Romane
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Toine Heijmans – Irrfahrt

Toine Heijmans ist ein niederländischer Schriftsteller. Er arbeitet als Journalist bei de Volkskrant.  Irrfahrt ist sein Debütroman, der in den Niederlanden überraschenderweise zum Publikums – und Presseliebling  avancierte.

Bei Irrfahrten ist es oftmals die Wahrnehmung, die einen in die Irre leitet. Weil sie veränderlich und weil sie fehlbar ist. Ein Mann namens Donald begibt sich auf eine dreimonatige Schiffsreise. Er müsse ausspannen, sagt er. Zu sich finden. Sehen, dass auch andere Dinge als beruflicher und finanzieller Erfolg das Leben regeln können. Mit ihm ist seine siebenjährige Tochter Maria. Sie fährt das letzte Stück der Strecke, vom dänischen  Thyborøn ins niederländische Harlingen, mit ihm. Er hat es so gewollt und seine Frau Hagar stimmt dem zu, – weil sie weiß, dass sie ihn nicht umstimmen kann.

Die beiden verleben wunderschöne und ruhige Tage auf See. Donald übernimmt nachts die Hundewache, hält den Kurs der kleinen Jacht Ismael im Logbuch fest und sich mit Kaffee wach, er beobachtet das Wetter und sieht nach seiner Tochter. Bis die plötzlich verschwunden ist. Donald war unaufmerksam. Eine Stunde, die ihm im Logbuch fehlt, ist der Beginn eines katastrophalen Stimmungsumschwungs. War die See vorher ein friedlicher Verbündeter, wird sie nun zum grausamen Feind. Donald segelt wieder zurück, erkennt in einer verblichenen alten Boje seine Tochter, rudert mit dem Rettungsboot aufs Wasser hinaus und bringt sich damit in Lebensgefahr.

Uns wird ein verstörendes Buch versprochen und das ist tatsächlich der richtige Begriff für diese Irrfahrt, die wir miterleben. Über die Hälfte des Buches werden wir durch sanfte Wellen in Sicherheit gewiegt, der Text plätschert geradezu vor sich hin, nichts erregt Aufsehen, die Gleichförmigkeit der Worte ohne große Ausschläge nach oben oder unten wirkt fast einschläfernd. Nicht langweilig, aber doch so einlullend, dass man nicht mit dem rechnet, was da kommt. Wer auf eine Aufklärung hofft, wird nur partiell befriedigt, das Ende könnte Vieles bedeuten. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der außergewöhnliche Literatur zu schätzen weiß. Diese Irrfahrt ist keine einfache, dieses Buch ist kein Pageturner und die Protagonisten sind keine Identifikationsfiguren.

Irren ist menschlich.

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