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Michael Ende – Momo

Michael Ende (1929-1995) war ein bekannter Kinderbuchautor. Zu seinen bekanntesten Schöpfungen gehören Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Momo und Die unendliche Geschichte (die natürlich entgegen aller Erwartungen angesichts seines Namens und des Buchtitels ein Ende findet). Endes Werke wurden in über 40 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von 28 Millionen.

Momo gehört sicherlich zu Endes bekanntesten Büchern, dennoch denke ich, dass es nicht in Vergessenheit oder unter die Räder irgendeines moralapostolischen Kanons geraten sollte, – denn gerade in Momo steckt soviel, was Teile unseres gesellschaftlichen Lebens spiegelt, dass es trotz seiner Erscheinung  1973 nichts an Aktualität verloren und nichts von seinem Zauber eingebüßt hat.

Momo ist ein kleines Mädchen und lebt, ohne Eltern, allein in den Ruinen eines alten Kolosseums. Sie macht sich nach ihrem Auftauchen sehr schnell Freunde durch ihre Fähigkeit, anderen zuzuhören, so auch ihren Freunden Beppo Straßenkehrer und Gigi Fremdenführer. Das alltägliche Leben wird aus dem Gleichgewicht gebracht, als immer mehr Erwachsene immer weniger Zeit für ihre Kinder aufbringen und immer häufiger in Streit geraten.

Am Beispiel von Herrn Fusi, dem Friseur, werden die sogenannten grauen Herren vorgestellt. Sie selbst führen sich als Mitarbeiter der Zeitsparkasse ein, die den Bürgern der Stadt das Zeitsparen schmackhaft machen wollen. Warum Zeitverschwenden mit Freundschaften, Hobbys und Interessen? Die grauen Herren rechnen Herrn Fusi dezidiert seine bereits verschwendete Lebenszeit aus und das schockiert diesen so sehr, dass er sich fortan verpflichtet, soviel Zeit wie möglich zu sparen. Kein Wellensittich mehr, keine Besuche mehr bei seiner Mutter, keine Bücher mehr.

Hier sehe ich den zentralen Aspekt des Werkes, der auch heute noch passend und bedeutsam ist. Gerade heute, wo die Lebensgeschwindigkeit deutlich zugenommen hat, wo wir immer eifriger arbeiten, um etwas zu leisten und darzustellen, spielt die Rückbesinnung auf Ruhe und Mußestunden eine wichtige Rolle. Denn wie auch die Bewohner der kleinen Stadt feststellen, haben sie durch das Zeitsparen nicht etwa mehr Zeit, sondern viel mehr Stress und Streit.

Als sich schon fast alle den grauen Herren ergeben und die Zeit der Menschen gestohlen haben, schaltet sich Meister Hora, der geheimnisvolle Verwalter der Zeit, ein und beschließt zu handeln. Er stoppt die Zeit und schickt Momo, die sich erfolgreich gegen die unheimlichen Herren wehrt, seine Schildkröte Kassiopeia, die Momo zu ihm führt und ihm hilft, „die Zeit wiederzufinden“.

Eigentlich nicht nur ein Buch für Kinder, aber auf jeden Fall eines, das man seinem Kind nicht vorenthalten sollte.

Michael Ende: Momo, Thienemann Verlag, 304 Seiten, 9783522177504, 14,99 €

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