient, ist mir jetzt auch nicht zwingend sympathischer als die Angestellte vom kleinen Laden an der Ecke.

        Ich glaube, der große Unterschied in unseren Standpunkten ist, dass du das Lachen über einen Fehler offensichtlich als Affront gegen die jeweilige Person begreifst. Für mich hat das Lachen darüber aber nichts mit der Person zu tun, sondern einfach mit einem komödiantischen Umstand. Im Falle von der Verwechslung Charles Dickens/Charles Darwin finde ich nicht die Verwechslung als solche lustig, sondern die Bilder und Gedanken, die sich für mich daraus ergeben. Ich stelle mir Charles Dickens auf der Beagle vor, wie er irgendwelche Vögel beobachtet, das hat für mich was Komödiantisches. Ich finde es wichtig, auch über Fehler lachen zu können. Ginge ich jetzt in eine Autowerkstatt und würde da irgendwas Doofes sagen, müsste ich dann vermutlich auch drüber lachen, wenn man es mir erklärt (!). Weil ich mich eben nicht besonders ernstnehme und eben weil ich weiß, dass wir halt alle unsere Schwachstellen haben. Manchmal ist auch die Art des Vortrags ganz entscheidend – siehe Loriots Zimmerverwüstung in ihrer Beiläufigkeit.

        Mag sein, dass Bildung eine Mischung aus Interesse und Sitzfleisch ist. Intelligenz ist es nicht. Ich finde Bildung beeindruckend, eben weil sie von großem Interesse der Welt gegenüber zeugt. Interesse für die Welt und ihre Inhalte kann man nie genug haben. Das bedeutet für mich aber nicht, dass der, der dieses Interesse nicht hat, ein schlechter und minderwertiger Mensch ist, das sind Kategorien, über die ich nicht einmal nachdenken würde. Aber mit desinteressierten Menschen kann ich persönlich eben wenig anfangen. (;

  8. Ich glaube, der große Unterschied in unseren Standpunkten ist, dass du das Lachen über einen Fehler offensichtlich als Affront gegen die jeweilige Person begreifst. Für mich hat das Lachen darüber aber nichts mit der Person zu tun, sondern einfach mit einem komödiantischen Umstand.

    Das ist dann Stefan-Raab-Humor: Guck mal, wie blöd der andere ist, hahaha. (Und ich schlaues Kerlchen weiß es natürlich besser).

    Ich finde Bildung beeindruckend, eben weil sie von großem Interesse der Welt gegenüber zeugt. Interesse für die Welt und ihre Inhalte kann man nie genug haben.

    Ich habe Geschichte und Historische Hilfswissenschaften studiert, danach Kunstgeschichte, Byzantinistik und Christliche Archäologie. Nutzen für meinen Alltag: Null.
    Inzwischen ist es für mich wesentlich wichtiger, mich mit Pferdekrankheiten auszukennen oder zu wissen, wie ich mich im Sport verbessern kann. In World of Warcraft gab es mal einen kleinen Aha-Effekt. Vielleicht nimmt man viele kleine Dinge auch mit, ohne sie noch wirklich zu regestrieren.

    Mir ist übrings auch eine Verwechslung passiert: http://www.amazon.de/Gef%C3%A4hrliche-Verwandtschaft-Streit-Intrigen-Hof/dp/3806225060/ref=cm_cr-mr-title (Fliegenpilz). Da habe ich es geschafft, Tochter und Gattin von Heinrich den VIII. zu verwechseln. Bin ich nicht doof, hätte es bei der Schadenfreude des Autors auch noch ins Buch schaffen können. Jeder hat mal ein paar nicht ganz so lichte Augenblicke.

    Ich habe mich auch mal beeindrucken lassen. In einem Blog gibt es eine Reihe, in welchem Leute, die sich für intelligent halten, ihre privaten Bibilotheken zeigen. Angesichts von Artikel wie heute in der SZ (Deine Spuren im Netz) und der Tatsache, dass die volle Adresse im Netz steht und sie munter bloggen, dass sie einen bestimmten Abend nicht da oder gleich in Urlaub sind, in mein Respekt deutlich gesunken. Typische Fälle von Bildung vs. Intelligenz.

