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Yves Grevet – Méto

Yves Grevet ist ein französischer Schriftsteller. Bevor er sich dem Schreiben widmete, arbeitete er lange als Lehrer. Das hier vorgestellte Werk ist der erste Teil einer Trilogie, die in Frankreich innerhalb kürzester Zeit große Erfolge feierte.

Fast fröstelt es mich ein wenig, dieses Buch als Jugendbuch zu klassifizieren, denn die Stimmung ist in etwa dieselbe, die vermutlich in Aldous Huxleys Brave New World geherrscht hätte, wäre man jemals in den zweifelhaften Genuss gekommen, die dort gezüchteten Retortenkinder zur Schule zu begleiten. Eine ähnlich beklemmende Atmosphäre kreiert auch Grevet in Méto, der gleichzeitig auch die Hauptperson des Buches ist.

Wir befinden uns gewissermaßen auf einem Internat für Jungen, die von sogenannten Cäsaren überwacht werden. Der Alltag ist streng reglementiert, es ist organisiert, wieviele Sekunden man beim Essen zwischen den einzelnen Bissen pausieren muss, wer sich gegen die Regeln stellt, wird mit unterschiedlich langen Aufenthalten im Kühlraum bestraft. Auch Ohrfeigenrunden gehören zu den Ritualen, die die Jungen bei Zuwiderhandlung über sich ergehen lassen müssen. Sie müssen sich im Kreis aufstellen und jeweils ihren Nebenmann hart ins Gesicht schlagen.

Keiner dieser Jungen weiß, woher er kommt, ob er Eltern oder Geschwister hat, ja viele Jungen können sich nicht einmal an die Bedeutung des Wortes Mutter oder Vater erinnern. Je nach Aufenthaltsdauer bekommen sie unterschiedliche Farben zugewiesen – die Neuankömmlinge vertreten die Farbe Blau, die Älteren die Farbe rot. Darüber hinaus tragen sie alle lateinische Namen. Crassus, Brutus, Numerius, Claudius oder Titus. Einzig Méto selbst scheint hier eine Ausnahme zu bilden.

Es ist den Jungen streng untersagt, im Unterricht themenfremde Fragen zu stellen oder gar das Gebäude zu verlassen. Wie die Insel aussieht, auf der sich die Schule befindet, wissen sie nur aus Lehrbüchern, denen sie bedingungslos vertrauen müssen. Letztlich errichtet Grevet hier eine Diktatur in kleinem Format. Ein bisschen was von Morton Rhues Welle, ein bisschen was von sämtlichen Dystopien findet sich darin. Doch anders als Bernard Marx in Huxleys Brave New World begehren die Jugendlichen hier auf.

Unter der Anleitung von Claudius und Méto beginnt sich eine Widerstandsgruppe rund um die Cäsaren und deren Spione aufzubauen. Das gelingt zwar zunächst, doch wird ihnen schnell klar, dass sie die Insel erkunden müssen, um sich zu ernähren. Und dass sie die verbliebenen Soldaten ausschalten müssen, die sich auf der Insel befinden – seltsam grobschlächtige und unmenschliche Gestalten, die vermutlich selbst mal Schüler waren und nun dem großen Übervater Jovis dienen. Als sie gerade den Tunnel nach draußen betreten, endet der erste Band.

Ich muss sagen, dass ich mich mit einer Einschätzung dieses Romans schwertue. Nicht zuletzt auch, weil mir viele Dinge (noch) nicht klar sind. Weshalb tragen die Schüler alle lateinische Namen? Haben wir es hier mit einer klassischen Dystopie zu tun oder eher mit einer Art Horrorroman? Ich wüsste wohl zunächst nicht, welchem Jugendlichen ich dieses Buch empfehlen sollte, denn trotz meines mittlerweile weniger zielgruppenrelevanten Alters empfand ich es als ziemlich verstörend. Nicht nur die strenge Reglementierung des Alltags, sondern auch die harten Strafen für die Kinder sind nicht gerade leichter Tobak. Vielleicht sind die Franzosen da härter im Nehmen.

Trotz der recht sachlichen und minimalistischen Sprache findet man relativ schnell in den Roman hinein und spätestens, als es um die Planung des Aufstands und das Ausschalten der Spione innerhalb der eigenen Reihen geht, nimmt die Geschichte Fahrt auf. Man wünscht Méto und den anderen, dass sie erfolgreich sind und sich aus diesem Regime befreien können – andererseits fürchtet man sich ein wenig vor dem, was hinter diesen Mauern liegt. Ich bin mir unsicher, wie ich diesen Roman bewerten soll – deshalb verbleibe ich zunächst bei dem Verweis auf einen zweiten Teil und die ungewöhnliche Eindringlichkeit dieses Textes. Ein ziemlich besonderes Jugendbuch. (ohne damit jetzt sowas wie „interessant“ zu meinen und sich nur zu sehr zu zieren, um es deutlicher zu benennen)

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