Graphic Novel
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A. Dan & Maximilien Le Roy – Henry David Thoreau

A. Dan ist ein französischer Zeichner. Nachdem er sich jahrelang im Bereich der Biologie weiterbildete, lebte in ihm durch die Begegnung mit Maximilien Le Roy ein Kindheitstraum wieder auf – nämlich das Zeichnen von Comics. Maximilien Le Roy fand hier schon im Zusammenhang mit Nietzsche und der entsprechenden graphischen Umsetzung seines Lebens Erwähnung. Le Roy verarbeitet größtenteils politischen Stoff in seinen Werken, so zum Beispiel in Die Mauer das Schicksal eines palästinenschen Jungen, den er in einem Flüchtlingslager nahe Bethlehem kennenlernte.

Man kann nicht abstreiten, dass Thoreaus Gedanken schon seit einiger Zeit eine nicht zu unterschätzende Renaissance erleben. Gerade hinsichtlich seines Essays Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat finden sich zahlreiche Neubearbeitungen, mal ganz abgesehen von all denen, die es seit Jahren gibt. Hier mal eine ganz kleine Coverauswahl, die sehr deutlich zeigt, dass der Ungehorsam des Einzelnen schon seit Jahrzehnten ein überaus brisantes Thema ist, auf das man immer wieder gern zurückzukommen scheint.

 

A. Dan und Maximilien Le Roy nähern sich nun mit dem vorliegenden Comic seinem Leben, sie gehen einigen mittlerweile anerkannten Annahmen über Thoreau nach und versuchen die Vielschichtigkeit seines Wirkens in den Fokus zu rücken. Vielfach wurde Thoreau für einen etwas vertrottelten und naturverbundenen Eigenbrötler gehalten, wurde er herangezogen als Leitbild für gewaltfreien Widerstand, obwohl Thoreaus Haltung zur Gewalt im politischen Kontext durchaus einer Veränderung unterworfen war. Er setzte sich gegen die Sklaverei ein und unterstützte den Abolitionisten John Brown, er sagte sogar, er könne sich Situationen vorstellen, in denen Gewalt ein Mittel der Wahl wäre.

Trotz wiederkehrender Kritik an Kapitalismus und Moderne ließ er sich niemals vor einen politischen Karren spannen und es muss bei allem Engagement bemerkt werden, dass die Politik doch ein recht kleines Feld seines literarischen Schaffens ausmacht. Er bezeichnete sich auch vorwiegend als Schriftsteller, nicht so sehr als der Politiker und Philosoph, den viele heute in ihm sehen wollen. Seinen größten Erfolg hatte Thoreau vermutlich mit Walden, einer Sammlung von Texten die er in den Wäldern und der Wildnis schrieb. Er wollte zurück zu einem ursprünglicheren Leben im Einklang mit der Natur.

Wie ist nun also die graphische Umsetzung seines Lebens gelungen? Ich muss leider sagen, dass mir dieses Comic, im Gegensatz zu Nietzsche, zu wenig liefert, was mir die Person Thoreaus näherbringt. Viel mehr ist es eine Aneinanderreihung von wichtigen Lebensstationen, was zweifellos seine Berechtigung hat, aber für eine tatsächliche Auseinandersetzung mit Thoreaus Leben doch zu dürftig erscheint. Wenn man es so collagenartig machen wollte, hätte man sich zuvor besser einen konkreten Abschnitt seines Lebens genommen und den deutlich herausgearbeitet – in all seinen Facetten. So wirkt das Ganze unnötig gehetzt, obwohl die Bilder selbst – wie auch schon bei Nietzsche – eine angenehme Ruhe ausstrahlen.

Seine Unterstützung der Abolitionisten findet statt, seine zahlreichen Vorträge, seine Nacht im Gefängnis, weil er sich weigerte, seine Steuern zu bezahlen und damit eine Regierung zu unterstützen, die mit seinem Geld Kriege führte und sein Rückzug in die Wälder. Ansprechend bebildert und mit Zitaten aus seinen Texten versehen, wobei ich eines besonders hervorheben möchte, weil es mich schon beim Lesen von Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat beeindruckt hat:

Wenn ein Mann aus Liebe zum Wald diesen die Hälfte des Tages durchwandert, riskiert er schnell, für einen Faulenzer gehalten zu werden; aber wenn er den ganzen Tag damit verbringt, zu spekulieren und diesen Wald abzuholzen und die Erde vor ihrer Zeit kahl zu machen, hält man ihn für einen Bürger, Industriellen und Unternehmer! Die Art, in der die meisten Männer ihren Lebensunterhalt verdienen, oder anders gesagt, wie sie leben, ist nur ein Weg, sich Reichtum zu verschaffen und einer, um dem Anliegen des wirklichen Lebens auszuweichen.

 

Anrechnen muss ich dem Comic allerdings, dass es nicht nur ein Vorwort Le Roys beinhaltet, in dem über die heutige Rezeption Thoreaus gesprochen wird, sondern auch, dem eigentlich Werk folgend, ein Interview mit Michel Granger, einem emirierten Professor für amerikanische Literatur. Speziell in dem Intreview findet sich so einiges, worüber sich nachzudenken lohnt und was das Lese – und Seherlebnis angenehm abrundet. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, Dan und Le Roy hätten sich für dieses Werk ein bisschen mehr Zeit lassen sollen. Zur weiteren Beschäftigung mit Henry David Thoreau (1817-1862) regt es allerdings allemal an!

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