    Mal ganz davon abgesehen, dass es ein Halbwissen vermittelt, wenn man mal zu dem Thema ein Buch liest und dann wieder zu jenem. Typisches Halbwissen ist, dass das Gebot *Du sollst nicht töten* von den meisten absolut verstanden wird. Im Judentum wird dies weiter als das töten außerhalb des Gesetzes ausgeführt. Irgendwann im Schulunterricht mal was von den 10 Geboten gehört und schon glaubt man Bescheid zu wissen.

    Ich glaube, der große Unterschied in unseren Standpunkten ist, dass du das Lachen über einen Fehler offensichtlich als Affront gegen die jeweilige Person begreifst.

    Zwei Beispiele, die wirklich so passiert sind:

    Ich: *Was für ein Auto möchten Sie versichern?*
    Du:*Ein rotes.*
    (Fabrikat und Modell unbekannt.)

    Ich: *Was kann ich für Sie tun?*
    Du: * Mein Vater ist gestern gestorben, ich möchte jetzt eine Rabattübertragung machen.*

    Wolltest du, dass ich dies als lustige Geschichten überall herum erzähle? *Hahah, ich habe heute mit einem Doofie gesprochen,…*
    Es gibt Verhaltensweisen, die sind aus meiner Warte nicht debattierfähig.

    • Oder nehmen wir für oberflächliches Wissen ein Buch über den Atlantik, welches ich vor kurzem las: Ich habe eine Menge angelesen, über die Carta Marina, den Pinnacle Point und weiß jetzt, dass die erste dokumentierte Geburt eines Europäers auf amerikanischen Boden im Jahre 1008 stattgefunden hat. Nur mal um die drei Dinge als beispiel zu nennen:

      1. Ich würde die Carta Marina (auch aus früheren Büchern) gerade noch wiedererkennen. Ich weiß, dass sie die erste Karte ist, die Skandinavien halbwegs korrekt darstellt und die Seeungeheuer das große Unbekannte darstellen, wie für uns die Aliens im Weltraum.
      Aber bloß deswegen, würde ich nie behaupten, ich würde mich mit dieser Karte auskennen. Im Gegenteil: Ich weiß, was ich alles nicht weiß. Oder um mit Rumsfeld zu sprechen: Es gibt Dinge, von denen wir jetzt wissen, dass wir sie nicht wissen. Und es gibt Dinge, von denen wir nicht mal wissen, dass wir sie nicht wissen.

      2.Ich weiß auch kaum etwas über die Menschen am Pinnacle Point oder auf Neufundland. Und trotzdem würde sich jetzt einige nur wegen der Lektüre des Buches für gebildet erklären. Das ist nichts weiter als angelesenes Zeug.

  9. Interessantes Thema. Dazu möchte ich jetzt doch ein paar Sachen sagen.

    1. Nein, das ist in der Rezeption kein Stefan-Raab-Humor. Der zeichnet sich nämlich durch das Verlachen einer Person aus. Da wird expliziert: „Diese Person ist dumm.“ Das muss hier aber nicht der Fall sein, denn man kann auch ÜBER einen Fehler lachen, ohne dass man die Person, die den Fehler begangen hat, AUSlacht. Ich persönlich hätte auch gar kein Problem damit, wenn ich solch einen Fehler begangen hätte, darüber zu lachen und zu sagen: „Oje, ja, hab ich wohl einen Moment nicht richtig nachgedacht.“ Oder noch besser: „Hehe, ja wusste ich nicht, merke ich mir dann jetzt!“

