Graphic Novel
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Isabel Kreitz – Die Entdeckung der Currywurst

Isabel Kreitz ist eine deutsche Comiczeichnerin. 1997 wurde sie als beste deutsche Comiczeichnerin gekürt. Sie begann ihre Arbeit mit den Tageszeitungsstrips Ottifanten und Heiß und fettig. 2005 und 2006 war sie als Dozentin beim Comic Seminar Erlangen tätig.

Wie der Titel dem kundigen Literaten schon sagt, handelt es sich hierbei um eine graphische Umsetzung des gleichnamigen Romans von Uwe Timm.  Da ich seinen Roman bisher nicht gelesen habe, vermag ich nicht darüber zu urteilen, wie gut oder schlecht Kreitz den Roman in Comicform transferiert hat. Hier sei also lediglich die zeichnerische Qualität und der inhaltliche Eindruck widergegeben. Die Entdeckung der Currywurst von Kreitz erschien bereits 1996.

Wir befinden uns in Hamburg. Ein Mann etwas älteren Semesters besucht Frau Brücker, eine ehemalige Imbissbudenbesitzerin in einem Altersheim, um sich von ihr die Geschichte der Currywurst erzählen zu lassen. Schon früher hat er gern an Frau Brückers Bude gestanden und lässt bei einem Bummel durch die Hamburger Straßen seine Erlebnisse revue passieren.

Die alte Frau Brücker erzählt vom zweiten Weltkrieg, genauer genommen von den letzten Kriegstagen. Sie besucht eine Kinovorführung – man mag es kaum glauben, aber auch zu dieser Zeit gab es noch geöffnete Kinos – und trifft dort auf den Deserteur Bremer, den sie mit zu sich nach Hause nimmt und vor der SS versteckt hält. Bremer kann nicht glauben, dass der Krieg dem Ende zugeht und verstrickt sich in seiner Fantasiewelt, in der die einmarschierenden Engländer gemeinsam mit den Deutschen kämpfen. Es dauert seine Zeit, bis Lena Brücker ihm lautstark mitteilt, dass nicht nur Massenmord an Millionen Juden begangen wurde, sondern auch der Krieg zu Ende ist. Brücker verschwindet daraufhin und auch die leise und unspektakuläre Liebesgeschichte findet damit ihr Ende.

Nach dem Krieg muss sich Lena Brücker, die zuvor als Küchenhilfe gearbeitet hatte, eine neue Basis für ihr Überleben schaffen. Sie übernimmt eine Imbissbude und führt die Currywurst in Hamburg ein, die ihr bald zu lokaler Berühmtheit verhilft.  Als der fiktive Erzähler die alte Dame nach einigen Jahren nochmal besuchen will, ist diese bereits verstorben.

Ich glaube, ich muss hier konstatieren, dass dieses Buch Timms, mit all den historischen Hintergründen, vermutlich nicht zur graphischen Umsetzung geeignet ist. Für meine Begriffe war die ganze Geschichte viel zu sehr gekürzt, jedenfalls basierend auf dem, was ich über den Inhalt des Romans gelesen habe, man hatte keine Möglichkeit, sich emotional mit den Protagonisten auseinanderzusetzen, weil soviel Hintergrundinformation fehlte und auch die Zeichnungen fand ich mitunter eher besorgniserregend merkwürdig. Bei einigen Gesichtern das Gefühl, ich säße in einem Horrorfilm, obwohl das sehr wahrscheinlich nicht beabsichtigt war.

Dieses Comic scheint mehr wie ein kurzer Blitz, den man wahrnimmt und dann wieder vergisst. Der oben abgebildeten Ausgabe ist auch noch ein kurzes Kapitel über die historischen Gegebenheiten angefügt, was für sich schon nahelegt, dass der Comic nicht imstande ist, sie in ausreichender Weise zu vermitteln. Insgesamt würde ich also jedem nahelegen, Timms Roman zu lesen und dieses Comic nur zur Hand zu nehmen, wenn es unbedingt sein muss. Es ist zu kurz, die Protagonisten sind blass, der Zeichenstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Auch, wenn Frau Kreitz für dieses Werk sehr gelobt wurde – nicht immer lässt sich ein belletristischer Erfolg mühelos in die Kunstform des Comics überführen.

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