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Alan Bradley – Flavia de Luce, Vorhang auf für eine Leiche

Alan Bradley ist ein kanadischer Autor. Nach einer Ausbildung zum Elektrotechniker arbeitete er für verschiedene Radio – und Fernsehstationen, bis er sich 1994 dazu entschloss, seine Zeit gänzlich dem Schreiben zu widmen. Der Debütroman der Flavia de Luce-Reihe wurde mit dem Dagger Award, der bekanntesten Auszeichnung Großbritanniens für Kriminalliteratur, ausgezeichnet. Insgesamt erhielt Der Mord im Gurkenbeet (Im Englischen The Sweetness at The Bottom of The Pie) vier verschiedene Auszeichnungen.

Da ist er nun, der vierte Fall der elfjährigen, chemisch überdurchschnittlich begabten Flavia de Luce! Lange habe ich mich darauf gefreut und leider muss ich sagen, dass ich ein wenig enttäuscht wurde. Vielleicht weniger inhaltlich als stilistisch, denn mitunter fehlte mir doch der flaviatypische Zynismus, der manch anderen Fall zu einem sehr unterhaltsamen Leseerlebnis gemacht hat. Aber erstmal zur Geschichte.

Colonel de Luce, Flavias Vater, ist schon länger in finanziellen Nöten und so kommt es, dass sich ein Filmteam auf Buckshaw, dem Familienanwesen der de Luces, einquartiert, um dort einen Film zu drehen. Dafür soll der Colonel Geld bekommen, mit dem er seine Schulden begleichen kann. Und nicht nur das Filmteam kommt, sondern auch ein absoluter Filmstar in den Breiten Bishop Laceys. Phyllis Wyvern, – in unserem Universum vielleicht sowas wie Doris Day und Audrey Hepburn in ihren besten Zeiten. Daphne und Ophelia, Flavias Schwestern, sind begeistert.

Nun ist es aber kurz vor Weihnachten, das Wetter schlägt um und durch einen Schneesturm werden sämtliche Bewohner Bishop Laceys bei einer Wohltätigkeitsvorführung von Romeo & Julia – Phyllis Wyvern hat sich netterweise dazu bereit erklärt, damit der Vikar mit den Einnahmen das Kirchendach reparieren kann – auf Buckshaw eingeschlossen. Und in dieser herrlichen Reminiszenz an Agatha Christie geschieht ein Mord! Nicht nur an irgendjemandem, nein, an der Filmdiva höchstpersönlich!

Sie wird von Flavia, wie sollte es auch anders sein, mit einem Filmstreifen erdrosselt aufgefunden. Wie immer mischt sich Flavia in die Ermittlungen ein, wie immer liefert sie wichtige Erkenntnisse, die den Ermittlern zuvor entgangen sind. Oftmals wirkt das aber schmerzlich gewollt und beinahe zu konstruiert. Flavia findet beispielsweise einen Zettel in den Stiefeln, die die Tote trägt, von dem man sich schwer vorstellen kann, dass er im Zuge der Ermittlungen tatsächlich übersehen worden ist. Die Handlung plätschert ein bisschen dahin und es gelingt ihr einfach nicht, sich so zu entfalten, wie man es von Bradley & Flavia gewöhnt ist.

Sehr viele Dinge werden angerissen, ohne weiter aufgeklärt zu werden, sodass man mitunter das Gefühl hat, es würden einem schon Appetitanreger für den nächsten Flaviaband in halbwegs verdaulichem Maße verabreicht. Es werden familiäre Zwistigkeiten angedeutet, Doggers (er ist der vom Krieg traumatisierte Butler) frühere Tätigkeit, im ersten Drittel des Buches erleidet ein Mitarbeiter des Filmteams einen Unfall, der später keine Erwähnung mehr findet, obwohl er vermutlich mit dem Mord zu tun hat. Möglich, dass wenigstens die ersten beiden losen Enden ganz bewusst nicht zu irgendeinem Ende geführt wurden.

Nichtsdestotrotz ist Flavia natürlich immer leicht wegzulesen und angenehm unterhaltsam dabei.  Kleine Mankos hat der neue Fall, aber ich habe ihn dennoch gern und schnell gelesen. Meine Liebe zum klassischen, psychologisch gefärbten Krimi ohne jede Effekthascherei ist eben doch größer als mein innerer Nörgler. Wer diese Leidenschaft teilt, der wird sich dennoch an Flavia erfreuen können. Sie ist eben im besten Sinne ungewöhnlich!

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