    2. Ich gehe davon aus, dass du, nomadenseele, Kunstgeschichte, Byzantinistik und Christliche Archäologie nicht deshalb studiert hast, weil du dir einen Nutzen für deinen Alltag erhofft hast. So wird nämlich in den meisten Studiengängen kein Wissen für den Alltag vermittelt. Aber darum geht es auch nicht. Entscheidend ist doch, dass man sich mittels verschiedener Methoden (naturwissenschaftlich-technisch, qualitativ, quantitativ, hermeneutisch…) der Erschließung der Welt nähert. Wissenschaft versucht, die Welt zu erklären, in den einen oder anderne Facetten. Manche denken auch immer noch, ihre spezielle Teilwissenschaft könne alles erläutern, aber das sind wohl inzwischen die wenigsten. Kein Mensch kann alles wissen. Aber es ist moralisch geboten, möglichst viel wissen zu wollen.
    Warum? Weil wir unsere (moralischen) Handlungen nur aufgrund unseres Wissens über die Welt ausrichten können. Das heißt: Je weniger Wissen wir über die Welt haben, desto weniger angemessen können wir handeln.
    Beispiel: Wenn ich nicht weiß, dass Fische ein zentrales Nervensystem haben und körperliche Schmerzen, also Leid, darum wahrscheinlich genau so empfinden wie Menschen, werde ich vermutlich keinen Grund dafür sehen, warum ich Fische nicht töten oder quälen sollte.
    Anderes Beispiel: Wenn ich wissenschaftliche Fakten nicht kenne oder ignoriere und folglich (wie man es ja lange getan hat) davon ausgehe, dass Frauen aufgrund ihrer durchschnittlich kleineren Gehirngröße Männern geistig unterlegen sind, werde ich als Mann Frauen nicht als gleich akzeptieren (können).
    Um also möglichst moralisch im Sinne des Mehrens des Glücks oder des Minderns des Leids zu handeln, muss ich so viel wie möglich über die Welt wissen.

    Dass es dabei nicht eine einzige Wahrheit gibt, sollte klar sein. Aber es gibt verschiedene Interpretationen von Zuständen der Welt, die sich nicht miteinander in Einklang bringen lassen. Dann muss ich abwägen oder beide zulassen oder beide verwerfen.

    Wie gesagt: Niemand kann alles wissen. Mein Wissen über die organsiche Chemie ist zum Beispiel recht begrenzt. Ich bin mir über mein Nichtwissen in diesem Bereich zu anderen Personen bewusst. Und ich bin gerne bereit, Neues zu lernen. Wenn mich also jemand korrigiert, der in diese Wissenschaft mehr Zeit investiert hat und darum qualifizierter ist als ich, wieso sollte ich ein Problem damit haben? Und wenn diese Person lacht, weil ich gerade aus Versehen irgendetwas Lustiges gesagt habe, was soll daran schlimm sein? Schlimm wäre es für mich doch nur, wenn ich mir vorgaukeln würde, dass ich viel Ahnung hätte und mich dann in der Vorstellung meiner Selbst verletzt fühlen würde.
    Im Bereich der Literatur (und generell in vielen Geistes- und Sozialwissenschaften) ist es leider – im Gegensatz zur organischen Chemie – so, dass viele Menschen den Eindruck haben, dass sie viel Ahnung hätten. Hier wird eine Korrektur dann komischerweise als anmaßend gesehen oder das Korrigendum als unwichtig hingestellt. Würde mir das jemand auch vorwerfen, wenn ich korrigiere: „Nein, Cyclohexan ist in der Sesselform stabiler, nicht in der Wannen-Form“? Ich glaube und hoffe nicht!

    • Der zeichnet sich nämlich durch das Verlachen einer Person aus. Da wird expliziert: “Diese Person ist dumm.” Das muss hier aber nicht der Fall sein, denn man kann auch ÜBER einen Fehler lachen, ohne dass man die Person, die den Fehler begangen hat, AUSlacht. Ich persönlich hätte auch gar kein Problem damit, wenn ich solch einen Fehler begangen hätte, darüber zu lachen und zu sagen: “Oje, ja, hab ich wohl einen Moment nicht richtig nachgedacht.” Oder noch besser: “Hehe, ja wusste ich nicht, merke ich mir dann jetzt.

      Bleiben wir kurz bei der Dame, die San Francisco an den Atlantik verlegt hat. Was wäre wohl passiert, wenn sie vor versammelter Mannschaft korrigiert worden wäre? – Wahrscheinlich hätte sie sich so geschämt, dass sie nicht mehr zu Training gekommen wäre. Das ist es nicht wert, dass jemand verletzt wird, ohne Not. Grundsätzlich braucht man keinen blamieren, und schon gar nicht um das eigene Selbstwertgefühl aufzubessern. (Jemanden auf etwas aufmerksam machen wie z.B.hier ist wieder etwas anderes.)

      Jetzt ist das Buch sicherlich anonym, aber ich sehe trotzdem das Stefan Raab-Prinzip am Werk: Profilierung darüber, dass man andere als döselig hinstellt. Wie ich schon schrieb, ich kenne Blogs, deren einziger Inhalt darin besteht, wie toll und gewissenhaft in der Schule oder Uni mitarbeitet und wenn es mal nichts Erwähnenswertes gibt, dann hat irgendwer (außer man selbst) etwas Dummes getan oder gesagt. Hauptsache man steht über den anderen, was wohl auch das Ziel des Buchautors ist. Bei solchen Leuten frage ich mich immer, wie groß die Defizite im Selbstwertgefühl sein müssen, um dies nötig zu haben.

