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Mary Shelley – Frankenstein

Mary Shelley (1797-1851, geboren als Mary Godwin) war eine britische Schriftstellerin des frühes 19. Jahrhunderts. Sie schrieb neben oben genanntem Werk auch Essays, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Gedichte, Rezensionen und Reiseberichte. Mit Frankenstein ist sie in die Literaturgeschichte eingegangen. Angeblich soll die Idee zu Frankenstein von dem berühmten Dichter Lord Byron angestoßen worden sein, der bei einem Treffen am Genfer See in einer Gruppe (mit Percey Shelley & Claire Clairmont) vorschlug, jeder von ihnen solle eine eigene Schauergeschichte zum Besten geben – nachdem sie sich aufgrund des verregneten Wetters bisher nur fremde Werke vorgelesen hatten. Nachdem Mary lange nichts einfiel, inspirierte sie letztlich ein Traum zum Frankensteinmanuskript.

Shelleys Werk trägt den Untertitel „…oder der moderne Prometheus“, womit sie auf den Titan der griechischen Mythologie anspielt, der oft als Schöpfer von Tieren und Menschen bezeichnet wird. Der Roman ist deutlich als Warnung davor zu verstehen, sich über die Grenzen des Menschseins zu erheben und selbst lebendige Geschöpfe zu erschaffen. Möglicherweise reagierte Shelley hier auch auf Tendenzen der Forschung zur damaligen Zeit und den absehbaren Trend, sich – angeblich zugunsten des wissenschaftlichen Fortschritts der Menschheit – keine Grenzen mehr aufzuerlegen.

Der Roman beginnt, als ein englischer Forscher einen völlig aufgelösten Viktor Frankenstein in der Arktis aufliest, der ihm seine ganze Geschichte erzählt. Frankenstein war besessen von der Idee, aus toter Materie einen neuen Menschen zu erschaffen und so lässt er allerlei zwielichtige Gestalten für ihn arbeiten, um die Gräber kurz zuvor Verstorbener zu plündern und ihm die Leichenteile zu bringen. Sein Experiment hat zwar Erfolg, doch die Kreatur, die er erschafft, Frankensteins Monster, ist so grauenerregend und furchtbar, dass er sie verstößt.

Als der Forscher und sein Schöpfer sich wiedersehen, erzählt ihm das Monster, wie es von den Menschen verstoßen und geächtet worden ist und bittet Frankenstein darum, ihm eine Partnerin zu erschaffen. Jemanden, der genauso ist wie er, um ihn aus der Isolation zu befreien, in die ihn seine Gestalt treibt. Frankenstein stimmt zunächst zwar zu, entscheidet sich aber im Laufe der Arbeit an diesem Projekt um. Wahnsinnig vor Enttäuschung und Wut tötet Frankensteins Monster seine Freunde und seine Familie und flieht. Frankenstein folgt ihm, bis in die Arktis.

Dieses Werk ist vielleicht weniger gruselig als seine Rezeptionen, deshalb aber nicht minder lesenswert. Die Schiderungen schwanken zwischen Briefroman und Ich-Erzähler hin und her und liefern einen sehr eindrücklichen Blick in die Gefühlswelt der Protagonisten – auch die des Monsters. Wir sehen also keine abgestumpfte, hirnlose Gestalt mit zwei Schrauben im Schädel, sondern tatsächlich ein fühlendes Individuum, das genauso Schmerz erleidet wie auch die anderen. Vorallendingen den psychischen Schmerz der Ausgrenzung, die das Monster letztlich wahnsinnig werden lässt.

Ein lesenswerter Klassiker, auch heute noch.

Mary Shelley: Frankenstein, Insel Verlag, 299 Seiten, 9783458352235, 7,90 €

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