Romane
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Paulo Coelho – Aleph

Paulo Coelho ist ein brasilianischer Autor und vermutlich einer der meisgelesenen südamerikanischen Literaten. Seine Werke beschäftigen sich alle auf die ein oder andere Weise mit Spiritualität und Sinnsuche, Coelho selbst ist sehr gläubig. Nach eigenen Angaben verbrachte er die Jahre zwischen 1980 und 1985 zurückgezogen in einem Orden namens Regnus Agnus Mundi, um die christliche Symbolsprache zu studieren. Coelho glaubt fest an eine Weltenseele, die man in allen Erscheinungen der Welt erblicken könne. Überdies ist er Anhänger der Zahlenmystik und überzeugt davon, dass ihm täglich Zeichen begegnen, die er für sich deute.

Schon die Beschreibung über Coelho gibt einen Einblick in das, was man erwarten kann, wenn man sich entscheidet, ein Buch von ihm zu lesen. Ich hatte bereits Veronika beschließt zu sterben und Der Dämon und Fräulein Prym gelesen und hatte für mich entschieden, dass ich mir ganz gern mal die ein oder andere Lebensweisheit auf Coelhos Weise nahebringen lasse. Das änderte sich jetzt schlagartig. Zunächst einmal würde ich behaupten, dass das Etikett Roman auf diesem Buch völlig irreführend ist. Streng genommen ist es nicht etwa ein Roman, sondern ein biographisch-spiritueller Reisebericht. Man erwarte also keine ausgereifte und in sich abgeschlossene Geschichte, sondern schlicht und ergreifend ein Reisetagebuch, das Coelho während seiner Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn sporadisch führte und durch die ein oder andere Überlegung ergänzte.

Er fährt also, weil er glaubt, die Verbindung zur spirituellen Welt verloren zu haben, mit seiner Verlegerin, einem Dolmetscher namens Yao und einer jungen türkischen Geigerin namens Hilal mit der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Asien. Dort begegnet ihm das Aleph. Das Aleph ist ein Paralleluniversum, in dem Zeit und Raum aufeinandertreffen. Coelho ist der festen Überzeugung, schon einmal gelebt zu haben und zu Zeiten der spanischen Inquisition einen furchtbaren Fehler begangen zu haben, den er nun korrigieren muss. Hilal ist dabei ständig an seiner Seite und hat sich ohenhin auf merkwürdige Weise in die ganze Reise hineingeschmuggelt. Während einer Autogrammstunde hatte sie Coelho nahezu überfallen, in dem Glauben, nur er könne ihr helfen, zu finden, was sie im Leben suche. Er stimmt zu und so begleitet sie ihn. Zwischen den beiden entspinntsich eine sehr seltsame, fast metaphysische Beziehung.

Überhaupt ist sehr oft von Übersinnlichem die Rede. Von Ringen aus Licht, mit deren Hilfe man sich unmittelbar in die Vergangenheit versetzen könne, das Aleph als Parallelwelt, es geht um Vergebung, um Sünde, um Leben. Und ich muss ehrlich sagen: Es hat mich gequält. Dieser ganze „Roman“, wenn man ihn denn so nennen will, ist voller Selbstbespiegelung, er ist voller Predigten, die zwar als einfache Erlebnisbeschreibungen daherkommen, aber dennoch den Eindruck erwecken, man säße gerade in einem Gottesdienst, der von genau den Menschen ausgerichtet wird, die immer die Mondkalender kaufen, um ihre OPs zu planen. Ich kann nur jedem, der Esoterik im Allgemeinen so sehr abgeneigt ist wie ich, tunlichst davon abraten, dieses Buch zu lesen! Es ist, für mich, auch keine schöne Geschichte. Immer wieder lief mir beim Lesen so ein Schauer über den Rücken, weil ich einige Beschreibungen spirituellen Erlebens eher besorgniserregend fand. Wer also einen tiefsinnigen und ruhigen Roman à la Veronika beschließt zu sterben erwartet, ist hiermit vollkommen falsch beraten und sollte die Finger davon lassen. Wer sich für Spiritualität, Meditation, Rückführung und Universen außerhalb unserer Wahrnehmung interessiert, wird daran wahrscheinlich großen Gefallen finden.

Ich war einfach nur froh, als diese knapp dreihundert Seiten vorbei waren. Schade.

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