      Wenn ich noch in einer Buchhandlung käufte und der Händler dort würde ein solches Buch rausbringen, hätte Amazon am nächsten Tag einen Kunden mehr. Wer über andere herzieht, der hat auch keine Hemmungen, dass über einen selbst zu machen.

      Um also möglichst moralisch im Sinne des Mehrens des Glücks oder des Minderns des Leids zu handeln, muss ich so viel wie möglich über die Welt wissen.

      Den Satz würde ich mich am liebsten rahmen.
      Ich hatte jahrelang mit jemanden zu tun, der keinerlei Überbau hatte. Eigentlich nicht einmal die Ziegel für den Überbau. Es war eine schreckliche Zeit, in der ich sehr gelitten habe. Und ich glaube, dass sehr viel daraus resultierte, dass der Betreffende keine Bildung hatte – morgens Bild-Zeitung, nach der Arbeit WoW und dämliche Filme.

      Und trotzdem: So wie sich die Möchtegern-Intellektuellen mit ihrem *Wir sind Szene* und *Wir finden uns alle gegenseitig toll* sind mir solche einfachen Leute immer noch lieber.


      Im Bereich der Literatur (und generell in vielen Geistes- und Sozialwissenschaften) ist es leider – im Gegensatz zur organischen Chemie – so, dass viele Menschen den Eindruck haben, dass sie viel Ahnung hätten. Hier wird eine Korrektur dann komischerweise als anmaßend gesehen oder das Korrigendum als unwichtig hingestellt.

      Ich fange immer innerlich an zu stöhnen, wenn jemand erzählt, dass er etwas im TV gesehen hätte und das ist dann auch so. Wenn ich es korrigiere, wird immer energisch der Kopf geschüttelt, und erwidert, dass hätte man so im Fernsehen gesehen, also stimmt das auch. Möchtegern-Gebildete sind noch mal eine andere Daseinsform.

      • Das mit der Dame in San Francisco und den Blogs mag so sein. Aber es geht ja hier eigentlich um das besprochene Buch. Und wo da eine Profilierung stattfindet, ist meiner Meinung nach noch nicht ganz klar. Es ist keine Besonderheit zu wissen, wer Charles Dickens und wer Charles Darwin waren. Da muss nicht auf Kosten anderer gezeigt werden, dass man das weiß, weil es einfach zum Kanon des Allgemeinwissens gehört, weil man quasi erwarten kann, das ein durchschnittlich gebildeter mitteleuropäischer Erwachsener diese Namen irgendwo zumindest grob einordnen kann. Eine Kritik am Nichtwissen muss erlaubt sein, auch mit Ironie. Warum, habe ich ja schon im vorherigen Beitrag skizziert. Und nicht jede Kritik am Nichtwissen muss gleich die Erhöhung der eigenen Person zum Ziel haben. Das heißt nicht, dass das nicht der Fall sein kann – aber wieso es gerade hier der Fall sein sollte, müsstest du mir noch erklären.

        Einfach gestrickt zu sein, ist kein Problem, nichts, was man irgendwem vorwerfen könnte oder sollte. Insofern sei es dir unbenommen, einfache Leute lieber zu haben als „die Möchtegern-Intellektuellen“. Es ist halt aber die Frage, mit welchen Problemen sich solche Leute dann beschäftigen (sollten) und mit welchen eher nicht. Und weil ja – gerade auch im Internet – inzwischen alle zu allem ihren Senf abgeben, seien sie noch so unqualifiziert, fällt das Unwissen in vielen Bereichen einfach stärker auf, als es noch vor Jahren der Fall war. Für die private Moral kommt man sicher mit einem recht eingeschränkten Weltwisen zurande. Es würde aber eben auch nicht schaden, etwas mehr Ahnung zu haben als das minimal Notwendige. Oder anders: Ich kann eine Handlung letztlich nur in Bezug auf ihre Moralität beurteilen, wenn ich weiß, ob der Mensch alles ihm in seiner jeweiligen zeitlichen, räumlichen (und geistigen, aber das würde ich als strittig betrachten) Situation zur Verfügung stehende Wissen mobilisiert hat, um zu entscheiden, wie er handelt.

        Eine kleine Sache: Ob du das Buch nun bei Amazon oder in einer Buchhandlung kaufst, macht ja eigentlich keinen Unterschied, wenn du es trotzdem kaufst. Abgesehen davon, dass Amazon tatsächlich alles verkauft (und ohnehin aus diversen Aspekten nicht zu unterstützen ist), während die Buchhandlung größtenteils die Bücher da hat, die potentiell bald verkauft werden.

      • Aber es geht ja hier eigentlich um das besprochene Buch. Und wo da eine Profilierung stattfindet, ist meiner Meinung nach noch nicht ganz klar.

        Eine Kritik am Nichtwissen muss erlaubt sein, auch mit Ironie. Warum, habe ich ja schon im vorherigen Beitrag skizziert. Und nicht jede Kritik am Nichtwissen muss gleich die Erhöhung der eigenen Person zum Ziel haben. Das heißt nicht, dass das nicht der Fall sein kann – aber wieso es gerade hier der Fall sein sollte, müsstest du mir noch erklären.

        Warum schreibt jemnand so ein Buch oder ein solches Blog? Doch nur, um sich selbst zu überhöhen, indem er andere schrumpft. Wäre dem nicht so, könnte er sich auch an seinen privaten Aufzeichnungen erfreuen. Aber dann würde die Welt nicht mitbekommen, was für ein schlaues Kerlchen der Autor ist. Und das geht natürlich gar nicht.

        Ganz davon halte ich es nach wie vor für ein ausgesprochen schlechtes Benehmen, sich über das Unwissen anderer lustig zu machen. Und davon bringt mich auch niemand ab: Der Autor hat keinen Stil und sich mit den Büchern in ein schlechtes Licht gesetzt. Der muss es ganz gewaltig nötig haben, sich zu überhöhen.

        Da muss nicht auf Kosten anderer gezeigt werden, dass man das weiß, weil es einfach zum Kanon des Allgemeinwissens gehört, weil man quasi erwarten kann, das ein durchschnittlich gebildeter mitteleuropäischer Erwachsener diese Namen irgendwo zumindest grob einordnen kann.

        Was die Leute ihrer Meinung nach alles grob einordnen können, ist ein Thema für sich. Das gilt für jeden von uns. Jeder weiß das, was er wissen muss und ihm interessiert.

        Einfach gestrickt zu sein, ist kein Problem, nichts, was man irgendwem vorwerfen könnte oder sollte. Insofern sei es dir unbenommen, einfache Leute lieber zu haben als “die Möchtegern-Intellektuellen”. Es ist halt aber die Frage, mit welchen Problemen sich solche Leute dann beschäftigen (sollten) und mit welchen eher nicht.

        Immerhin sind solche Leute meistens wesentlich unkaprizöser und weniger eingebildet.
        Leute, die mit der Einstellung durchs Leben watscheln, sie wären eine Art Elite und *Szene* habe ich verachten gelernt. Vor allem, wenn sie gleichzeitig noch so doof sind und ihre volle Adresse ins Internet zu stellen, um dann zu verkünden, sie würden in Urlaub fahren oder wären einen Abend nicht das. Intelligent, jajaja 🙄 . Nicht, dass es etwas zu klauen gäbe, wenn ich mir die Fotos ansehe. Allerhöchstens kann man noch ein paar Bücher dazustellen.

        Die mögen gebildet sein, aber wer seine Wohnung im Internet präsentiert und / oder sich mehr Bücher kauft, als er je lesen kann, ist für mich vieles, aber nicht intelligent. Letzteres kann man eher als effektive Geldvernichtung ansehen. Das ist das gleiche wie mit dem Buch: Eitelkeit. Guckt mal, was ich an Wissen angehäuft habe und nun schmeichelt mir bitte, was ich für ein tolles Kerlchen bin.

        Ob du das Buch nun bei Amazon oder in einer Buchhandlung kaufst, macht ja eigentlich keinen Unterschied, wenn du es trotzdem kaufst.

        Danke, aber ich kaufe weiterhin aus unterschiedlichen Gründen bei Amazon. Und dieses Machwerk bestimmt nicht.

      • Da muss nicht auf Kosten anderer gezeigt werden, dass man das weiß, weil es einfach zum Kanon des Allgemeinwissens gehört, weil man quasi erwarten kann, das ein durchschnittlich gebildeter mitteleuropäischer Erwachsener diese Namen irgendwo zumindest grob einordnen kann.

        Man könnte auch erwarten, dass erfolgreiche Blogger den Unterschied zwischen einem Blog und einem Artikel begreifen. Tun sie aber trotzdem nicht, obwohl dies zu ihrem Wissen gehören sollte. Ich erwarte grundsätzlich gar nichts mehr.

        Wenn ich ein Blog erstellen würde, im welchem ich – meinetwegen auch anonym – die ganzen Fehlleistungen der Bloggerszene dokumentieren würde, würde mich jeder innerhalb kürzester Zeit schneiden. Und da gäbe es mehr zu bloggen, als den meisten lieb wäre.

        Das Buch bewegt sich auf dem gleichen niedrigen Niveau.

  10. Ich glaube, es nützt wenig, hier weiterzudiskutieren. Du hast deinen Standpunkt, ramagens und ich haben unseren. Ich kenne viele, die über dieses Büchlein lachen konnten und die sind beileibe nicht alle eingebildete und arrogante Eliten, sondern stinknormale Menschen. Verachte du Menschen, denen Bildung etwas bedeutet, wenn du meinst, dass das der richtige Weg ist. Ich werde derweil weiterhin versuchen, mir Wissen anzulesen, undzwar, weil es mir Spaß macht und nicht, weil ich mich damit so hervorragend profilieren kann,

  11. „Warum schreibt jemnand so ein Buch oder ein solches Blog? Doch nur, um sich selbst zu überhöhen, indem er andere schrumpft. Wäre dem nicht so, könnte er sich auch an seinen privaten Aufzeichnungen erfreuen. Aber dann würde die Welt nicht mitbekommen, was für ein schlaues Kerlchen der Autor ist. Und das geht natürlich gar nicht.“

    Das ist eine unbegründete Meinung, die du an die Frage heranträgst. Ich könnte dir auch hundert andere Antworten nennen wie z.B. „Der Autor brauchte Geld und musste deshalb schnell ein Buch schreiben“, „Der Autor fand die Erlebnisse lustig und wollte sie mit anderen Menschen teilen“, „Der Autor hat seinen Job verloren und mit dem Text versucht,das in dieser Zeit erlebte zu verarbeiten“ und so weiter und so fort. Da du ein geisteswissenschaftliches Studium hinter dir hast, gehe ich davon aus, dass du dir bewusst bist, dass die Autorintention ohnehin nicht zu erfahren ist. Aber dem impliziten Autor können wir uns natürlich nähern. Dafür müsste aber erstmal eine genaue Textanalyse stattfinden.

    „Jeder weiß das, was er wissen muss und ihm interessiert.“

    Ach, wenn dem so wäre! Und um uns ward Elysium!

    Aber ansonsten habe ich auch das Gefühl, dass wir nicht weiterkommen, belassen wir es besser dabei… 😉

    • Mal ganz davon abgesehen, dass ein Buchhändler nun mal keine Reichtümer im Leben zu erwarten hat (zumindest nicht durch Arbeit): Auch Geldnot ist kein Grund, den Anstand außer Acht zu lassen.

      • Nur noch soviel: Ich hatte heute genau eine solche Situation wie Herr Otremba sie in seinem Buch beschreibt. Ein Kunde fragte nach einer Buchreihe und statt nach „House Of Night“ fragte er nach „House of Wife“. Und rate mal, wer am meisten darüber gelacht hat? Der Kunde oder ich. Es war tatsächlich der Kunde, ich habe dann mitgelacht und wir hatten beide einen ganz netten humoresken Moment. Er ist dann sogar noch zu seinen Begleitern gegangen, um ihnen von seiner Fehlleistung zu berichten und alle haben sich amüsiert. Nicht über IHN, sondern über die Verwechslung, die lustige Assoziationen zulässt. Man kann es immer so und so sehen, aber du setzt deine Meinung ja derart absolut, dass ein Durchkommen da unmöglich ist. (;

  12. Pingback: Gérard Otrambo – Die Aufzeichnungen des Buchhändlers | The Coffee Site

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